Frei von Drogen, weil...

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Sienna
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 31.08.2009
Beiträge: 1986

BeitragVerfasst am: 19. Mai 2010 12:54    Titel: Antworten mit Zitat

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:
Ich bewundere Menschen, die immer "Haltung" bewahren, sich nie gehen lassen und eine strenge Disziplin von sich und anderen fordern. Ich kannte bislang nur einen einzigen Menschen, der in dieser Hinsicht perfekt war. Er hat großes geleistet hat und seine eigenen Bedürfnisse und Eitelkeiten sein ganzes, langes Leben lang weit hintenan gestellt.


Ich bewundere solche Leute nicht, eher bemitleide ich sie. Ist es denn wirklich erstrebenswert, zu einem abgehärteten Roboter zu mutieren, der keine Gefühle mehr zulässt? Ich denke nicht. Kein Mensch ist perfekt (wobei man hier das Wort genauer definieren müsste) und wird es auch nie sein, egal wie sehr er sich anstrengt, emotionslos zu sein. Empfindungen gehören zum Mensch sein dazu, deshalb ist es denaturierend, seine Gefühle zu verdrängen.

Für die widerlich primitiv-sentimanetale Seite. Seit Jahren immer wieder verflucht, nie losgeworden, aber immer klein gehalten.
Bei solchen Äußerungen tun mir die Leute dahinter ehrlich gesagt leid. Wurdest du so streng erzogen, dass du dir selbst keine Gefühlsäußerungen gestattest? Nach dem Motto: Indianer kennen keinen Schmerz/ Männer weinen nicht.
Wie krank ist es, zu jeder Zeit sich nach außen hin stark und beherrscht zu präsentieren, sich keinerlei Schwäche zuzugestehen?!
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 19. Mai 2010 20:37    Titel: Antworten mit Zitat

@mevaloti: Das war ein Zitat aus Janas Text, sie hat sentimental und primitiv in Zusammenhang gebracht. Ich habe es nur aufgegriffen.

@sienna: Der Mann mit der absoluten Selbstbeherrschung, von dem ich schrieb, hatte einen Beruf (eher eine Berufung), für den man das absolute Gefühl braucht. Ich bin sicher, er hat im stillen Kämmerlein manche Träne vergossen - aber nach außen hin hat er stets Haltung bewahrt. Das hat mich einfach beeindruckt. Man trifft nicht viele "große" Menschen im Leben - er war bislang für mich der Größte. Ein Genie, ein wahrer Meister seines Faches, von denen es nur ganz wenige gibt.

Das Maß aller Dinge ist eine solche Existenz für mich aber nicht. Leider verlangt mein Beruf von mir Ähnliches an Haltung, Beherrschung, Disziplin und auch Gefühl und ich bemühe mich seit 16 Jahren, daran nicht kaputt zu gehen.

Grüße!
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Silberchen
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 01.09.2008
Beiträge: 33

BeitragVerfasst am: 4. Jun 2010 11:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo, habe auch mal wieder ins Forum gefunden.

Zum Thema:
"Clean" inzwischen auch von Alkohol und Nikotin, weil ich einfach keinen Sinn darin sehe, wieso ich irgendwelche Vorhaben wegen zusammengerolltem Kraut, das ein bisschen brennt, unterbrechen sollte und weil ich Alkohol noch nie gut vertragen habe - warum also mit dickem Schädel aufwachen? Andere Drogen habe ich nie genommen, schwere Abhängigkeiten nie kennen gelernt, bin froh drum und will die Lebensqualität auch nicht aufgeben.
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 18. Sep 2010 19:51    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich eine Geschichte im Kopf habe, eine Art "filmische" Phase habe, in der die Dinge alle Sinn ergeben, wie sie passieren, dann will ich meine Rolle behalten. Meine Rolle, die in dieser Konstellation nicht ersetzbar ist. Feige wäre es, als Hauptfigur einfach aus der Fassade zu springen, hinein, in eine andere Welt. Nicht mehr vollwertig zu funktionieren. Den symbolischen Wert, den Witz, die Pointe gar nicht richtig klar zu erkennen. Es wäre so, wie wenn ein Boden für alle Saatgut lange vorbereitet wurde, und der Wind dann alle Samen auf den steinigen Weg befördert, den der Gärtner nur braucht, um an sein Beet zu gelangen. Es entsteht eine riesige Sinnlosigkeit, wenn man ein Gefühl von Trauer, von Wut, von Demut einfach künstlich ersetzt. Dann ist der Sinn einer tiefen Phase im Leben nicht mehr gegeben. Es ist so, als käme eine Wirtschaft aus der Rezession nicht mehr heraus.
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2010 13:55    Titel: Antworten mit Zitat

Indem Du Deine Rolle behalten willst, zeigst Du, dass Du "JA" zum Leben sagst. Wer das nicht tut oder das Gefühl hat, das Leben nicht aushalten zu können, beamt sich in eine andere Welt und verlässt das Geschehen. Fast wie bei einem kleinen Selbstmord, allerdings mit Hintertürchen.

Eine Entwicklung und Reifung der Persönlichkeit kann allerdings nur stattfinden, wenn man sich auch den schwierigen Phasen, die das Leben bereithält, mutig stellt. Ich persönlich nehme das Schicksal mit einer gewissen Gelassenheit. Manche nennen es "Kismet", andere "Gottes Wille" - jedenfalls kämpfe ich nicht mit oder gegen Dinge, die ich nicht ändern kann. Ich betrachte diese Aufgaben die das Leben mir stellt, als Chance, etwas zu lernen und daran zu wachsen.

Und ich vertraue in gewisser Weise auf den "Lieben Gott" oder das Schicksal oder meine gesunde Natur, dass sich für alles und jedes Problem eine Lösung auftut und sich schlussendlich alles zum Guten wendet. Bislang hat das in meinem Leben auch gut funktioniert.

Hoffentlich geht es auch so weiter. Bisher kann ich mich über mein Leben oder das Schicksal nicht beklagen. Gott sei Dank. Und dasselbe, liebe Jana, wünsche ich auch Dir! Egal, welche Prüfung Du überstehen musst - bleib mutig und vertraue! Alles hat seinen Sinn!

Grüße!
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 19. Sep 2010 15:02    Titel: Antworten mit Zitat

Ja. Nach jedem Hoch folgt mal ein Tief, aber auf totem Boden wächst bekanntlich das beste Kraut. So sehe ich das immer. Bisher hat es sich auch beim tiefsten Schlag bewiesen, irgendwo geht eine andere Tür auf, wenn die restlichen auch alle zuknallen mögen. So ganz verlieren tut man eben nur, wenn man liegen bleibt.
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 5. Nov 2010 12:11    Titel: Antworten mit Zitat

Eine Frage, die die Antwort in Form einer Metapher leicht ermöglicht:

"Wie krank ist es, zu jeder Zeit sich nach außen hin stark und beherrscht zu präsentieren, sich keinerlei Schwäche zuzugestehen?!"

Ein Mensch, der seine Tage die Woche lang über aufnimmt, was ihm bitter aufstößt, lebt sein Leben wie ein Schwamm. Er saugt sich voll. Und weil er auf der Arbeit nicht schreien oder jammern oder weinen darf, nimmt er alles mit, wo er drüber fährt. Ein Schwamm ist in seiner Form oft durch viele Löcher dargestellt. An jedem beliebigen Platz ein sichtbares Loch. Menschen mit Löchern werden diese irgendwann nicht mehr zu verschließen wissen. Zuhause angekommen triefen sie dann aus allen Löchern. Heulen sich aus. Beim Freund, bei der Freundin, beim Mann, bei der Frau. Oder allein. Oder sie besaufen sich. Oder stechen sich die Arme mit Nadeln kaputt. Oder nehmen sich, das ewige, immer wiederkehrende Versagen eingestanden, das Leben.

Ein Kerl, der keine Eier hat, eine Frau, die sich durch ihre Gefühlsausbrüche immer wieder selbst in die Rolle des "schwachen Geschlechts" katapultiert. All das, weil Menschen Schwämme für Unsinn und Unrecht sind.

Es ist also nicht krank, sich zu keiner offensichtlichen Schwäche zu bekennen. Es ist nur das bewusste Vermeiden des Lebens als Schwamm des gesellschaftlichen Abfalls und der unendlichen Ignoranz des Menschen. Ein Teufelskreis, den viele unbewusst leben, ist ihr Verhalten, sich jedes mal aufs neue wie ein Schwamm vollzusaugen, nur, um sich später wieder zu entleeren. Es folgt das trügerische Gefühl des Überwindens, jedoch werden sie nur wieder empfänglich für all den Unsinn, der sie schon einmal zum Heulen gebracht hat...
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Sienna
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 31.08.2009
Beiträge: 1986

BeitragVerfasst am: 5. Nov 2010 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ich antworte mal, weil diese (wenn auch rhetorische) Frage aus einem meiner Beiträge geschnitten wurde.
Man muss nicht von einem Extrem zum anderen gehen, Jana. Zwischen "ich gestehe mir gewisse Schwächen (aber auf der anderen Seite auch Stärken) ein" und "ich heule rum" ist ein meilenweiter Unterschied. Ich habe extra geschrieben ZU JEDER ZEIT. Du hast Menschen beschrieben, die sich ZU KEINER ZEIT nach außen hin stark präsentieren und die Rolle des Opfers annimmt.
Dieser krankhafte Perfektionismus ist nicht gesund, weil er eben sehr schnell zum Gegenteil schwanken kann ("ich habe einen Fehler gemacht bzw. in einer Situation nicht perfekt gehandelt -> also bin ich ein Verlierer). Sich ein paar Schwächen einzugestehen ist und macht den Menschen menschlich (und folglich sympathisch).
Jemand, der ständig alles stumm hinnimmt und in sich reinfrisst wird irgendwann implodieren, gesund ist nicht gerade. Das allbekannte Fass wird früher oder später überlaufen, wenn man nach außen hin ewig den Perfekten, Unnahbaren gibt.
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olliex
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 22.11.2010
Beiträge: 36

BeitragVerfasst am: 28. Nov 2010 11:47    Titel: Antworten mit Zitat

Wir Menschen nehmen uns alle viel zu wichtig. Wir sind alles Lebewesen auf dieser Welt und müssen anders Leben respektieren.
Welches Lebewesen bringt denn sein Geist aus der eigenen Kontrolle?
Der Mensch brauch Struktur. Dafür muss er sorgen.
Ich gucke mir sehr viel von den Tieren ab. Ich glaube an das:.. Alles ist eins...das eine funktioniert ohne das andere nicht. Also halte ich mich im Gleichgewicht und höre immer aufmerksam in mein Körper rein. Wenn ich nicht klar im Kopf bin, kann ich das natürlich nicht. Ein gesunder Geist kann nur in einem gesundem Körper leben. Jeder Gedanke ist ein chemischer Impuls, der sich auf unerem ganzen Organismus auswirkt.
Für mich oberste Priorität: Ehrlichkeit! Immer!
Mir hat mal ein Alter Mann auf Key West gefragt...warum können Tiere nicht sprechen wie die Menschen?...die Antwort...weil sie nicht lügen können.
Das Gehirn ist tricky und sucht sich immer Erklärungen und Rechtfertigungen für all unser tun. Ist ja auch ok sich dem hinzugeben und in seine Fantasie zu reisen. Eben nur alles in Maßen.
Obwohl ich so viel Elend erlebt habe...bleibe ich optimistisch und versuche immer das Gute zu sehen.
In Asien ist der Wert das Lebens sehr hoch, aber das Leben kann dort aber auch schnell zu Ende gehen. Um dem vorzubeugen, gibts den Glauben...und es wird gespendet ohne Ende.
Was machen wir?...woran glaubt ihr? an die Medikamente, die euch ein besseres Leben simulieren? Sport, Natur, gutes Essen, die Welt sehen, lernen, Kinder, Liebe...das alles wird erst in unsern Köpfen gemacht und ist bei den meisten Menschen schon vorab unerreichbar...einfach mal Ehrlich sein!
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 1. Dez 2010 12:02    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber olliex,

Deinen gesamten Einwand finde ich interessant, gehe jedoch nur auf einen Bruchteil ein, da mir zum Rest momentan die für eine Stellungnahme nötige Kreativität fehlt.

olliex hat Folgendes geschrieben:

Was machen wir?...woran glaubt ihr?


Zum Thema Machen kann ich nur sagen, dass ich das Leben so lebe, wie ich es für richtig halte und Dinge so tue, wie ich sie für richtig und gerecht halte. Ohne Opfer geht das nicht immer, jedoch lebe ich nach der Philosophie, immer weniger zu opfern, als zu schaffen oder zu wahren.

Glauben tue ich an den Witz des Lebens und seine Momente. Auch in völliger Monotonie brauche ich keine Drogen, um Emotionen auflodern und den Moment sinnvoller erscheinen zu lassen. Es gelingt vieles durch bildliches Vorstellungsvermögen.

Vor Arbeitsbeginn im Auto denke ich an den Sinn meiner Tätigkeit für Harmonie und Gelingen innerhalb des Unternehmens. Gleichzeitig denke ich auch an das riesige zwischenmenschliche Unverständnis, an den riesigen, sich unendlich weit ausbreitenden Betonklotz, der sich um mich herum befindet, durch den ich atmen, aber zu keiner Menschenseele sprechen kann, egal, wie laut ich schreie. An Fluch und Segen zugleich, an die unheilvolle Gewissheit, mit niemanden vergleichbar zu sein, jedoch auch an die Möglichkeiten, die sich genau dadurch ergeben.

Auf einer verschneiten Waldlichtung denke ich in Ehrfurcht an die Kraft der Sonne, die den Schnee so aufhellt, dass kein Foto gelingt, im Schnee und in den kahlen Bäumen sehe ich den unfehlbaren Zyklus der Natur, denke an die Ruhe und die Stille, assoziiere das Bild mit dem unvermeidbarem Tod, der allerdings wieder neues Leben schafft.
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Dany2005
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 30.03.2009
Beiträge: 80

BeitragVerfasst am: 1. Dez 2010 20:33    Titel: Antworten mit Zitat

Ich lebe frei von Drogen, weil ich es mag meinen Geist zu nutzen. Und dieser funktioniert nur, wenn ich nicht benebelt bin, perfekt.
Gerade in Krisen brauche ich meinen Verstand. Auch meine Gefühle werden schwammig, wenn ich z.B. Alkohol getrunken habe.
Bei Nikotin hat mir Veillchenfee´s Methode geholfen: Ich hatte Angst vor den Folgen und lebe nun seit ca. 12 Jahren Zigarettenfrei.
Andere Drogen habe ich nicht probiert. Auch hier aus Respekt/ Angst vor den Folgen.
Aber nicht nur. Ich habe in mir immer, egal wie schlecht es mir ging, das Gefühl gehabt, ich kann meine Probleme lösen. Zum Glück. Ich hatte oft genug erlebt, dass Probleme sich lösen lassen, wenn man nur dran bleibt. Seine Gefühle zulässt, sich an den richtigen Stellen Hilfe holt und an seine eigene Kraft glaubt.
Aber für Momente war ich doch immer wieder verzweifelt.
Z.B. als mein Bruder sich vor 5 Jahren das Leben nahm. Einfach so, mit 17 ohne erkennbaren Grund. Er schrieb nur, dass er das Leben sinnlos findet.
Ich gebe zu, nicht immer ergibt sich für mich ein Sinn. Aber die Momente, die es auch gab, in denen ich mich mit allem verbunden gefühlt habe, sind ja zum Glück nicht verloren. Die hüte ich wie einen Schatz und weiss: es geht auch anders.
In denen begriff ich, dass wir nur allzu oft, wie Jana es beschrieb, uns wie ein Schwamm mit Unsinn vollgesogen haben und uns daher schlecht fühlen.
Ich habe aber auch begriffen, dass alles seine Zeit braucht, dass man immer nur einen Schritt nach dem anderen tun kann. Ich bin oft ungeduldig, will das, was ich doch schon weiss, auch umsetzen. Das klappt leider nicht immer.

Zitat:
Gleichzeitig denke ich auch an das riesige zwischenmenschliche Unverständnis, an den riesigen, sich unendlich weit ausbreitenden Betonklotz, der sich um mich herum befindet, durch den ich atmen, aber zu keiner Menschenseele sprechen kann, egal, wie laut ich schreie.


Das hat mich sehr berührt. Ich stellen mir vor, wie es sich anfühlt. Schrecklich, es ist eines jeden Menschen Bedürfnis einen anderen Menschen zu berühren.
Nur ein Gedanke zum Nachdenken dazu:
Ich glaube, für echten Kontakt, damit meine ich das, was Du als Sprechen zur anderen Menschenseele bezeichnest, ist es notwendig, das Risiko einzugehen sich selbst dafür zu öffnen. Man ist sehr verletzbar dabei.
Ich selbst habe es immer als echtes Glück empfunden, wenn ich jemandes Seele berühren durfte oder es bei mir selbst zulassen konnte. Absolutes Glück...
Ich glaube kaum, dass man dieses Gefühl mit Drogen imitieren kann. Und wenn, will ich es gar nicht Rolling Eyes
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Jana
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 2. Dez 2010 11:48    Titel: Antworten mit Zitat

Dany2005 hat Folgendes geschrieben:
Ich lebe frei von Drogen, weil ich es mag meinen Geist zu nutzen. Und dieser funktioniert nur, wenn ich nicht benebelt bin, perfekt.
Gerade in Krisen brauche ich meinen Verstand. Auch meine Gefühle werden schwammig, wenn ich z.B. Alkohol getrunken habe.


Exakt so halte ich es auch. Angenommen es gäbe eine Substanz, etwas, das man essen, schlucken, einatmen kann, das das Glück festhält ohne Nebenwirkungen, würde ich das eben nur nehmen, wenn alles großen Lasten und Probleme hinter mir liegen. Deswegen trinke ich Alkohol nie aus Frust sondern gönne mir kleine Mengen nur dann, wenn ich mir selbst nichts vorzuwerfen habe, bzw. dann, wenn mir etwas besonders gut gelungen ist. Alles andere erachte ich als Selbstbeschiss. Ich bin streng mit mir selber, verdiene ich keine edle Kost oder einen erholsamen Tag, mache ich das nur ungern mit. Das war früher schon so, wenn wir mit der Familie essen gegangen sind und ich bislang noch eine verhauene Klausur im Gewissen hatte, die aus purer Faulheit zum Lernen resultierte.

Um einen Karren aus dem Dreck zu ziehen bedarf es nüchternem Verstand. Völlige Übereinstimmung.

Dany2005 hat Folgendes geschrieben:
Aber nicht nur. Ich habe in mir immer, egal wie schlecht es mir ging, das Gefühl gehabt, ich kann meine Probleme lösen. Zum Glück. Ich hatte oft genug erlebt, dass Probleme sich lösen lassen, wenn man nur dran bleibt.


Hast du wieder schön gesagt. Sehe ich auch so. Ich gehe so weit, dass ich sage, ich erinnere mich gern auch an schwerste Momente. Weil man sich lebendig fühlt. Wenn man trauert, weiß man, vorher ging es einem gut, nachher merkt man, wie gut man es auch gegenwärtig hat, wenn die Probleme wieder hinter einem liegen.

Dany2005 hat Folgendes geschrieben:
Aber für Momente war ich doch immer wieder verzweifelt.
Z.B. als mein Bruder sich vor 5 Jahren das Leben nahm. Einfach so, mit 17 ohne erkennbaren Grund. Er schrieb nur, dass er das Leben sinnlos findet.
Ich gebe zu, nicht immer ergibt sich für mich ein Sinn.


Es mag taktlos klingen, verzeih mir aber vielleicht lag der "Sinn" darin, dass du das Leben nun um so mehr wertschätzt. Dass du weißt, wie kompliziert es ist, wie schnell es vorbei sein kann... Vielleicht ist es dieser Gegensatz gewesen, der tief in deines Bruders Seele steckte, der nun deine Ansichten ausgebaut oder erst allesamt geweckt hat.
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olliex
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Anmeldungsdatum: 22.11.2010
Beiträge: 36

BeitragVerfasst am: 5. Dez 2010 05:43    Titel: Antworten mit Zitat

Ja es ist schön eure Kommentare zu lesen. Ich bin nicht ein Mensch vieler Worte und beneide die rhetorische Perfektion.
Aber ich habe bestimmte Antennen die mir immer ein Gefühl liefern, um Situationen einzuschätzen.
Das wichtigste ist die Ehrlichkeit und sich andern Menschen gegenüber öffnen können. Dann sieht man auch den Beton nicht mehr, in denen sich die Menschen tummeln.
Nach wie vor, bin ich der Meinung, das wir alles viel zu dramatisch machen.
Habe mal 5 Jahre im Ausland gelebt, und habe dann 2 Monate gebraucht um mit der deutschen Mentalität wieder zurecht zu kommen. Jeder war nur mit sich beschäftigt, kein Körperkontakt, immer vom Schlimmsten ausgehen...wir sind so mit uns selbst beschäftigt, das wir den Wald vor Bäumen nicht sehen.
Eine gute Regel, die mir hilft ist, die Situation nicht immer gleich bewerten...einfach mal so annehmen... jeder hat doch ein anderen Werdegang. Und der Sinn liegt doch darin das Leben zu respektieren.
Lieben 2. Advent
Olli
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Jana
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 5. Dez 2010 18:56    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn das die Mentalität der deutschen ist, dann würde ich am liebsten sofort auswandern.

Es ist leicht, sich die Stunden tot zu schlagen. Auf der Arbeit von der einen Pause zur nächsten zu arbeiten, nach hause zu kommen, sich vor den Fernseher oder die Konsole zu setzen und die Umwelt zu ignorieren, es ist aber schwer, all die Geschenke des gehobenen Lebensstandards, den man hat, anzuerkennen.

Wie viele könnten glückliche Beziehungen führen, gehen aber den lieben langen Tag aneinander vorbei. Wie viele Berührungen sind kalt und ohne Wert, werden der Form halber gemacht, weil das ja zu einer Beziehung unter einem Dach dazu gehört. Die Verschwendung aller Ressourcen, selbst die geistigen, die an sich das einzige sind, das man ein Leben lang mit etwas Mühe immer wieder vermehren kann, ist eine ekelhafte Eigenschaft der Menschen. Diese Verschwendung und die ständige verblendete Vorgehensweise. Ich bin da, weil ich da sein muss, hinterfrage aber nicht den Zweck meiner Arbeit, ich gehe in die Discothek und lasse mich abschleppen, weil man heute eine Schlampe zu sein hat. Der Luxus, ohne Krieg und ohne Hunger zu leben ist wie eine Droge, die alles grau macht. Man hat nicht viele schwerwiegende Probleme, ist aber auch nicht so glücklich und zufrieden, wie man es leicht sein könnte.

Wenn du das in anderen Ländern anders kennengelernt hast, olliex, dann sag' mir mal bitte, wo. Ich setze dann alles dran, mich dahin zu verziehen und nicht mehr zurückzukehren aber ich glaube das eben nicht. Das ist eine Krankheit der Menschen, weil es einfach zu viele sind und jeder tatsächlich nur mit sich selbst beschäftigt ist. Will man etwas anderes sehen, muss man die Augen sehr gut offen halten und selbst dann überdeckt die Mehrzahl an Schlechtem das Gute.
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Jana
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Anmeldungsdatum: 02.10.2007
Beiträge: 1470

BeitragVerfasst am: 29. Dez 2010 01:04    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn man sich Abgründe tiefster, menschlicher Schuld wie die sprichwörtliche Hölle vorstellt, stimmt es auch, dass es dort unten so heißt ist, dass alles verbrennt.

Nicht nur der härteste Stahl auch die größte Aufrichtigkeit und die größte Beherrschtheit, jedes Gewissen, jeder klare Gedanke. Man muss ihn sich einmal vor Augen führen, als den mit unendlich heißen Flammen bekleideten Zerstörer aus der Unterwelt, größer als jedes Haus, stärker als alle Waffen heutiger Kriegskunst, sein Lachen so laut, tief und boshaft, dass man unter der Bettdecke heult und einschlafen will, seine Absichten alle beschränkt auf die vollständige Vernichtung allem was war. Dann lebt man in Ehrfurcht vor Ungewissheit und allen Fehlern ausgelöst durch das Überschreiten der eigenen Kompetenz. Dann atmet man ruhig, hat noch nicht einmal Alpträume und beschwert sich auch nicht leichtfertig. Für das alles muss man nicht gläubig sein. Dafür muss man nur ein Vorstellungsvermögen haben, das allen Ängsten, möglichen Folgen und den schlimmsten, anzunehmenden Unfällen eine Gestalt verleiht.
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