Wie ich der MPU entkam...

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Haschgetüm
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2397

BeitragVerfasst am: 9. Aug 2020 17:50    Titel: Wie ich der MPU entkam... Antworten mit Zitat

Vor knapp zwei Jahren fuhr ich mit meinem älteren Bruder zu Besuch zu meinen Großeltern, nahe der holländischen Grenze.
Seit Jahren wollte er sie unbedingt sehen, aber er war schwer abhängig und irgendwie auch geisteskrank. Als ich ihn abholte war seine Kleidung fleckig. Seine Zähne fehlten überwiegend und in seinem Rucksack trug er einen Laptop, über den er mit Kopfhörern Musik abspielte.
Ich hatte noch überlegt ihn darum zu bitten sich vor dem Besuch ein wenig zu pflegen und die Kleidung zu waschen, aber ich wollte nicht klingen wie unsere Eltern. Er war drauf wie Harry, hatte nicht geschlafen. In dem Moment wusste ich, dass es die falsche Entscheidung war ihn mitzunehmen. Meine Großelertern waren schon fast 80. Es würde ihnen der Herz brechen.

Als wir ankamen servierte meine Oma Rinderrouladen. Mein Bruder konnte sie nicht essen, da ihm das nötige Gebiss dafür fehlte. Scheinbar ernährte er sich schon seit geraumer Zeit eher flüssig. Meine Großeltern waren erschüttert und wiesen ihn darauf hin, dass er "so" niemals eine Frau finden würde.
Ich stöhnte innerlich auf bei diesem Versuch meinen Bruder wie einen normalen gesunden Mensch zu behandeln. Das war er nun Mal nicht. Er hatte schon lange mit dem Leben abgeschlossen, aber ein Stück von ihm schien daran festzuhalten. Ein ewig währendes Leiden, das scheinbar kein Ende nahm. Es war das letzte Mal das war uns sahen.

Entsprechend früh verließen wir meine Großeltern wieder. Mein Bruder verstand nicht, warum wir so früh fuhren, obwohl ich angekündigt hatte nicht allzu lange bleiben zu wollen. Natürlich war die Fahrt lang und es war sonst nicht meine Art schon nach 4-5 Stunden wieder aufzubrechen, aber ich hielt die Situation nicht länger aus. Er war verärgert und gekränkt. Die ganze Aktion war vollkommen für die Katz. Ich hatte es gut gemeint, aber hätte es besser wissen müssen. Es war vollkommen zwecklos in dieser Familie etwas schönes erreichen zu wollen. Irgendwie machten wir es immer nur schlimmer.

Zu allem Übel kamen wir auf der Rückfahrt in eine groß angelegte Verkehrskontrolle. Mir blieb ad hoc das Herz stehen. Sonst war ich nicht so nervös bei Kontrollen, aber mein Bruder sah aus wie ein Bilderbuchjunky und ich war ziemlich sicher, dass man Stoff bei ihm finden würden. Ich selbst hatte nichts auf Tasch, aber mein Urin würde etwas anderes sagen. Die letzte Line zog ich am Morgen. Den letzten Joint rauchte ich am Abend zuvor.
Ich konnte weder Führerschein noch Fahrzeugschein vorzeigen, weil ich ein absoluter dämlicher Vollidiot war. Mein alter Skoda von 2003 sah aus wie eine Müllhalde. Verbandskasten? Fehlanzeige.
Obwohl ich für meine Begriffe vollkommen nüchtern war, war ich so nervös, dass es kein Wunder war, als man mich bat die UK abzugeben. Ich war ein wandelndes Klischee, aber das merkte ich erst im Nachhinein. Zuvor hatte ich mir keine großen Gedanken über sowas gemacht, auch wenn ich fast immer einen gewissen THC-Wert vorweisen konnte. Aber als Frau über 30 und ohne Vorstrafen... tja...

Mein Bruder musste von da an mit dem Zug weiter verfahren. Wie gut das Oma ihm noch ein wenig Geld gab. Die Polente hatte nichts bei ihm gefunden und ließ ihn ziehen, während ich mit auf die Wache durfte. Natürlich war man so diskret, dass er es mitbekam warum. Shit! Na wenn das nicht mal irgendwann rauskam. Aber egal...
Auf der Wache gab ich nichts zu Protokoll außer den immerwährenden Satz: Ich bin nüchtern. Die Beamten waren froh wenig Schreibkram zu haben und irgendwie verstanden wir uns sogar gut. Man fand THC Und Amphetamin in meinem Urin, weshalb mir Blut entnommen wurde. Widerstand zwecklos, das war mir vollkommen klar. Wir scherzten sogar über den Umstand, dass man nun Strafanzeige wegen Beschafftung und Besitz stellen würde, obwohl ich nüchtern und ohne Drogen aufgefunden wurde. Ich hatte freiwillig mein Auto durchsuchen lassen, aber außer Müll und einer Tüte Katzenstreu war dort nichts zu finden.
Die zwei Anzeigen kosteten mich später noch mal 250 € extra. Man handelte es innerhalb eines Briefes ab. Teurer Brief, aber besser als ein Verfahren.
Ungefähr drei Monate später erhielt ich mein Bußgeld und den Bescheid, dass beide Verfahren eingestellt wurden. Gesamtstrafe: 750 € und ein Monat Fahrverbot. Die MPU war mir mit zwei Stoffen sicher. So dachte ich zumindest.
Lustiger Weise geriet sich kurze Zeit später wieder in eine Kontrolle. Mein Fahrverbot musste ich eine Woche später antreten. Ich war nicht angeschnallt auf dem Weg zu Arbeit. Meinen Fahrzeugschein hatte ich wieder Mal nicht dabei.
Ich war scheinbar die blödeste Kuh auf Erden. Ich dachte das war es nun endgültig, aber versuchte Ruhe zu bewahren.
Ich bekam abermals ein kleines Bußgeld und musste Fahrzeugschein und Verbandskosten auf der Wache nachzeigen. Einen Tag später gab ich den Führerschein ab. Ich dachte ich bekäme ihn bestimmt nie wieder.
Aber...
Fehlanzeige.

Ich hörte nie wieder etwas und seitdem glaube ich, dass zumindest ein Gott existiert, nämlich der Verkehrsgott. Warum auch immer, aber offensichtlich war der Typ auf meiner Seite.
Ich habe heute noch immer den Führerschein. Ich weiß nicht warum, aber zwei Jahre sind seitdem vergangen. Es gab keinen Zwischenfall mehr. Es wird hoffentlich keinen mehr geben.

Räumt bloß die Karre auf und habt eure Papiere am Start! Wink
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dakini
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 2939

BeitragVerfasst am: 11. Aug 2020 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Oh weia, Haschi,

da haste aber Glück gehabt Very Happy lockere Handhabung meist, gilt jedoch vor allem für jene, die ein Kennzeichen haben, von hier. Vom aufgeräumtem Wagen und sauberer Kleidung mal abgesehen, lach* Aber auch damals befreundete türk Jungs aus dem Viertel, durften nach gefundem 5er Beutel weiter fahren - da kam nichts von wegen "mitkommen". Ich schätze, das waren derzeit einfach zu viele.

Meine (tote) Freundin fuhr mit guter Bekannter vor einigen Jahren, mit H über die Grenze, die beiden hatten längst das Zeug aufgemacht, was nun locker in einem Papier vorne im Auto lag - raus werfen, war nicht mehr, da standen sie, mit Hund. Doch das liebe Tierchen schnüffelte umsonst, die beiden durften weiter fahren. Der Hund war offensichtlich nicht auf H getrimmt, sondern auf weed. Hunde, die mehr erschnüffeln können, sind selten und sehr teuer. Ein Mensch, hätte es gefunden, da wo es lag. Aber sie ließen nur den Hund in den Wagen Smile

Ein anderer musste seine MPU machen, kam aber durch. Teuer ja...

Hier gibt es immer wieder solche Fälle, der eine kommt durch, dann ist nur das Zeug weg, der andre, wird mitgenommen - und dann geht das Spiel los!

Du hattest Glück, dass sich die Fälle stapelten, nehme ich an, iwo muss man eine Grenze ziehen, zu viele rauchen. Ich schätze, das lag an den Werten. Man sieht doch gut, wieviel jemand in der Blutbahn hat.

Ich wurde in zig Jahren nur einmal angehalten, mein Ex dabei, dessen Babyface und harmloser Blick, die meisten Frauen einlullt, so auch die Polizistin, was ein Glück, dass es eine Frau war Smile Aber wir sehen beide, sehr "harmlos" aus. Der Schweizer vor uns, wurde raus gezogen, wir durften weiter fahren, mit hiesigem Kennzeichen, die Taschen voll. Ich hab schon viele gesehen, die raus gezogen wurden, wenn man so oft die Grenze überquert, wie ich viele Jahre - aber meistens sind es Kennzeichen von weiter weg.

Man muss schon auf seinen Führerschein acht geben. Das nervt entschieden, ein Nachbar säuft, aber richtig. Nur Sonntag lässt er konsequent aus, weil er Montags für seine Mutter einkaufen fährt. Die Gesetze lassen doch echt zu wünschen übrig - raucht man nicht am selben Tag, ist man fahrtüchtig - der Grenzwert kann jedoch weit überhöht ein, beim Dauerkiffen ohnehin. Er geht nach ca 6 Tagen clean in den Bereich, in dem fahren erlaubt ist, das weiß ich seit der letzten Entgiftung - der Oberarzt wollte, dass ich noch eine Nacht bleibe - an den abgenommen Werten sah man, dass nur noch wenig fehlte, bis der Wert erreicht gewesen wäre - ich hab mich dann durch gemogelt, mein Bruder würde mich und mein Auto holen und hab mir geschworen, das nächste mal, stelle ich meinen Wagen weiter weg und sage, ich wäre anders angereist...(aber ich denke, eine Entgiftung wird nicht mehr nötig sein stationär). Zudem wurde mir klar, dass "ärztliche Schweigepflicht" dahin ist! Er hätte seine Drohung wahr gemacht, die Polizei zu rufen, wenn er mitbekommen hätte, dass ich fahre... In Wahrheit war ich am nächsten Tage - dann schon zu Hause, so affig, dass ich gar nicht mehr hätte fahren können. In solch einem Zustand fahre ich von mir selbst aus, nicht mehr. Da braucht es keine Vorgaben! Wobei nach "Vorgabe" war ich dann fahrtauglich.Rolling Eyes Wink
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