Tagebuch: Beverly_Marsh

Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3 ... 74, 75, 76
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Clean sein
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
ast
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3242

BeitragVerfasst am: 25. Aug 2022 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

pragmatisch wie immer Cool
Nach oben
Beverly_Marsh
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 12.08.2015
Beiträge: 541

BeitragVerfasst am: 1. Sep 2022 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn schon die Politik spinnt @ast dann muss doch wenigstens ich pragmatisch bleiben.

Nein, ist eben einfach so. Das Leben ist einfach Biologie, da ist kein Hintergrund dabei. Wenn da was wäre, müsste es ja auch ein übergeordnetes Wesen geben. Und daran will ich wirklich nicht glauben.
Nach oben
ast
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3242

BeitragVerfasst am: 1. Sep 2022 21:34    Titel: Antworten mit Zitat

klar ist das Leben erstmal nur eine Frage der Wahrscheinlichkeiten und der Evolution, dennoch denke ich, es gibt da noch ne Menge 'Hintergrund', den wir mit unseren beschränkten fünf Sinnen nur schwerlich (wenn überhaupt) erfassen können.
allerdings braucht es da kein übergeordetes Wesen und schon gar kein steuerndes oder kontrollierendes...'das Übergeordnete' (wie auch das Leben selbst) ist auch ein Emergenz-Phänomen: wenn das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile.

whatever, letztlich reduziert sich alles auf den Code, die DNA und der Sinn des Boten ist nun mal die Botschaft Wink
Nach oben
oxy moron
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 23.08.2014
Beiträge: 384

BeitragVerfasst am: 2. Sep 2022 10:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hey ast – wollte grade beinahe dasselbe schreiben (bis auf den letzten Satz, darüber ließe sich diskutieren) – und bin ja geradezu „beeindruckt“, Wink :

die Nichtnotwendigkeit eines „höheren“ Wesens bei der Annahme „höherer“ Existenzformen, sprich: Gegenständen, Zuständen oder Tatsachen, welche mit den üblichen fünf Sinnen nicht (direkt) zugänglich sind sowie mit den aktuellen Erklärungsmodellen der Einzelwissenschaften quasi inkompatibel (leider, denn die Biologie, die „Wissenschaft vom Leben“, ist inzwischen genauso „physikalisiert“ im Sinne von deterministisch-materialistisch, wie die meisten Zweige der Naturwissenschaften).

Und dann auch noch Emergenz – ja, Weisheit scheint wirklich direkt proportional zu Lebensalter und Abstinenz zu sein (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, lol – was beinahe einen Beweis für das nicht-deterministische Wesen des Universums darstellt…).

Auf jeden Fall liebe Grüße und ich wünsche Dir von Herzen, dass Du die da auf uns Alle zukommenden „Ungemütlichkeiten“ gut überstehen wirst!


@Bev
Ich kann verstehen, dass Du (in Anbetracht von Biographie, Alter, Studiengang/Fachrichtung etc.) pragmatisch im von Dir genannten Sinne bist – und bin gespannt, ob und wie sich Deine Sicht im Laufe von Leben, Erfahrung und des fortschreitenden Studiums / Beschäftigung mit der Wissenschaft (insb. derjenigen vom Leben) verändern wird.

Auch Dir einen lieben Gruß – und alles Gute, insbesondere als Studentin in diesen Tagen! (ich bin ja mittlerweile schon froh, aus dem Unibetrieb raus zu sein – gerade in meinem Fachbereich hätte ich irgendwann ja „offiziell“ Farbe bekennen und dann gegen Windmühlen kämpfen müssen…)



best greets an alle hier Verbliebenen (oder Hinterbliebenen Laughing ),

moron
Nach oben
ast
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3242

BeitragVerfasst am: 2. Sep 2022 20:38    Titel: Antworten mit Zitat

hi moron, lange nichts von Dir gehört/gelesen, freut mich Smile

tje, Probabilität vs Determinismus - ist das hier die Frage?

ich denke mal, das Eine schließt das Andere nicht aus, denn jedes System hat innere Freiheitsgrade...innerhalb eines determinierten Bezugsrahmens.
ein Emergenz-Effekt stellt quasi einen spontanen Wechsel des Bezugsrahmens dar und ist somit immer auch eine Art Quantensprung Wink

nun ja, schauen wir mal, wie man die persönlichen Freiheitsgrade noch so ausnutzen kann, wenn der Bezugsrahmen immer enger wird, aber ich sehe den Dingen, die da kommen mögen, eigentlich relativ gelassen entgegen.
nicht, dass sie mich nicht treffen würden - ich denke eher, der Crash wird derart umfassend sein, dass auch 'die Elite' nicht ungeschoren davon kommen wird...aber klar, wenn man irgendwie die Möglichkeit hat, sich abzusetzen von dem ganzen Programm, sollte man das schleunigst machen.

ich wünsche Dir jedenfalls auch alles Gute und halt die Ohren steif,
liebe Grüße,
ast
Nach oben
Beverly_Marsh
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 12.08.2015
Beiträge: 541

BeitragVerfasst am: 2. Sep 2022 21:51    Titel: Antworten mit Zitat

Ohja hallo oxy moron.

Ja klar, mal sehen wie es weiter geht. Man muss ja sagen, die andere Katastrophe mit der Energie läuft ja auch noch daneben. Aber ich bin sicher, Karlchen schafft es, dass am Ende doch alle wieder nur über Corona jammern.

Was ich ganz vergessen habe, zu schreiben. Meine Klausuren waren auch im zweiten Semester eher gelungen. Zweimal 1,0 , einmal 1,3 und einmal 1,7 .

Das freut mich immer doppelt, denn zum Uni-Betrieb gehöre ich auch absolut nicht und falle sehr auf. Und ich weiss jetzt schon wie erschüttert manche sind, dass diese Asoziale, die so gar nicht wie eine Studentin aussieht, solche Noten hat. Noch dazu als Kampfsportlerin Cool .

Nunja, demnächst, vielleicht schon nächste Woche wieder mehr.
Nach oben
Beverly_Marsh
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 12.08.2015
Beiträge: 541

BeitragVerfasst am: 8. Sep 2022 20:50    Titel: Antworten mit Zitat

Nun sind sie durch, die Regeln für den 01.10. . Keine Überraschung mehr, aber trotzdem nur noch ein Kopfschütteln. Das einzige Land Europas, das weiter im Panikmodus unterwegs ist, wobei Panik an anderer Stelle - Stichwort Strom - sicher eher angebracht wäre.

ich habe so den Eindruck, die Leute, die uns gerade regieren, würde man nicht mal mit gutem Gefühl als Klassensprecher einer Grundschulklasse wählen. Geballte Unfähigkeit, wohin man schaut.

Und das wird wie bei Corona auch zu lasten meiner Generation gehen. Ich bin mal gespannt wie viele Unis in den Energie-Lockdown gehen, wnen das böse Virus nichts mehr her gibt.

Naja, schlechte Stimmung heute,aber wird auch wieder anders. Ich wünsche allen eine gute Zeit und schreibe vielleicht Ende nächster Woche wieder mehr. Ich stehe morgen und übermorgen gleich zweimal an der Tür. Anstrengend, bringt aber einmal mehr gutes Geld Cool .
Nach oben
ast
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3242

BeitragVerfasst am: 9. Sep 2022 00:11    Titel: Antworten mit Zitat

es geht nach wie vor lediglich um die absolute Kontrolle...diese schafft man durch künstlich erzeugte Abhängigkeiten, z.B. mittels Angst (Corona) oder Verknappung (Krieg).

zugegeben, es gibt ne Menge Idioten unter den Politikern, die wirklich nicht wissen, was sie tun, aber noch viel tragischer ist es, dass es auch ne Handvoll unter ihnen gibt, die ganz genau wissen, was sie tun.
und das sind diese Menschen, deren Verpflichtung einer übergeordneten Agenda gilt, in deren Namen sie keine Sekunde zögern, das eigene Land bzw. einen Großteil der Bevölkerung zu opfern...Hauptsache, dem Großen und Ganzen ist gedient Twisted Evil
Nach oben
Beverly_Marsh
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 12.08.2015
Beiträge: 541

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2022 20:48    Titel: Antworten mit Zitat

@ast Gegen Verschwörungen bei Politikern spricht eben, dass sie dafür schlicht zu blöd sind. Schau dir die Riege an - die leben weit abgehoben in ihrer Blase zusammen mit den Hauptstatd-Journalisten und jeder versichert dem anderen wie wichtig er ist. In Wahrheit ist es eine Täuschung wie bei des Kaisers neue Kleider. Es weiß jeder von außen, es sagt nur keiner.



Meine Heroinsucht hat mir ja einiges eingebracht. Eine mehr als spezielle Jugend nach einer mehr als speziellen Kindheit. Einerseits eine innere Stärke, die auch nach außen wirkt. Ich gelte ja tatsächlich vor allem Im Gym und an der Tür als „unglaublich tough“. Körperlich mag das stimmen, selbst mental, aber da nur in gewissen Bereichen. Und an der Uni bin ich ungefähr sowas wie ein Alien. Eine, die nun wirklich weder optisch noch sonst dazu gehört, absolut nicht wie eine Studentin spricht oder auftritt. Aber eben eine, die gleichzeitig sehr gute Noten hat, was natürlich nicht sein kann oder dürfte ^^.
Es mag blöd klingen, weil an der Sucht natürlich rein gar nichts gut war oder ist – aber ohne diese Erfahrungen wäre ich heute sicher an keiner Uni und eventuell auch nicht Kampfsportlerin. Wäre ich damals in meinem Heimatort geblieben in Thüringen, hätte ich maximal die Hauptschule beendet. Wenn überhaupt. Und wäre heute vermutlich das Abziehbild meiner eigenen Erzeugerin, nur eben ohne Kinder. Eine schreckliche Vorstellung.

Nun kann man natürlich sagen, dass normale Menschen so etwas auch ohne meine Umwege erreichen. Das mag stimmen, aber mit meinen Startchancen, die ich hatte, dann doch eher nicht.

Auf der anderen Seite bin ich durchaus verletzbar. Sogar ganz extrem aufgrund meiner fetten PTBS. Die Kunst ist sozusagen eher, diese Schwächen niemanden zum zeigen, nur allgemein von ihr zu sprechen. Da ich sowieso nicht viel rede, fällt mir das leicht. Aber es hat schon seine komischen Seiten, wenn ich mir teilweise, wenn ich einen Kurs leite, von Teenagern anhören kann, „ich wäre gerne so wie du“ . Und ich lächle dann, obwohl ich noch nie gut gelächelt habe und hoffe, die Reaktion ist unverbindlich genug. Und innerlich denke ich nur, nein, so willst du sicher nicht sein, das wäre auch nicht gut, wenn zu viel da draußen rum laufen würden, die so ticken wie ich.

Ich würde viel dafür geben, nur eine einzige Nacht mal schlafen zu können wie andere Menschen. Mit normalen Träumen, einem normalen Unterbewusstsein wie andere Menschen es haben. Schlaf einfach als Erholung und nicht als heftigste Prüfung in den 24 Stunden eines Tages.
Auch die Fähigkeit, zu vertrauen, muss angenehm sein, auch wenn man da sehr oft auf die Nase fallen kann. Oder ohne eine extreme Wachsamkeit zu leben. Ich weiß gar nicht wie das ist, kann es nicht wissen. Aber mein Verstand sagt mir, dass es durchaus angenehm sein müsste.

Aber undankbar sollte man eben auch nicht sein – es ist eben so eine Art Fluch im Leben, dass ein jeder sich genau das wünscht, was er eben nicht hat oder haben kann.
Cool
Nach oben
dakini
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 3318

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2022 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Bev,

es gibt zahlreiche Familien, in jenen die ungeheurlichsten Dinge geschehen, Missbrauch über Jahre, Gewalt, ect. Meine tote Freundin hatte ausschließlich solche Klienten, auch ganze Familien in Therapie. Sie hatte mir vieles davon erzählt, musste es los werden, neben Supervisionen - in ihrer eigenen Hölle gefangen (als Kind jahrelang vom Opa missbraucht, eine Mutter, die froh war, dass es sie selbst nicht traf - sie opferte ihr Kind, um selbst Ruhe zu haben, nach ihren eigenen Aussagen später). Daneben ging ich mit 50 Menschen ca je 1 Jahr knapp durch die Gruppen - auch da, Leid nicht selten, das bei weitem übersteigt, was man sich "mal eben so" vorzustellen wagt.

Ich selbst, habe ein paar Löcher an Erinnerung, vermutlich nur gnädig - der Rest war geschaffen, mich im Dauerkonflikt gefangen zu halten. Welches Kind bekommt da keinen Knall? (Umgebungsbed. recht unauffällig allerdings) Ich kämpfe bis heute gegen Gefühle, die ich nicht haben möchte - und davon gibt es etliche Menschen in ähnlicher Situation, aus unterschiedl. Gründen. Welche Ausprägung auch immer, Leid wenigstens phasenweise ständiger Begleiter vieler, gespickt mit bei mir mit sehr guten Zeiten - ich die Baumeisterin, erwachsen bereits. Aber vieles von dem was ich tat, begründete sich auf nicht gesunden Ausgangsbedingungen, milde ausgedrückt.

Es vergeht niemals, was das Kind auszuhalten hatte. Aber es kann verblassen. Ich hab so viele Psychstd. hinter mir, dass ich daraus ne Therapie stricken könnte. (emotional untermaltes vergesse ich eher selten). Spät entwickelte ich Interessen beruflicher Art. Das ist Scheiße, liebe Bev. Oder Glück, dass es überhaupt so weit kam.

In der Anfangszeit bei Dir, weg von der Strasse, ging es immer darum, überhaupt am Ball zu bleiben/clean, nun eingewöhnt mit weiteren neuen Erfahrungen, ein stady state. Und da sind die gefühlten, wie ganz reellen Unterschiede, die sich Haus hoch auftürmen, Dein Innenleben, das sich vom außen trennt. Ich bin in Traumatologie noch nicht bewandert, da ich die Fortbildung nicht belegte bislang. Doch es braucht ja auch keine Ausbildung zu sehen, dass sich Gräben auftaten, die zu breiteren werden.

Unterscheidung zu Kommilitonen, ein zentrales Thema, als würden die "wohl behüteten" Dich erinnern, dass Du niemals von Eltern Schutz erfahren durftest. Der wichtigste Mensch hat Dich im Stich gelassen, Dich nicht geschützt, verrraten... Die Zeit heilt immer alle Wunden? Unsinn. Auch können sie u.U. wieder aufbrechen. Der Weg zur Heilung noch recht jung und entsprechend nah das Leid der Vergangenheit. Therapie leistet viel, doch manches sortiert und legt sich ab mit der Zeit erst -> Eigene Lebenserfahrungen können so manches überschreiben, doch in "Wohlgefallen" löst sich nichts auf nach meinen Erfahrungen ohne Zutun. Allerdings - ich finde durchaus, dass darauf mal mehr der Fokus liegen dürfte. Therapeutische Intervention ist vorhanden, wie Du schreibst? (Traumatherapeutin)

Was es für Dich bedeutet, zur Ruhe zu kommen, gen Schlaf...das Gehirn nicht mehr im Aktionsmodus (TPN), der vieles ausblendet, sondern im Modus "des Fühlens", Gedanken wandern lassen (DMN),...Ende der Vorstellung der fkt Bev.

Dein "Schutzprogramm" wird voraussichtlich auf Dauer nicht fkt. Es darf ersetzt werden. Vertrauen können ist die Basis, um Zugang zu anderen Menschen zu bekommen, doch in erster Linie ist es der nächste Schritt, der therapeutisch zu verfolgen ist. Nur "sich von der Selee reden", ein paar Skills anwenden, reicht einfach nicht.

Wir fragen uns schon eine Weile, was Deine Therapeutin verfolgt - ich denke, Du bist halt ne harte Nuss. Stabilisation ist erst mal gelungen, funktionierend nach außen - nun geht es doch eher darum, Deine Mauern im Blick zu haben, die sich dabei weiter verstärken. Eine Auflösung der dauernden Anspannung. Hohe Leistung ist kein Schutzfaktor! Mal abgesehen vom PTBS Hintergrund, kann ich Dir versichern, aus eigener Erfahrung, dass genau das dafür sorgen kann, dass man ganz wichtige Veränderungen bz der Seele nur erreicht, indem man sich verbindet - sich identifizieren kann mit seinem Umfeld im weiteren. DAS ist Stärke! Die Kraft, die Du noch gar nicht kennst, die frei wird unter nahem menschlichen Miteinander ist niemals ersetzbar - durch nichts. und geht weit darüber hinaus. - der springende Punkt: diese Lebensenergie, ein absolutes Heilmittel, versagst Du Dir. Und sägst daran, es dabei zu belassen.

Nun hast Du ein Leben und Du verdienst es, es auch liebend ausfüllen zu können. Du kannst es, Bev - es ist "nur" unbekannt. Deine Epigenetische Ausstattung ist dafür da, sich zu verändern im Lebensverlauf, die Kerben der Vergangenheit mit gegenwärtigem zu mildern - mit der Zeit überschreibt sich solches tatsächlich,als ein Mechanismus. Jener ist davon abh., was Du denkst u fühlst, tust, isst, usw. ALLES im Leben findet sich auch dort verortet, wie aus der Vergangenheit. Der Schlüssel ist immer : Veränderungen zu zu lassen, mit Schutzmauer behinderst Du Dich also selbst,diesen natur gegebenen Hilfmechanismus, der u.a. dem Überleben dient, so zu nutzen, dass er Dir dient und Dich nicht im Gegenteil einschränkt. Dazu sei vermerkt, dies ist ein längerer Prozess. Neue Neuronale Netzwerke entstehen, etc. Wir haben die Macht, solche Mechanismen zu nutzen - mit heutigem Wissen, ist solches als zentral anzusehen.

Bin heute nicht auf Zack, aber ich hoffe, meine Zeilen kommen verständlich rüber. Unterm Strich: es wartet doch noch Arbeit auf Dich. Nichts ist in Stein gemeißelt, wovon Du jedoch ausgehst! Denn Du kannst sehr wohl erfahren, "wie es ist", was Du derzeit als unmöglich betrachtest! Alles Liebe für Dich! Wink

P.S. Ich denke, wir können festhalten, dass Du sehr wohl offen wärst. Dazu sei jedoch vermerkt, dass dies häufig (nur) mit Menschen gelingt, bei jenen ähnliches erkannt wird, um "wirkliche Intimität" empfinden zu können. (hat mit Sex wenig zu tun) ...wo kann man so viele Menschen kennen lernen, wie in einer Uni? Schätze darf man ausgraben. Ich empfand null Identifikation - als ich von Anpassung schrieb, ging es na klar um Äußerlichkeiten. Im Innen unmöglich, das kannst Du Dir doch denken mit meiner Vorgeschichte. Doch ich bin eine Meisterin im Bergen! - dafür habe ich ein Radar, weil es meinem Überleben diente. Und tatsächlich sind die Schätze heute noch in meinem Leben.
Nach oben
Beverly_Marsh
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 12.08.2015
Beiträge: 541

BeitragVerfasst am: 22. Sep 2022 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Oh, dakini...da muss ich ja mal ausführlich antworten Wink .

Also zunächst mal denke ich nicht, dass meine PTBS von der Gewalt aus der Kindheit kommt. Ja, ich wurde vom ersten Tag von der Erzeugerin abgelehnt, ja ich bin mit dem „du hast mein Leben versaut“ aufgewachsen und ja, es gab viel körperliche Gewalt. Es mag allerdings blöd klingen, aber das hat meine Seele nicht sonderlich erreicht. Zum Einen war das dort in der Siedlung in der ich gewohnt habe, damals in Thüringen gar nicht so selten. Da wurden viele Kinder verdroschen in den Familien, oft von einem besoffenen Vater oder Stiefvater, und bei mir wars ja nur die Erzeugerin, die so extreme Kraft nicht aufbringen konnte. Da ging es manchen schlimmer. Und zweitens habe ich all das, was ich daheim ab bekommen habe, spätestens mit Beginn der Schule einfach an meine Umwelt, sprich andere Kinder weiter gegeben. Ich war in meiner Altersklasse das totale Asi-Kind, die meisten hatten Schiss vor mir, weil ich keinerlei Grenzen gekannt habe. Ich bin von vier Grundschulen geflogen und nach der sechsten Klasse hat sich jede Hauptschule in Thüringen geweigert, mich noch aufzunehmen. Eine Förderschule hätte ich dann besuchen müssen, wenn ich nicht abgehauen wäre.

Man kann also meiner Erzeugerin sicher viel vorwerfen, aber gewiss hat sie mich nicht direkt traumatisiert. Daher sehe ich die Leute an der Uni auch nicht von der Weise aus, dass ich sie um ihre Kindheit beneide. Es ist eher so, dass ich sie nicht verstehe, dass ich sie für grundhysterisch halte. Da rennen kleine Netz-Feministinnen rum, die mir was von 100 Geschlechtern erzählen, die aber im Prinzip komplett lebensunfähig sind. Und alles ist ein permanentes Drama, ein Gejammer, mimimi, Lernen, mimimi Klausuren...mimimi Stress. Damit kann ich nichts anfangen. Oder die Greta-Deppen. Grauenvoll. Wenn ich die Leute sehe, kann ich Charles Bukowski und seine Abscheu vor Menschen SO gut verstehen ^^.

Ich habe zwei große Katastrophen in meinem Leben. Zum Einen den Tod meiner kleinen Schwester, den ich durch Unachtsamkeit verschuldet habe. Ich war acht, sie fünf und ich habe gnadenlos versagt, nicht aufgepasst. Und da können sie mir alle heute sagen, du warst selbst Kind, du hattest keine Schuld, die Erzeugerin hatte Schuld. Mag logisch alles richtig sein, aber die Tatsache bleibt, wäre sie an meiner Hand gelaufen, wie es abgemacht war, würde sie noch leben.
Und das Zweite dann eben später die Zeit, als ich auf den Zuhälter herein gefallen bin. Allerdings ist das Erste schlimmer, weil da eine andere Person ums Leben kam. Beim zweiten ging es nur um mich, und da war ich ja auch dumm und selbst schuld. Aber das ist mein Fluch, mein Trauma, nicht die Gewalt, in der Kindheit, die ich ja so reichlich weiter gegeben habe.

Auf meine Thera lassen wir mal nichts kommen. Die Frau ist top, wo wär ich ohne sie? Die ist genau für Fälle mit Vollschaden wie mich gemacht, mit der kann man auf Augenhöhe reden und wenn du sie sehen würdest, würdest du sie eher für ne Domina halten als für eine mit zwei Doktor-Titeln ^^.

Ich nehme mal ein Bild: Wenn du ein Haus baust, kannst du ganz teure Materialien kaufen. Alles vom Feinsten. Du kannst auch die besten Baufirmen nehmen, wenn Kohle keine Rolle spielt. Wenn aber der Untergrund, auf dem das Haus gebaut werden soll, nicht ausgeglichen ist, nicht top ist, kannst du bauen, aber ein Wolkenkratzer wird es nie werden. Und genau so ist es auch bei mir. Stabilisieren IST top, IST das, was wichtig ist, was möglich ist. Das, was du mir wünschst, das ist nett und verständlich, aber das gehört in den Bereich von Menschen, deren Untergrund eben ist. Du beschreibst viele Dinge wie Gefühle und Freundschaft positiv und das mögen sie sein. Für viele. Für mich sind sie Gefahr. Entscheidend ist ja auch der Leidensdruck und ich leide in dem Bereich nicht. Ich fühle mich nicht einsam. Ich fühle im zwischenmenschlichen Bereich generell wenig. Früher mal Wut, aber die ist besser geworden. Aber mich rein steigern, uh, sie liebt, sie liebt mich nicht, sie mag mich, sie mag mich nicht, nein, das bin nicht ich.

Man sollte das doch gerade als großen Fortschritt sehen: Wer erlebt hat, was ich erlebt hat, hat oft Angst vor Menschen, vor Berührungen. Das habe ich absolut nicht. Ich kann kämpfen. Ich liebe Sex. Ja, und das ist doch eine Sensation, wenn man bedenkt, was ich da schon erlebt habe. Heute entscheide ich, wen ich vögle. Und wann. Und ob Mann oder Frau, wobei ich eindeutig Frauen bevorzuge. Es ist einfach geil, abends mal weg zu gehen und eine aufzureissen. Geil, weil ich die Wahl habe, weil ich entscheide, weil ich die Kontrolle habe. Weil es ehrlich ist, weil es keine falschen Versprechungen gibt, weil ich einfach sagen kann, du gefällst mir, gibt es ne Möglichkeit, dass wir uns einen coolen Abend bzw Nacht machen.

Und damit habe ich Teil Zwei meines Lebens ja besiegt. Ich entscheide. Würde ich mich nun total in eine verlieben, würde ich die Kontrolle ja wieder abgeben. Ich würde wieder bedürftig werden wie früher, als ich nicht selbst entscheiden konnte.

Kontrolle ist das Zauberwort. Ich will den Riemen in der Hand haben. Nur ich. Und genau deswegen hat mich die Corona-Zeit an den Rand eines H-Rückfalls gebracht wie nichts zuvor. Weil ich plötzlich wieder voll drin war im Trauma, weil ein seniler alter Depp als MP in meinem Bundesland plötzlich entschieden hat, wen ich wann treffen darf, mir Ausgangssperren verhängt hat. Nie hätte ich gedacht, dass ein Staat so weit gehen würde und seit 2020 weiß ich ganz sicher, wenn ich mein Studium durch habe und mal richtig Kohle verdiene, dann niemals in Deutschland, dieses Pack bekommt von mir so wenig Steuern wie möglich. Ich bin komplett durch mit diesem Land, ich bin nur noch hier, weil ich noch nicht weg kann.

Was du beschreibst, wäre zweifelsohne der nächste perfekte Schritt. Sozusagen der Beweis, dass das Trauma besiegt ist. Und ja, ich schließe natürlich nichts aus. Aber in nächster Zeit ist das nicht auf der Agenda und da ich ja nicht darunter leide, gewisse Gefühle nicht zu haben, wärs auch übertrieben, sich deswegen Gedanken zu machen. Wenn ich mal anfange, zu sagen...oh ich will Liebe und tiefe Freundschaft und Abhängigkeit, dann wird es Zeit, das zu versuchen, So lange ich aber nicht leide, drängt sich das nicht auf.
Auch hier ein guter Vergleich: Wenn eine nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und die Prognose schlecht ist, und sie doch eines Tages wieder laufen kann, dann kannst du ja auch nicht sagen: Gut sie läuft, aber das Ziel muss ein Marathon sein. Das wäre nicht realistisch.

Wie gesagt, ich schließe nichts aus, ich begreife gut, was du schreibst. Nur halte ich es derzeit für mich nicht wirklich realistisch.
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Clean sein Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3 ... 74, 75, 76
Seite 76 von 76
Gehe zu:  
Impressum & Rechtliches
ForenübersichtIndex   SucheSuche   FAQFAQ   LoginLogin