Emotionaler Stress mit dem Clean sein

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johnny_smith
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.08.2013
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 22. Aug 2013 16:55    Titel: Emotionaler Stress mit dem Clean sein Antworten mit Zitat

Hi Leute,
meine Vorgeschichte ist ein klassischer Fall wie er hier zigmal zu lesen ist.
Ich bin jetzt 27 Jahre und wenn ich zurück blicke, bin ich die letzten 10 Jahre mehr oder minder völlig stoned durchs Leben gewandelt. Ich habe im Prinzip nachdem Abitur bis heute nichts vorzuweisen außer ein halb-fertiges Studium.

Cannabis rauche ich seit einem halben Jahr nicht mehr. Vor 2 Monaten habe ich auch den exzessiven Zigarettenkonsum eingestellt. Außer ein paar Flaschen Bier lebe ich den "Nullkonsum" wie ihr es nennt.

Obwohl ich schon mehrfach in den letzten Jahren phasenweise kein Gras geraucht habe ist es diesmal komplett anders. Ich habe diesmal endgültig "all das" hinter mir gelassen. Für immer.

Mein Problem, so komisch es klingen mag ist folgendes:
Es macht mich total verrückt und fertig was ich die letzten Jahre mit mir und meinen Mitmenschen getrieben habe. Viele Freunde wegen den Drogen verloren, die Falschen kennen gelernt, unendlich Geld verblasen ... usw (ihr wisst sicher was ich meine)

Mich plagen massive Schuldgefühle und ich komme einfach nicht mehr klar. Anstatt nach vorne gucke ich nur noch nach hinten und habe schon Angst, in eine Depression reinzurutschen. Wahrscheinlich hab ich früher genau wegen diesen Problemen wieder angefangen mit den Drogen. Ich bin sehr emotional und instabil z.Z. und das schlimmste ist, dass ich in eine völlige Lethargie verfalle anstatt die Probleme anzugehen (stichwort Studium)

Ich habe ganz klare Erkenntnisse über mich selbst gewonnen in den letzten Wochen nachdem der Alltag einzug gehalten hat, denn die ersten Monate Nüchtern waren geprägt von einer unglaublichen Freude. Jetzt schlägt das alles ins Gegenteil um.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich bin ziemlich fertig und brauche euren Rat! Rolling Eyes
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TomasG
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 03.11.2011
Beiträge: 1301

BeitragVerfasst am: 23. Aug 2013 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

ja es ist nicht so leicht sich an die nüchternheit zu gewöhnen.
wegen depresion, evtl ein antidepresivum verschreiben lassen.
und dir mal selbst in den hintern treten, und die sachen angehen, also um job/studium kümmern, und mal kontakt zu deinen früheren freunden suchen, durchaus möglich das sie dich wieder *mögen*, wenn sie sehen das du den konsum eingestellt hast, und jetzt dein leben wieder in die hand nimmst.

such dir leute um über deine probleme zu reden, ob nun verwandschaft, freunde, oder professionelle psyschologen...
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Berlin30
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 16.08.2013
Beiträge: 242

BeitragVerfasst am: 23. Aug 2013 23:46    Titel: Antworten mit Zitat

Willkommen im Club.

Zu mir: 15 Jahre gekifft, 16 Jahre hardcore Kippen geraucht, 12-14 Jahre regelmäßiger Konsum chemischer und halluzinogener Substanzen (typischer Techno- bzw. Goa-User), vor 2 Jahren aufgrund einer Beziehung eeendlich nach tausend Versuchen mit den Rauchen aufgehört, dadurch dann auch automatisch mit dem Kiffen aufgehört.

In meinen Nullphasen (ich mach seit 5 Monaten ne ambulante Verhaltenstherapie, hab nen verantwortungsvollen Job und meine Freundin toleriert meinen Konsum auch null) krieg ich regelmäßig nach ca. 4 Monaten nen Ausraster, wenn der Druck massiv ansteigt und ich gebe diesem Impuls auch ganz BEWUSST nach.

Nach 15 Jahren nonstop Konsum ist es - für mich persönlich - völlig unrealistisch, dauerhaft aufzuhören. Es ist auch nicht das, was ich will.

Ich brauche den Kick 3-4 mal im Jahr und das akzeptiere ich. Es ist ein Ventil. Weder ich selber, noch meine restlichen Freunde (die inzwischen auch clean sind), noch mein Therapeut verurteilen mich dafür.

Ich war immer ein Verfechter von "Safe Use" und einem bewussten Umgang mit diesen Substanzen, however --- ...

Zurück zu dem Ausgangsthema:

Mit seinem (teilweise verdammt tristen, eintönigen und langweiligen) Alltag, den ganzen Aufs und Abs und Konflikten, seien sie sozialer Natur oder sonstwie geartet, im klaren Kopf klarzukommen, ist HART und nach mehr als 10 Jahren Dauerkonsum vor allem ungewohnt.

Erstmal will ich Dir auf jeden Fall in Deiner Entscheidung bestärken, denn EGAL, wie lange Du clean bleibst oder bist, ist JEDER Tag, an dem Du lernst, Deine Emotionen ohne Betäuben auszuhalten und mental zu steuern, ein verdammter Gewinn und ein Fortschritt im Gegensatz zu den letzten 10 Jahren.

Setz Dich nicht so unter Zugzwang. Eine große Gefahr besteht generell darin, das man zu übermotiviert ist und zuviel gleichzeitig will. In Deinem Fall z.B. das Studium erfolgreich zu beenden.

Frag Dich mal ernsthaft, ob es realistisch ist. Für DICH. Ob Du überhaupt noch mental und emotional in Deinem Kampf in der Lage dazu bist, viele Baustellen gleichzeitig zu beackern ...

Ich rate Dir auch DRINGEND zu einer Gesprächstherapie bei einem coolen, bodenständigen und entspannten Verhaltenstherapeuten (z.B. wie bei mir 1 mal 1 Sitzung pro Woche), mit dem Du Deinen aktuellen emotionalen und psychischen Zustand und Deine alltäglichen Probleme, Erfolge und Herausforderungen besprechen kannst.

Ich glaube, das würde Dir sehr helfen - und Du würdest ggfls. innerhalb kurzer Zeit all das Chaos in Deinem Kopf sortiert haben. Dann hast Du auch wieder Zeit und Platz für ein Studium.

Übernimm Dich also nicht, es ist der richtige Weg, auch wenn es hart wird, all die Defizite der letzten Jahre aufzuarbeiten. Es ist ein harter Weg, der sich lohnt. Hol Dir Unterstützung und klopf Dir mal regelmäßig auf die Schulter für die Dinge, die Du schon geschafft, verstanden und hinter Dir gelassen hast.

Im Ernst, sei nich so hart zu Dir selbst.
Du packst das !

LG.
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bonsai
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 01.03.2012
Beiträge: 103

BeitragVerfasst am: 25. Aug 2013 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

Ein Teil meiner Therapie bestand darin mich auf das Leben ohne Suchtmittel einzustellen.
Schuldgefühle, Vorwürfe bzw. auch Euphorie, Übermotivation, falsche Erwartungshaltung u.s.w. kommen bei vielen vor und führen zu Unzufriedenheit und Frust und das birgt ein hohes Rückfallpotenzial.
Auch ich musste lernen damit umzugehen und nicht nach Therapie und ersten Erfolgen in ein Loch zu fallen.
Ich hatte aber permanent multiple professionelle Begleitung. Hast Du in der Richtung was unternommen. Oder eine SHG?

B.
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sabotage35
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 19.06.2012
Beiträge: 573

BeitragVerfasst am: 25. Aug 2013 22:24    Titel: Antworten mit Zitat

bonsai hat Folgendes geschrieben:
Oder eine SHG?


Was ist eine SHG?

Die 140 Zeichenregel nervt*Die 140 Zeichenregel nervt*Die 140 Zeichenregel nervt*Die 140 Zeichenregel nervt*Die 140 Zeichenregel nervt
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johnny_smith
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.08.2013
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 26. Aug 2013 11:20    Titel: Antworten mit Zitat

Zuerst mal danke für eure Antworten! Auch wenn ihr das vielleicht nicht zu schätzen wisst, sie haben mir teilweise sehr geholfen! Es tut gut auf Leute zu treffen, die wissen wovon man selbst eigentlich den ganzen Tag redet.

@sabotage35: Eine SHG ist eine Selbsthilfegruppe. Ich habe das bereits vor Tagen mal in Erwähnung gezogen und mich informiert. Obwohl ich in einer größeren Stadt wohne ist es schwierig eine passende SHG zu finden. Ich habe ein bisschen Angst davor, dass mich die Abhängigen chemischer harter Drogen belächeln. Rolling Eyes
Ich glaube aber, dass dieser Gedanke Unsinn ist. Trotzdem wäre mir eine explizite Cannabis-Gruppe lieber.


Ich rede viel mit verschieden Leuten aus meinem Umfeld über meine Probleme, viele können aber nicht begreifen wovon ich eigentlich rede...Versuchen aber trotzdem zu helfen!

Ich hätte einfach nicht gedacht dass es so verdammt hart wird. Ich habe mich immer der Illusion hingegeben dass Cannabis eine weiche Droge ist (was m.M. nach totaler Bullshit ist) Die letzten 10 Jahre waren durchaus auch mal Kiff-Pausen dabei, einmal sogar ein halbes Jahr. Es war nur nie lang genug um wirklich zu realisieren ... was ich da eigentlich getan habe. Jetzt nach einem halben Jahr der Nüchternheit holt mich einfach die Realität ein. Sie kann ziemlich hart sein!

Ich denke z.B. manchmal darüber nach, mit welcher Art Mensch ich Kontakt gepflegt habe... Solche Gedanken und ähnliche können einen ziemlich deprimieren.

@bonsai: Das einzige Positive was ich bis jetzt berichten kann ist mein Wille. In meinem Umfeld wird weiterhin Gras geraucht und ich möchte auch gar nicht den Freundeskreis wechseln, dass sind alles Leute mit denen mich mehr verbindet als nur Drogen. Trotzdem habe ich keine Angst vor einem Rückfall, erst Recht nicht wenn ich schlecht gelaunt bin. Irgendwie hat es im Kopf *klick* gemacht...ich habe mich endgültig vom Gras befreit. Fragt mich aber nicht woher diese Sicherheit kommt, ich spüre sie wie eine schützende Hülle Wink
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