Suchtverlagerung unausweichlich ?

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dradio
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.04.2013
Beiträge: 17

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2017 02:36    Titel: Suchtverlagerung unausweichlich ? Antworten mit Zitat

Hallo,
wollte mal in die Runde fragen wie es sich verhält wenn jemand bisscher so ziemlich alle Substanzen ausprobiert hat (und das nicht zu wenig) und niemals Probleme mit diesen gehabt hat, also keine Abhängigkeit bzw. Sucht entwickelt hat.

Jedoch stellte sich bei den Opiaten eine Abhängigkeit ein, welche unterbrochen wurde. Heisst das jetzt etwa das man in der Zukunft wenn man wieder mal zu anderen Sachen greifen würde man diesmal Gefahr laufen würde in eine Abhängigkeit zu geratten ? So das man nie wieder im Stande ist einen Kontrollierten Umgang mit diesen zu haben ? Die Opiate bleiben außen vor, weil die natürlich Russisch Rollet bedeuten würde das ist klar, aber auch alles andere?

Psychedelika außen vor, weil diese aus der Natur heraus, nicht problematisch sein sollten. Kokain z.B. selten und nur Intranasal, wenn überhaupt.
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nebukadnezar
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Anmeldungsdatum: 26.08.2015
Beiträge: 4021

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2017 12:53    Titel: Antworten mit Zitat

Moinsen,

also grundsätzlich kann man nach jeder Sucht oder Abhgk. von Alk über Opiate bis Zolpidem wieder zu einem kontrollierten Konsum finden, die Gefahr wieder in dieses Dilemma aus Sucht und Abhgk.zu fallen, ist aber um ein Vielfaches größer und geht u.U. rasent schnell. Also: VORSICHTIG SEIN!

Bist du denn clean? Von was? Wie lange?

LG N
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Haschgetüm
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2017 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Suchtmediziner gehen davon aus, dass ein sogenanntes Suchtgedächtnis, wenn ein Mal vorhanden, nie wieder gelöscht werden kann. Hier wird propagiert, dass ein Mal süchtige nie wieder normal konsumieren können, wie sie es von nicht-süchtigen kennen. Dies ist im Übrigen nicht zu verwechseln mit kontrolliertem Konsum. Kontrolliertes Trinken würde bedeuten, sich einen Konsumplan zurechtzulegen - also beispielsweise an einem bestimmten Tag X in der Woche zur Uhrzeit Y Menge ab Alkohol trinken. Nicht mehr - nicht weniger. Und wer will das schon? Ich will ja saufen, wenn ich Bock drauf habe, und nicht nach Plan. Meine Verhaltenstherapeutin sagt, es wäre anhand von CT-Aufnahmen bestätigt, dass der Patient auch nach Jahren noch in gewisser Weise auf den Schlüsselreiz reagiert. Das würde nicht bedeuten, dass Patient viel davon mitkriegt, aber der Mechanismus im Gehirn bleibt bestehen.
Die Erfahrung mit Abhängigen zeigt wohl deutlich, dass die aller meisten nach einem "Rückfall" schnell in alte Verhaltensweisen abdriften - so erging es mir ebenfalls.

Ich denke hier kommt es stark darauf an wie lange jemand süchtig konsumiert hat und vor allem warum. Und ob dieses warum aus der Welt geschafft wurde.
Grundsätzlich halte ich es nicht für unmöglich, das jemand, der über Monate und Jahre die Abhängigkeitskriterien erfüllt hat, irgendwann mal wieder normal konsumiert - zumindest für eine Zeit lang.
Aber.
a) wie lange ist diese Zeit?
b) warum sich überhaupt Gedanken darum machen?

So lange man noch solche Gedankengänge hin- und herwirft ist man noch mitten drin im Geschehen und es handelt sich meiner Ansicht nach nur um ein Gedankenkarussell, dass dich nicht weiter bringt.

So ne gepflegte Abstinenz kann wunderbar befreiend sein. Einfach mal ausprobieren. Oder sein lassen. Wink
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nebukadnezar
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 26.08.2015
Beiträge: 4021

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2017 22:31    Titel: Antworten mit Zitat

Haschgetüm hat Folgendes geschrieben:
Kontrolliertes Trinken würde bedeuten, sich einen Konsumplan zurechtzulegen - also beispielsweise an einem bestimmten Tag X in der Woche zur Uhrzeit Y Menge ab Alkohol trinken. Nicht mehr - nicht weniger. Und wer will das schon? Ich will ja saufen, wenn ich Bock drauf habe
...


Nein, kontrolliertes z.B. Trinken hat nichts mit einem Konsumplan zu tun und wenn man " saufen" will, hat man schon verloren, wenn dieser Gedanke Form annimmt! Kontrolliert konsumieren heißt sich selber kontrollieren zu können, beim z.B. Alkohol sich nicht in den Rausch zu trinken, sondern nach zB. einem Glas Wein zum Essen oder am Abend, es dabei zu belassen, oder z.B. beim Heroin sich den einen kleinen Fix zu setzen oder Nase zu nehmen, ohne nachzulegen und ohne die Kontrolle über sich selbst zu verlieren, also kontrolliert konsumieren. Man muss verzichten können, ohne Probleme, selbst wenn neben dir konsumiert wird.
Der Weg führt über dich selbst und daher ist die Klärung eines "warum bin ich süchtig geworden" oder " habe die Kontrolle verloren" im Vorfeld selbstverständlich wichtig!

Wieviele Exuser kontrolliert konsumieren ist fast nicht möglich festzustellen, denn sie fehlen in jeder Statistik. Ich kenne einige ehemals Heroin u. Alkabhängige, die nach diesem o.g. Muster leben.

Es geht, aber nicht für jeden!

LG N
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dradio
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.04.2013
Beiträge: 17

BeitragVerfasst am: 12. Sep 2017 00:13    Titel: Antworten mit Zitat

Naja so richtig ausarten lassen habe ich es nur in ein paar kurzen destruktiven Phasen, aber die haben sich schnell gelegt nachdem ich die psychologischen Automatismen begriffen hatte.

Ich konnte mich auch recht kontrolliert mit Vollagonisten über eine längere Zeit selbsständig abdosieren. Was sich als ungemein hilfreich für die Entschärfung und Verkürzung der Postakuten Phase erwiesen hat.

Die Akute Phase des Entzugs konnte ich recht schnell komplett abstellen, ohne diese zu verschleppen, also auch ohne Opioidrotation, Partialagonisten etc.

Durch meinen Opiodkonsum ist mir der Alkohol zuwider geworden, es stösst mich förmlich ab wenn dessen Wirkung bei mir einsetzt. Ich habe gelegentlich in Gesellschaft getrunken und das ohne jemals die Kontrolle verloren zu haben. Nunja in unserer verkappten Gesellschaft kommt man ja nicht dran vorbei es mal wieder tuen zu dürfen.

Es geht mir halt um folgendes Szenario was für mich ein Grauen darstellen würde:

Ich greife mal wieder normal zum Alkohol (Party etc.) wie immer zuvor und in einen bestimmten Zeitraum finde ich mich als Alki wieder.
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Haschgetüm
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 13. Sep 2017 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

Jo, berechtigte Sorge.
Nützt dir aber nichts.
Kann passieren. Muss nicht. Biste also genau so schlau wie vorher auch. Ich rate dir daher einfach achtsam zu sein. Beobachte dich selbst. Reflektiere, warum du trinkst und wann. Wenn du das Gefühl hast drüber reden zu wollen, dann mach das. Such dir Hilfe.
Die Zweifel kann dir keiner nehmen.
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dradio
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.04.2013
Beiträge: 17

BeitragVerfasst am: 14. Sep 2017 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Haschgetüm hat Folgendes geschrieben:
Jo, berechtigte Sorge.
Nützt dir aber nichts.
Kann passieren. Muss nicht. Biste also genau so schlau wie vorher auch. Ich rate dir daher einfach achtsam zu sein. Beobachte dich selbst. Reflektiere, warum du trinkst und wann. Wenn du das Gefühl hast drüber reden zu wollen, dann mach das. Such dir Hilfe.
Die Zweifel kann dir keiner nehmen.


Ja das stimmt, mit Alkohol und anderen Substanzen sollte man eher merken ob riskante Konsummuster sich einschleichen.

Bei den Opiaten ist es halt anders, weil diese sich so subtil in die Psyche einarbeiten und halt alltagstauglich sind bzw. erscheinen.

Leider ist dies aber eine Schimäre und früher oder später merkt man die andere Seite kennen. Viele Nachteile sind aber leider nur der Prohibition und derer Folgen geschuldet.

Trotzdem möchte ich diese Substanzgruppe nicht verhamlosen. Sei dies eine Warnung an alle Interessierten da draussen!
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Domenico
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 19.04.2013
Beiträge: 3085

BeitragVerfasst am: 14. Sep 2017 16:26    Titel: Antworten mit Zitat

hi dradio,also ich sehe es fast genauso wie nebu.die wahrscheinlichkeit dann auch
von anderen drogen die man vorher kontrolliert konsumieren konnte abhängig zu werden,ist sehr gross!ich kenne viele denen es so gegangen ist,deswegen sagen die einem ja in der therapie und in der selbsthilfegruppe das wenn du einmal süchtig bist,von egal welcher droge sollte man garnichts mehr konsumieren,weil die
wahrscheinlichkeit suchtverlagerung zu betreiben und von anderen drogen abhängig zu werden einfach zu hoch ist!LG Vittorio
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Domenico
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 19.04.2013
Beiträge: 3085

BeitragVerfasst am: 14. Sep 2017 16:29    Titel: Antworten mit Zitat

PS:wie man das aber hält bleibt natürlich jedem selbst überlassen.bei mir hat es nicht geklappt ausser mit weed das rauche ich alle paar wochen oder monate mal ein
paar züge mehr nicht!
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rock
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Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2017 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Man hat den Katalog der Emotionen von sechs auf 27 erweitert.
Nummer 12 davon ist Verlangen (nach Schokolade zum Beispiel, steht in dem Artikel). Das kommt Sucht schon recht nahe und paßt damit auch zum Thema Suchtverlagerung.
Ich bin schon lange der Meinung (habe sie hier auch schon mehrfach vertreten), daß Sucht so etwas wie eine Emotion ist, die mehr oder minder ausgelebt wird - und das in unterschiedlichsten Formen.
Cheers

Einer von mehreren Artikeln zum Thema:
http://www.bento.de/politik/gefuehle-forscher-definieren-27-verschiedene-emotionen-statt-wie-bisher-6-1676473/
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Haschgetüm
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2017 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Naja, Verlangen bzw. starkes Verlangen, ist ein Kriterium von Sucht. Sucht nur auf das Verlangen zu reduzieren, würde tatsächlich dazu führen, dass jeder Mensch süchtig ist. Es erschließt sich mir nicht, warum Sucht eine Emotion sein sollte.
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Domenico
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 19.04.2013
Beiträge: 3085

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2017 19:38    Titel: Antworten mit Zitat

es stimmt das viele menschen süchtig sind nach gewissen nicht stoffgebundenen
sachen wie sportsucht,spielsucht zb. auch,oder eßsucht,und vieles mehr.
eigentlich hat fast jeder mensch irgendetwas was er übertreibt auch wenn zb. sport
eigentlich gesund ist,kann es im übertriebenen sinne ungesund werden!
und mir erschliesst sich auch nicht ganz warum verlangen gleich sucht bedeutet.das ganze ist viel komplexer.es ist aber trotzdem definitiv ein grosser teil der sucht,das steht wohl fest!denn mit verlangen fängt eine sucht oft an!
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Haschgetüm
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2017 17:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hm, joar, wahrscheinlich haben sehr viele Menschen eine oder mehrere Süchte. Nur das es bei den meisten Menschen kein Problem darstellt. Kein Schwein interessiert sich für Koffeinsucht zum Beispiel.
Meine Eltern zum Beispiel interessiert Alkohol nicht, für die zählen nur die "Drogen". Saufen kann ich von denen aus oder fressen bis der Arzt kommt.
Ich denke die meisten Menschen leben halt gut mit ihrer Sucht bzw. ihrem Laster, es wird erst zum Problem wenn der Alltag / Beruf darunter leidet und das ist halt oft nicht der Fall. (was ja auch noch mal ein Kriterium von Sucht wäre, und zwar ein nicht unerhebliches).
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nebukadnezar
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 26.08.2015
Beiträge: 4021

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2017 19:46    Titel: Antworten mit Zitat

Das man Sucht in einen Zusammenhang mit Emotionen diskutieren kann, kann ich ja noch nachvollziehen, aber diese verallgemeinernden Vergleiche mit auffälligen Verhaltensweisen, enthusiastisch oder exzessiven gelebten Lebensinhalten und diese als Sucht zu bezeichnen, geht doch an der eigentlichen Problematik und der Definition des Begriffs meilenweit vorbei und ist keineswegs zielführend oder lösungsorientiert.
Was bringt das?

LG N
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mikel015
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 27.03.2015
Beiträge: 3707

BeitragVerfasst am: 17. Sep 2017 11:01    Titel: Antworten mit Zitat

nebukadnezar hat Folgendes geschrieben:
Das man Sucht in einen Zusammenhang mit Emotionen diskutieren kann, kann ich ja noch nachvollziehen, aber diese verallgemeinernden Vergleiche mit auffälligen Verhaltensweisen, enthusiastisch oder exzessiven gelebten Lebensinhalten und diese als Sucht zu bezeichnen, geht doch an der eigentlichen Problematik und der Definition des Begriffs meilenweit vorbei und ist keineswegs zielführend oder lösungsorientiert.
Was bringt das?

LG N




die Putzsucht ist ein grausames Beispiel der Suchtverlagerung...Shocked
Gibt's denn keine schönen Süchte? Very Happy
Eine andere Lösung? Hm, eine andere Sucht muss her damit ich eine Suchtverlagerung machen kann. **grübel grübel**
Vielleicht melde ich mich zum Töpferkurs an oder doch Seniorensport , geh in eine Theatergruppe und tanz meinen Namen...
Es geht aufwärts und ich will hoch hinaus. Very Happy


P.S.
Ein Bekannter von mir ist ohne Therapie clean geworden, aber die Suchtverlagerung hält bis heute an. Er säuft viel...
man ist kein schlechter Mensch wenn man ein Suchtroblem hat.. Erfolg zu haben liegt darin zu erkennen woran es liegt und dann zu handeln.
Alles andere funzt nicht.
Aber nicht alles, was man nicht beherrscht, muss immer gleich Sucht sein.
Ich denke sogar eher, dass jemand der sich bewusst war, dass er süchtig ist und diese Sucht überwunden hat, sogar noch etwas resistenter gegenüber einer NEUEN Sucht sein könnte.
Für viele ehemalige Süchtige ist das oft die einzige Chance, die ihnen bleibt. Suchtverlagerung muß auch nicht immer nur negativ sein- beispielsweise gibt es eine Handvoll ehemaliger Junkies, die nun regelmäßig (Extrem)Sport treiben.
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