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QyX Platin-User

Anmeldungsdatum: 04.07.2013 Beiträge: 1270
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Verfasst am: 16. Nov 2013 20:17 Titel: Nebenwirkungen von Opiaten/Opioiden |
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Vielleicht könnt ihr mir mit meinen Problemen etwas helfen. Auf jeden Fall kann ich nach einigen Monaten hier lesen erkennen, dass es hier eine unglaublich hohe Fachkompetenz was Opioide und Opiate betrifft gibt.
Also ich bekomme wegn einer chronischen neurologischen Erkrankung (RLS) i.V.m. Schmerzen Opioide . Opioide sind bei RLS Medikamente der 2. Wahl, bei Schmerzen und schwer ausgeprägtem RLS mtlw. sogar das Mittel der 1. Wahl. Neben Opioiden habe ich bei der Erkrankung praktisch alle in Frage kommenden Medikamente bereits versucht (Dopamin-Agonisten, L-Dopa, Benzos, Lyrica, Beta-Blocker, Carbamazepin etc.) und war deswegen auch schon in einer Spezialklinik.
Eigentlich sind Dopamin-Agonisten und L-Dopa die Mittel der 1. Wahl aber ich vertrage diese Substanzen überhaupt nicht. Die machen alles nur noch schlimmer und es kommt nach wenigen Tagen, manchmal auch schon nach der ersten Einnahme zu einer deutlichen Verschlimmerung der Symptome.
Mtlw. habe ich es von der Spezialklinik und zwei weiteren Ärzten, davon ist eine auch eine absolute Spezialistin auf dem Gebiet schriftlich, dass in meinem Fall Opioide unvermeidlich sind. Ich bin aber damit mehr als unzufrieden!
Zwar wirken Opioide sehr gut bei der massiven Beweungsunruhe, den Missempfindungen und den Schmerzen aber gleichzeitig scheinen die Opioide auch NW zu haben, die sich für mich zunehmend als problematisch erweisen.
Ich finde, dass sie mich lethargisch, antriebsarm und ängstlich machen. Gleichzeitig scheinen sie mich auf eine skurile weise zu aktivieren, so dass ich insbesondere Nachts aufgrund der stimulierenden Wirkung von Opioiden nicht einschlafen kann. Die Ärzte haben mir dann immer Benzos verschrieben. Damit konnte ich zwar dann schon einschlafen aber unter dem Strich wurde ich immer ängstlicher und depressiver, konnte gar nicht mehr denken und überhaupt hat mich diese Kombo aus Opioiden und Benzos total runtergezogen und fast vernichtet.
Bisher bekam ich folgende Opioide: am Anfang Tramadol, dann schon nach einer Woche Oxycodon, später dann Hydromorphon. Zwischen drin gab es auch Versuche mit DHC und Tilidin. Das hat alles leider nicht so richtig funktioniert. Insbesondere Tramadol und Oxycodon haben mich stark aktiviert. Da ging schlafen nur mit Benzos und das hat mich echt total erledigt.
Ich konnte in den letzten zwei Wochen meinen Arzt davon überzeugen, mit mir einen Versuch mit Morphin zu machen. Ich erhoffe mir dadurch eine bessere Verträglichkeit, ein Verschwinden dieser Stimulierung und eine stabilere Wirkung.
Als Kind und Jugendlicher hatte ich ein paar mal Codein bekommen und konnte davon immer ziemlich gut schlafen. Nun ist Morphin ja der aktive Metabolit vom Codein und ich erhoffe mir dadurch irgendwie wieder Nachts einschlafen zu können und nicht zu völlig unberechenbaren Zeiten und alle 2 Stunden mal aufwachen.
Ich habe mich immer so im Dosisbereich zwischen 40 - 180 mg Morphin (umgerechnet) bewegt. Hatte auch ein paar mal von Hydromorphon auf schwache Opioide gewechselt und mich runter dosiert. Das hatte 1x zu einem deutlichen aufhellen und aufklaren meiner Stimmung und Wahrnehmung geführt. Ich konnte das aber nicht mehr reproduzieren.
Am liebsten würde ich die Opioide mal ganz absetzen aber ich weiß nicht wie ich das anstellen soll. Die RLS-Symptome brechen dann massiv durch und ich hatte diese Symptome schon bevor ich zum ersten mal längerfristig Opioide bekam.
In den USA bekommen viele RLS-Patienten auch Methadon. Hier in D wird das praktisch gar nicht gemacht und was ich hier an Nebenwirkungen zu Methadon lese schreckt mich total davon ab. Außerdem ist eine ziemlich komplizierte Sache als Schmerzpatient Methadon zu bekommen.
Ich weiß jetzt nicht mehr so recht was ich tun soll. Vllt. bilde ich mir diese aktivierende Wirkung auch einfach ein und ich sollte am Abend mal einfach eine höhere Dosis nehmen?
Eine spezialisierte Ärztin meinte mal, ich könne es noch mit Buprenorphin-Pflaster versuchen. So Pflaster mag ich aber überhaupt nicht. Ich bevorzuge eindeutig den oralen Konsum nur sind diese Burprenorphin-Tbl. nur zur Substitution zugelassen.
Sedierende Antidepressiva und Neuroleptika etc. sind bei RLS total kontraindiziert und machen alles nur noch schlimmer.
Also konkret: wie könnte ich trotz Opioid/Opiat-Wirkung schlafen und was wäre ein Weg die Opioide mal, zumindest ein paar Wochen los werden?
Ich finde das ziemlich ärgerlich und belastend, dass mein Wohlbefinden auch von diesen Stoffen abhängig ist. RLS ist in meinem Fall eine chronische Sache, die mit zunehmendem Alter im besten Fall nicht schlimmer wird. In der Regel wird es schlimmer.
Ach ja, meine aktuelle Dosis ist 8 mg Hydromorphon, also etwa 50-60 mg Morphin. Montag kommt dann die Umstellung auf Morphin. Die Apotheke konnte mich über das WE nicht mehr beliefern.
Man sagt mir oft, dass ich nicht abhängig sei aber oft fühle ich mich so, so als ob Opioide mir meine Lebensfreude klauen. Ich immer auch schon eine Neigung zu Depressionen, einmal auch eine paranoid-manische Psychose gehabt, wurde lange mit Neuroleptika behandelt, die leider im Ergebnis die damals noch unentdeckte neurologische Erkrankung nur noch schlimmer gemacht haben.
Auf jeden Fall bekomme ich auch jetzt wieder ein Antidepressivum und ein Antiepileptikum als Mood Stabalizer.
Ich bin noch keine 30 und fühl mich durch diese ganzen Pillen irgendwie verdammt. Etwa 45 verschiedene Medikamente hat man schon probiert. So schweres RLS wie ich es hab ist eigentlich eine Sache von 50 oder 60+
Konventionelle Methoden haben mir bisher jedenfalls nicht geholfen.
Ich hatte gestern über die Heroinstudie gelesen und das Patienten bei Tagesdosen von über 400 mg Diamorphin arbeitsfähig waren und mehr oder weniger sich wieder in ein Leben integrieren konnten. Für mich ist das zur Zeit unvorstellbar, obwohl ich mit meinem Medizinstudienplatz noch Perspektiven habe.
Es hieß ich müsse irgendwie ein Leben mit den Opioiden finden aber ich weiß überhaupt nicht wie das gehen könnte. |
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Billy Bones Silber-User

Anmeldungsdatum: 01.11.2012 Beiträge: 275
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Verfasst am: 16. Nov 2013 20:44 Titel: Re: Nebenwirkungen von Opiaten/Opioiden |
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Hi!
Also, zumindest was Tramadol angeht, ist das keine Einbildung!
Tramadol ist in der Tat ein untypisches Opioid, da es wirklich eher antriebessteigernd wirkt...es hat eben auch die Wirkung eines SSRIs und die wirken auch antriebssteigernd/stimulierend, was aber nicht immer angenehm ist und eben auch zu Unruhe & Schlafstörungen führen kann.
Codein/Morphin wirken dagegen eher sedierend.
Methadon würde ich abraten, weil das macht wirklich lethargisch & apathisch; kann zu Depressionen führen und hat zumindest bei mir den Schlafrhythmus total zerstört: Tagsüber war ich müde & matt, aber nachts konnte ich nicht schlafen...außerdem macht es übelst abhängig.
VLG |
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Speechless Gold-User

Anmeldungsdatum: 07.10.2011 Beiträge: 673
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Verfasst am: 16. Nov 2013 21:18 Titel: |
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Huhu,
ich bin politox,hab Heroin,Kokain und Crack genommen.Mittlerweile bin ich beikonsumfrei.Ich bin in Substitution mit 8,5 ml Polamidon und bekomm morgens 300 mg Lyrica und abends genauso.Ich hab das selbe Problem wie Du.Es gibt Menschen die kurz vor dem 30 Lebensjahr damit zurecht kommen müssen.Ich bin nun 28.Ich war in einer neurologischen Klinik und bin wochenlang untersucht worden.Fest gestellt hat man dann ein atypisches RLS was bei mir den ganzen Körper befällt.
Für den Notfall hab ich dann noch Tavor 2,5 mg bekommen.Ich bin schon froh das ganze nicht täglich dauerhaft zu haben,aber alle paar Tage sucht es mich auf und das so extrem das ich nur noch schlafen will um nichts mehr mit zu bekommen.
Ich versteh Dich mit der Lebensqualität.Ich sitze auch teils hier und heule und frage mich,warum das auch noch.(Ich hab HIV und HepC,beim HIV sehr schlechte Werte und kämpfe um Besserung)
Einen wirklichen Rat kann ich Dir wegen des Opiats nicht geben denn ich kenne nur Heroin,Polamidon etc.
Aber ich wollte Dir zeigen das Du nicht allein bist,auch wenn es bei mir ein bischen anders ist als bei Dir.
Verlier nicht die Kraft und gib nicht auf.Irgendwann findest Du die Medies die Dir am besten helfen.Liebe Grüsse
Ps.Ich habe L-Dopa und vieles anderes auch nicht vertragen,erst das Lyrica half mir.Aber eben auch nicht immer ... |
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QyX Platin-User

Anmeldungsdatum: 04.07.2013 Beiträge: 1270
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Verfasst am: 16. Nov 2013 21:20 Titel: |
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Ja, ich weiß um die Besonderheiten von Tramadol.
In den letzten zwei Wochen hatte ich nochmal alle mir aktuell zur Verfügung stehenden Opioide in ihrer Wirkung verglichen.
Tramadol ist was die Aktivierung angeht definitiv die #1. An #2 kommt Oxycodon, was definitiv auch deutlich aktiviert. Bei #3 Hydromorphon bin ich mir schon nicht mehr so sicher. Ich kann da schon nicht mehr eindeutig trennen was Krankheit und was Wirkung des Medikaments ist. #4 Tilidin scheint mich am wenigsten zu aktivieren, relativ zum Hydromorphon und aufgrund seiner geringeren Potenz kann ich es aber viel feiner dosieren.
Ohne Opioidwirkung kann ich übrigens überhaupt gar nicht schlafen. Da habe ich eine so extreme Beweungsunruhe in den Beinen, dass an Schlaf überhaupt nicht zu denken ist. Außerdem werden insbesondere meine Waden und Füße extrem kalt was dann zunehmend in Schmerzen übergeht. Gleichzeitig zappele ich mit jeder Stunde immer mehr.
Mein primärer Arzt sagt mir oft, dass ich nicht versuchen soll alles ständig mit Tabletten zu lösen aber das mit dem Schlafen ist so ätzend. Disziplin und einfach ruhig im Bett liegen hat mich bis jetzt da noch nicht weiter gebracht. Ich spüre da einfach ständig so eine Wirkung in meinem Kopf, auf die sich meine ganze Konzentration und Wahrnehmung richtet und von der ich dann einfach nicht schlafen kann.
Für mich sind Opioide irgendwie Flucht und Segen zu gleich. Ich habe gegenüber Morphin mehr Hoffnungen, als ich meinem Arzt gegenüber zugeben würde. Auf der anderen Seite ist es auch das einzig Opioid das ich kenne, wo in den Nebenwirkungen explizit "Schlaflosigkeit" aufgelistet ist. |
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QyX Platin-User

Anmeldungsdatum: 04.07.2013 Beiträge: 1270
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Verfasst am: 16. Nov 2013 21:30 Titel: |
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Hey speechless,
konntest du denn unter Heroin besser schlafen? Nach der Passage der Blut-Hirn-Schranke wird aus Diacetylmorphin im Gehirn wieder Morphin. Heroin ist dann in der Konsequenz nichts anders als ne Pro-Drug von Morphin.
Lyrica hatte ich insgesamt 3 mal versucht, in unterschiedlichsten Kombinationen. Das hat mich immer total fertig gemacht und ist mir überhaupt nicht gut bekommen.
Auf jeden Fall kann man sagen, dass mir von allen Substanzgruppen die Opioide am wenigsten schaden.
Einen GdB von 60% habe ich auch, nützen tut mir das aber nichts.
RLS habe ich nur in den Beinen. Dazu aber immer wieder auch mal heftige Myoklonien wobei hier alle Körperregionen betroffen sein können.
RLS mit Hep-C und HIV ist ne üble Sache. Das sind beides zwei Erkrankungen, die ein RLS deutlich verschlimmern können. Las kürzlich von so einem Patienten, der zusätzlich noch Diabetes hatte und dialyspflichtig war.
Dem sein RLS wurde irgendwann so heftig, dass man ihn zur Dialyse narkotisieren musste. Am Ende hat er dann eine Morphin-Pumpe (intrathekal, zuerst 2 mg/24h, später 1 mg/24h) bekommen, was seinen Zustand deutlich verbesserte.
Ich hab jetzt sogar auch Patienten gefunden, die von ihren Ärzten wegen akutber RLS-Schübe zusätzlich Morphin-Ampullen zur subkutanten Injektion bekamen.
Diese Erkrankung ist richtiger fuck und sie kann einem jedes Leben nehmen.
Mir geht's wohl etwas besser weil sonst würde ich hier nicht schreiben. |
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