kalter methadonentzug von 80 mg möglich

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endstation
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 28.03.2016
Beiträge: 208

BeitragVerfasst am: 20. März 2017 21:29    Titel: kalter methadonentzug von 80 mg möglich Antworten mit Zitat

hallo zusammen,

da es im netz so viele horrorstories zum thema gibt und da viele von uns (mich eingeschlossen) auch ein stück weit die ANGST vor dem METHADONENTZUG (gilt natürlich auch für LEVOMETHADON) plagt, möchte ich hier kurz einmal den kurzbericht eines bekannten darstellen.

neulich war ich - wie jede woche - bei der vergabe, um mein take home zu holen und um "den schluck" pola einzunehmen. im warteraum traf ich auf einen bekannten, der zu den netteren und umgänglichen leuten aus der substi gehört. wir sind nicht befreundet, aber haben schon öfter mal nach der vergabe einen kaffee zusammen getrunken, da wir festgestellt haben, dass wir von früher den gleichen bekanntenkreis haben, in etwa gleich alt sind und uns auch sonst ganz gut verstehen...


bei uns in der vergabe gehts der reihe nach und ich dachte, er sei vor mir dran, um sein methadon abzuholen. als er dann eigentlich an der reihe war, blieb er sitzen und meinte nur "DU BIST JETZT DRAN!", woraufhin ich ihn fragte, ob er schon vergabe hatte. da guckt er mich leicht irritiert an und meinte "ACH, DU WEIßT DAS JA NOCH GAR NICHT?! ICH BIN FERTIG HIER! ICH HAB JETZT MEIN ENTLASSUNGSGESPRÄCH BEIM DOC, DANN BIN ICH RAUS!"

ich guckte ihn ungläubig an und wußte nicht, was los war. auf die idee, dass er clean sein könnte, kam ich erst gar nicht.

er erzählte mir dann, dass er seit knapp 1 monat nichts mehr genommen habe: "GAR NICHTS!", sagte er mit nachdruck. nichtmal mehr kiffen will er jetzt. er hat die schnauze gestrichen voll.
da er kein take home hatte, mußte er jeden tag zur vergabe kommen. er hat regelmäßig blech geraucht und gekifft.
er ist jetzt mitte/ende 30 und hat sich vor ca. 4 wochen gesagt, dass er keine lust mehr hat auf diesen kreislauf.


nun das interessanteste: er meinte, die ersten tage hatte er dauernd schüttelfrost und vor allem heiß-kalt-schübe. nach ca. 1 woche wurde das besser, dafür kamen jetzt ekelhafte schmerzen in den beinen. schlafen ging erst nach ca. 2 wochen LANGSAM besser. doxepin hat ihm dabei ein ganz bißchen geholfen und alle 2-3 tage gibts abend 2 bier. das wars...


was ich daran erstaunlich finde: vor ca. 3 oder 4 jahren hat ein damaliger bekannter auf ähnliche weise entzogen. die umstände waren ähnlich: take home gestrichen, er mußte täglich zur vergabe, hatte darauf keinen bock mehr, hat nach 3 tagen vergabe schwänzen gemerkt "HUCH? DU BIST JA CLEAN?!"
dazu gabs etwas alk, ansonsten nix, keine benzos, kein THC, nada.
und auch er war nach ca. 10 tagen wieder relativ fit.


das sind 2 sehr positive beispiele für entzüge. was mich daran aber etwas wundert, ist die tatsache, dass beide ihren ausstieg NICHT geplant haben, dafür aber auch nach gewisser zeit nicht rückfällig wurden (ok, im 1. fall sinds grad mal 4 wochen, aber der andere hatte ziemlich lange durchgehalten).


ok, ich wollte das hier einfach mal niederschreiben, da es ja schier endlos viele negative threads zum thema gibt und eventuell macht das ja dem einen oder anderen etwas mut...
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nebukadnezar
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 26.08.2015
Beiträge: 4249

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 04:55    Titel: Antworten mit Zitat

Immer interessant diese stories von den beinahe spontanen Heilungen Methadonabhängiger!

Ich habe ja auch 20 J Methadon geschluckt und hätte viel früher aussteigen können und sollen. Aber die Befürchtungen eines sehr langen, harten Entzugs, die äusserst kulante Substitution, das damalige perfekte Leben haben den Gedanken daran verdrängt. Und wenn ich jetzt meinen zurückliegenden Entzug von Metha (23 ml), Alk ( 1-2 Fl. Vodka) und anschl. Benzos ( +- 150 mg Oxa) auf das Methadon reduziere, war das gar nicht so dramatisch, sehr unangenehm, aber gut auszuhalten! Und ich bin nicht von 80 mg , sondern von 230 mg direkt auf Null, ohne grossartige Medikation. ( praxx hatte ja schon mal bestätigt, das es hinsichtlich der Intensität unerheblich ist, ob man von 200 oder 20 mg auf Null geht, nur die Länge variiert) Der Alk und die Benzos machten den Entzug halt very creepy...man, wenn ich da in meinem Entzugstagebuch blättere, liest sich das , wie das Tagebuch von Norman Bates im Endstadium, sofern man das Gekrikel überhaupt entziffern kann!

Vielleicht ist die Psyche wesentlich entscheidender, das soziale Gefüge , in dem man sich bewegt und die eigene stabile Lebenssituation.

LG N
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Lugosi
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 06.05.2013
Beiträge: 739

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 12:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich hatte leider nicht soviel Glück bei meinem Entzügen,
egal ob Heroin, Methadon oder Oxycodon.
Der schnellste Entzug war von Heroin, der längste Entzug
war bei Methadon, sicherlich spielt die Psyche auch eine
große Rolle und variiert von Mensch zu Mensch.
Klar, der Entzug von Methadon ist nicht so heftig, wie der
Entzug von Heroin, aber dafür hatte ich monatelang immer
wieder mit Entzugserscheinungen zu tun. Was ich auch be-
merkt habe, das ich die Entzüge nicht mehr so gut weg-
stecke wie vor 15 oder 20 Jahren.
Die Entzüge scheinen insgesamt stärker und langwieriger
zu sein - mag sein, das mir die Kraft langsam verloren
geht und sich ein anderes Gefühl in Bezug auf Entgiftung
in mir Platz verschafft hat.
Jaaaa, die Angst vor dem Entzug hemmt mich auch sehr,
wie oft habe ich den Ausstieg geplant und aus Angst vor
dem Entzug wieder ersatzlos gestrichen. oder ist es die
Furcht nie wieder berauscht zu sein? - Ich vermute beides!
Was mich jedoch immer wieder verblüfft, wie viel Kraft ich
in meine Entgiftungen gesteckt habe, wie viel Durchhalte-
vermögen ich während dieser Zeit aufbauen konnte - doch
schlussendlich alles für den Wind, auch wenn ich in den letzten
15 Jahren cia. 6 Jahre drogenfrei war - aktuell bin ich es
nicht und wieder hemmt mich die Angst vor dem Entzug
Psychiatrie, Schmerzen, Hoffnungslosigkeit, Schlaflosigkeit,
keine Konzentration, doch das allerschlimmste ist die Angst
vor allem und jedem. Gott sei dank hält die Angst nicht endlos
an, doch diese Wochen machen mich mürbe und fertig.
Auf einer Skala von eins bis zehn (Angst) würde ich mir
wohl eine sieben geben.

Es freut mich immer wieder zu hören, das es doch Menschen
gibt, die relativ soft wieder in der Realität landen, irgendwie
macht es doch Mut für die Zukunft.

cu
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rock
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Lugosi, Du hast einen der wesentlichen Punkte angesprochen, einen, der den Entzug so teuflisch macht: Hoffnungslosigkeit.
Dagegen kann man sich aber wappnen, bevor man sich an die Sache, den Entzug heranwagt. Realistische Pläne zu schmieden und diese zu verfolgen ist ein gutes Mittel dagegen.
ZB beim Abdosieren kann man gerade daraus Erfolgserlebnisse ziehen - man hat etwas weniger genommen, das IST definitiv ein Erfolg. Leider wird das nur selten bewußt gemacht.
Klar, es mag noch ein langer Weg vor einem liegen, aber die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Dieser erste Schritt kann aber schon als Erfolg gelten, denn für das Endergebnis, das Erreichen des Zieles ist er unabdingbar !
Es gibt aber unendlich viele andere Möglichkeiten, der Hoffnungslosigkeit schon vorbeugend entgegenzuwirken. Alles was ein Erfolgserlebnis bringt, das "Belohnungszentrum" anregt, eignet sich dazu.
Idealerweise wird man etwas suchen, das kontinuierlich Erfolge bringen kann. Verfolgt man das einigermaßen konsequent, hat man einen Dämon weniger zu bekämpfen im Entzug - eben die von Dir angesprochene Hoffnungslosigkeit.
Cheers
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mikel015
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 27.03.2015
Beiträge: 3895

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 14:09    Titel: Antworten mit Zitat

Rock...WORD...!
wieder mal sowas auf den Punkt gebracht...

L.G.
Mikel
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endstation
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 28.03.2016
Beiträge: 208

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 20:22    Titel: Antworten mit Zitat

ausgesprochen gute beiträge, freut mich Smile
(nachdem ich ja ne forenpause eingelegt hab und nur noch selten da bin, erinnern mich solche beiträge wieder an die positiven seiten des forums!).


zur sache:
bei den beiden "spontanheilungen" (um den begriff von nebuk. mal zu verwenden) war die ausgangslage so, dass ich nicht unbedingt auf diese beiden typen gesetzt hätte, denn die lebenssituation war bei beiden nicht so prickelnd zum zeitpunkt des entzugs.
was ich noch in erfahrung gebracht habe: der aktuelle fall (der von den 80mg auf null ist) hätte demnächst auf entgiftung gemusst (die substi-kommission hatte ihn wohl ausgewählt wegen des beikonsums). und darauf hatte er überhaupt keinen bock.
außerdem hat ihn der tägliche gang zur vergabe genervt. das kann ich sehr gut verstehen. irgendwie wurden die vergabezeiten wieder verschlechtert, so dass ich die letzten wochen immer mind. eine halbe stunde warten mußte (einmal sogar 90 minuten). wenn ich kein take home hätte, würde ich wahrscheinlich auch abdrehen. so ist halt auch gar kein normales leben möglich, wenn du JEDEN TAG zum arzt rennen mußt und inkl. hin- u. rückweg MINDESTENS 1 stunde einkalkulieren musst... das geht echt gar nicht.

zum rest kommt ein extra-beitrag.
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endstation
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 28.03.2016
Beiträge: 208

BeitragVerfasst am: 21. März 2017 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

also ANGST ist ja immer ein extremer hemmschuh, das gilt in bezug auf jegliches phänomen. ich wiß nicht, wie man mit einer 7/10-angst erfolgreich entziehen sollte?

was @rock und @nebuk. schreiben, kann ich voll und ganz unterschreiben.
wenn die vergabe "zu bequem" ist, dann fehlt irgendwo der anreiz - es sei denn, man hat anderweitig positive motivation zum entzug.

bei mir ist es aktuell immer noch ein bißchen so, wie @lugosi es schildert: die vorstellung, für immer abstinent leben zu müssen, erscheint mir (noch) inakzeptabel. ich reduziere aber schon langsam meine dosis, da ich in absehbarer zeit clean werden möchte.

z.zt. ist ein bekannter von mir auf therapie, da gehts um THC (der kifft seit ca. 20 jahren und hat dadurch extrem viele probleme angehäuft bzw. vor allem nie richtig verarbeitet. das kam dann alles hoch, weshalb er nach der entgiftung auf ne langzeit-therapie ist).
und er hat inzw. ca 4 monate rum und bespricht mit den therapeuten schon, wie er zukünftig mit alkohol umgehen kann. das finde ich einerseits einen vernünftigen kompromiss, andererseits trinke ich nicht gern alkohol und deshalb würde ich nach einer entgiftung ziemlich sicher komplett drogenfrei leben. das möchte ich aber auf dauer auch nicht. ab und zu ein rausch, das wärs...

und dann denke ich mir so: "WENN DU DA J E T Z T SCHON DRAN DENKST, DANN IST DIE GANZE MÜHE EINES METHADON-ENTZUGS DOCH FÜR DIE KATZ!"

natürlich ist das blödsinn. und viel wichtiger noch - man verändert seine sichtweise ja mitunter auch, wenn man erstmal clean ist.

hierzu ein kleines beispiel:
etwa 2004 habe ich kalt von benzodiazepinen entzogen (umgerechnet ca. 15-20mg diazepam äquivalent). damals hatte ich einfach das gefühl: "DAS PASST NICHT MEHR IN DEIN JETZIGES LEBEN!" (kurioserweise hat der typ, der von 80mg metha entzogen hat, das ganz ähnlich formuliert). ich hatte mir allerdings keine gedanken über völlige abstinenz oder zukünftigen konsum von irgendwas gemacht. ich habe einfach erstmal aufgehört, jeden verdammten tag benzos zu nehmen.

übrigens: zum damaligen zeitpunkt kannte ich mich nicht so gut aus wie heute. und ich hatte auch noch keine erfahrungen mit benzoentzügen. sonst hätte ich mich nämlich höchstwahrscheinlich GAR NICHT GETRAUT, das kalt durchzuziehen.
jedenfalls war ich NACH diesem entzug plötzlich auch ganz anders drauf: mir hat es plötzlich spass gemacht, nichts zu konsumieren. stattdessen habe ich angefangen, exzessiv sport zu treiben. an einen tag kann ich mich noch sehr gut erinnern, es muß im hochsommer 2005 gewesen sein: meine damaligefreundin war verreist, mein damaliger mitbewohner beruflich ein paar tage weg.. ich hatte also komplett sturmfrei. eigentlich das perfekte setting, um mit opiaten und benzos zu chillen. zu jener zeit bin ich immer morgens laufen gewesen. und dann sitz ich so gegen spätnachmittag in meinem zimmer und komme auf doffe gedanken.. habe ein wenig in alten drogenforen gestöbert und hatte plötzlich wirklich lust, was zu nehmen. aber stattdessen bin ich dann nochmal 75 minuten laufen gegangen... der tag war gerettet und ich schlief zufrieden ein.


nun möchte ich damit aber gar nicht im entferntesten behaupten, dass zb. sport grundsätzlich "besser" sei als rauschmittel. denn ganz ehrlich: an so einem abend wie dem von mir beschriebenen, kann der genuß von DHC oder TILIDIN (ohne opiattoleranz) fantastisch sein. aber das muß ich euch ja nicht erzählen, das wisst ihr ja selbst... Wink


nun denn.. ich sehr es definitiv so wie @rock es skizziert hat: man muß sich dinge schaffen, die einem erfolgserlebnisse und ganz generell positive gefühle vermitteln! ich bin bei der angst quasi "in die lehre gegangen und habe meinen meister darin gemacht", ängstlich zu sein. ich war zeitweise das perfekte opfer für lebens- und versagensängste, weil mir über lange zeit komplett die erfolgserlebnisse gefehlt haben. das war mir ca. 30 eine ganz neue erfahrung für mich, da bis dato eigentlich die meisten dinge so liefen, wie ich sie mir gewünscht hatte (ich beziehe das jetzt NUR auf jene dinge, die ich selber auch beeinflussen konnte!).

und DAS ist ein ganz wichtiger schlüssel für vieles: INWIEWEIT BIST DU DER ÜBERZEUGUNG, DASS DU DEIN LEBEN (ZUM POSITIVEN) BEEINFLUSSEN KANNST? wenn du nämlich 1-2 jahre im grunde nur schei**e fressen musst, obwohl du richtig vollgas gibst und versuchst, dinge gut und erfolgreich zu machen, dann schwindet diese überzeugung massiv. und irgendwann resigniert man und lässt sich treiben... das ist ganz normal.

auf einen entzug bezogen ergeben sich daraus ja viele fragen:
- lohnt sich der entzug? (kann ich mein leben danach wirklich zum guten verändern? oder läuft es miserabel weiter, so dass ich mich im grunde völlig umsonst abgemüht habe mit der entgiftung?!)
- halte ich den entzug überhaupt durch?
- bin ich überhaupt stark genug, um im anschluß clean zu bleiben?
- wie soll ich das bloss über wochen und gar monate durchhalten?
- auf mich wartet doch eh nur mist, wenn ich den entzug geschafft habe. dafür quäle ich mich doch nicht wochenlang!
- es gibt so endlos viele negativberichte. und wenn selbst leute beim entzug versagen, die eigentlich doch viel stärker sind als ich, dann brauche ich in meiner situation erst gar nicht damit anfangen. das klappt sowieso nicht.
- usw...


ich denke, wir alle kennen solche oder ähnliche fragen. auch deshalb habe ich den thread hier eröffnet, weil mich das beeindruckt hat, den cleanen kollegen so vor mir stehen zu sehen. voller wilder entschlossenheit. als ich ihn fragte, ob er denn gegen den entzug mal ein blech rauchen würde oder ob er bock auf oxycodon hat, kam sofort die antwort, ohne auch nur 1 sekunde zu zögern: "NEEEEE! BIST DU VERRÜCKT?! ICH HAB AUF DEN SCHEISS ABSOLUT KEINEN BOCK MEHR!"

ich bin gewiss kein typ, der sich so leicht blenden lässt. und ich weiß auch, dass menschen zum selbstbetrug neigen und es sowas gibt wie "entzugseuphorie", in der wir die dinge tendenziell eher überschätzen.
aber bei ihm hat man richtig gemerkt, dass er nichtmal eine FENTANYL-INJEKTION vom arzt persönlich angenommen hätte...

und auch er sagte, dass er sich gedacht hat: "WARUM NICHT SCHON VIEL FRÜHER?!", außerdem hat er ganz gut einordnen können, wie das jetzt bei ihm weitergeht. das klang sehr realistisch.


und seine schilderungen vom entzug waren jetzt auch nicht so höllisch dramatisch. man stirbt nicht davon. klar: es ist nicht angenehm. und am schlimmsten ist die SCHLAFLOSIGKEIT, gegen die einfach nichts helfen will - außer opiaten. aber es geht jeden tag etwas besser. es ist definitiv auszuhalten. SAGT ER!
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Schlaumeier
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 05.06.2015
Beiträge: 1800

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 03:49    Titel: Antworten mit Zitat

Man lernt nie aus. Ich persoenlich kenne keinen Fixer der spaeter nach jahrelanger Sub ohne Runterdosierung in kleinsten Schritten abgekickt hat. Ich habe mal versucht von 60 mg im Urlaub abzukicken. Ich war dann von morgends bis abends an der Strandbar und mir gings saudreckig. So dreckig das ich spaeter vom Flughafen mit dem Taxi zur Scene bin. Scheine doch ein ziemliches Weichei zu sein. Wink
Witzig nur das ich meine stat. Entgiftungen immer durchgezogen habe. Eins habe ich dort allerdings beobachtet, die die permanent davon redeten wie einfach Entgiftung sei, haben als erste abgebrochen. Shocked
Ich finde es ein wenig befremdlich wie hier der Meta Entzug klein geredet wird. Hat fuer mein Empfinden nix mit der Realitaet gemein.
Aber man hoert ja soviel Geschichten im Laufe eines Fixerlebens ... Laughing
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nebukadnezar
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 26.08.2015
Beiträge: 4249

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 06:05    Titel: Antworten mit Zitat

Ich halte den Gedanken ein Leben lang auf den Rausch zu verzichten im Vorfeld einer Entgiftung und dem nachfolgenden Entzug, insbesondere nach jahrer- bzw. jahrzehntelanger Abhängigkeit von Substanzen aus der Klasse Heroin oder Methadon für falsch und kontraproduktiv. Da greift nach meinem Empfinden das Prinzip step by step , wobei die einzelnen Schritte sehr gross sind und viel Zeit benötigen. Denn so ein Entzug dauert sehr lange und endet auch nicht, wenn die körperlichen Beschwerden aus diversen Schmerzen und sehr wenig Schlaf nach Monaten wieder ein Normalzustand erreichen und die Psyche wieder stabil scheint. Diese Überlegung sollte man mMn nach anstellen, wenn man wirklich wieder Herr seiner Sinne ist. Und das kann ggf. lange dauern!
Einen Rausch kann man ja durchaus auch anders erleben. Ich erlebe mein Rausch beim Musik hören, sofern man in der Lage ist, Musik zu fühlen und zu spüren,... bei einem Spaziergang in der Natur,... beim Auspowern an den Hanteln, ...bei der konzentrierten Wahrnehmung der Ruhe und der Meditation. Da sollte man sehen , welcher Typ man ist, aber es gibt Möglichkeiten einen Rausch zu erfahren, ohne Substanzen dafür zu nutzen. Natürlich kickt das nicht im Bruchteil einer Sekunde, wie wenn der Kolben durchgedrückt ist und das Blut ins Hirn schiesst, um von da ein Gefühl der Wärme, Euphorie bei völliger Entspannung und zufriedener Glückseligkeit auszulösen, aber es wirkt durchaus intensiv.
Bei mir funktionierts! Very Happy
Ich lebe mehrheitlich abstinent, mal ein Glas Sekt zu bestimmten Anlässen, nen Bier oder Wein zum Essen oder wie letztens nen Brandy zu Kaffee, aber sehr selten und bewusst. Im ersten Jahr meiner Cleanzeit hatte ich auch einige Rückfälle, um endlich mal wieder innerlich zur Ruhe zu kommen, aber zum Glück hat mir das überhaupt nicht gefallen und geholfen.
Etwas das mir noch aufgefallen ist: die Wahrnehmung ändert sich, die eigene und wie andere im engen Umfeld mich wahrnehmen. Vor einem Jahr habe ich hier noch gepostet, das Methadon hat mich nicht gross beeinflusst. Ich war stabil eingestellt, mein Leben funktionierte, ich führte eine glückliche Beziehung, hatte beruflich Erfolg, niemand hat gemerkt, das ich ein Junk bin. Tatsächlich ist es doch völlig anders und meine Denkensweise und Verhalten hat sich sehr positiv verändert, was auch z.B. meine Frau vor einiger Zeit bemerkte.

Zitat:
Scheine doch ein ziemliches Weichei zu sein

ja scheint so , schlaumi, aber wer ist das nicht, wenn man unmotiviert und unvorbereitet versucht mal eben die Scheisse zu beenden und dazu noch die Möglichkeit hat, mit mehr oder weniger Aufwand sich wieder auf den Mond des Glücks zu schiessen.
Aber du hast sicher recht, man muss das natürlich relativieren und ein Methadonentzug ist kalt durchgeführt einer der härtesten Entzuege, bei weitem nicht so hart wie von hochprozentigem Heroin, aber ausreichend, um ggf. durch die Hölle zu gehen oder schnell daran zu scheitern. Unerfahrene user bekommen evtl. so ein völlig falsches Bild und es lesen hier ja nicht nur entzugserfahrene Altuser, die die Zusammenhänge begreifen und erkennen.

Also Kinder, aufgepasst: Ein Methadonentzug ist keine Ferienfreizeit! Wink

LG N
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mikel015
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Anmeldungsdatum: 27.03.2015
Beiträge: 3895

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 10:47    Titel: Antworten mit Zitat

nebukadnezar hat Folgendes geschrieben:



Also Kinder, aufgepasst: Ein Methadonentzug ist keine Ferienfreizeit! Wink

LG N



ich war ja auch fast 15 Jahre im Metha-Programm und mir wäre im Traum nicht eingefallen kalt abzu kicken...
ich kannte mal jemanden der über 20 Jahre im Programm war und es kalt dann gemacht hatte.
habe ihn ca. 1 Jahr später wieder getroffen und er berichtete mir..."sowas habe ich nicht gekannt..es waren nicht nur das Ziehen und krampfen in Beine und Arme wie beim H-Entzug sondern der ganze Körper schmerzte und die ganze Brust befand sich in einem Schraubstock und jetzt weiß ich was es heißt Depressionen zu haben" das war so ungefähr sein O-Ton.
ich weiß was es heißt Opiat Entzüge zu schieben aber einen kalten Metha-Affen hätte ich mir nicht angetan...es geht auch Step by Step und das hat nichts mit "Weichei " zu tuen...


so long
Mikel
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Lillian
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Anmeldungsdatum: 22.05.2013
Beiträge: 3894

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

nebukadnezar hat Folgendes geschrieben:


Also Kinder, aufgepasst: Ein Methadonentzug ist keine Ferienfreizeit! Wink

LG N



Ich lach mich gerade richtig schlapp Laughing Laughing Laughing Laughing Laughing Laughing Laughing
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rock
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Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

nebukadnezar hat Folgendes geschrieben:
Also Kinder, aufgepasst: Ein Methadonentzug ist keine Ferienfreizeit! Wink

LOL !
Kalte Entzüge sind allesamt eine wacklige Angelegenheit. Selten daß einer gelingt, wenn Ware (relativ leicht) erreichbar bzw verfügbar ist.
Aber mit kontinuierlichem Abdosieren mit ausreichend Gelassenheit und Zeit klappt's fast immer.
Unabdingabre Voraussetzung ist natürlich, daß man nicht mehr will.
Ich habe von extremem H-Konsum (zB aus Pakistan selbst geholtes saugutes Zeug) mit Hilfe von Mohntee abdosiert. Gaaanz langsam, denn Tee gab's immer am Bauernmarkt zu kaufen. Hat mehrmals wunderbar funktioniert, auch bei vielen Anderen. Allerdings hab' ich damals entzogen, weil ich einfach so gut wie nichts mehr gespürt habe an Feeling. Wenn ich sehr großzügig dosiert habe, bin ich flachgelegen - etwas, das ich gar nicht mag.
Und so bin ich wieder losgefahren, sobald ich clean war. Denn affig einkaufen zu gehen, das ist nicht so gut. Außerdem dauert's ein paar Tage bis man die Möglichkeiten und die Connections abgeklopft hat und zum Geschäft kommen kann.
Später dann war's Buprenorphin, das mir geholfen hat. Auch da langsam, aber stetig. Immer wenn ich anfing zu gähnen, wenn mir kalt wurde (ist bei jedem etwas anders das erste affige Feeling) etc, habe ich ein Bröserl genommen. Wirklich nur ein Bröserl (1/4 mg und noch weniger am Schluß), gerade ausreichend, um eben nicht wirklich affig zu werden.
So läßt sich fast problemlos entziehen. Vorausgesetzt, man verhält sich entsprechend diszipliniert und konsequent. Das ist gar nicht so schwer, wenn man die Schnauze gestrichen voll hat von dem Zeug.
Das Bupre sorgt für klaren Kopf, das ist von unschätzbarem Wert, denn man kann sich um andere Dinge kümmern, was alleine durch die Ablenkung ganz wichtig ist. So ist auch der Abfuck im Kopf erträglich - auch wenn er nicht ganz zu vermeiden scheint. Also mir ist's nicht ganz gelungen, aber es war kein Vergleich zu anderen Entzügen, gar kein Vergleich, es lief viel glatter ab.
All jenen, welchen es bevorsteht, alles Gute, egal wie, entzogen ist entzogen, danach kann man wieder lachen ! Wink
Cheers
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Hardcore
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 25.03.2014
Beiträge: 91

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 18:14    Titel: Antworten mit Zitat

rock hat Folgendes geschrieben:

Ich habe von extremem H-Konsum (zB aus Pakistan selbst geholtes saugutes Zeug)



Hey Rock,

gute Sache Smile Das hat ein Kollege von mir auch immer gemacht, allerdings nur hier in Europa..
Ich weiss hier ist eigentlich ein falscher Ort so etwas zu Fragen aber ich weiss leider keinen Besseren gerade Wink
Wie hast Du alles wieder hier her in unser gutes altes Deutschland bekommen?
Pakistan ist doch ein hersteller Land und der Zoll untersucht die Flüge sicher sehr genau.. Würde mich echt interessieren Very Happy

Viele Grüße

Hardcore
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rock
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 18:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hardcore hat Folgendes geschrieben:
Wie hast Du alles wieder hier her in unser gutes altes Deutschland bekommen?
Pakistan ist doch ein hersteller Land und der Zoll untersucht die Flüge sicher sehr genau.. Würde mich echt interessieren Very Happy

Bitte sei mir nicht böse, aber die Frage werde ich bestimmt nicht beantworten. Schon gar nicht öffentlich in einem Forum.
Nur so viel - Indien spielt eine Rolle dabei.
Cheers
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rock
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 22. März 2017 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Noch etwas Hardcore - es ist schon einige Zeit her, lange genug, daß ich es erwähnen kann, ohne Gefahr zu laufen mir ins eigene Knie zu schießen, wenn Du verstehst, was ich meine.
Damals war's auch eine Herausforderung ein Risiko, heute ging's auf diese Art allerdings kaum noch. Ich würde es jedenfalls nicht machen wollen ...
Cheers
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