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Nooria 24
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Anmeldungsdatum: 12.03.2016
Beiträge: 698

BeitragVerfasst am: 1. Jun 2022 00:25    Titel: Antworten mit Zitat

Das Märchen von der traurigen Traurigkeit

Es war eine kleine Frau, die den staubigen Feldweg entlang kam. Sie war wohl schon recht alt, doch ihr Gang war leicht, und ihr Lächeln hatte den frischen Glanz eines unbekümmerten Mädchens.

Bei einer zusammengekauerten Gestalt blieb sie stehen und sah hinunter. Sie konnte nicht viel erkennen. Das Wesen, das da im Staub auf dem Wege saß, schien fast körperlos. Sie erinnerte an eine graue Flanelldecke mit menschlichen Konturen.

Die kleine Frau bückte sich ein wenig und fragte: „Wer bist du?“
Zwei fast leblose Augen blickten müde auf. „Ich? Ich bin die Traurigkeit“, flüsterte die Stimme stockend und leise, dass sie kaum zu hören war.
„Ach, die Traurigkeit!“ rief die kleine Frau erfreut aus, als würde sie eine alte Bekannte grüßen.

„Du kennst mich?“ fragte die Traurigkeit misstrauisch.
„Natürlich kenne ich dich! Immer wieder hast du mich ein Stück des Weges begleitet.“
„Ja, aber…“, argwöhnte die Traurigkeit, „warum flüchtest du dann nicht vor mir? Hast du denn keine Angst?“
„Warum sollte ich vor dir davonlaufen, meine Liebe? Du weißt doch selbst nur zu gut, daß du jeden Flüchtling einholst. Aber, was ich dich fragen will: Warum siehst du so mutlos aus?“
„Ich… bin traurig“, antwortete die graue Gestalt mit brüchiger Stimme.

Die kleine alte Frau setzte sich zu ihr. „Traurig bist du also“, sagte sie und nickte verständnisvoll mit dem Kopf. „Erzähl mir doch, was dich so bedrückt.“
Die Traurigkeit seufzte tief. Sollte ihr diesmal wirklich jemand zuhören wollen? Wie oft hatte sie sich das schon gewünscht.

„Ach, weißt du“, begann sie zögernd und äußerst verwundert, „es ist so, dass mich einfach niemand mag. Es ist nun mal meine Bestimmung, unter die Menschen zu gehen und für eine gewisse Zeit bei ihnen zu verweilen. Aber wenn ich zu ihnen komme, schrecken sie zurück. Sie fürchten sich vor mir und meiden mich wie die Pest.“

Die Traurigkeit schluckte schwer. „Sie haben Sätze erfunden, mit denen sie mich bannen wollen. Sie sagen: Papperlapapp, das Leben ist heiter. Und ihr falsches Lachen führt zu Magenkrämpfen und Atemnot. Sie sagen: Gelobt sei, was hart macht. Und dann bekommen sie Herzschmerzen. Sie sagen: Man muß sich nur zusammenreißen. Und spüren das Reißen in den Schultern und im Rücken. Sie sagen: Nur Schwächlinge weinen. Und die aufgestauten Tränen sprengen fast ihre Köpfe. Oder aber sie betäuben sich mit Alkohol und Drogen, damit sie mich nicht fühlen müssen.“

„Oh ja“, bestätigte die alte Frau, „solche Menschen sind mir schon oft begegnet.“
Die Traurigkeit sank noch ein wenig mehr in sich zusammen. „Und dabei will ich den Menschen doch nur helfen. Wenn ich ganz nah bei ihnen bin, können sie sich selbst begegnen. Ich helfe ihnen, ein Nest zu bauen, um ihre Wunden zu pflegen. Wer traurig ist, hat eine besonders dünne Haut. Manches Leid bricht wieder auf, wie eine schlecht verheilte Wunde, und das tut sehr weh. Aber nur, wer die Trauer zulässt und all die ungeweinten Tränen weint, kann seine Wunden wirklich heilen. Doch die Menschen wollen gar nicht, dass ich ihnen dabei helfe. Statt dessen schminken sie sich ein grelles Lachen über ihre Narben. Oder sie legen sich einen dicken Panzer aus Bitterkeit zu.“

Die Traurigkeit schwieg. Ihr Weinen war erst schwach, dann stärker und schließlich ganz verzweifelt.

Die kleine, alte Frau nahm die zusammengesunkene Gestalt tröstend in ihre Arme. Wie weich und sanft sie sich anfühlte, dachte sie und streichelte zärtlich das zitternde Bündel. „Weine nur, Traurigkeit“, flüsterte sie liebevoll, „ruh‘ dich aus, damit du wieder Kraft sammeln kannst. Du sollst von nun an nicht mehr alleine wandern. Ich werde dich begleiten, damit die Mutlosigkeit nicht noch mehr an Macht gewinnt.“

Die Traurigkeit hörte auf zu weinen. Sie richtete sich auf und betrachtete erstaunt ihre neue Gefährtin: „Aber … aber – wer bist eigentlich du?“
„Ich?“ sagte die kleine, alte Frau schmunzelnd, und dann lächelte sie wieder so unbekümmert wie ein kleines Mädchen. „Ich bin die Hoffnung.“

-Inge Wuthe

Eine Woche voller Hoffnung wünscht
Nooria
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ast
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Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3223

BeitragVerfasst am: 1. Jun 2022 07:36    Titel: Antworten mit Zitat

no mercy
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Nehell
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Anmeldungsdatum: 14.06.2013
Beiträge: 746

BeitragVerfasst am: 1. Jun 2022 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

" Der politischen Korrektheit geht es nicht darum, eine abweichende Meinung als
falsch zu erweisen, sondern den abweichend Meinenden als unmoralisch zu
verurteilen. Man kritisiert abweichende Meinungen nicht mehr, sondern hasst
sie einfach. Wer widerspricht, wird nicht widerlegt, sondern zum Schweigen
gebracht."

Norbert Bolz
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ast
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Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3223

BeitragVerfasst am: 2. Jun 2022 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

the idiots are winning Rolling Eyes
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Nehell
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Anmeldungsdatum: 14.06.2013
Beiträge: 746

BeitragVerfasst am: 30. Jun 2022 18:15    Titel: Antworten mit Zitat

mikel015 hat Folgendes geschrieben:
Eigentlich geht es doch nur darum die schönen Momente zu genießen,die schlechten zu überstehen.
Und dazwischen nicht zu verblöden... Wink


Dagegen ist ja auch nicht das geringste zu sagen. Heutzutage ist es aber
so, das die meisten Menschen einem permanenten Zustand des Glücks
der aber nur in ihrer Einbildung existiert, hinterher jagen.
Gerade Drogenabhängige und Süchtige.


LG

Nehell
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ast
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Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3223

BeitragVerfasst am: 12. Jul 2022 14:50    Titel: Antworten mit Zitat

lieber ein Ort im Grünen, als ein Grüner im Ort Razz
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ast
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Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3223

BeitragVerfasst am: 15. Jul 2022 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

"Die Grünen haben Geschlechter besser diversifiziert als die Energieversorgung." Idea
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ast
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Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 3223

BeitragVerfasst am: 24. Jul 2022 10:34    Titel: Antworten mit Zitat

über der ganzen Welt lacht die Sonne, über Deutschland lacht die Welt Rolling Eyes
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Dr.Mabuse
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Anmeldungsdatum: 19.02.2015
Beiträge: 4063

BeitragVerfasst am: 30. Jul 2022 16:11    Titel: Antworten mit Zitat

"Die Deutschen werden sich auf eine neue Definition von Wohlstand einstellen müssen"

Göring-eckhart
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Nehell
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Anmeldungsdatum: 14.06.2013
Beiträge: 746

BeitragVerfasst am: 1. Aug 2022 02:48    Titel: Antworten mit Zitat

Einzig die Hilfe, die vom Bedürfnis nach weiterer Hilfe befreit, ist es wert
geleistet zu werden. Hilfe, die wiederholt werden muss, ist keine Hilfe.
Rede nicht davon, einem anderen helfen zu wollen, bevor du ihn nicht
jenseits aller Bedürfnisse nach Hilfe bringen kannst.

Nisargadatta
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