Das schlimmste Erlebnis meines Lebens...

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Gaucho
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 04.08.2015
Beiträge: 1022

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 00:54    Titel: Das schlimmste Erlebnis meines Lebens... Antworten mit Zitat

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich nun bin das Gröbste endlich durchgestanden zu haben. Gestern hatte ich ein neues Opioid (Tapentadol) ausprobiert. Dieses Medikament ist noch relativ neu auf dem Markt und wurde von der Firma Grünenthal patentiert. Tramadol und Contergan gehen ebenso auf deren Konto.

Jedenfalls habe ich dieses Opioid sehr stark unterschätzt und da ich ja seit nunmehr vielen Monaten jeden Tag um die 15-20 Gramm hochpotenten Mohnkapseltee trinke, hatte ich wohl auch noch vom Tag davor eine gewisse Konzentration im Blut.

Lange Rede, kurzer Sinn. Jedenfalls habe ich mir gleich zu Anfang 300 mg eingeschmissen und nach etwa 2 Stunden wurde mir dann urplötzlich sehr unwohl. Jedenfalls merkte ich sofort, dass es eindeutig zu viel war und ich bekam es mit der Angst zu tun, denn ich drohte einzuschlafen und hatte kaum noch Kontrolle über meinen Körper. Die Atmung wurde extrem flach, sodass ich nicht mal mehr mit mir selber reden konnte.

Was also tun? Für die Notfälle hatte ich noch ein Paar Tabletten Naltrexon im Schrank und habe daraufhin eine 50 mg in vier Teile zerschnitten und anschließend eine kleine Ecke im Mund zerkaut runtergeschluckt.

Nach etwa 30 Minuten war ich dann wieder auf der sicheren Seite und sämtliche Opioide wurden allmählich durch das Naltrexon verdrängt.

Weitere 30 Minuten später begriff ich dann, dass das wohl ein riesen Fehler war. Meine Arme und Beine haben plötzlich unkontrolliert um sich geschlagen, ich bekam zudem extremen Durchfall und musste mich gleichzeitig unzählige Male übergeben. Zuckungen am ganzen Körper, Krämpfe in den Beinen, extreme und stinkende Schweißausbrüche uvm...

Ich hatte mich also unwissentlich in den akuten Entzug katapultiert. Das waren die schlimmsten 24 Stunden meines Lebens und erst jetzt nach 20 Gramm Mohntee beginnt mein Körper sich nun allmählich zu normalisieren. Ich habe mehrere Liter Flüssigkeit verloren und fühle mich immer noch extrem ausgetrocknet. Von Essen brauche ich wohl gar nicht erst zu reden. So etwas wünsche ich niemanden, denn es ist die pure Hölle und zudem auch nicht ganz ungefährlich.

Naltrexon ist ein widerliches Höllenzeug.
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MausiMaus
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Anmeldungsdatum: 01.07.2015
Beiträge: 2148

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 01:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, Nachtschwärmer,

Gaucho, lach, klingt ja heftig,. mein Arzt hat mich damals von Meth. auf Subbotex

umgestellt, ohne " Pause " dazwischen...ich dachte, ich krieg ein Kind,,,,



versuch`viel zu trinken,Kamillentee mit Honig und Milch und bisschen

Salz rein, wegen dem Flüssigkeitsverlust, du Armer,

na ja , jetzt hast dus wenigstens hinter dir,

und lebst noch,

und wirst in Zukunft

klüger sein...


gute Nacht,

Karin
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Gaucho
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Anmeldungsdatum: 04.08.2015
Beiträge: 1022

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 02:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte entweder die Möglichkeit zu sterben bzw. einzuschlafen und womöglich nicht wieder aufzuwachen und es hätte sicherlich einige Tage gedauert bis meine Eltern sich Sorgen um mich gemacht hätten. Wenn man alleine lebt, dann gibt es leider niemand der dich retten kann und die Notrufnummer wählt. Davor hatte ich eben große Angst.

Ich wusste ja wie das Naltroxen wirkt, zumindest in der Theorie und deswegen habe ich ja auch nur etwa 10 mg oral eingenommen. Aber das mich so eine vergleichsweise geringe Dosis von Jetzt auf Gleich direkt in die Hölle katapultiert, konnte ich mir leider nicht vorstellen. Wahrscheinlich hätten schon 2 mg genügt.

Es wird sicherlich noch einige Tage dauern, bis ich dieses Ereignis verarbeitet habe und mein Spiegel sich wieder normalisiert hat. Ich wusste ja bisher nicht mal, dass ich schon zu stark körperlich drauf bin, da der Nachschub an Mohn bislang immer konstant war und ich auch nur eine Tasse pro 24-36 Stunden getrunken habe.

Das gestern war wohl der stärkste Grad 4 Entzug.
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Mohandes59
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Anmeldungsdatum: 05.12.2014
Beiträge: 1552

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 03:10    Titel: Antworten mit Zitat

Gaucho, alter Narzisst und Kupferstecher,

sehr schön plastischer Bericht. Dieses Opioid werde ich meiden, mein Ding wäre eher H oder O.

Dramaqueen bist Du ja nicht gerade (NICHT böse gemeint). Stärke-4-Entzug? Da warten noch ein paar, kann ich Dir sagen.

LG auch an alle anderen Nachtschwärmer!
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Schlaumeier
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Anmeldungsdatum: 05.06.2015
Beiträge: 1567

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Fuer die Zukunft lieber Gaucho,
wenn Du bewusst spuerst das Du langsam abkackst, ist die Ueberdosis nicht diejenige die Deinem "kontrollierten Drogenleben" ein Ende setzt. Du haettest alternativ einfach Deinen Kreislauf in Schwung halten koennen. Z.B. mit einem Spaziergang oder ner Radtour oder einfach entspannt der Dinge verharren koennen. Eigentlich warst Du lediglich auf dem Weg in den optimalen O Turn, genau so wie wir Ihn lieben.
Ich habe mal in den 90ern an einem 'Naltrexon Programm' teil genommen. Hat fuer mich nicht gefunzt. Ich habe dann einfach die Tabletten nicht eingenommen und wieder gefixt. Meine Partnerin hat das irgendwann mitbekommen und mir voellig breit einen Jaegi-Naltrexon Mix eingefloest. Meine Fresse, das war ne echte Grenzerfahrung. Binnen 5 minuten war ich in derselben Hoelle wie von Dir beschrieben.
Im uebrigen kann sowas auch toedlich enden ... meine Freundin war sich der Konsequenzen nicht bewusst und wollte mir gutes tun ... Wink Laughing

Na ja, ansonsten ist ja alles so gelaufen wie wir es Dir vorhergesagt haben. Was ist geblieben? Nix, aktuell anscheinend nichtmal Deine opioidindizierte Arroganz. Wie laeufts denn mit Deiner Karriere und Deinen fetten Ersparnissen? Ein Schelm der da denken wuerde das Mama Dein Sparkonto ersetzt ...
Ernsthaft, ich habe mich gefreut von Dir zu lesen. Schoen das es Dich noch gibt. Solltest Dich langsam entscheiden. Der Absprung wird mit voranschreitender Zeit immer anstrengender und irgendwann biste nur noch ein "Junkie", nicht mehr, nicht weniger. Bist doch eigentlich ein patentes Kerlchen.
Hau rein ... Cool
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Gaucho
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 04.08.2015
Beiträge: 1022

BeitragVerfasst am: 8. Jun 2018 18:00    Titel: Antworten mit Zitat

Auch jetzt fühle ich mich immer noch nicht völlig genesen. Mein Magen rebelliert immer noch gegen jegliche Nahrungszufuhr und hat einfach keinen Appetit.
Das Naltrexon scheint nach wie vor die Opioide zu verdrängen.
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Gaucho
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 04.08.2015
Beiträge: 1022

BeitragVerfasst am: 9. Jun 2018 06:38    Titel: Antworten mit Zitat

Von meinen Ersparnissen habe ich innerhalb von 6 Monaten nur etwa 20% aufgebraucht und habe daher noch einiges zusammen. Ich versuche halt so sparsam wie möglich zu sein und warte nach wie vor auf das Wohngeld. Die Behörden lassen sich wirklich unendlich viel Zeit.

Bei meinen Eltern wächst allerdings zunehmend die Enttäuschung über ihren Erstgeborenen, da mein über 11 Jahre jüngerer Bruder mit Hauptschulabschluss nun urplötzlich eine Lehre als Klempner anfängt und ich mit 28 Jahren "nur mehrere abgebrochene Studiengänge vorweisen kann" und nicht einmal die Initiative ergreife bzw. großartig Lust darauf habe mich für etwa 3 Jahre lang als Sklave in die nächstbeste Ausbildung zu stürzen.

Ich bin halt durchweg ein Idealist, während andere eher pragmatisch veranlagt sind. Da mache ich doch lieber einen Lenz und spaziere an einem sonnigen Tag durch den Wald, durchlese die Zeitschriften in der Bücherei, schaue mir zahlreiche Dokus und Filme an, treibe gelegentlich auch mal wieder Sport oder gehe einfach schlemmen.

Ich habe einfach keine Lust einem regulären Job nachzugehen, zumal ich während meiner letzten 10 Jahre als Ferienjober viele Einblicke in das Arbeitsleben bekommen habe und davor graust es mir einfach. Wenn man täglich 8-10 Stunden einer unliebsamen Tätigkeit nachgeht, dann zieht das Leben oder das was davon noch übrig ist einfach nur noch an einem vorbei. Jeder Tag gleicht dem Anderen. 8 Stunden schlafen, Arbeiten, Essen, und dann vielleicht noch wenige Stunden freie Zeiteinteilung, in der immer gleich währenden Abfolge. Bis zum Tage des Ablebens.

Das kann es doch wirklich nicht sein? Mein Vater hat mit seinen knapp 50 Jahren erst kürzlich einen sehr schweren Herzinfarkt erlitten und würde einen Zweiten wahrscheinlich nicht mehr überleben.

Nach nur drei Monaten Reha, macht er trotzdem genauso weiter wie zuvor. Arbeiten in Teilzeit oder Sport? Auf keinen Fall. Findet den Job laut eigener Auskunft zwar scheiße, arbeitet aber trotzdem jeden Tag 9 Stunden. Man möchte ja schließlich nicht als faul abgestempelt werden.

Ich weiß nicht so recht, wer in der falschen Welt lebt. Höchstwahrscheinlich wir alle...

Lieber bin ich arm, als meine persönliche Freiheit aufzugeben und schraube meine Ansprüche herunter.

Vielleicht sollte ich aber auch wieder mal nüchtern werden?
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Marle
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1212

BeitragVerfasst am: 9. Jun 2018 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
und ich mit 28 Jahren "nur mehrere abgebrochene Studiengänge vorweisen kann" und nicht einmal die Initiative ergreife bzw. großartig Lust darauf habe mich für etwa 3 Jahre lang als Sklave in die nächstbeste Ausbildung zu stürzen.


Da ist dann bei den mehreren abgebrochenen Studiengängen und der eventuell dazu notwendigen Intelligenz wirklich nicht viel dabei rausgekommen. Bei all den Möglichkeiten, die jeder heutzutage nur ergreifen muss, liegt es weniger daran, dass Du arbeiten generell als Sklaventätigkeit ansiehst, wie viel mehr daran, dass Du schlicht nicht die Fähigkeit besitzt, für Dich etwas zu finden, dass Dir Freude machen könnte. Ganz ohne der Sklave von irgendwem zu sein ...
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dakini
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 2619

BeitragVerfasst am: 10. Jun 2018 09:23    Titel: Antworten mit Zitat

Der Turbo wär doch ein guter Anfang gewesen Laughing Laughing Laughing
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schattengewächs
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.07.2015
Beiträge: 1961

BeitragVerfasst am: 13. Jun 2018 15:19    Titel: Antworten mit Zitat

schön, wieder von dir zu lesen, gaucho,- auch wenn das Ganze wieder ins Dramaturgische ausufert... du weißt ja, ich verstehe dich ziemlich gut... (denke, da gibt es halt einige Parallelen)... grins.
nicht schlimm, entspann dich: mit einem "lückenlosen Lebenslauf" wirst du, wie fast alle hier im Forum, nicht aufwarten können... so what? Rolling Eyes Arrow Very Happy

Sterben wirst du auch nicht so schnell, auch wenn du stubjektiv ständig das Gefühl hast, im nächsten Moment tot dazuliegen.
Exakt dieses Problem hab ich auch.

Es ist verhängnisvoll, wenn man / frau:
- drogenabhängig ist
- in krisenhaften Zuspitzungen ALLEINE ist
- nicht die 112 wählen kann, weil man NULL BOCK darauf hat, auf irgendeiner "Station" zu landen,- denn schließlich haben wir alle ein fein autodidaktisch austaxiertes "Konsum-muster"- also die Vorstellung, dass Ärzte mir dann "alles wegnehmen" und mir sagen könnten, was ich brauche, und welche Substanzen, wie und wann eingesetzt werden, läßt PANIK aufkommen.

Das ist der Grund, warum ich, exakt wie du, Zustände, die ich selbst als "grenzwertig" erlebe, allein auzuhalten, - nofalls kommt der hausärztliche Notdienst , Tel 116117 wenn man Glück hat. Manchmal hilft es auch, wenn sich ein Mensch einfach neben einen setzt, und sagt: "ich versichere ihnen, dass sie nicht sterben, sie haben NUR eine entgleiste Gehirnchemie!" (die hiesigen Notärzte sind immer dieselben, und kennen mich inzwischen alle sehr gut)...
Soviel dazu.
Solidarische Grüße in den Norden! Cool
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Haschgetüm
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2393

BeitragVerfasst am: 16. Jun 2018 16:24    Titel: Antworten mit Zitat

Achja. Was man so alles will und nicht will.

Als ich eines Tages dastand, ohne Ausbildung, ohne Kohle und ohne Krankenversicherung, da hab ich mir gedacht:

Oh Scheisse, Haschi. Das gibt nix. Mach mal besser was.
Also ab zum Amt und innerhalb von zwei Wochen hatte ich eine Ausbildungsstelle in der Gastro. Ein wahrer Sklavenjob sozusagen.
Aber rückblickend betrachtet genau das Richtige für mich. Ich habe so unendlich viel gelernt in den Jahren.
Vom Fachlichen mal abgesehen unter anderem sowas wie Disziplin und Demut Wink Das kann nicht schaden - ich kleines Großmaul hatte das bitter nötig.

Ich kann ja jedem nur Raten sich auf das zu konzentrieren, was man gut kann und was einem Spass macht (das eine bedingt ja meist das andere).

Ein Teilzeitjob reicht auch aus um sich sein Leben zu finanzieren und nebenbei kann man versuchen etwas Eigenes aufzubauen. Oder so Wink
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perl
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 10.07.2016
Beiträge: 1100

BeitragVerfasst am: 17. Jun 2018 09:09    Titel: Antworten mit Zitat

Genau haschgetüm, ich lebe zur Zeit, also ganz schön lange schon, sehr glücklich mit sehr wenig Geld.
Aber ausreichend für die täglichen Bedürfnisse und ein bißchen darüber hinaus.

Ich schenke mir das zur Zeit. Es ist mein eigenes "bedingungslose Grundeinkommen". Und das interessante ist, dass mittlerweile viele gute Ideen kommen, was ich so aufziehen könnte und auch mag!
Ich habe schon eine gute Ausbildung und auch einen schönen Beruf und habe die Selbstständigkeit immer geliebt. Das wird auch so bleiben.
Aber ich schaue rechts und links, habe Ideen und durchaus Lust, mal etwas anderes zu machen.
Selbstständigkeit: Grundvoraussetzung.

Zur Zeit aber liebe ich noch mein MONTAGSgefühl: Die Woche fängt an und ich dürfte arbeiten, muss aber nicht.
Das ist schon ein großer Luxus.
Früher, mit viiiel mehr Einkommen hatte ich viiiel mehr Existenzängste...- komisch.

perl
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