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epitaph Anfänger
Anmeldungsdatum: 07.03.2011 Beiträge: 10
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Verfasst am: 7. März 2011 21:36 Titel: |
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das zu lesen gibt mir schon mut.. ich versteh was du meinst.. das Problem ist, dass ich eigentlich echt mit dem Verstand das nachvollzieh, dass es nur wieder schlimmer wird und dass es überhaupt kein weg ist sondern ein loch und ich mir mein ganzes leben damit kaputt mach.
aber ich finde irgendwie in so bestimmten momenten keinen besseren weg.
wie hast du das denn geschafft und wie schaffst du es jetzt? hoffentlich frag ich nicht zu dumm ich bin einfach ziemlich ratlos gerade. also ich hab nach außen hin versucht so eine art sinn und struktur zu finden, also schule halt wieder und therapie, sport und sowas. aber ich fühl mich innen richtig leer. und hab jetzt auch wieder rückfall gehabt deswegen hab ich gerade angst. |
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olliex Bronze-User


Anmeldungsdatum: 22.11.2010 Beiträge: 36
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Verfasst am: 8. März 2011 09:34 Titel: |
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Hallo...ganz einfach gesagt, weil das Fleisch schwach ist und das Gehirn sich alles schön reden kann,...muss einfach der Leidensdruck groß genug sein.
Du wirst mit Drogen niemals dein Leben organisieren können. Egal ob du viel Geld hast oder nicht. Das Leben berührt dich nicht mehr (das willst du ja auch eigentlich nicht)...
Aber deswegen wirst du mit Drogen alles nach und nach verlieren. Freunde, Geld, Familie, Vertrauen, Gesundheit, Sex...du kannst nach Außen dir große Mühe geben das zu überschminken...das kann auch lange funktionieren...ich habe 21 Jahre gebraucht...aber dann tuts echt weh. Dann kommen richtige Depressionen.
Dann ist es natürlich auch etwas einfacher zu entscheiden, an seinem Leben etwas zu ändern.
Meistens ist es aber dann schon viel komplizierter geworden, aus deinem gewohnten Drogenleben auszutreten. Deine sozialen Kontakte, deine gewohnte Umgebung...alles ist auf Drogen und Therapie und Ärzte abgestimmt...sogar an Knast kannst du dich gewöhnen. Im Knast triffst du immer alte Bekannte und bekommst viel Aufmerksamkeit. Ganz zu Schweigen von evtl. Krankheiten, die du dir bis dahin schon eingefangen hast. Es kann immer noch ein Stück weiter bergab gehen...Glaub mir das Gehirn macht sich alles rund, um deine Süchte zu rechtfertigen.
Du musst durchhalten, aushalten, schaffe dir Hobbys, einfach machen, nicht drüber nachdenken, das erste Gefühl und der erste Gedanke in deinem Kopf zählen.
Ich habe angefangen zu Reiten. Ich habe mir über die Jahre ganz andere Freunde gesucht. Menschen, die klare Ansagen machen, auf die ich mich verlassen kann. Familien Menschen, die ihr Leben organisiere.
Und dann bekommst du auch das Selbstbewusstsein, alles zu schaffen was du dir vornimmst. Dann ist das Leben echt wieder gut zu Dir.
Ich habe auch Angst wieder da hin zu kommen wo ich mal war...echt Angst.
Ich bezahle meine Rechnungen, mache keine Schulden mehr. Alles aus Angst, das sich wieder Probleme anhäufen die mich dann überfordern und ich dann Depressionen bekomme. Verstehst du? Ich halte mir fast alle schlechten Einflüsse vom Hals.
Cross Fingers
Take care
Olli |
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Tamal_Freundin Silber-User

Anmeldungsdatum: 21.10.2010 Beiträge: 269
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Verfasst am: 8. März 2011 10:41 Titel: |
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Ich möchte jetzt auch noch meine Senf dazugeben.
Ich war zwar nie süchtig und daher mache ich diese Aussage jetzt sehr vorsichtig. (Mein Ex-Freund war der Suchterkrankte, weshalb ich mit diesem Thema in Berührung gekommen bin.) So was ich von Suchterkrankungen mitbekommen habe betäubt das Mittel die Realität, was viele mit in Watte gepackt umschreiben. Nun ist die Realität da mir all ihren schönen und schlechten Seiten, wenn man clean ist. Ich habe in vielen Gesprächen mit meinem Ex auch herausgehört, dass da manchmal eine sehr hohe Erwartungshaltung da ist, die nur zu Mißerfolgsfahrungen führen kann. Nein, es regelt sich eben nicht alles wieder von allein, wenn man nur entzogen hat und nein, es dauer schon seine ein bis drei Jahre bis man wieder Routinen aufgebaut hat, man sich mit sich selbst auseinander gesetzt hat und stabil ist. Klar kann es sehr demotivierend sein zu wissen, erst einen anstrengenden Entzug zu machen und dann kommen weitere Jahre harte Arbeit auf denjenigen zu. Aber mal anders herum argumentiert, ist es besser durch drei Jahre harte Auseinandersetzung mit sich selbst zu gehen und dann für zig Jahre ein zufriedenes (muss ja nicht gleich ein superglückliches sein) Leben zu führen.
Desweiteren kann ich es nur bestätigen, dass auch Nicht-Suchterkrankte Menschen viele Ängst und Sorgen haben. Das ist eben wieder die Sache der wahnsinnig hohen Erwartungshaltung... Ich habe manchmal den Eindruck, dass psychische Erkrankungen wie eine Art Lösungsstrategie für Probleme funktionieren. Denn sich in ein Suchtstoff zu flüchten ist ja auch eine Art Lösung, die eben leider nur sehr kurzfristig funktioniert und schlussendlich viele weitere Probleme schafft. Daher vermute ich, dass die Gefahr wieder rückfällig zu werden 1. davon abhängt wie tief und konstant neue Problemlösungsverhalten schon integriert sind und 2. ob man das Glück hat auf Ärzte zu treffen, die bei OP`s nicht zufällig Opiate geben bei beispielsweise vorheriger Heroinsucht oder wie auch immer.
Ich denke jeder Mensch hat Zukunftsängste und ich versuche nach dem Motto zu leben, dass ich schon verloren hab, wenn ich es nicht probiert habe. Niemand kann mir Sicherheiten geben - weder auf Beziehungen, noch auf meine Gesundheit, noch auf Unfälle. Es kann jederzeit was passieren, was das leben total auf den Kopf stellt. Ich denke daher kann man nur versuchen jede Minute, jeden Tag versuchen so gut es geht zu verbringen und sich auch erlauben mal wütend zu sein - kurz gesagt einfach sein Leben so bewußt wie möglich zu LEBEN. |
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olliex Bronze-User


Anmeldungsdatum: 22.11.2010 Beiträge: 36
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Verfasst am: 8. März 2011 10:57 Titel: |
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...stimme ich voll zu.
Diese hohe Erwartungshaltung...und selbst die schafft das Gehirn, damit man sich nicht verändern muss. Ist ja alles so ungerecht und die Anderen sind Schuld...
Liebe Grüße aus Berlin
..muss jetzt los...Geld verdienen !
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Calendula Gold-User

Anmeldungsdatum: 08.01.2011 Beiträge: 465
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Verfasst am: 8. März 2011 13:11 Titel: |
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Zitat: | ...und 2. ob man das Glück hat auf Ärzte zu treffen, die bei OP`s nicht zufällig Opiate geben bei beispielsweise vorheriger Heroinsucht oder wie auch immer. ...
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Deshalb setzt sich vor einer OP ein Anästhesist mit dem Patienten in Verbindung und bespricht u.a. solche wichtigen Dinge. Ansonsten hat man ja auch einen Arzt als Ansprechpartner, der grundlegende Sachen einer OP u.ä. erklärt oder bespricht. Es gibt dann also zwei Personen, die man über eine mögliche Suchterkrankung aufklären sollte. "Zufällig Opiate geben" dürfte damit ausgeschlossen werden. Ich denke, wer da nicht mit offenen Karten spielt, muss dann auch mit den Konsequenzen leben. Mir fällt spontan kein Grund ein, warum ein Arzt einen solchen Hinweis missachten sollte. Zumindest das Gespräch beim Anästhesisten wird protokolliert und ich meine, das muss der Patient auch unterschreiben. |
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epitaph Anfänger
Anmeldungsdatum: 07.03.2011 Beiträge: 10
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Verfasst am: 8. März 2011 22:34 Titel: |
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danke für die antworten, wahrscheinlich stimmt das mit den hohen ansprüchen und zu weit denken.. ist aber auch schwer sich davon zu befreien. aber irgendwie denk ich mir auch dass ich noch gar nicht richtig versucht hab irgendwie ja noch gar nicht richtig gelebt hab und alles ausprobiert hab. also ich bin jetzt 19 und hab schon das gefühl alles kaputt gemacht zu haben manchmal, aber ich versuch vielleicht echt mal bewusster die ziele irgendwie nicht zu hoch zu setzen oder nicht so ganz weit zu denken vielleicht. |
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C21H23NO5 Silber-User


Anmeldungsdatum: 22.11.2010 Beiträge: 220
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Verfasst am: 8. März 2011 22:49 Titel: |
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Betreff: mein Beitrag vom November, einige Beiträge weiter oben..
da war ich gerade 2 Wochen wieder dabei..
habs nach knapp 2 Monaten geschafft!
Mir 10 Meta geholt, meiner Freundin gebeichtet, und zuhause ausgeschlichen..
3,4 unschöne Tage nach 0, dann gings aufwärts.
geholfen hat, das Fahrschule anstand - Lappen zurückholen und so..
und das Fundament, das ich mir wie gesagt davor aufgebaut hatte war nicht umsonst..
geh wieder leben, und bin Topfit in der Birne!
Das war der erste Enzug, den ich FREIWILLIG und aus EIGENER KRAFT geschafft habe, vor meiner 4-jährigen Cleanzeit war ich ja im Knast, und MUSSTE entgiften..
ich bin guter Dinge, das es jetzt entgültig vorbei ist - so fühlt es sich jedenfalls an.
KEINE MACHT DEN DROGEN
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olliex Bronze-User


Anmeldungsdatum: 22.11.2010 Beiträge: 36
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Verfasst am: 9. März 2011 08:17 Titel: |
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Genau!
...wer sich anturnt, kann sich nüchtern nicht aushalten.
Ich kann immer nur raten, euch Hilfe zu suchen. Einen Therapeuten!
Egal ob der Therapeut gut ist oder nicht. In erster Line geht es darum, das man sich mit seiner Sucht auseinadersetzt. Das man gewisse Dinge einfach ausspricht...und nicht nur immer drüber nachdenkt...Aussprechen!...ist so wichtig. Ihr müsst selbst hören was ihr sagt.
Wenn man das regelmäßig tut, mit dem Willen sich zu verändern, und dem Vertrauen in die Therapie, dann hat man sich genau in diesem Moment verändert.
Alles andere, meiner Meinung nach, Substitution oder andere Medis, machen ein zu einer tickenen Zeitbombe. Mann muss fühlen was diese Drogen mit dem Körper anrichten.
Und man muss verstehen warum man süchtig ist.
Ansonsten kannst du noch nach 10 Jahren umfallen.
Olli |
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kolja50 Bronze-User

Anmeldungsdatum: 01.03.2011 Beiträge: 39
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Verfasst am: 10. März 2011 15:47 Titel: |
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dann möchte ich auch mal was schreiben.
ich will ja schon lange vom fentanyl entziehen und war bis vorgestern noch mitten drin im entzug. dann kam der rückfall. es war ein auf und ab. mal ging es mal wieder nicht. doch mit jedem tag wurde meine gier größer. ich muss dazu sagen ich habe zur unterstützung des fenta entzuges 80mg metha jeden tag. das ziel meines entzugs soll sein 80mg metha pro tag. also substi ohne beikonsum. da ja noch probleme mit der justiz ausstehen hab ich mir gedacht wenn ich da fenta weg habe, auch das metha zu kicken und hab beim substi doc schon gesagt am 24.3 möchte ich auf 70mg runter. tja und jetzt rückfall!
ich steh wieder am anfang! in 2 tage habe ich ne N2 75er Pflaster weggemacht. das meiste geballert, nur 2 gelutscht. eins kurz nachdem ich aus der apo raus war gegen die gier und den affe ( ich war klatschnass geschwitzt an diesem tag) und das andere am nächsten tag. der rest iv verballert.
ich weiß nicht wie es dazu kam oder warum. ausslöser von ausser halb sprich streit mit freundin oder so was gabs nicht. es war einfach purer suchtdruck und gier.
jetzt sitzte ich vor dem pc und überlege was ich tun kann. ich habe schon mit drogenberater telefoniert und bei verschiedenen entgiftungen angerufen weil dieses problem will und kann ich nicht alleine lösen.
im kopf habe ich schon wieder vor die nächste ladung zu holen aber irgendwie habe ich auch keine lust dazu. ich weiss aber das spätestens wenn die ärzte zu sind ich bereuen werde das ich nicht los bin um nachschub zu holen. das problem nummer 2 wenn ich das rezept habe muss man erst bestellen u auch darauf habe ich keine lust. kein warten. die apo die die 75er hat da war ich ja erst vorgestern und die gucken sehr dumm wenn ich heute wieder da steh neues RP anderer arzt.
ich bin echt fertig. ich will doch nur frei sein. keine sucht mehr. nix. aber was mach ich. ich arbeite gezielt aufs gegenteil hin.
ich erkundige mich jetzt mal im netz obs irgendwo ne gute klinik gibt die gut zum entziehen ist.
viele grüße
kolja |
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Tamal_Freundin Silber-User

Anmeldungsdatum: 21.10.2010 Beiträge: 269
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Verfasst am: 10. März 2011 15:59 Titel: |
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Calendula hat Folgendes geschrieben: | Zitat: | ...und 2. ob man das Glück hat auf Ärzte zu treffen, die bei OP`s nicht zufällig Opiate geben bei beispielsweise vorheriger Heroinsucht oder wie auch immer. ...
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Deshalb setzt sich vor einer OP ein Anästhesist mit dem Patienten in Verbindung und bespricht u.a. solche wichtigen Dinge. Ansonsten hat man ja auch einen Arzt als Ansprechpartner, der grundlegende Sachen einer OP u.ä. erklärt oder bespricht. Es gibt dann also zwei Personen, die man über eine mögliche Suchterkrankung aufklären sollte. "Zufällig Opiate geben" dürfte damit ausgeschlossen werden. Ich denke, wer da nicht mit offenen Karten spielt, muss dann auch mit den Konsequenzen leben. Mir fällt spontan kein Grund ein, warum ein Arzt einen solchen Hinweis missachten sollte. Zumindest das Gespräch beim Anästhesisten wird protokolliert und ich meine, das muss der Patient auch unterschreiben. |
Das unterschreibe ich vorbehaltlos so! Das ist klar dass das dann immer offen angesprochen werden muss. Ich meinte mit diesem Kommentar auch eher so Sachen wie einen Unfall oder sowas. Das steht ja zum Glück niemanden auf der Stirn geschrieben, ob man mal von was süchtig war. |
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Calendula Gold-User

Anmeldungsdatum: 08.01.2011 Beiträge: 465
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Verfasst am: 10. März 2011 18:45 Titel: |
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Tamal_Freundin, stimmt. Das kann natürlich passieren. Dem könnte man aber bestimmt abhelfen mit einer Info, die man immer bei sich führt wie auch einen Organspenderausweis, Allergiepass u.ä. Bei jemandem, der ein cleanes Leben führt, müsste das sicher möglich sein. |
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olliex Bronze-User


Anmeldungsdatum: 22.11.2010 Beiträge: 36
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Verfasst am: 10. März 2011 19:38 Titel: |
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hmmm...ich habe 21 Jahre Drogen genommen davon 17 Jahre auf Heroin und bin jetzt seit 10 Jahren clean.
Ich kann nur von meiner Erfahrung sprechen... ich kenne keinen der mit Ersatzstoffen clean geworden ist. Früher oder später verlagert sich die Sucht. Alkohol z.B.
Für mich ist diese Diskussion über Ärzte und ihre Medikamente, Zeitverschwendung!
Es gibt bei Krankheiten sicher Ausnahmefälle.
Verstehen warum man süchtig ist, ist die Lösung, um sich auch eine Veränderung vorzubereiten.
Der Belohnungsefekt besteht auch weiter, wenn man Ersatzstoffe nimmt. |
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