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Nurse Anfänger
Anmeldungsdatum: 20.08.2013 Beiträge: 6
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Verfasst am: 20. Aug 2013 20:12 Titel: Betrug auf Entzug |
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Hallo und guten Abend!
Ich stelle mich hier möglichst kurz vor, um euch genug darüber zu informieren, was mich dazu bewegt hier zu posten!
Ich verfolge dieses Forum schon seit einer Weile. Von Beruf bin ich Krankenschwester, und arbeite auf Alkohol-und Drogenentzug. Dieses Forum hat mir bei vielen Fragen immer top weitergeholfen, und mir auch viel beigebracht über das Thema Suchtverhalten, Substanzissbrauch etc., war auch hilfreich, um den ein- oder anderen Patienten besser zu verstehen.
Bevor ich weiter und genauer über meine Arbeit berichte, möchte ich euch wissen lassen, dass ich selber nicht ganz unbehelligt bin mit dem Konsum von Drogen
Ich bin Mitte Zwanzig und habe bis Dato schon fast alles ausprobiert was so üblich ist. Ein bis Zweimal im Jahr geb ich mir auch absolut wundersame und schöne LSD-Trips, Zieh ganz ganz selten das ein oder andere Näschen, und der Feierabend-Dübel oder die Lunte am See oder auf der Party kommt auch sicher mehrmals im Monat vor. Ein Suchtproblem sehe ich nur beim Rauchen, Alkohol trinke ich fast nie, und auch Benzos oder Schlaftabletten habe ich noch nie in meinem Leben angerührt, obwohl ich täglich damit in der Arbeit rumhantiere. Heroin Crack Crystal Badesalze hab ich und werde ich auch hoffentlich nie anrühren.
Soviel zu meiner Person.
Wie schon oben erwähnt arbeite ich mit Abhängigen, auf einer offenen Station mit Schwerpunkt Suchterkrankungen. Das Klientel sind Hauptsächlich Alkohol unnd Polytox, und die Entgiftung nennt sich qualifiziert und ist ausschließlich auf freiwilliger Basis! Qualifiziert deswegen, weil wir viel Gruppenarbeit machen und auch Dinge wie Langzeittherapien und sonstige Zukunftspläne versuchen in dem kurzen Aufenthalt in die Wege zu leiten.
Das mache ich nun seit fast zwei Jahren und habe auch großen Spaß daran Informationsgruppen zu halten, die sich Rund um das Thema Sucht drehen.
Nun zu meinem Problem, welches sich nun schon seit einer Weile einschleicht und mich immer mehr entnervt ...
Wie gesagt, wir haben auch viel Polytoxes Klientel. Und genau darum dreht sich meine Frage .
Alle die kommen zu uns, müssen zuerst eine gewisse Motivation zeigen, müssen zu Vorgesprächen und und und, also uns zeigen, dass sie absolut daran interessiert sind, zu entgiften.
Sind sie nun stationär aufgenommen, geht es los. Es wird gemauschelt, konsumiert, sogar gedealt auf Station - oder im Haus-/Gartenbereich. Das alles sind Dinge die offensichtlich geschehen, aber ohne handfeste Beweise können wir nix machen.
VIele Patienten ( Fast ausschließich Polytox) ballern sich zu bis unter die Hutschnur - und wissen genau, was sie nehmen müssen, damit es die bestimmte Substanz in unseren Tests nicht anzeigt. Rennen dicht über die Station, ziehen andere Patienten die es wirklich Ernst meinen mit ins Unglück, machen sich lustig über die Regeln die es gibt. Auch wenn sie offensichtlich dicht sind, können wir mit negativem Drogentest nichts ausrichten.
Mich interessiert, weswegen man sich so Mühe gibt stationär zu Entgiften, um sich dann nebenher andere Dinge einzuschmeißen , Urine zu verfälschen oder sonstwas?
Lange wars mir egal - Die Leute sind eigenverantwortlich da, und wenn sie der helfenden Hand in die Handfläche scheißen betrügt man sich im Grunde selber und kann drauf warten bis etwas schlimmeres passiert.
Mich quält nun die Frage - WARUM ? Warum begebe ich mich auf einen Entzug, wenn ich es einfach nicht Ernst meine ?
Ich verstehe es total, dass wenn ich auf Entzug bin, es auch ernst meine aber dann furchtbar affig bin und mir im Garten wer was anbietet und sagt - nimms! Die schnallen es eh nicht - Logo würd ich zugreifen. Dafür habe ich absolutes Verständnis.
Aber die Leute, die einfach nicht damit aufhören- nur ticken, mauscheln, betrügen und lügen - Warum sind sie da?
Ich muss noch dazusagen, wir machen einen warmen Entzug- fast schon einen heißen -und gehen nicht ungroßzügig mit dem Oxazepam um; Auf der Straße hört man sogar, von unserer Station käme man dichter zurück als wie man hereinkommt.
In letzter Zeit geht mir jedoch so sehr die Geduld flöten - zu sehen, wie wir verarscht werden, im Grunde zu wenig deswegen machen zu können. Zu sehen, wie die Füchse die anderen, die es Ernst meinen, herunterziehen.
Ich verstehe nicht, warum ich auf Entzug ALLES probiere, um nebenher zu ballern was geht, wovon ich weiß, das man es nicht nachweisen kann/ wird ?
Warum gehe ich auf Entzug, was auch so viel Geld kostet ?
Ich habe ALLES Verständnis für Suchterkrankung. Empathie, Geduld,auch Humor, Mache mir sehr viele Gedanken. Jedoch hat mich meine Erfahrung gelehrt, dass man nicht alles auf die Sucht schieben kann.
Auf unserer Station wird alles eher lockerer gehandhabt, auch Regelverstöße werden im Grunde nicht wirklich von den Ärzten Verfolgt ( Die Bettenbelegung MUSS JA STIMMEN! ) Das ist sicher auch in der Szene bekannt. Aber trotzdem...Ich geh doch nicht auf Entzug, um mich vollzuballern, auch wenns möglich ist. Dann kann ich es lassen. Es kostet ja auch wahnsinnig viel für die Kassen!
Hat jemand Erfahrung von euch ? Kann mir jemand berichten, wie er/sie auf Entzug rumgemauschelt, betrogen und konsumiert hat ? Und was der Hintergrund dafür war ? Was im Hirn vorgeht, wenn ich so etwas tue ?
Ich lese das alles völlig wertfrei, ich poste aus reinem Interesse, und vllt könnt ihr mir weiterhelfen, mich weniger durch solches Verhalten Stressen zu lassen, und mehr Verständnis dafür bekomme.
Ich liebe meine Arbeit, und hoffe, wenigstens einen Menschen in meinem Leben dauerhaft clean zu bekommen
Lieben Gruß, ich warte gespannt auf die Antworten.
Haut rein!
Nurse |
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anny Gold-User

Anmeldungsdatum: 14.10.2011 Beiträge: 464
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Verfasst am: 20. Aug 2013 20:33 Titel: |
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Hi,
ich antworte dir nachher noch ausführlich.
Aber ich möchte vorher noch etwas fragen?
Habt ihr Leute da, die mit einem 35er/36er zu euch kommen? Die also entgiften und auf Therapie gehen "müssen"?
Und: Fängt der Name der Stadt in der die Klinik liegt mit G an? Deine Beschreibung kommt mir so bekannt vor...
Viele Grüße |
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Sophisticated Silber-User

Anmeldungsdatum: 06.12.2012 Beiträge: 244
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Verfasst am: 20. Aug 2013 20:49 Titel: |
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Liebe nurse,
es ist toll, dass Du Dir so viel Gedanken machst und ich verstehe Deine Frustration.
Leider ist es mit der Sucht so, dass es eben keine reine Willenssache ist. Ob ich den Entzug schaffe hängst stark davon ab, mit welcher Motivation ich rangehe.
Wer eigentlich gar nicht wirklich substanzfrei sein will, den aber die Abhängigkeit doch irgendwie auch nervt, der denkt halt nur, och ich entzieh mal. Was das bedeutet, merkt er möglicherweise erst, wenn er in der Situation ist.
Ich hatte eine Freundin, die sagte mir dauernd: 'Morgen hör ich auf'. Die hat wirklich dauernd entzogen und genauso oft wieder angefangen, weil sie einfach nicht ohne sein konnte, nur eingestehen wollte sie sich das die ersten 15 Jahre nicht...
Dass Leute andere mitreinziehen, ist ein altbekanntes Problem. Ich hab auch einen guten Freund, den einzigen den ich noch kenne, der mein Suchtmittel (Pola) hat, denn mit der Szene und drauf-Freunden habe ich sonst bewußt komplett gebrochen. Ich hab ihm schon so oft gesagt: bitte bitte gib mir nichts mehr, auch wenn ich dich danach frage, du würdest mir damit so einen großen Gefallen tun, wenn ich wüsste, ich bekomme nichts mehr von Dir. Pustekuchen. Wann immer ich anrufe, kann ich vorbei kommen. Das ist echt übel, wenn man eh grad am runterdosieren ist...Das macht das ganze Vorhaben noch viel viel schwieriger, und ich würde es den Füchsen an Deiner Stelle auch mal sagen, wie übel es ist, wenn sie andere verführen... |
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Nurse Anfänger
Anmeldungsdatum: 20.08.2013 Beiträge: 6
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Verfasst am: 20. Aug 2013 21:20 Titel: |
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Hi anny! Zu deiner frage- wir haben durchaus auch Patienten, die aufgrund einer Auflage oder eines Paragraphen zu uns kommen. Ich finde natürlich, die Muss man trennen und nicht auf einer Freiwilligen Station aufnehmen - weil freiwillig ist das natürlich weniger. Die haben wir aber ganz selten, da wir uns auch Mühe geben, diese nicht aufzunehmen . Aber Hey- Chance für jeden! Bei denjenigen welchen ist dieses verhalten vorprogrammiert ( meistens jedenfalls) . Verstehe ich auch!Passiert aber leider fast bei 100% bei den anderen, die wirklich freiwillig da sind! Ein Jammer.
Die Stadt in der ich arbeite fängt nicht mit G an, es ist interessant zu hören, dass das auch anderswo ähnlich ist. .. Ich freue mich auf deine weiteren posts.
An sophisticated- danke für deine Antwort! Das macht Sinn... Jedoch die meisten, die das mschen, sind Super Therapieerfahren und wissen, worauf sie sich einlassen... Und wissen genau wie sie tricksen können.
Aber so wie du mir das mit deiner Freundin da erklärst, verstehe ich das schon ! Und Das anzusprechen und da an die Moral zu appellieren, wird meistens belächelt ... |
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PumpsnRoses Silber-User

Anmeldungsdatum: 06.03.2013 Beiträge: 265
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Verfasst am: 21. Aug 2013 03:32 Titel: |
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Hey nurse,
ich kenne es von meinen Entgiftungen, stationär 6 Stück in drei verschiedenen Einrichtungen, das es eigentlich was das Klientel angeht, überall ähnlich läuft.
Es gibt meist 1-2 Leute die entweder direkt was mit auf Station bringen, oder aber es so bunkern das sie bei Gelegenheit dran kommen.
Nun sind diese Pappenheimer ja nicht unbedingt in einem Zimmer untergebracht.
Da sich aber die jeweiligen Zimmerpartner meist zumindest für die Zeit auf Station zusammentun, wissen bei Doppelzimmern dann schonmal 4Leute Bescheid, die dann meist auch einknicken( also die Zimmerpartner).
Dann ist man ja meist auch noch mit anderen viel zusammen, sind die einem vertrauenswürdig und sympathisch, dann werden auch die eingeweiht.
Und so verbreitet sich das ratz fatz über mindestens die halbe Station.
Ich habe es auch schon erlebt, das Leute im hinteren Gemeinschaftsraum ganz offen gesoffen haben.
Die sind sturzbetrunken ins Arztzimmer und haben sich von der Schwester die Nachtmedis geben lassen.
Das muss diese bemerkt und gerochen haben,aber es geschah null.
Auch am nächsten Tag nicht.
35er auszusortieren wird das Problem der Unmotiviertheit nicht lösen.
Wieviele gehen auf Entgiftung weil es die Eltern, der Freund, die Ärztin, man selbst nur wegen gesellschaftlicher Normen will, und eigentlich im inneren überhaupt kein Abstinenzwille vorhanden ist. Man macht es nur aus Angst vor Konsequenzen welcher Art auch immer.
Da lässt man sich unglaublich schnell für negatives beeinflussen.
Und natürlich gibt es auch die,denen es nur darum geht sich zu feiern, wenn sie das Personal mal wieder überlistet haben.
Welche Tricks und Möglichkeiten es gibt, werde ich dir nicht sagen.
Einfach weil das für mich genauso wenig vereinbar wäre, wie der Polizei einen Dealer zu benennen.
Aber vielleicht konnte ich dir auch so ein kleines bisschen weiterhelfen.
Und hänge dich nicht zu sehr an den Gedanken, das die Leute clean werden.
Die meisten schaffen es nicht.
Eins noch: Sehr problematisch ist meiner Meinung nach auch, Beikonsumentgiftungen und Komplettentgiftungen zu mixen.
Leider ist das gang und gebe.
Dadurch entstehen dann auch oft solche Situationen wie du sie beschreibst.
Oft ist es auch schwierig reine Alkoholiker mit Drogensüchtigen zu mischen.
Ich empfinde z.b. die Lautstärke vieler Alkis beim eigenen Entzug äußerst unangenehm.
Es ist schon deshalb schwierig, da Alkis am Anfang Schmerzen haben und Suchtis( zumindest beim warmen Entzug) zum Ende hin.
Viele können eine gegenseitige Rücksichtnahme, die wichtig wäre, in solch einem Rahmen( manch einer vielleicht auch garnicht) nicht praktizieren.
Da ist von vornerein Konfliktpotenzial gegeben.
Vielleicht konnte ich dir ein wenig weiterhelfen.
LG von Rose
Ich wünsche dir viel Kraft um uns Chaoten zu ertragen. |
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tuutsweet Gold-User


Anmeldungsdatum: 22.05.2012 Beiträge: 929
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Verfasst am: 21. Aug 2013 08:23 Titel: |
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ja ja nurse so sind sie die junkies.Alles schön abchecken und sich dann am 15. einweisen lassen, wg chronischem Substanz-und Finanzmittelschwund, dem Personal den sterbenden Schwan machen und dannauf Oxax etc auf Station rumtanzen und den ganzen Tag Schwachsinn labern.
Das passt natürlich wieder genau ins Bild.
Diese Scheiss Assis von Süchtigen illegaler Substanzen.
Entgiftungen sollte es nur noch 1mal pro Jahr geben und Schluss.
Das ist sogar meine Meinung als Langdruffi.
Man muss das was man tut zu schätzen wissen und Menschen die einem wirklich wohlgesinnt sind ( noch !) nicht vergraulen.
Aber du bist die nurse und verliere deinen Glauben an die Drogis nicht , die es ernster nehmen, die existieren nämlich auch, lassen sich zwecks Stabilität oder wie ich, der lieber zu Hause entgiftet nicht bei dir blicken.
Du machst einen guten job! |
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newlife Platin-User

Anmeldungsdatum: 30.11.2011 Beiträge: 1844
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Verfasst am: 21. Aug 2013 09:00 Titel: |
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ich will mal festhalten, dass ich nur dann entgiften gehe, wenn ich auch entgiften will. In unserer Klinik wird auch mehr oder weniger qualifiziert entgiftet, je nach Personaldichte gibt es mehr Gruppenarbeit oder auch mal weniger. Bei mir ist es Alkohol und Benzos, auf der Station finden sich neben den reinen Alkis (rund 80 %) eben auch Politoxe, auch Abhängigkeit von niederpotenten Opiaten sind dort mit dabei.
Daneben gibts noch ne reine Drogenstation, auf der war ich noch nie, weil die Drogen die ich nehme, eben zusammen mit Alkohol entzogen werden. Ich war im Übrigen früher auch nur reiner Alki.
Ich persönlich habe in der Suchtarbeit schon einiges gemacht. Habe über einen Zeitraum von rund zwei Jahren eine Selbsthilfegruppe für jüngere Alkis geleitet und war selbstverständlich auch clean in dieser Zeit.
Ich bin und bleibe der Ansicht, dass eine Entgiftung völliger Schwachsinn ist, wenn die Teilnehmer sich während der Zeit mir irgendwas zu ballern. Auch mir wurde bei meinem letzten Entzug dann unterstellt, ich würde heimlich nebenher auch Benzos futtern, weil der Wert nicht runterging. Das war aber definitiv nicht der Fall, ich kam wahrscheinlich mit einem Wert von 2000, wenn man aber nur bis 200 messen kann, dauert das eben Wochen. Zumal ich auch 14 Tage lang mit Diazepam entzogen wurde und das ja dann auch noch dabei ist.
Ich habe eine klare Sicht auf die Dinge und würde auch diejenigen direkt mal ansprechen, ob sie überhaupt entgiften wollen oder sich nur mal in einem gepflegten Rahmen zuballern wollen.
Das jetzt im Anschluss an den Entzug zwangsläufig ein cleanes Leben folgen soll ist allerdings Wunschdenken. Da musst du dann selbst auch mal auf dich schauen, du lebst schließlich auch nicht clean. Ich lebe auch nicht mehr clean, finde aber schon einen Weg, um mit mir selbst weitgehend klar zu kommen.
Jeder Süchtige kommt da auch nicht hin. Ich sage immer, dass es irgendwann schon funktionieren kann, aber eben nicht auf Knopfdruck. Also eben nicht dann, wenn du gerade in der Klinik bist. Das Suchtverhalten ist eben emotional im Menschen verankert und du kannst mit deinem Verstand mal eine gewisse Zeit dagegenhalten, aber nicht dauerhaft.
Meine Arbeit in der Suchthilfe musste ich natürlich niederlegen, habe aber auch selbst erkannt, dass ich mir das Ganze mehr oder weniger zwanghaft auferlegt habe. Das ist eine Erfahrung die ich gemacht habe, die sehr deutlich zeigt, dass du mit dem Verstand alleine nicht clean bleiben kannst.
Aus heutiger Sicht räume ich dem Ganzen aber nicht mehr so den Stellenwert ein. Ich konsumiere zwar ein paar Drogen, mache aber auch viele andere Dinge und möchte mich nicht mehr permanent mit dem Thema auseinandersetzen. Mit Sicherheit habe ich nicht meine letzte Entgiftung gemacht, aber das sind ungelegte Eier, über die ich mir hier und heute nicht den Kopf zerbrechen werde.
LG |
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Nurse Anfänger
Anmeldungsdatum: 20.08.2013 Beiträge: 6
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Verfasst am: 21. Aug 2013 10:46 Titel: |
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Wow, so viele lange und detaillierte Antworten! Ich freue mich sehr darüber, auch um zu sehen dass die ARbeit die man macht auch geschätzt wird ..
Der Illusion von dauerhaft clean hab ich mich schon lange nicht mehr hingebeben, das ist zu schwer und klappt so gut wie nie.
Ich finds auch völlig OK wenn mir jemand sagt hey- dauerhaft clean werde und will ich nie sein, aber ich brauch ne kurze Erholung, muss mich ein bisschen päppeln lassen. Find ich völlig OK wenn man die Eier hat uns das so zu sagen!
Was ich Super fand, war die Aussage von PumpsnRoses über diejenigen, die sich auf Entzug begeben um sich zu feiern, weil sie Personal überlisten können.
Sowas dachte ich mir öfter, habe jedoch nicht wirklich glauben wollen, dass es wirklich so ist.
Tips und Tricks möchte ich gar nicht wissen - da bei uns eh nichts dagegen unternommen wird von den Ärzten aus ( wie gesagt, Hauptsache die Zahlen und Belegung stiimmen) würde mich das nur frustrieren. Im Grunde ist es eh wie gesagt die Eigenveratwortung und irgendwo auch ein Selbstbetrug...
Ich distanziere mich so gut wie möglich, nehme das auch nicht persönlich.
Ich danke euch sehr für die Ehrlichkeit, meine Arbeit werde ich nicht so rasch verzweifelt niederlegen , es macht mir trotzdem großen Spaß und ich gebe mein Bestes! Es sind ja auch interessante Menschen , von denen ich jeden Tag mehr lerne als die von mir
Ich wünsch euch nen schönen Tag, und freue mich weiterhin auf Antworten!
Haut rein,
Nurse |
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PumpsnRoses Silber-User

Anmeldungsdatum: 06.03.2013 Beiträge: 265
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Verfasst am: 21. Aug 2013 11:27 Titel: |
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Nurse, ich hätte mal noch eine persönliche Frage an dich.
Du sagst ja, das du ab und an selbst gern mal was konsumierst.
Ich bin auf den Entgiftungen, gerade im Raucherraum , auch öfter mal mit dem Personal ins Gespräch gekommen.
Da wurde mir gesagt, das das Personal von Entgiftungsstationen auch selbst regelmäßig unangekündigte UK's machen müssen.
Ist das bei euch nicht der Fall?
Was das Thema reine Belegungszahlen angeht, so hast du leider so recht.
Eine super Stationschefin hat 2009 ihren Job gewechselt, weil sie eben genau das nicht mehr ertragen konnte.
Eine Sache fand ich persönlich auf Entgiftung immer schwierig ( ich bin übrigens auch nur gegangen, wenn ich glaubte es zu schaffen,leider war das nicht der Fall), und zwar wenn man total affig war, das einem dann jemand aufs Zimmer gelegt wird der total dicht ist.
Kann man da nicht zwei Leute die affig sind zusammen legen?
Ich hätte mich da besser gefühlt.
Klar kann es auch schief gehen, und man schaukelt sich gegenseitig hoch.
LG,Rose |
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newlife Platin-User

Anmeldungsdatum: 30.11.2011 Beiträge: 1844
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Verfasst am: 21. Aug 2013 11:41 Titel: |
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ich finde deine grundlegende Haltung gut. Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn sich dort einige Patienten sozusagen mal "aufpeppeln" wollen. Das ist zu akzeptieren, nur dann sollen sie es bitte auch tun.
Gerade bei qualifizierten Entzügen steht aber eine Therapiemaßnahme oft in direktem Zusammenhang, das heißt, die Werbetrommel dafür wird kräftig gerührt.
Generell begrüße ich es auch, wenn jemand Therapie machen möchte, nur darf man dabei nicht in das Fahrwasser geraten und eine Aussage dahingehend treffen, dass durch eine Therapie ein dauerhafter Cleanstatus erreicht wird, weil das ja andere auch geschafft haben. An dieser Stelle sollten wir unsere Betrachtung wieder auf uns selbst richten und uns vergegenwärtigen, dass wir Menschen unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten mit uns bringen. Auch der soziale Rahmen, in dem wir leben ist bei jedem völlig anders. Darüber hinaus ist nicht jede Therapieform für jeden Menschen geeignet. Es ist schon so, dass dem einen ein verhaltenstherapeutischer Ansatz reicht, der andere aber tiefenpsychologisch an sich arbeiten sollte. Außerdem sollte die Bereitschaft zur Veränderung entsprechend ausgepägt sein. Wenn dem nicht so ist, dann brauche ich die Person auch nicht zu einer Therapie verdonnern. Leider greift hier unser Sozialsystem viel zu oft zu irgendwelchen Pauschalaussagen und es wird schnell damit abgetan, dass ja einige Süchtige einfach nicht "wollen". Das ist mir aber aus o.g. Betrachtung zu einfach dahergeredet.
Aus meiner Sicht ist es auch ein Erfolg wenn Süchtige es schaffen, ihren Konsum zu reduzieren, die Anzahl der Entgiftungen weniger werden und sie auch dadurch mehr Licht am Horizont entdecken. |
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Nurse Anfänger
Anmeldungsdatum: 20.08.2013 Beiträge: 6
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Verfasst am: 21. Aug 2013 16:37 Titel: |
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Jo, Über das Sozial- und Gesundheitswesen könnte ich nochmal einen Thread aufmachen um mich so richtig auszukotzen Da geb ich dir recht, newlife.
PumpsnRose, Nein - wir müssen keine UK's abgeben. Find ich auch Krass , dass das bei manchen Einrichtungen so ist! Meine Stationsleiter so wie Kollegen kiffen auch fast alle ganz gern mal, da wird auch offen drüber gequatscht und gelacht. Natürlich nicht so offen vor den Patienten
Privat ist Privat und Arbeit ist Arbeit. Wenn ich nicht offensichtlich breit in die Arbeit komm und alles verkack, oder mit ner Fahne bis zum Himmel, finde ich auch nicht dass man weiter eingreifen sollte.
Auch wenn ich mir mal ein Bier kauf und leider zufällig einen Patienten oder Expatienten treffe ist mir das Wurst - wie gesagt, da Trenne ich Privat und Arbeit!
Bei Patienten stellen gehen , das ist natürlich Tabu ! haha  |
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