Clean werden - eine Frage des Charakters?

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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4060

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 00:28    Titel: Clean werden - eine Frage des Charakters? Antworten mit Zitat

Habe mich gerade gefragt, ob es "gefühlsbetonte" Menschen schwerer haben clean zu werden als "verstandesorientierte", analytisch denkende (und vielleicht emotional verarmte) Menschen. Oder liegt es an der familiären Grundlage (Urvertrauen)?

Manche schaffen es clean zu werden (und zu bleiben) ohne groß Aufhebens darum zu machen, andere quälen sich jahrzehntelang und wieder andere sterben innerhalb weniger Jahre.

Was fällt Euch dazu ein? Wie schätzt Ihr Euch selbst diesbezüglich ein? Oder findet Ihr die Fragestellung an sich völlig daneben?
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marisa85
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 13.12.2009
Beiträge: 106

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 00:51    Titel: Re: Clean werden - eine Frage des Charakters? Antworten mit Zitat

Hmm gute Frage...
Hab in der letzten stat. Therapie schon die Erfahrung gemacht, dass es gerade den gefühlsbetonten Menschen schwerer fällt, clean zu bleiben.
Ich denke sowieso, dass diese Menschen auch häufiger mit Depressionen zu kämpfen haben und daher auch eher zu Drogen/Medikamenten greifen als die "Vernunftsmenschen"... Zumindest kann ich das definitiv von mir so sagen, aber auch von einigen Mitpatienten, die ich in den fast sechs Monaten dort kennengelernt hab.
Wahrscheinlich ist es auch hier wie sooft von Mensch zu Mensch anders, aber ich könnte mir das durchaus so vorstellen.
LG Marisa
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Maria
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 06.09.2009
Beiträge: 287

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 10:57    Titel: Re: Clean werden - eine Frage des Charakters? Antworten mit Zitat

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:
Habe mich gerade gefragt, ob es "gefühlsbetonte" Menschen schwerer haben clean zu werden als "verstandesorientierte", analytisch denkende (und vielleicht emotional verarmte) Menschen. Oder liegt es an der familiären Grundlage (Urvertrauen)?

Manche schaffen es clean zu werden (und zu bleiben) ohne groß Aufhebens darum zu machen, andere quälen sich jahrzehntelang und wieder andere sterben innerhalb weniger Jahre.

Was fällt Euch dazu ein? Wie schätzt Ihr Euch selbst diesbezüglich ein? Oder findet Ihr die Fragestellung an sich völlig daneben?


Nun ja, die Frage, weshalb die einen clean werden und bleiben, und die anderen nicht, ist schon interessant.
Nur ist man bei der Antwortsuche wieder Kategorien unterlegen. Es verführt zum Schubladen-Denken.

Ich bin fast acht Jahre "clean", dass heisst kein tägliches Konsumieren von Opiaten, auch nicht mal am Wochenende Wink
Und ich würde mich keinesfalls als nur vernunftgesteuert bezeichnen. Ich glaube, dass ich psychisch aus etwas rausgewachsen bin, so dass ich diesen Weg des Heroinkonsums nicht mehr benutze. Was nicht heißen soll, dass es mir besser geht.
Vielleicht gibt es darüber schon irgendwelche wissenschaftlichen links?
Kann mich noch schwach erinnern. Werde mal auf Suche gehen Smile LG
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 12:00    Titel: Antworten mit Zitat

Man muss nicht emotional verarmt sein, um einen guten Willen und was im Kopf zu haben. Hört auf nach Ausreden zu suchen Rolling Eyes
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greenlander
Anfänger


Anmeldungsdatum: 28.11.2009
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 12:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich bin Alkoholiker und lebe seit 27 Jahren abstinent. Mir ist es leicht gefallen abstinent zu bleiben. Der Wille, persönliche Einstellungen , Gesundheit als Teil der eigenen Lebensphilosophie, die Frage nach Lebensqualität sind Merkmale die Trockenheit oder clean sein entscheidend
mitbestimmen. Um abhängig zu werden muß man ja auch etwas tun, eine Abhängigkeit wird einem ja nicht über den Kopf gestülpt. Diese Merkmale eines Engagements kann der Abhängige auch brauchen, um clean zu bleiben und diesem Zustand auch eine Qualität zu geben.

Viele Grüße
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Pillin
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 20.12.2009
Beiträge: 55

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 12:20    Titel: Antworten mit Zitat

Meiner Erfahrung nach war es ein langer Weg der immer noch kein richtiger Wille ist, aber eine Überzeugung das es ohne besser ist, um mich endlich so zu akzeptieren wie ich bin.
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wasted
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 25.12.2009
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 15:59    Titel: Antworten mit Zitat

Grundsätzlich würd ich die Unterschrift so unterstreichen, dass es vom Charakter abhängig ist, ob man von der Sucht wegkommt.
Aber nur insofern, dass man an dem Charakter arbeiten kann und somit clean werden kann.
Klar ist dein Wesen, deine Gedanke, einfach du selbst, dafür verantwortlich dass man irgendwas berauschendes konsumiert, aber es kommt immer darauf an, wie man mit sich selbst umgeht.

"Emotional verarmt" gepaart mit "analytischem Denken" ist kein Garant dafür, dass man von seiner Sucht clean wird, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen.
An der familiären Grundlage kann man vielleicht den Ursprung suchen für eine Sucht(Flucht aus der Realität,...).
Was man aber aus der Sucht macht hängt maßgeblich davon ab, wie willig man ist, sich selbst zu verändern und aus dem Status Quo auszubrechen.
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YanoTed
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 12.04.2009
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 18:00    Titel: - Was ? warum ☺ Antworten mit Zitat

ja schwierig
☺☤
warum den clean -werden- , warum nicht -clean sein- ?
und
grennlander, ja °°°°° prost !
und
außerdem threadbeginner, bist Dudwen den selber bei was clean oder ?
✰✰✰
glaube es ist Zufall im kos.ird.☢ und/oder Bestimmung wie bei ner ...

ciao
Twisted Evil Twisted Evil Twisted Evil
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Maria
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 06.09.2009
Beiträge: 287

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 21:36    Titel: Antworten mit Zitat

wasted hat Folgendes geschrieben:
Grundsätzlich würd ich die Unterschrift so unterstreichen, dass es vom Charakter abhängig ist, ob man von der Sucht wegkommt.
Aber nur insofern, dass man an dem Charakter arbeiten kann und somit clean werden kann.
Klar ist dein Wesen, deine Gedanke, einfach du selbst, dafür verantwortlich dass man irgendwas berauschendes konsumiert, aber es kommt immer darauf an, wie man mit sich selbst umgeht.

"Emotional verarmt" gepaart mit "analytischem Denken" ist kein Garant dafür, dass man von seiner Sucht clean wird, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen.
An der familiären Grundlage kann man vielleicht den Ursprung suchen für eine Sucht(Flucht aus der Realität,...).
Was man aber aus der Sucht macht hängt maßgeblich davon ab, wie willig man ist, sich selbst zu verändern und aus dem Status Quo auszubrechen.



Ich glaube nicht, dass es eine Willensfrage ist. Keiner nimmt auf Dauer Drogen nur so zum Spaß, und irgendwie will jeder da raus, schon allein wegen der Drogenkriminalität. Mag vielleicht Ausnahmen geben, aber die meisten trifft man doch auf Entgiftung oder Therapie wieder.

LG
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wasted
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 25.12.2009
Beiträge: 23

BeitragVerfasst am: 26. Dez 2009 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Maria hat Folgendes geschrieben:
wasted hat Folgendes geschrieben:
Grundsätzlich würd ich die Unterschrift so unterstreichen, dass es vom Charakter abhängig ist, ob man von der Sucht wegkommt.
Aber nur insofern, dass man an dem Charakter arbeiten kann und somit clean werden kann.
Klar ist dein Wesen, deine Gedanke, einfach du selbst, dafür verantwortlich dass man irgendwas berauschendes konsumiert, aber es kommt immer darauf an, wie man mit sich selbst umgeht.

"Emotional verarmt" gepaart mit "analytischem Denken" ist kein Garant dafür, dass man von seiner Sucht clean wird, das kann ich dir aus eigener Erfahrung sagen.
An der familiären Grundlage kann man vielleicht den Ursprung suchen für eine Sucht(Flucht aus der Realität,...).
Was man aber aus der Sucht macht hängt maßgeblich davon ab, wie willig man ist, sich selbst zu verändern und aus dem Status Quo auszubrechen.



Ich glaube nicht, dass es eine Willensfrage ist. Keiner nimmt auf Dauer Drogen nur so zum Spaß, und irgendwie will jeder da raus, schon allein wegen der Drogenkriminalität. Mag vielleicht Ausnahmen geben, aber die meisten trifft man doch auf Entgiftung oder Therapie wieder.

LG


Doch, das ist ja die zentrale "Willensfrage" - "Bin ich stärker als meine Sucht?"
Den Anfang machen(Entgiftung & Therapie) und es bis zum Ende durchziehen oder den Versuch clean zu werden abzubrechen und wieder bei den Drogen landen - Im Endeffekt kommt es ja darauf an, ob du den Willen aufbringen kannst, alle negativen Gefühle, die so ein Entzug mit sich bringt, durchzustehen - oder ob du dich halt für die "leichte" Variante, den Drogenkonsum entscheidest um die Gefühle loszuwerden.
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YanoTed
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 12.04.2009
Beiträge: 96

BeitragVerfasst am: 27. Dez 2009 12:16    Titel: der Wille ? Antworten mit Zitat

Also wenns am Willen liegen tät wär ich so was von clean. Hab schon mind. 20 mal freiwillig Entgiftet (Heroin,Opiate) und auch kurze Haft und 2 Langzeittherapien gemacht.

Also der Wille ist da. Das Problem ist das cleanbleiben.

Es ist doch so, daß es einfach verschiedene Ursachen und somit auch verschiedene "Süchte" gibt bei Heroin, so daß erstmal auch von medizinischer Seite ein Versuch der Kategorisierung dieser versch. Gruppen da sein müsste.
Vgl. Alkoholiker (->Gewohnheits,-Quartals...etc.-säufer)
Diese Unterscheidung muß gemacht werden,
bis dahin werden alle Beteiligten zu 50% oder mehr aneinander vorbeireden.
☺☮☮☮
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 27. Dez 2009 12:50    Titel: Antworten mit Zitat

Solange man bei einem Entzug von etwas nicht stirbt, oder unerträgliche Schmerzen erleidet, ist alles Willensfrage.
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Maria
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 06.09.2009
Beiträge: 287

BeitragVerfasst am: 27. Dez 2009 13:25    Titel: Antworten mit Zitat

Jana hat Folgendes geschrieben:
Solange man bei einem Entzug von etwas nicht stirbt, oder unerträgliche Schmerzen erleidet, ist alles Willensfrage.


Ein Entzug ist eine schwere Traumatisierung, ähnelt der Kriegstraumatisierung. Sie ist schmerzhaft, und man hat das Gefühl zu sterben. Die Angstzustände sind unerträglich, und der Fluchttrieb macht sich bemerkbar. Es ist totaler Unsinn, in dem Zusammenhang von Willen zu sprechen. Es ist ein Überlebenskampf gepaart mit Todesängsten.

Jeder noch so stabile Mensch würde während eines Entzugs zusammenbrechen. Das hat wenig mit Charakter zu tun.
Die Frage ist, ob man dann auch weiterhin trocken bleibt, und wovon das abhängt.
LG
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4060

BeitragVerfasst am: 27. Dez 2009 18:13    Titel: Antworten mit Zitat

@YanoTed:
Jeah, hab alles alleine durchgezogen, schon vor Jahren. Im Akutstadium des Entzuges und in der Zeit danach habe ich mir immer klargemacht, dass es vorübergeht, ich muss nur Zeit vergehen lassen... es wird nicht immer schlimmer sondern besser... und ne Portion Selbstironie war auch dabei. Allerdings: Die Raucherei werd ich nicht los... Für die harten Sachen hat der Wille anscheinend gereicht, nur dafür nicht... dass es keine einfachen Antworten gibt, ist mir schon klar. Mit dem Begriff "Zufall" kann ich in diesem Zusammenhang allerdings nichts anfangen.

Ich glaube, das Bedürfnis vieler Süchtigen ist, Ruhe vor der Welt und den Mitmenschen zu haben und sich ganz auf sich konzentrieren zu können. Allerdings hat man durch den Beschaffungsstress und die Begleiterscheinungen der Sucht leider eben keine Ruhe sondern mehr Stress, als wenn man es bleiben lässt. Es ist den Aufwand nicht wert.

Es war bei mir weniger der Wille aufzuhören, als der Unwille, mich dem ganzen unvermeidlichen "Zirkus" auszusetzen.

Ich wollte in meinem Kopf wieder Platz haben für Anderes und mich weiterentwickeln. Es gibt doch nix Öderes als die Leute, die nach 20 Jahren immer noch an der gleichen Stelle im Stadtpark sitzen und dem jungen "Nachwuchs" die gleichen Storys erzählen!

Mittlerweile ist die Distanz so groß, dass mich auch das direkte Angebot nicht mehr aus der Bahn werfen würde.

In meinem Freundeskreis sind die "Karrieren" sehr unterschiedlich verlaufen - mit teils überraschendem Ergebnis - und ich frage mich noch immer, woran das liegen könnte.
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Jana
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 27. Dez 2009 18:19    Titel: Antworten mit Zitat

"Ein Entzug ist eine schwere Traumatisierung, ähnelt der Kriegstraumatisierung"

Du willst mir also erzählen, dass man durch das eigene Verschulden, durch das man zu Drogensucht gekommen ist, den gleichen innerlichen Schmerz zu verarbeiten hat, wie jemand, der um sein eigenes Leben kämpfen, und vielleicht Kameraden sterben sehen musste? Und das auf eine unschönere Weise als das bloße "Einschlafen"? Das kann jetzt nicht dein Ernst sein.

Wer von einer Sache körperlich abhängig ist, da ist es klar, dass auch der Körper rebelliert, wenn die Droge fehlt. Klar hat das dann nix mit Charakter zu tun. Mit Charakter hat es aber sehr wohl zu tun, überhaupt erst so weit zu kommen. Wahrscheinlich liegt da die Ursache für das Versagen vieler beim Entzug. Jemand, der die Kraft hätte, damit konsequent aufzuhören, wird auch selten vorher schon auf dem Trichter gewesen sein, er müsse jetzt Drogen nehmen.
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