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JP Platin-User

Anmeldungsdatum: 22.01.2015 Beiträge: 1554
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Verfasst am: 20. Mai 2015 12:01 Titel: Der Familie von der Sucht erzählen? |
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Hallo Leute,
ich habe hier schon paar mal gelesen das manche offen mit ihrer Sucht umgehen, mich würde interessieren was euch dazu trieb?
Meine Familie weiß gar nichts, wenn ich sie besuchen fahre zb. Weihnachten, gehe ich 4 Wochen vorher schon unter Solarium und fange mit dem Sport an, wenn ich gerade drauf bin, besorge ich mir Metha oder Pola für die Zeit, ich konsumier gar nichts wenn ich da bin.
Natürlich treibt mich das an die Grenzen des machbaren, manchmal denke ich auch wenn meine Großeltern wüssten wie hart ich dafür Kämpfe zu ihnen zu kommen,
wenn ich nicht drauf bin musste ich zumindest den ganzen Dezember Beikonsum frei sein,
damit ich Take Home bekomme.
Ich nehme all diese Laßt auf meine Schulter weil meine Großeltern schon sehr alt sind, und in ihren Leben schon so viel mitmachen mussten,
sie würden sich zu Tode sorgen wenn sie wüssten das ihr Enkel ganz alleine Heroin abhängig in Berlin wäre.
Das kann ich meinen Großeltern einfach nicht antun, egal wie viel Leid ich aufbringen muss um das Geheim zu halten.
Wie ist das bei euch?
LG.JP |
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Südösi Gold-User

Anmeldungsdatum: 19.05.2015 Beiträge: 374
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Verfasst am: 20. Mai 2015 14:51 Titel: |
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Hallo JP,
Ich kann gut verstehen, dass du das verheimlichst. Man kann das einfach nicht jedem erzählen. Ich verheimliche das ja auch vor meinen Großeltern. Wenn die das wüssten, würden die auf der Stelle tot umfallen. Aber meine Eltern wissen das schon von Anfang an. Ich denke, dass man das halt differenzierter sehen muss. Manchen kann man das anvertrauen, manchen eben nicht. Vor allem in der Familie sind Notlügen und/oder Verschweigen gewisser Dinge manchmal einfach der einzige Schlüssel zu einem guten Zusammenleben...
Traurig aber wahr... |
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Südösi Gold-User

Anmeldungsdatum: 19.05.2015 Beiträge: 374
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Verfasst am: 20. Mai 2015 14:54 Titel: |
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Was ist eigentlich mit Deiner restlichen Familie? Eltern, Tanten, Onkel...
Wissen die bescheid? Oder hast du nur mit Deinen Großeltern Kontakt? |
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JP Platin-User

Anmeldungsdatum: 22.01.2015 Beiträge: 1554
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Verfasst am: 20. Mai 2015 15:16 Titel: |
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Ich glaube mein Vater weiß es, den der kennt sich ziemlich gut aus, zb hatte wir mal über Junkies geredet und er wusste das die Metha bekommen.
Ausserdem versucht die Psb ja von den Eltern Geld einzutreiben, ich weiß es aber nicht sicher.
Wenn ist es verdammt nett das er mich nicht drauf anspricht, das könnte unangenehm werden.
Die restliche Familie weiß das ich kiffe, wo bei ich nur selten kiff, aber müssen die ja nicht wissen. |
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Haschgetüm Platin-User


Anmeldungsdatum: 26.03.2015 Beiträge: 2502
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Verfasst am: 20. Mai 2015 17:11 Titel: |
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Ich hab´s offen gelegt und kann´s nicht empfehlen. Man fühlt sich zwar kurz wie erleichtert - aber der Umgang danach miteinander... hat bei uns nicht gut funktioniert. Ein Teil kommt damit klar - ein anderer Teil nicht. Ich würd´s nicht noch mal tun, ganz ehrlich. |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 20. Mai 2015 18:10 Titel: |
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also ich denke, es hängt von mehreren faktoren ab, ob man seine sucht offenlegen sollte.
zum einen ist das verhältnis zur familie ganz entscheidend, denn wenn man verständnisvolle (groß-)eltern etc. hat, dann ist das natürlich was völlig anderes, als wenn die familie eher konservativ und sehr auf die fassade bedacht ist.
zum anderen macht es auch etwas aus, wovon man abhängig ist. wenn man auf heroin ist, dann ist es sicherlich für die meisten familien eine katastrophe, weil das image dieser sucht sehr, sehr schlecht ist.
das gleiche gilt übrigens für methadon. wenn zb. ein elterteil, geschwister etc. bei mir "methaddict" finden und danach googlen würde, dann könnte da n ganz mieser (und auch falscher) eindruck entstehen. oft steht nämlich im internet, dass methadon "zur behandlung der heroinsucht" eingesetzt wird. es müsste allerdings präziser heißen "zur behandlung bei opioidabhängigkeit", denn ich bin in substi gekommen, ohne auf schore zu sein... es macht auch keinen großen unterschied, ob du auf mohntee, morphin, oxycodon, methadon oder auch heroin bist - sucht bleibt sucht!
aus den o.g. gründen halte ich es überwiegend geheim. das geht auch ganz gut, da man mir die sucht nicht unbedingt ansieht und ich auch wenig dinge wirklich "verstecken" muß. klar, es fiel schon auf, dass ich häufig zum arzt geh und 1-2 mal wurde ich von ner netten arbeitskollegin auf die tabletten angesprochen, weil die auf meinem bürotisch lagen... sie hat aber nicht gesehen, was da draufstand, weil ich sie nur ganz kurz da offen liegen hatte (trage die nämlich grundsätzlich verdeckt, auch damit zb. keine kinder usw. da rangehen können!).
kürzlich wurde ich gefragt, ob mich das nicht belasten würde... NEIN! das belastet mich nicht sonderlich, zumal mein engstes umfeld (bestimmte geschwister, zu den ich ein gutes verhältnis hab und engste freunde) bescheid weiß, dass ich in substi bin. manchmal denke ich, dass ich besser nix erzählt hätte, denn 2-3x hatte ich n freund mit zur vergabe (er mußte vor der praxis warten, hat aber trotzdem die menschen in der warteschlange gesehen) und seitdem versucht er immer mal, auf mich einzuwirken, weil er befürchtet, ich könne möglicherweise in diesem milieu "versumpfen"...
ich bin in einer großen "szenepraxis" und auch wenn ich keine lust hab auf diskussionen a la "saubermann, hältst du dich etwa für was besseres?" o.ä., muß ich ganz objektiv feststellen, dass da viele "härtefälle" in behandlung sind. und das bringt wirklich kein spass, mit solchen leuten im wartezimmer rumzulungern, wenn die da rumpöbeln, drohen oder -wie neulich erst wieder- sich respektlos vordrängeln. ich finde solche umgangsformen halt scheiße, das sage ich auch ganz offen! aber das ist halt auch ein stück weit der preis, den man für seine sucht zahlen muß... und zum glück gints auch dort noch ein paar nette und halbwegs "normale" leute...
naja, fast jeder von euch kennt ja die umgangsformen auf der szene. das ist halt nix für zartbesaitete. und die offene szene prägt das öffentliche bild der opiatsucht massiv. und wenn man nicht in diese schublade gesteckt werden will, sollte man es halt nicht unbedingt breit treten, dass man opiatabhängig ist.
das ist meine meinung! |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 20. Mai 2015 18:13 Titel: |
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JP hat Folgendes geschrieben: |
Ausserdem versucht die Psb ja von den Eltern Geld einzutreiben |
das verstehe ich jetzt nicht? wieso versuchen die das?
und nur weil dein vater weiß, dass "junkies" methadon kriegen, heißt das in meinen augen noch nicht viel... das wissen viele! bzw viele haben das schonmal gehört oder irgendwo aufgeschnappt... oder meinst du das so, dass DEIN VATER WEISS, DASS DU METHA BEKOMMST?! |
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musikera Gold-User


Anmeldungsdatum: 07.11.2013 Beiträge: 928
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Verfasst am: 20. Mai 2015 18:44 Titel: |
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SAUBERMANN hat Folgendes geschrieben: | JP hat Folgendes geschrieben: |
Ausserdem versucht die Psb ja von den Eltern Geld einzutreiben |
das verstehe ich jetzt nicht? wieso versuchen die das?
und nur weil dein vater weiß, dass "junkies" methadon kriegen, heißt das in meinen augen noch nicht viel... das wissen viele! bzw viele haben das schonmal gehört oder irgendwo aufgeschnappt... oder meinst du das so, dass DEIN VATER WEISS, DASS DU METHA BEKOMMST?! |
Also interessiert mich auch...warum die Drobserknechte Geld eintreiben sollten?
Wenn das so ist bei Euch...dann ist es illegal und Du könntest es anzeigen...Drobserknechte ist ja alles zuzutrauen...obwohl ich eigentlich gute Erfahrung mache und nur einmal gestaunt hab...als mein Neuer Knecht nicht mal wußte was METHADICCT ist...  |
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EDIBTTN Anfänger
Anmeldungsdatum: 08.05.2015 Beiträge: 15
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Verfasst am: 20. Mai 2015 21:29 Titel: |
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Also wenn erzählen, dann würd ich darauf achten, was für einer Person ich es beichte. Davon hängt ab, wie ich es erzähle. Bspw. jemand, den ich sehr oft sehe, würde ich versuchen klar zu machen, dass ich nach wie vor der Mensch bin, den er kennt, das ändert sich ja nicht durch eine Offenbarung, nur die Sichtweise auf mich ändert sich möglicherweise.
Wenn es ein enger Verwandter ist, dem ich sehr wichtig bin, würde ich die betroffene Person sehr langsam an das ganze heranführen. Bspw. sollte jedem, der mich kennt klar sein, dass ich nicht unter die Gruppe der Junkies falle, die alles für die Droge tun - sprich, sich prositutieren, eigenes Zeug verkaufen, Stehlen und sogar Freunde berauben, etc. - das ist nämlich einer der Gründe wieso Heroin so abschreckend wirkt auf Außenstehende.
Zudem sehe ich keinen Grund es zu erzählen, solange ich nicht damit AUFHÖREN will, denn wenn ich es erzähle, wenn ich noch voll dabei bin, wem hilfst du damit? Die Person macht sich unnötig Sorgen, verzweifelt an den Versuchen, dir zu helfen - und du wirst dich nur genervt fühlen - schließlich aus dem Weg gehen und die Beziehung damit zerstören.
Wenn ich es daher jemandem erzähle, würde ich der Person auch verdeutlichen, dass sich mein jetziger Zustand nicht verschlimmert (sprich - ich steuere nicht auf eine Bahnhofskinder-Karriere zu, sondern distanziere mich nur noch weiter davon), und das Wichigste - Stärke zeigen. Das heisst nicht, ich verzichte auf Hilfe, sondern ich zeige den Willen, wirklich etwas an mir zu ändern - mit der Zuversicht, es zu schaffen. Sei offen für Fragen, das erleichtert es der jeweiligen nahestehenden Person diese Dinge zu verstehen und zu verarbeiten. Oft geben sich Verwandte oder Eltern schonmal selbst die Schuld dafür, dass sollte natürlich weitestgehend vermieden werden. Stattdessen würde ich eher Mut machen - bspw. dass ich ohne ihrer Erziehung vermutlich nicht die Disziplin und den Willen hätte, aufzuhören, oder schon viel tiefer abgestürzt wäre. Als ich damals meiner Mutter davon erzählte, meinte ich später, ich hätte es ihr verheimlicht, weil ich sie nicht unnötig belasten wollte (was auch stimmte), sie meinte daraufhin jedoch, dass sie heute zum ersten Mal wieder gut schlafen würde - sie wusste ja schon lange, dass etwas nicht mit mir stimmte, nun hatte sie endlich eine Antwort.
Dass eine sehr hohe Rückfallquote besteht, ist natürlich ein Thema für sich. Allerdings blendet man das als Außenstehender immer gerne aus (auch als Abhängiger in der Anfangszeit - MIR passiert das nicht!) - insofern, immer ein Problem nach dem anderen. Ist man erstmal clean, kann man immer noch erklären, dass Heroinsucht einer krankheit gleicht, und es nur sehr schwer ist, clean zu bleiben. Erfahren die Angehörigen es schon vor dem Entzug, ist es wie ein weiterer Stein auf ihren Herzen. Allerdings werden sie dir später helfen, so gut sie können, wenn ihnen etwas an dir liegt. Das gilt allerdings auch nicht für alle Fälle, es gibt immer Gründe, wieso man so eine Sucht verheimlicht, und wenn es nicht notwendig ist, sehe ich auch keinen grund, jemanden aufzuklären. Notwendig ist es imho erst, wenn man erkennt, dass man es alleine nicht schafft, davon wegzukommen.
Dann allerdings, denke ich, ist es sehr unterstützend. Vorallem, weil man den Entzug dann nicht mehr "nur" für sich selbst macht. |
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glasperle Bronze-User

Anmeldungsdatum: 14.03.2015 Beiträge: 66
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Verfasst am: 20. Mai 2015 23:03 Titel: |
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Ich persönlich würde Sucht nur mit anderen Süchtigen teilen, die können das nachvollziehen und sind nicht abgeschreckt oder entsetzt oder so.
Von Dritten würde ich folgende Reaktion erwarten (habs aber nie probiert)
-Sie meiden einen, denn Sucht=Krankheit=abschreckend
-Sie versuchen Druck auszuüben und das eigene Handeln quasi durch Befehle zu ändern. Bringt einem Süchtigen meiner Meinung nach gar nix, Stress und Druck ist keine Hilfe. |
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SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
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Verfasst am: 20. Mai 2015 23:45 Titel: |
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für mich gibt es eine ganz wesentliche unterscheidung zwischen "etwas für mich behalten" und "anlügen". gerade beim thema sucht kann man das gut erkennen.
vor kurzem wurde ich ja gefragt, ob es mir gar nichts ausmache, meine sucht vor den meisten familienmitgliedern und freunden zu verheimlichen. meine antwort war "NEIN!"...
es ist so, dass meine opiatsucht (mittlerweile wieder) in geregelten bahnen verläuft. und weil mein leben im großen und ganzen relativ "normal" läuft, muß ich auch nicht groß "schauspielern" oder etwas "verstecken".
in dem fall passt genau ein punkt, den @EDIBTTN angesprochen hat: was würde sich -in meinem fall- durch so eine beichte ändern? NICHTS! nur das bild, das andere von mir haben, würde sich ändern. genau das hatte er ja auch so bereits in seinem beitrag gesagt. ein sehr wichtiger punkt, wie ich finde!
anders sieht es aus, wenn die sucht schon spuren hinterlassen hat. vor einigen jahren, bevor ich in substi war, war ich auf extrem hohen dosen tramadol. dazu gab es noch benzos satt und ich war zudem auch noch schwer depressiv. dass mit mir etwas nicht stimmt, war also nicht zu übersehen... deshalb habe ich auch meine engsten vertrauten eingeweiht. es tat einfach gut, dass sie wussten, was mit mir los war.
für mich ist es also auch von großer bedeutung, wie stark die sucht ausgeprägt ist.
ein weiterer punkt sind partnerschaften. meiner freundin würde ich es IMMER sagen (und das habe ich bisher auch getan, wenn ich in ner beziehung war!).
ich möchte vor einer partnerin einfach keine derartigen geheimnisse haben. man ist ja auch viel zu eng zusammen, um sowas zu verheimlichen. dann müßte ich mich nämlich verstellen. und das würde mir dann wieder sehr viel ausmachen.
außerdem hat eine partnerin bzw. ein partner das recht, so etwas zu erfahren (finde ich zumindest). |
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