Methadon in der Tumortherapie: Dürfen Fachärzte verordnen?

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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4056

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 13:47    Titel: Methadon in der Tumortherapie: Dürfen Fachärzte verordnen? Antworten mit Zitat

Hallo liebe Gemeinde, hallo Praxx Very Happy

Wie sich vielleicht der ein oder andere erinnert, arbeite ich bei einem niedergelassenen Facharzt. Wir haben viele onkologische Patienten und nun fragen wir uns (unser Doc weiß es auch nicht), ob wir unseren chemo-Patienten "einfach so" Methadon verordnen dürfen. Die Patienten fragen nämlich zunehmend nach und recht haben sie damit. Standort: Baden-Württemberg.

Weiß wer was?

Herzliche Grüße an alle!
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Marle
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 676

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 14:20    Titel: Antworten mit Zitat

https://www.swr.de/marktcheck/methadon-als-krebskiller/-/id=100834/did=19668102/nid=100834/1ftrljj/index.html
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lämmchen
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Anmeldungsdatum: 09.02.2012
Beiträge: 3739

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 15:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo veilchen,

ja, darf er. Jeder niedergelassene Facharzt darf Methadon, ausschliesslich zur Schmerzbehandlung, verordnen. Das ausschliesslich ist das entscheidende!

LG von Lämmi
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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4056

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ich danke Euch! Idea
Da man davon ausgehen kann, dass jeder Tumorpatient auch Schmerzen hat, dürfte das ja kein Problem sein. Cool
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rock
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Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 1880

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:
... dürfte das ja kein Problem sein. Cool

Wo ein Wille, da ein Weg Wink
Muß ein interessanter Doc sein, der solche Themen mit seinen Mitarbeitern bespricht. Find' ich gut, er nützt alle Kanäle Wink
Cheers
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Praxx
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 2756

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 19:12    Titel: Antworten mit Zitat

Nicht ganz so einfach!

Die wenigen wissenschaftlichen Untersuchungen wurden mit D-L-Methadon gemacht, während als Schmerzmittel nur Levomethadon aka L-Polamidon zugelassen ist!

Ob die Ergebnisse vom Racemat auf das Levomethadon übertragbar sind, ist nicht gesichert - die AOK beruft sich bei der Ablehnung der "off-label"-Verordnung auf US-Untersuchungen, die kein längeres Überleben von Tumorpatienten unter Levomethadon-Schmerztherapie zeigen.

Als Schmerzmittel kann nur Levomethadon verordnet werden - ist eine Schmerzbehandlung notwendig, ist das kein Problem.

Methadonracemat dagegen ist nur zur Substitution zugelassen, die Verordnung zur Tumor und/oder Schmerztherapie erfolgt off-label, auf Kassenrezept ist die Genehmigung der Krankenkassen erforderlich, die diese "zum Schutz unserer Versicherten vor nicht nachweislich wirksamen Therapien" regelmäßig verweigern - selbst bei Vorliegen der Gründe gemäß dem "Nikolaus-Urteil"

Eine meiner Patientinnen, seit 15 Jahren unter Pola-Substitution, ist letzte Woche mit 35 an einem therapierefraktären Uteruskarzinom verstorben, zwei Jahre nach der Diagnosestellung... da hat Pola jedenfalls nichts bewirkt

Ich verordne in diesen Fällen Methadonrazemat auf Privatrezept, das Zeug ist in den niedrigen Dosierungen spottbillig und überfordert die Patienten in der Regel wirtschaftlich nicht.

Und natürlich müssen die Patienten einen Vertrag über den "Heilversuch" unterschreiben.

Möglicherweise könnte dabei eine "unerlaubte Überlassung von Betäubungsmitteln" beanstandet werden - aber da muss man nur nachweisen, dass man eine sorgfältige Rechtsgüterabwägung vorgenommen und dokumentiert hat.

Verschreiben darf das im Prinzip jeder Arzt, der BtM-Rezepte hat... nur eben nicht unbedingt "auf Kasse"

LG

Praxx
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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4056

BeitragVerfasst am: 8. Aug 2017 12:10    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen herzlichen Dank für die ausführliche und informative Antwort!

Habe das jetzt mal so weitergegeben und bin gespannt, ob unsere Docs sich darauf einlassen und was draus machen. Vielleicht erst einmal testweise bei einem Patienten. Mal sehn.

@ rock: Ja, ist nicht selbstverständlich, dass Mitarbeiter so eingebunden werden. Allerdings bin ich auch schon 23 Jahre dabei, da kennt man sich so langsam und redet auch offener als zu Beginn. Auch wenn ich die Praxis oft verfluche und am liebsten schreiend davonlaufen möchte (hab mich in meiner Verzweiflung vor ein paar Jahren sogar mal in einer Substiambulanz beworben, aber die wollten mich nicht Laughing), bin ich doch ganz froh, hier arbeiten zu können Rolling Eyes Exclamation
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Lugosi
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Anmeldungsdatum: 06.05.2013
Beiträge: 731

BeitragVerfasst am: 8. Aug 2017 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

vorweg: Ich gönne jedem Krebspatienten von Herzen Methadon, in welcher Form auch immer,
doch irgendwie erscheint mir der momentane Hype um Methadon als Krebsmedikation übertrieben und ungerechtfertigt.
Bisher gibt es keine anerkannte Studie, die Methadon heilende Kräfte bestätigen.
Hier wird sehr kranken Menschen Hoffnung gemacht,also zumindest moralisch sehr bedenklich.
Ich denke mal das sich grenzenlose Befürworter auf ein und die selbe Stufe stellen, wie selbsternannte Wunderheiler, die schwören mit was auch immer Krebs im Handumdrehen heilen zu können.
Ich würde mich für jeden Patienten freuen, wenn Krebs u.a. mit Methadon heilbar wäre,
aber dafür bleiben elementare Fragen offen!
Welche Dosis?
Mit welchen Medikamenten effektiv?
Bei welchen Krebsarten wirksam?
gibt es Opioide die wirksamer sind?
und, und, und, ...

Cu
Lugosi
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Praxx
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 2756

BeitragVerfasst am: 8. Aug 2017 15:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lugosi,
natürlich ist es Quatsch, jetzt gleich jede Krebstherapie "auf Verdacht" mit Methadon zu pimpen.
Beim Glioblastom natürlich schon - da ist die Prognose so miserabel, dass jeder Versuch gerechtfertigt ist...
Ansonsten würde ich das nur bei unzureichendem Ansprechen auf die Chemo oder bei Rezidiven unter Therapie machen.

LG

Praxx
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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4056

BeitragVerfasst am: 8. Aug 2017 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

@ Lugosi: Es ist halt so, dass die Patienten danach fragen und das sind Leute, die wirklich schon fast alles hinter sich haben. Die haben nichts mehr zu verlieren. Letztendlich bin ich an der Entscheidung - Methadon verschreiben oder nicht - sowieso nicht beteiligt. Ich wollte nur meinen Teil zur Informationsbeschaffung beitragen. Und da hat Praxx mit seinen Ausführungen wirklich sehr geholfen.
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Lugosi
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Anmeldungsdatum: 06.05.2013
Beiträge: 731

BeitragVerfasst am: 10. Aug 2017 13:05    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Fee,

zuerst möchte ich mich dafür entschuldigen das ich erst jetzt antworte.
Vielleicht habe ich mich unglücklich ausgedrückt, aber ich wollte weder dich
noch eure Praxis angreifen. Ich hatte deinen Post auch nich so aufgefasst,
als das ihr eure Patienten mit Mthadongaben überfallen wollt.

Ich habe schon viele Male erlebt, das absolut verzweifelte Patienten urplötzlich neue Hoffnung entwickelten, unabhängig von der Qualität der vermeintlichen "Hilfe und Heilung"!
Egal wie sinnig oder unsinnig diese "Therapien" erschienen, war der Strohhalm auch noch so porös und zerbrechlich - er wurde mit Feuereifer ergriffen!
Selten war das Hoffen, Warten und Beten von Erfolg gekrönt!
Einige wenige Patienten sind mir im Gedächtnis geblieben, es war für mich unendlich schlimm und traurig, die Leere und das Entsetzen in den Gesichtern und Augen zu lesen.

Grundsätzlich ist es gut, richtig und wichtig, daß ihr euch als Praxis mit diesem Thema auseinandersetzt.
Doch so richtig und wichtig diese Arbeit ist - so schwierig finde ich es auch, denn die Hoffnung die vor allem in den Medien genährt wird findet doch bestimmt ein jähes Ende, wenn dein/e Chef/in das Thema Krebs und Methadon ins rechte Licht rückt.

Ich höre jetzt mal auf, denn das Thema zieht mir den Boden unter den Füßen weg.

Euch allen einen bezaubernden Tag.

Cu
Lugosi
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