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rock Platin-User

Anmeldungsdatum: 16.03.2015 Beiträge: 2481
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Verfasst am: 17. Mai 2015 15:42 Titel: |
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Chaosqueen hat Folgendes geschrieben: |
Der Wille bzw. die Motivation clean zu werden und vor allem zu bleiben, muss aus Deinem Inneren kommen, der Konsum ist eine Sache, die sich ausschließlich zwischen Dir und der Droge abspielt, alles andere ist zweitrangig. Wenn es anders wäre, wäre ich schon lange clean. Nach knapp 4 Jahren Konsum hat die Sucht für mich mittlerweile schon längst mehr Nachteile als Vorteile und mir ist bewusst, dass ich heute oft nur konsumiere, um die Probleme auszublenden, die der Konsum überhaupt erst verursacht hat.
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Mensch, Chaosqueen,
so viel, so tiefe Einsicht und dazu die Fähigkeit, so messerscharf die eigene Situation zu analysieren und das Ergebnis knochentrocken in drei Sätzen auszudrücken, das sieht man selten. Gratuliere Dir dazu - neidlos
Besonders der letzte Satz hat's wirklich in sich !
Damit solltest Du doch schon auf dem besten Wege sein, mit Deinen Problemen zurecht zu kommen.
Ja, ja ich weiß, man redet leicht ... Ist mir klar, ich rede immer gescheit daher, aber die Fehler, die habe ich auch alle gemacht, fast alle zumindest
Trotzdem bin ich der festen Meinung, daß Du allerbeste Voraussetzungen hast, mit dem, was Dich piesackt fertig zu werden.
Es ist ja nicht nur das, was ich hier von Dir zitiert habe, der ganze Text spricht eine deutliche Sprache, sagt mir, daß da jemand ist, der trotz allem die Fähigkeit zur fruchtbaren Selbstreflexion hat. Meiner Meinung nach eine der wesentlichsten Voraussetzungen, die selbsterschaffenen Probleme auch selbst zu bewältigen.
Was fehlt Dir zur Umsetzung ? Hindert Dich "nur" der innere Schweinehund, den man so schwer in den Griff bekommt, daran, den ersten Schritt zu setzen ? Denn wenn Du den ersten Schritt einmal gemacht hast, ist der zweite auch machbar und dann setzt der Ehrgeiz ein, der den Rest erleichtert.
So sehe ich Dich zumindest aus der "Entfernung". Liege ich falsch damit ?
Das würde mich wirklich interessieren. Vielleicht berichtest Du darüber ?
Auf jeden Fall Hut ab vor Deinem Durchblick und alles, alles Gute auf Deinem Weg !
Cheers |
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Chaosqueen Bronze-User

Anmeldungsdatum: 14.05.2015 Beiträge: 59
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Verfasst am: 17. Mai 2015 19:08 Titel: |
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Rock, ich danke Dir herzlich für Deinen Kommentar. Deine Worte machen mir Mut. Ja, in der Theorie ist alles immer so einfach und gerade ich neige dazu, trotz besserem Wissen kontraproduktiv zu handeln. Deine Frage möchte ich gerne beantworten, auch für mich selbst - denn wie erwähnt fange ich gerade erst damit an, mich meiner Sucht bewusst zu stellen, anstatt wie bisher alles zu verdrängen. Lese mich seit ungefähr 2-3 Wochen durch das Forum und habe erst einmal den Mut sammeln müssen, mich hier anzumelden. Habe jetzt leider nicht so viel Zeit, werde Dir noch einmal in Ruhe antworten.
Liebe Grüße
Chaosqueen |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 17. Mai 2015 20:25 Titel: |
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JP hat Folgendes geschrieben: |
Ich meine es nicht böse, kenne deinen Hintergrund nicht, |
und genau deshalb solltest du besser deinen mund halten! dein beitrag geht vollkommen am thema vorbei.
wenn du dir die mühe machen würdest, meine beiträge komplett zu lesen (und zu verstehen!), dann hättest du diese verständnisprobleme nicht.
ich schreibe ja sogar explizit von "first world problems" (ok, das sagt dir vllt nix) und ich habe auch mehrfach betont, dass es mir NICHT um wirtschaftliches bessergestelltsein geht, wie du es formulierst.
wer aufmerksam liest, der versteht das natürlich auch. dazu braucht man aber auch etwas horizont und etwas grips (ist nicht böse gemeint!).
wenn es so einfach wäre, wie du es siehst, dann hätten viele leute keine probleme mehr...
aber ich sagte ja schon: das thema möchte ich eigtl. auch gar nicht weiter ausbreiten, weil das niveau hier bedenklich geworden ist... es gibt hier wirklich exzellente gesprächspartner. aber du, jp, gehörst nicht dazu.
ich meine das gar nicht beleidigend! das problem ist, dass du offenbar unfähig oder unwillig bist, die zwischentöne zu hören. |
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JP Platin-User

Anmeldungsdatum: 22.01.2015 Beiträge: 1554
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Verfasst am: 17. Mai 2015 22:40 Titel: |
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Der dumme JP hat jetzt schon zwei mal erfolgreich seine Substitution beendet.
Vielleicht muss man ja extrem Dumm dafür sein,
jaja das muss es sein.
Du schreibst in einen öffentlichen Forum,
und bist nicht so schlau damit zu rechnen das dir jeder darauf eine Antwort gibt?
Also so Dumm bin ich dann auch wieder nicht .
LG.JP
Und keine Sorgen schreibe nichts mehr hier. |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 17. Mai 2015 23:01 Titel: |
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JP hat Folgendes geschrieben: | Der dumme JP hat jetzt schon zwei mal erfolgreich seine Substitution beendet.
Vielleicht muss man ja extrem Dumm dafür sein,
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du scheinst ja doch gar nicht so blöd zu sein... es gibt dazu sogar ein passendes sprichwort: selig sind die geistig armen.
willst du in einem drogenforum wirklich schwanzvergleiche machen?
dann kriegst du von mir applaus, dass du deine "entzüge" mit speed so "erfolgreich" durchziehst... (andere nennen das "suchtverlagerung").
so, und nun wieder pola ballern! aber nur 2ml
was ich mit "dumm" meine: du bildest dir ein urteil über mich, ohne meinen background zu kennen und vor allem, OHNE MEINE BEITRÄGE GELESEN ZU HABEN!
JP, ein forum ist eine plattform zum austausch. aber es wird vorausgesetzt, dass man die beiträge auch RICHTIG LIEST und versteht (und bei mißverständnissen nachfragt), bevor man seinen senf abgibt.
und daran hapert es extremst. das sieht man an deinen schimpftiraden gegen praxx, der dich NIE persönlich angegriffen hat.
du verfügst leider nicht über die nötige charakterliche reife, noch über die notwendige lebenserfahrung, um das einordnen zu können. ach fehlt es dir an empathie.
das alles würde ich NIEMALS jemandem zum vorwurf machen, solange er dabei respektvoll bleibt. aber auch das bist du leider nicht.
bei alledem stilisierst du dich zum größten leidenden menschen, der es unter schlimmsten bedingungen geschafft hat, clean zu werden (oder das, was du darunter verstehst).
jungchen, nicht alle akademiker sind verwöhnte, kleine mistkinder aus reichem elternhaus. man muß nicht erst zum hartz 4-assi werden, nicht schreiben können etc., um leid erfahren zu haben im leben.
naja, vergebene liebesmüh, perlen vor die säue... |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 17. Mai 2015 23:34 Titel: |
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dakini hat Folgendes geschrieben: |
Dann hast Du ja auch noch mit Menschen zu tun, die nicht alles von Dir wissen dürfen, bzw nur das, was Du durch blicken lässt...das würde mir sehr zu schaffen machen. Ich mag es, wenn mein Umfeld weiß, wer und was ich bin. Ich hab es nicht so damit, mich zu verstecken. Belastet Dich das nicht, Saubermann? |
hi dakini,
danke für deinen sehr interessanten beitrag! da waren viele gute ansätze dabei.
um zunächst mal auf die zitierte frage zu antworten: NEIN, das belastet mich gar nicht sooo sehr, wie manche denken mögen...
zum einen weiß mein engstes umfeld ja von meiner sucht. ich mag es ebenfalls nicht, wenn meine engsten leute (bestimmte gute freunde u. vertraute geschwister) das nicht erfahren dürfen. deshalb habe ich einige eingeweiht. aber natürlich nicht jeden. außerdem ist mein bekanntenkreis ziemlich durchmischt: da sind ärzte drunter genau wie hartz 4 empfänger oder ex-knastis... ich suche meine freunde ja nicht nach status aus.
meine eltern wissen dagegen nichts. naja, erstens leben nicht mehr beide elternteile und zum anderen -und das ist ein biographischer knackpunkt- habe ich zum anderen elternpart ein sehr schlechtes verhältnis. da ist null liebe und demnach auch null vertrauen.
hinzu kommt, dass meine sucht sehr diskret aussieht: ich nehme ja außer methadon nix anderes. es gibt weder kippen noch alkohol. auch keine benzos o.ä... und erst recht kein heroin. damit konnte ich noch nie was anfangen.
ich spritze auch nicht und hab das auch nie gemacht. demnach habe ich auch wenig gesundheitliche beeinträchtigungen durch die methadoneinnahme. und ich nehme nie soviel, als dass ich richtig breit wäre oder so.. das mag ich nämlich nicht.
aus diesen gründen ist meine abhängigkeit für andere unsichtbar.
ich gehe halt regelmäßig zum arzt, hole mein take home rezept ab und das wars. allerdings ist die vergabe bei uns recht nervig und das führt zuweilen zu problemen (zb. wenn man zur vergabe muß und das mit der arbeit zeitlich nicht gut passt o.ä.).
ich muß ehrlich sagen, dass ich im großen und ganzen MITLERWEILE(!) relativ gut mit der suchtsache klarkomme. das war natürlich nicht immer so. besonders zu der zeit, als ich noch auf tilidin und tramadol war, habe ich zt. viel zu hohe dosierungen benötigt und hatte demzufolge auch fiese NW und ausfallerscheinungen...
aber das ist jahre her.
klar, mich nerven gewisse dinge: diese abhängigkeit vom arzt, die vergabe (trotz take home ziemlich nervig und zeitraubend), das schwitzen vom metha usw... aber das sind halt sachen, die man irgendwie hinbekommt. und das ist ja auch irgendwo mein problem. aktuell komme ich mit dem zeug ja ganz gut klar.
da ist wenig elan, um abzudosieren..
naja, was du von deiner freundin schreibst mit ihrem magister in lit.wiss., kommt mir bekannt vor: dieses pendeln zwischen arbeitslosigkeit, mies bezahlten mistjobs, besser bezahlten mistjobs usw... da nagt die unzufriedenheit an einem, gerade weil man ja auch relativ viel in seine (aus-)bildung investiert hat. das frustriert einen schon... ich kenn das auch mit dem gewicht... auch in der größenordnung sogar... da merkt dann auch die umwelt, dass was im argen liegt... |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 18. Mai 2015 00:51 Titel: |
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sonderbar hat Folgendes geschrieben: |
Dazu muss ich natürlich erklären, dass ich mit dieser Opiatgeschichte noch in den Kindernschuhe stecke, nehme vorwiegend nur pharmazeutische Opioide/Opiate (Tramadol, Codein, Tilidin, auch mal Subutex), da ich absolut keinen Kontakt zu der Szene oder irgendwelchen Dealern habe. Der Konsum hat sich mittlerweile gesteigert von einmal die Woche auf drei bis vier Mal, aber ich mache mir noch keine Sorgen. |
hallo sonderbar,
interessante antwort von dir! aber auch alarmierend für mich!
dazu skizzier ich nochmal meinen background, damit du sehen kannst, wie es laufen kann...
ich fange mal mit dem status quo an: aktuell bin ich in substitution mit ca 150 mg methadon am tag. das ist jetzt keine monsterdosis, aber auch nicht wenig... zusätzlich nehme ich dann und wann nochmal ca. 100mg on top, "zum entspannen", wie ich es gern formuliere...
inzw bin ich irgendwo in den frühen mittdreißigern, habe ende der 90er jahre das erste mal opiate probiert (tilidin) und in all der zeit bis heute keine 5 mal heroin genommen. ich war aber auch nicht die ganze zeit drauf. ende der 90er, anfang der 2000er war ich mal für ne weile tilidin-abhängig, aber das hab ich dann irgendwann beendet...
ich hab dann lange ohne opiate gelebt und irgendwann vor ungefähr nicht ganz 10 jahren kam ich durch zufall an etwas tramadol und codein.. das nahm ich nur gelegentlich, zu der zeit war ich in einer wirklich schönen beziehung, war noch dazu voller elan am studieren, hab viel sport gemacht und war wirklich ganz glücklich...
der konsum war anfangs nur 1-2x im monat... dann 1x die woche, dann 2x die woche usw., bis ich dann irgendwann jeden tag was nahm...
nota bene: ich nahm ja "nur" pharmazeutische opioide und dazu bezeichnete man tilidin und tramadol ja auch als "niederpotente opioide"... gefährlich, gefährlich.. mit der "szene" hatte ich nix zu tun und ich fand die meisten (NICHT: alle!) leute dort immer ziemlich abstoßend (hat sich bis heute auch nix dran geändert). "spiel nicht mit den schmuddelkindern" und so...
jedenfalls ging es mir damals so, dass ich wirklich die feste überzeugung in mir trug, so etwas wie substitution sei nichts für mich... methadon und subutex waren für mich "medikamente für junkies", während ich ja "nur" niederpotente opioide nahm, um mich etwas happy zu fühlen... körperlicher entzug? ich doch nicht! jeden tag ein substitut nehmen? um gottes willen, nicht doch!
für mich war das tatsächlich eine komplett fremde welt...
ich hatte zu jener zeit kontakt zu "gleichgesinnten". das waren häufig auch junge leute, die auf den gleichen sachen waren wie ich. man tauschte sich über beschaffung und konsum usw. gern mal aus und teilte seine erfahrungen...
eines tages kam dann bei mir der moment, an dem ich mal auf dem trockenen saß.. eine lieferung kam nicht an, ich war pleite und hatte also n problem... "DANN NIMMSTE HALT JETZT NIX!", dachte ich mir. hatte ja bisher auch immer irgendwie geklappt... aber plötzlich war ich affig! "FUCK! DAS KANN NICHT SEIN!", dachte ich noch... aber als ich im hochsommer in der heißen badewanne saß und fror, war mir klar, dass es nun eklig werden könnte... ich hab dann noch etwa 2 wochen mit hängen und würgen versucht, kalt zu entziehen... aber mir gings so scheiße, dass ich entnervt aufgab und mir tramadol bestellte...
dass ich nicht mehr ganz ohne blessuren da rauskommen werde, wurde mir aber nur sehr, sehr langsam bewusst.. ich habe es sehr lange irgendwie verdrängt.
aber als dann mehr und mehr meiner "konsum-kollegen" in substitution gingen, dämmerte es mir langsam.. inzwischen lag ich bei tramadol in dosisbereichen von etwa 2 gramm pro tag (ja, wirklich: 2000 mg)!
das war weder gesund, noch konnte ich die beschaffung meistern... unmöglich, obwohl ich mehrere ärzte und den schwarzmarkt nutzte. der verbrauch war zu hoch. und die nebenwirkungen waren zum teil krass... das war total bescheuert!
und so kam ich dann über bekannte an methadon. anfangs reichten mir 10-20mg methaddict, um 8 stunden high zu sein... der umstieg von tilidin und tramadol auf methadon war einerseits ein sehen und andererseits ein fluch.
gut war, dass die fiesen NW vom tramadol verschwanden, die durch meine astronomischen dosen verursacht wurden.
schlecht war jedoch, dass methadon einen in aller regel auf jahre hin begleitet. und so war bzw. ist es ja auch bei mir...
natürlich war das nur ne grobe schilderung, es ist soooo viel passiert in diesen jahren.
aber diese story sollte reichen, um dir eines zu zeigen: der weg zu einer langjährigen, schweren sucht ist nicht so weit, wie man anfangs glaubt... bei mir dauerte es ca. 3 jahre, bis ich von 20 tropfen tramadol anfangs bei 40 mg methadon am ende angekommen war...
und ich habe LAAAANGEE geglaubt, dass es mich schon nicht trifft. besser noch: als ich dann immer öfter tramadol und tilidin nahm, war mir natürlich irgendwann schon klar, dass ich wohl irgendwie mal kleinere probleme kriegen könnte. und meine innere antwort darauf war: "NA, WENN DU ABHÄNGIG WIRST, DANN ISSES HALT SO. DANN MACHSTE MAL EINE WOCHE ENTZUG UND SCHON BIST DU DER ALTE!"
das fatale daran war, dass ich das wirklich geglaubt habe! ich rechnete also wie ein milchmädchen, dass ich nach (bis dato) 2 jahren regelmäßigen konsums nur 1 woche brauchen würde, um das alles zurückzusetzen in den urzustand. ich drücke bei mir den "rest-button" sozusagen...
dass so etwas totaler käse ist, muß ich dir noch erklären (?!): man darf dabei nie vergessen, dass der körperliche entzug nur 1 detail der ganzen geschichte ist. und dass man fast immer doch lieber noch einen weg findet, um weiterzumachen anstatt aufzuhören, sollte eh klar sein...
das war mir damals aber NICHT so klar! ich war in der hinsicht total naiv.
und deshalb war mir dieser beitrag auch nochmal sehr wichtig! denn ich muß dazu noch was sagen: so wie es DERZEIT bei mir läuft (es läuft suchttechnisch gesehen echt relativ "gut"), so geht es einem ja nicht automatisch immer... ich hatte natürlich richtig miese zeiten, besonders als ich so pervers hohe dosierungen schluckte (das soll auch keiner nachmachen! maximaldosis bei tramadol liegt bei 400mg/tgl. und ich habe bei der dosisüberschreitung auch immer benzos nachgeschüttet, damit ich keinen krampfanfall bekomme).
ich kann nur immer wieder davor warnen: opiate lullen dich ein stück weit ein. wenn du ein "suchtmensch" bist, dem solche stoffe gefallen, dann sei erst recht vorsichtig! denn eine festgefahrene opiatabhängigkeit nervt wirklich sehr... und ich muß noch was dazu dazu sagen: von der damaligen "konsumentenclique" sind einige irgendwann dazu übergegangen, sich ihr zeug zu spritzen und solche dinge...
mir fällt dazu noch ein fall aus einem anderen forum ein: da hat eine studentin immer opiate von ihrem damaligen freund bekommen.. irgendwann auch fentanyl... in ihren anfänglichen postings liest man von kinderdosierungen, von safer-use usw... dann war sie für lange zeit verschollen...
und dieselbe junge frau berichtet im forum jahre später, wie es ihr ergangen ist... sie ist in substi gelandet (na klar!) und ballert noch immer, aber weil fast alle ihre venen kaputt und zerstochen sind, kann sie nur noch die leiste zum i.v.-konsum nehmen...
tja, ich finde das traurig, ehrlich!
also @sonderbar, du mußt immer ein waches auge auf dich und deinen konsum haben! und ich wette mit dir, dass auch du gewisse "ausreden" parat hast im hinterkopf, um dich selbst zu belügen:
- "wenn mein freund mir nix mehr gibt, nehm ich auch nix mehr. ich hab ja außer ihm keine quelle!"
- "wenn ich mal merke, dass ich affig bin, dann dosiere ich einfach ab.. das ist nach 1 woche gegessen und halb so wild!"
- "ich werd mich nie so hoch wie xyz (zb. saubermann) dosieren, weil ich mir das gar nicht leisten könnte!"
usw. usf...
das sind so typische gedanken, die zum selbstbetrug einladen! dabei verändert eine sucht dich auch! prioritäten werden verschoben, budgetgrenzen gesprengt ("dann muß ich halt mein smartphone verkaufen!", "dann muß ich halt diesen monat beim einkaufen sparen und 6x die woche nudeln essen" usw.) und viele weitere dinge getan, an die man früher niemals gedacht hätte.
und man muß auch beachten, dass die dynamik und der verlauf einer opiatsucht zum teil völlig anders sein kann, als von anderen substanzen... so kenne ich zb keine substanz, außer opiaten, die sich besser zum täglichen dauerkonsum eignen würde... alk, koks etc. sind da alle irgendwie unpassender... aber opiatkonsum merkt dir kaum jemand an und man kann fast alles damit machen. das ist aber halt auch das fatale...
OK, ich denke, dass das warnung genug war. ich bin nicht der typ, der groß moralisieren will. aber ich finde schon, dass man menschen auch ruhig mal ausdrücklich warnen sollte, BEVOR das kind in den brunnen gefallen ist...
dazu habe ich es mittlerweile einfach viel zu oft erlebt, wie junge leute, die absolut nix mit diesem typischen "junkie-lifestyle" am hut hatten, plötzlich richtig hart auf die fresse gefallen sind, selbst wenn sie nie heroin genommen haben und auch ansonsten nicht unbedingt zu den risikogruppen gezählt haben... und die haben alle nicht im lebensplan stehen gehabt: "ICH WERD JUNKIE!"
also @sonderbar: pass gut auf dich auf! |
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sonderbar Silber-User

Anmeldungsdatum: 29.01.2014 Beiträge: 189
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Verfasst am: 18. Mai 2015 18:35 Titel: |
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Hallo Saubermann und auch hallo Dakini!
Wow, danke für eure langen und offenen Texte!
Ich lese solche Warnungen und Ratschläge immer sehr bewusst und kann viele Situationen wiedererkennen und auf mich beziehen, vor allem, was die Ausreden angeht bezüglich des Konsums.
Trotzdem weiß ich nie, was ich dazu schreiben soll. Ich denke immer, es beschreibt eine andere Person, aber nicht mich. Und ich kann mir absolut nicht vorstellen, jetzt aufzuhören. Die Freude auf den Turn ist das Einzige, was mich grad durchhalten lässt. Das bisschen Liebe und Sorglosigkeit will ich mir gerade nicht nehmen. Hört sich kitschig an, ist aber so. Wahrscheinlich ist das in euren Augen der Anfang vom Ende?! Aber mir fallen schon wieder tausend "Ausreden" ein, warum mir das nicht passieren kann
Sorry Saubermann, eigentlich ist das ja dein Thread
Eine Frage noch: ihr schreibt, sei vorsichtig, pass gut auf dich auf! Wie funktioniert das? |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 18. Mai 2015 22:16 Titel: |
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hi sonderbar,
was du beschreibst, sind typische anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass du auf direktem wege bist, in eine langjährige opiatsucht zu rutschen.
auch dieses "ich-kann-es-nicht-auf-mich-beziehen" ist so ein typisches anzeichen. mir ging das damals auch nicht anders. damals gab es noch andere foren zur thematik und immer wenn ich da von leuten gelesen hab, die in substi waren, klang das für mich wie worte aus einer anderen welt.
immer wenn ich zb. gelesen habe, dass leute seit jahren methadon nehmen und davon gar nix schönes mehr spüren, sondern "nur" der affe weg ist, hab ich innerlich den kopf geschüttelt und hab mich gefragt, wieso die dann nicht einfach ganz aufhören... da kamen mir dann so gedanken wie: "dauerkonsum bringt doch eh keinen spass, ist zudem viel zu teuer auf lange sicht und man ist ja auch noch körperlich abhängig. oh gott, den scheiß erspare ich mir definitiv!"
sonderbar hat Folgendes geschrieben: |
Eine Frage noch: ihr schreibt, sei vorsichtig, pass gut auf dich auf! Wie funktioniert das? |
auf dich selbst acht geben ist das einzige, was du tun kannst, wenn du nicht ganz aufhören willst. übrigens ist es m.e. kein so schlechtes zeichen, dass du offen zu deinem konsumwunsch stehst. denn auch da bescheißen sich viele selbst, indem sie immer so tun, als ob sie jetzt bald entziehen werden... das glaubt man in dem fall selber auch noch!
was kannst du tun, wenn du eh konsumierst? sieh das ganze realistisch! versuche mal, dich aus deiner fatalistischen haltung zu lösen! ich spiele auf deine aussage an, dass du eh nix tun könntest, solltest du drauf kommen... das ist natürlich bullshit. und das weißt du selber auch
deshalb ist es ganz wichtig, dass du dir eine sache klar machst: jeder weitere schritt über den status quo hinaus bringt dich näher an den abgrund. im klartext heißt das:
- erhöhe deine dosis nicht!
- konsumiere nicht täglich!
- wechsle nicht auf stärkere substanzen!
- wähle eine sichere konsumform (nicht fixen)!
- vermeide mischkonsum (zb. auch kein alk, keine benzos, kein koks etc.)!
- versuche nach möglichkeit, auch wieder andere dinge zu machen, die dir spass bringen bzw. früher spass gemacht haben!
- achte weiterhin auf dich, dein äußeres, deine "buchhaltung" (rechnungen zahlen, post öffnen etc.)!
das sind so ein paar dinge, die man tun kann. ich habe diese liste vor allem aus eigener erfahrung abgeleitet und aus dem, was ich bei anderen beobachtet habe...
denn es gibt auch beim thema "OPIATSUCHT" mehr als nur schwarz vs. weiß!
also man darf nicht denken, dass es nur die wahl gibt zwischen "drauf sein" und "clean sein". und wenn du sagst, dass du zur zeit gern weiter konsumieren möchtest, finde ich das völlig legitim und nachvollziehbar, aber ich möchte auch davor warnen. denn auch wenn es immer alles noch so weit weg für dich scheint: es KANN halt auch dir passieren, dass du mal in substi landest...
und dinge, die man sich heute absolut nicht vorstellen kann, könnten 1-2 jahre später schon alltag sein...
ich hatte ja selber irgendwann beschaffungsprobleme bzgl. tramadol und tilidin. und auch weil ich einfach unfassbar hochdosiert war, bin ich dann mal auf methadon ausgewichen. das war NIEMALS als langjährige dauermedikation gedacht.
und leider haben mich die sucht und meine negativen lebenserfahrungen, die ich in derselben zeit gemacht habe (wobei da natürlich auch ein gewisser zusammenhang besteht!), schritt für schritt in den abgrund getrieben... und irgendwann kommt dann so ein punkt, an dem wird dir fast alles scheißegal...
und GENAU DAVOR möchte ich dich warnen. mehr können wir eh nicht tun. jeder ist für sich selbst verantwortlich. aber ich sag dir auch ganz ehrlich: mich hat damals keiner gewarnt. ich hätte wohl auch nicht drauf gehört, einfach weil ich dachte "DAS BETRIFFT MICH EH NICHT!"
aber ganz sicher hätte ich es als warnschuss empfunden, wenn mir jemand erklärt hätte, dass man auch als relativ "normaler" mensch voll in die suchtfalle rutschen kann (das ist mißverständlich ausgedrückt. ich hab nur früher einfach die junkies gesehen und gewusst, dass ich mich durch gewisse dinge grundlegend von solchen menschen unterscheide. ich sage nicht "besser" oder "schlechter", sondern "anders"!).
ich weiß, dass solche beiträge wenig bis nichts bewirken. und davon wird erst recht niemand "clean". aber wenn man zumindest mal über ein paar sachen nachdenkt, die man vorher nicht bedacht hat, ist das ja schon was wert.
in diesem sinne: niemand entkommt einer sucht allein durch "warnungen" und "mahnende worte" von anderen menschen. aber möglicherweise kann man gewisse gefahren und bestimmte fehler vermeiden..?!
alles gute! |
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sonderbar Silber-User

Anmeldungsdatum: 29.01.2014 Beiträge: 189
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Verfasst am: 19. Mai 2015 15:07 Titel: |
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Habe mir mal deine Punkte durch den Kopf gehen lassen und kann folgendes dazu sagen:
SAUBERMANN hat Folgendes geschrieben: |
deshalb ist es ganz wichtig, dass du dir eine sache klar machst: jeder weitere schritt über den status quo hinaus bringt dich näher an den abgrund. im klartext heißt das:
- erhöhe deine dosis nicht!
Ist schon passiert, aber nur ganz minimal, von 200 auf 250 mg Tramadol oder von 0,5 auf höchstens 2 mg Subutex, Codein erhöhe ich nicht, soll ja eh nix bringen, mehr wie 400 mg zu nehmen)
- konsumiere nicht täglich!
Mache ich NIE. Höchstens zwei Tage hintereinander. Dann wieder mindestens ein bis zwei Tage Pause, meistens aber länger.
- wechsle nicht auf stärkere substanzen!
Habe auch schon H probiert. Nach dem dritten Mal gleich ne OD erwischt. Mir gefallen die nicht so starken Substanzen besser. Sogar Subutex ist mir eigentlich zu heftig und zu lange vom Rausch her. Gegen Koks habe ich eine große Abneigung, weil ich an meinem Freund sehe, was für Psychos es aus den Menschen machen kann. Mag auch die Wirkung nicht. Also seh ich da weniger Gefahr für mich.
- wähle eine sichere konsumform (nicht fixen)!
NIEMALS! Ich kippe sogar beim Blut abnehmen um.
- vermeide mischkonsum (zb. auch kein alk, keine benzos, kein koks etc.)!
Alk kommt ab und zu vor, an alles andere komm ich eh nicht ran oder mag ich nicht (Koks)
- versuche nach möglichkeit, auch wieder andere dinge zu machen, die dir spass bringen bzw. früher spass gemacht haben!
Ist in Planung und ich zwinge mich
- achte weiterhin auf dich, dein äußeres, deine "buchhaltung" (rechnungen zahlen, post öffnen etc.)!
Da musste ich echt lachen, weil ich da absolut Überkorrekt bin, zahle Rechnungen immer sofort, schau zwei mal am Tag in Briefkasten usw-- typisch Deutsch und total verkrampft eben
Auf mein Äüßeres achte ich auch, bin eben ein ganz normales Mädchen
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Was meinst du dazu? So schlecht siehts noch nicht aus, oder?[/quote] |
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oxy moron Gold-User

Anmeldungsdatum: 23.08.2014 Beiträge: 387
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Verfasst am: 19. Mai 2015 15:50 Titel: |
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Hallo sonderbar,
ich glaube, keiner denkt hier, dass Du kurz vor der Verelendung stehst oder in zwei Wochen die Spritze im Arm hast – momentan sind die Auswirkungen zu managen und die „Bilanz“ stimmt (für Dich).
Allerdings legst Du Dir Verhaltensweisen zu, welche sich nur schwer wieder ablegen lassen, sind sie erst einmal verfestigt.
Da muss nur eine Situation „um die Ecke“ kommen, mit der wohl jeder Mensch zu kämpfen hätte – Tod eines geliebten Menschen, beruflicher Misserfolg, Partner betrügt/schlägt/wird schwer krank, die Liste ist lang.
Dann „erinnert“ sich Dein Hirn an die Einfachheit und Effizienz der Pfade, die Du angelegt hast – und schnell sind aus Trampelfaden Autobahnen geworden, um im Bild zu bleiben.
Außerdem stellen Dich wachsende Toleranz, Gewöhnung an die Effekte im Sinne von Integration in Dein Selbst und wechselnde Versorgungslagen über kurz oder lang vor Entscheidungen, von denen Du heute nicht mit Sicherheit sagen kannst, wie Du sie in Zukunft treffen wirst. Die nötige Kraft, um "vernünftig" zu bleiben, wird im Laufe der Zeit zunehmen.
Das sind einfach nur Fakten, derer man sich bewusst sein sollte, man kann sich durchaus auch sagen, ich ziehe alles in allem die Opioidwirkung und die resultierende Gefahr einer Abhängigkeit einem nüchternen Leben vor.
Wenn für Dich allerdings die notwendige tägliche Einnahme von Substanzen zum Zwecke der Aufrechterhaltung eines „funktionierenden“ Zustands eine Horrorvorstellung ist, solltest Du das mit den Opis besser lassen..
Just my two cents,
moron |
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Arschbombe Gold-User


Anmeldungsdatum: 03.10.2012 Beiträge: 528
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Verfasst am: 19. Mai 2015 16:17 Titel: |
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Mir persoenlich ist das alles zu viel Gelaber. Also konnte ich das hier nicht alles lesen, drum antworte ich mal auf den Titel der da lautet "keine lust auf "ewige nüchternheit" - wa... ."
Das Leben ist kein Wunschkonzert. Keine Lust, was fuer ein Scheiss.
Keine Lust auf was? Arbeit, Realitaet, Bewegung, Entwicklung, Sex, Liebe, Pussylecken, Analpenetration, Fetische, entspannt abhaengen... bla bla ... Keine Lust, mach es Dir nicht so einfach. Das Leben erwartet auch von Dir Deinen Mann zu stehen. Wo sind Deine Eier. Mann muss sich auch mal selbst in den Arsch treten.
Natuerlich ist es legitim sich dem Leben zu entziehen und darueber zu reden, dennoch ist es muessig. Wichtiger waere es sich Gedanken zu machen was mann aendern kann und den Weg in ein erfuellteres Leben zu suchen. Du, saubermann, lebst kein Leben, Du suhlst Dich in Deinem lebensverneinenden Versagen. Aender das oder eben nicht. Aber eines kann ich Dir sagen. Kranker und kaputter als ich es war konnte mann kaum sein. 20 Jahre habe ich gebraucht um aus der Sucht zu entfliehen und ein relativ normales Leben fuehren zu koennen. Heute bin ich Stolz "Normal" zu leben. |
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Chaosqueen Bronze-User

Anmeldungsdatum: 14.05.2015 Beiträge: 59
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Verfasst am: 20. Mai 2015 00:03 Titel: |
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rock hat Folgendes geschrieben: | Chaosqueen hat Folgendes geschrieben: |
Der Wille bzw. die Motivation clean zu werden und vor allem zu bleiben, muss aus Deinem Inneren kommen, der Konsum ist eine Sache, die sich ausschließlich zwischen Dir und der Droge abspielt, alles andere ist zweitrangig. Wenn es anders wäre, wäre ich schon lange clean. Nach knapp 4 Jahren Konsum hat die Sucht für mich mittlerweile schon längst mehr Nachteile als Vorteile und mir ist bewusst, dass ich heute oft nur konsumiere, um die Probleme auszublenden, die der Konsum überhaupt erst verursacht hat.
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Mensch, Chaosqueen,
so viel, so tiefe Einsicht und dazu die Fähigkeit, so messerscharf die eigene Situation zu analysieren und das Ergebnis knochentrocken in drei Sätzen auszudrücken, das sieht man selten. Gratuliere Dir dazu - neidlos
Besonders der letzte Satz hat's wirklich in sich !
Damit solltest Du doch schon auf dem besten Wege sein, mit Deinen Problemen zurecht zu kommen.
Ja, ja ich weiß, man redet leicht ... Ist mir klar, ich rede immer gescheit daher, aber die Fehler, die habe ich auch alle gemacht, fast alle zumindest
Trotzdem bin ich der festen Meinung, daß Du allerbeste Voraussetzungen hast, mit dem, was Dich piesackt fertig zu werden.
Es ist ja nicht nur das, was ich hier von Dir zitiert habe, der ganze Text spricht eine deutliche Sprache, sagt mir, daß da jemand ist, der trotz allem die Fähigkeit zur fruchtbaren Selbstreflexion hat. Meiner Meinung nach eine der wesentlichsten Voraussetzungen, die selbsterschaffenen Probleme auch selbst zu bewältigen.
Was fehlt Dir zur Umsetzung ? Hindert Dich "nur" der innere Schweinehund, den man so schwer in den Griff bekommt, daran, den ersten Schritt zu setzen ? Denn wenn Du den ersten Schritt einmal gemacht hast, ist der zweite auch machbar und dann setzt der Ehrgeiz ein, der den Rest erleichtert.
So sehe ich Dich zumindest aus der "Entfernung". Liege ich falsch damit ?
Das würde mich wirklich interessieren. Vielleicht berichtest Du darüber ?
Auf jeden Fall Hut ab vor Deinem Durchblick und alles, alles Gute auf Deinem Weg !
Cheers |
Hallo rock,
nun habe ich seit vorgestern versucht, darüber nachzudenken, was mich am Aufhören hindert. Doch dabei sind meine Gedanken immer wieder abgeschweift, der typische Verdrängungsmechanismus startet bei mir mittlerweile automatisch. Ich habe festgestellt, dass es mir einfacher fiel, die richtigen Worte zu finden, als ich auf das Problem von Saubermann geantwortet habe, so konnte ich mich davon ablenken, dass es auch um meine eigene Sucht geht. Nun ja, ich schreibe jetzt einfach mal aus dem Bauch heraus:
Zunächst gibt es nicht den EINEN Grund, sondern mehrere Faktoren, die sich gegenseitig ergänzen und verstärken, ich bin sozusagen “polyprob“.
Eins meiner größten Probleme ist meine nicht vorhandene Impulskontrolle, beruhend auf meiner Persönlichkeitsstörung (Borderline). Sobald mir der Gedanke kommt, dass ich etwas konsumieren möchte - und zwar genau jetzt! - ist kein Raum mehr für Überlegungen, die dagegen sprechen, eine alternative Option gibt es in diesem Moment nicht. Das führt unter anderem dazu, dass ich bei jedem kleinen Problem denke, dass ich es ohne Shore nicht bewältigen kann. Und ist der Gedanke an den Konsum erst einmal aufgetaucht, gibt es kein Zurück mehr. Sogar in Fällen, in denen ich genau weiß, dass der folgende Konsum nur der besseren Verdrängung dient und das Problem eher vertieft.
Wie ich im ersten Post schon schrieb, neige ich zu selbstzerstörerischem Verhalten, ebenfalls ein Aspekt meiner Erkrankung. Was eignet sich hierfür besser als Drogenkonsum?
Des Weiteren bin ich auch noch Schmerzpatientin und war anfangs absolut fasziniert davon, dass ich mit Hilfe von Shore das erste Mal seit 15 Jahren nahezu schmerzfrei war. Kurz zuvor hatte ich Tramadol nach einem Krampfanfall absetzen müssen, das mir immerhin zwei Jahre die Schmerzen etwas erleichtert hatte, allerdings auch überdosiert. Danach begann mein Schmerztherapeut wieder eine nutzlose Testphase mit weniger potenten Medikamenten, obwohl ich die bei einem anderen Arzt schon erfolglos hinter mir hatte. Fazit: Therapie abgebrochen, Selbsmedikation mit Shore begonnen.
Nächster Punkt: Depressionen und Antriebslosigkeit. Damit habe ich auch schon viele Jahre zu tun, hauptsächlich aufgrund meiner Erkrankungen und natürlich nun auch akut, wenn ich mir den Berg Probleme betrachte, die durch den Konsum entstanden sind. Natürlich wird es immer schlimmer, je länger ich weiter konsumiere, aber der Gedanke clean zu sein und die Depressionen in voller Stärke aushalten zu müssen, macht mir Angst. Deshalb habe ich bei dem Thema angesetzt und mir vor 3 Wochen Venlafaxin verschreiben lassen, um einen Anfang zu machen.
Und ein letzter Grund, der den Entzug auch wahnsinnig erschwert: Generell bin ich sehr leidensfähig und hätte den Entzug am liebsten direkt von Shore statt Metha gemacht. Könnte ich mich einfach mal ein paar Tage aus dem Alltag ausklinken und in Ruhe vor mich hinleiden, wäre das kein Problem für mich. Aber leider habe ich die Möglichkeit nicht. Ich muss jeden Tag fit sein, damit mein Sohn nicht unter meinem Zustand leiden muss. Denn das wäre für mich das Allerschlimmste. Darum macht mir generell der Metha-Entzug Bauchschmerzen, nachdem ich hier so viele Horror-Geschichten gelesen habe, besonders beschäftigt mich die lange Dauer, bis man wieder fit ist. Mein Sohn ist unglaublich aktiv und lange durchhängen kann ich mir absolut nicht erlauben.
So, rock, ich hoffe ich habe Deine Frage beantwortet und Du kannst nun eventuell etwas besser nachvollziehen, warum Theorie und Praxis bei mir zurzeit noch weit voneinander entfernt sind. Ich danke Dir, dass Du mir den Anstoß gegeben hast, die Gründe einmal schriftlich festzuhalten, das ist wieder ein weiterer kleiner Schritt auf dem langen Weg, den ich noch vor mir habe.
Alles Liebe
Chaosqueen
PS: Saubermann, ich hoffe, mein Beitrag ist für Dich okay, auch wenn es um Persönliches geht, gehört es ja inhaltlich schon noch mit zum Thema. Wenn nicht, sage mir bitte Bescheid. |
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rock Platin-User

Anmeldungsdatum: 16.03.2015 Beiträge: 2481
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Verfasst am: 20. Mai 2015 09:33 Titel: |
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Morgen Chaosqueen,
da sieht man wieder einmal, daß jemand, dem einige hier nachsagen, er wolle immer recht haben (fragt sich nur woher die das haben) auch falsch liegen kann.
Zwar bin ich nach wie vor der Meinung, daß Du beste Voraussetzungen hättest, aufzuhören, aber das eben unter "normalen" Umständen.
Von den Hintergründen hatte ich ja keine Ahnung. Dein Problem scheint ja nicht der Drogenkonsum an sich zu sein, sondern das, was dazu führt. Schlecht versorgte Schmerzpatienten leiden entweder endlos oder sie suchen sich Erleichterung. Klar und verständlich. Da sind natürlich echte Opiate ein Mittel der ersten Wahl.
Wenn dazu noch psychische Probleme kommen, so wie Du es schilderst, dann verstehe ich auch Deinen Nick Chaosqueen.
Du bist nicht zu beneiden um Deine Situation, wirklich nicht.
Trotzdem bin ich begeistert von Dir, denn Du bist Dir Deiner Probleme bewußt, Du analysierst sie und damit kennst Du sie wenigstens. Viele in ähnlichen Situationen tun das nicht, sie scheuen sich, ihre Probleme bewußt zu machen, sie verdrängen sie und damit wird alles noch schlimmer.
Ich kann mir gut vorstellen, daß Deine selbst auferlegte Aufgabe ist zu "funktionieren". Und, um ganz ehrlich zu sein, ich wüßte auch keinen anderen Weg, als den, den Du gehst. Zumindest keinen kurzfristig gangbaren. Das ist schlimm und ich hoffe, daß ich Dir damit nicht den Tag verhagle, bin ich doch idR immer sehr optimistisch in solchen Dingen.
Für mich gilt ja grundsätzlich (man sieht, daß es da auch Ausnahmen gibt, leider), daß niemand süchtig sein MUSS, auch wenn ich's selbst über Jahrzehnte war. Aber das ist eine andere Geschichte, ich wollte es ja mit aller Gewalt ...
Was mich freut und was Du NIE aus den Augen verlieren solltest, ist, daß Du Deine Erkenntnisse aus der Analyse Deiner Situation, so schlimm sie ist, als kleinen Schritt in Richtung Besserung siehst. Das zeigt, was in Dir steckt.
Du bist trotz allem eine Kämpferin und ich wünsche Dir wirklich, daß sich das eines Tages auszahlen wird.
Wie gerne würde ich Dir helfen, aber Deine Schilderung (die ich übrigens für absolut autenthisch halte - ich klopfe jedes Kommentar, das ich lese, auf Autentizität ab) läßt mich sprachlos zurück. Das kommt selten vor.
Von ganzem Herzen alles Gute auf Deinem Weg ! Berichte gelegentlich von Deinen Erfolgen, ich würde mich darüber freuen, und seien die Erfolge noch so klein.
Cheers |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 20. Mai 2015 18:28 Titel: |
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Arschbombe hat Folgendes geschrieben: | Mir persoenlich ist das alles zu viel Gelaber. Also konnte ich das hier nicht alles lesen, drum antworte ich mal auf den Titel der da lautet "keine lust auf "ewige nüchternheit" - wa... ." |
hmmm, schwierig. du gibst ja überall deinen senf dazu, ohne dich inhaltlich eingehender mit den themen zu befassen.
FÜR MICH sind es phrasen, die du anbringst. auch wenn einige davon natürlich richtig und passend sind an manchen stellen.
ich kann halt nix mit dem weg einiger "altjunkies" anfangen, die es sich zur mission gemacht, ihre abkehr als evangelium unters volk zu tragen. du nutzt ja den deckmantel der vorgeblich "offenen worte", die nicht jeder abkönne.
ich kann offenheit sehr gut ab, sofern sie denn treffend ist. aber manche dinge, die du den leuten hier unterstellst (wohl weil du von dir auf andere schließt), sind halt vollkommen unzutreffende küchenpsychologie.
ich schätze dich, arschbombe! das ist jetzt nicht böse gemeint. aber ich kann halt mehr mit beiträgen anfangen, die differenziert sind und wo man einfach merkt, dass die leute sich MÜHE GEGEBEN haben.
dieses gerede von "sei ein mann", und "eier haben" kenne ich von olli kahn und co.! auch die spieler des HAMBURGER SV reden seit monaten davon, dass sie "im abstiegskampf ihren mann stehen wollen". aber wie man sieht: alles nur heiße luft!
wenn ich nicht an mir arbeiten würde, gäbe es auch keine selbstkritischen beiträge. hier weiß doch keiner über den anderen, was er wie und wo im REAL LIFE macht. deshalb wundert es mich immer wieder, wie einige hier zu pauschalurteilen ansetzen können. das ist meine sichtweise.
die sichtweise der "pauschal-verurteilenden" ist die: man liest einen absatz und hängt sich an einem begriff oder seiner eigenen vorstellung des geschriebenen auf.
und dass sowas käse ist, muß ich doch eigentlich nicht extra erläutern, oder? |
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