Meine Drogesucht (Heroin und Alkohol)

Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Erfahrungsberichte
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2010 11:05    Titel: Meine Drogesucht (Heroin und Alkohol) Antworten mit Zitat

Hallo,
ich bin 32 Jare alt und war fast 6 Jahre Heroinsüchtig. Seit meinem 22. Lebensjahr. Habe etliche Entzüge gemacht (kalt) und beim ca. 20-ten mal hat´s geklappt. Mithilfe Subutex , welches ich am Schwarzmarkt kaufte, konnte ich die Entzugsschmerzen so lindern, dass es mir leichter gefallen ist. Nahm die Tabletten 6 Tage und der Rest war dann nur noch Kopfsache. Habe in der Zeit meine Lebensgefährtin und meinen Job, sowie Führerschein verloren. Was mir sehr half, dass ich aus der Stadt weggezogen bin und einen Neuanfang wagte. Denn wo ich niemanden kenne, kam mir auch der Gedanke nicht mehr so schnell rückfällig zu werden. Das psychische Verlangen legte sich nach ca. einem Jahr. Heute könnte mir jemand etwas anbieten (was auch schon vorgekommen ist), aber es lässt mich kalt. Seit 8 Jahren bin ich clean. Durch meine Vorbelastung wurde aus „Spasstrinken“ die Folge, das ich vier Jahre schwerstabhängiger Alkoholiker war (typische Suchtverlagerung) und erkrankte an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Die Folge davon ist, wahnsinnige Schmerzen in der Oberbauchgegend, Krankenhaus, 2 Wochen Koma und Krankenhausaufenthalt von fast 2 Monaten. Durch das Koma ist mir eins klargeworden: „Willst du wirklich so enden?“ Wie ein altes Schiffswrack das zum sinken droht? Meine Antwort war NEIN!

Und so begann ich ein neues Leben und bin abstinent von allen möglichen Drogen.
Was ich damit sagen will ist: Wer aus der Sucht raus will, schafft es auch. Der Geist und Wille sind stärker als der Körper. Den Körper kann man leicht zerstören. Stück für Stück. Aber den Geist nicht. Depressionen und weitere seelische Schäden, kann man mithilfe Fachärzten gut bekämpfen, aber wenn der Körper mal hinüber ist, dann ist es vorbei.

Das schlimme an meinen abhängigen Mitmenschen ist, dass sie sich gehen lassen und den Lebenswillen verlieren. Doch denk ich mir, klar, kann man seinem Leben ein Ende setzen, aber denk doch mal an deine Mitmenschen die dich lieben. Für dich ist es vorbei, aber andere Leute leiden das ganze Leben um dich. Ist dir das egal?

Wünsche allen, die in dieser Problematik sind, Kopf hoch! Das schaffst du schon! Lass dir helfen und fang neu an. ES IST NIE ZU SPÄT

P.S.: Ich höre immer wieder "Ich schaff´s nicht." oder "Ich wurde rückfällig"
Natürlich verliert man als Langzeitsüchtiger schnell den Willen, weil man ja schliesslich Jahrelang ein Leben geführt hat, dass von Drogen beherrscht und kontrolliert wurde. Der Weg ist sehr hart und lange, aber SCHAFFBAR! Nur nicht den MUT und WILLEN aufgeben.
Ich drücke euch die Daumen und bin bei euch.

Würde mich über Antworten oder sogar Fragen sehr freuen!
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo No Chance

das hast du toll geschrieben und noch toler vorgelebt.
Ich find es spitze mal so einen Breicht hier zu lesen der nich voll von den "ich schaffs nich und rückfall" is
Ich gratuliere dir das du es geschafft hast, leider bist du nur eine ausnahme.

Und gerade in einer Zeit wo man Job und Frau verliert grenzt es schon an ein Wunder solch Kampfgeist zu entwickeln.

Was soll ich noch sagen, mach weiter so
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 12:25    Titel: Hallo Trini Antworten mit Zitat

Hi Trini,

erstmals danke für deine Antwort. Lass mich nochmal ausholen Smile
Nichts ist unmöglich ist mein Motto. Nur du selbst kannst dir helfen, hat mich das Leben gelehrt. Ein kleines Beispiel: Ich hab ´nen Freund der im Ausland lebt. Wurde mit Heroin erwischt und sitzt jetzt im Knast. Im Ausland gibt es keine Ersatzdrogen im Knast. Dann kann z.B. ein Langzeitsüchtiger auch einen kalten Entzug, ohne jammern, machen. So ist´s auch im Leben. Wenn ich wirklich will dan geht´s auch. Klar sin die ersten paar Tage vom Entzug so geprägt, dass man am liebsten wieder zur Droge greifen will, jedoch das ist nur eine Flucht vor sich selbst, da es einem dann wieder "besser" geht. Denkt man. Jedoch ist das Gegenteil der Fall. Jeder Entzug schwächt den Körper immer mehr und mehr bis er ausgelaugt ist und nicht mehr kann. Wie schon im Anfangsbericht erwähnt hat´s bei mir erst beim ca. 20-ten mal geklappt. Aber es klappte! Und ich wünsche allen die die selbe Problematik haben, alles Gute und Kopf hoch. Das Leben besteht nicht nur aus Droge. Immerhin ist die schönste Droge ein cleanes und abstinentes Leben. (Muss nicht jeden morgen mit dem Gedanken aufwachen wie und wo krieg ich mei Stoff, sondern kann in Ruhe ausschlafen)

Ich weiss, dass ich mich anhöre wie ein Wanderprediger, aber es ist schaffbar. Hab´s an meinem eigenen Leibe erfahren. Wenn man mal ganz tief gefallen ist und sogar keine Bleibe zum übernachten hat, schätzt man wieder ein ganz normales Bett zum schlafen. So sieht doch nicht das Leben aus? Hier im Forum lese ich von Suizidgedanken. Meine Meinung dazu: Habe etliche Freunde aus der Szene verloren (als ich noch drauf war), die den Gedanken realisiert haben. Heute wenn ich die Angehörigen sehe, können sie einem nur Leid tun. Das sind kaputte Leute. Was ich damit sagen will, man kann sich´s ja leicht machen und sich töten, aber deine dich liebenden leiden ein ganzes Leben.

Ich drücke jedem die Daumen der den Absprung versucht. Viel Glück und Durchhaltevermögen
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Du hast es genau richtig erkannt und darauf kannst du gewaltig stolz sein.
Auch was du über die angehörigen geschrieben hast passt genau.

Hast du schonmal drüber nachgedacht dich eherenamtlich einzusetzen?
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 13:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Trini,

der Gedanke kam mir ehrlichgesagt schon. Glaub könnte nützliches dazu beitragen. Mein Arbeitskollege ist Vorstand bei der Suchtberatung und hat mich auch schon mal angesprochen, da ich aus meiner Vergangenheit kein Geheimnis mache. Ich weiss nur nicht ob ich der Richtige wäre. Mein Befürchten ist, das Mitmenschen, die z.B. 50 Jahre jung sind un Hilfe suchen auf einen 33jährigen nicht eingehen würden.

Somit habe ich mich entschlossen hier im Forum ein wenig Beitrag zu leisten.

Gruß
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 13:41    Titel: Antworten mit Zitat

das sind deine bedenken?
Das alter spielt doch für mich gesehen eine untergeordnete Rolle.
Wenn ich Hilfe suche bzw annehme ist es doch egal welches alter der mir gegenübersitzende hat.
Die Geschichte bleibt dieselbe die alle miteinander verbindet.

Wenn dein Kollege dich schon drauf angesprochen hat und er auch noch Vorstand ist, sind die Möglichkeiten doch ideal.
Seh es als Chance für dich der Sache einen Sinn zu geben.
Auch wenn es ein Kampf gegen Windmühlen ist.
Du bist doch der beste Beweis das es funktionieren kann
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 13:58    Titel: Antworten mit Zitat

hi trini,

nicht unbedingt Bedenken. Ich glaube ich müsste mich korrigieren. Mich würden mehr Jugendliche und Erwachsene bis zu meinem Alter mehr interessieren. Vielleicht ist das so besser ausgedrückt. Mittlerweile hast du mir einen Denkansatz gegeben, der mich momentan sehr beschäftigt. Auch Don Quihote (oder so ähnlich geschrieben) kämpfte gegen Windmühlen. Auch ich kämpfte gegen Windmühlen aber entweder kämpfen oder sich fallen lassen war mein Motto. Smile

Weist trini, wenn ich sowas machen würde, dann könnte ich mir vorstellen, meine gesamte Freizeit damit zu verbringen, Betroffenen oder Angehörigen unter die Arme zu greifen. Und irgendwie hab ich das Gefühl das ich der "Auserwählte" bin. Da laut Statistik 98% wieder rückfällig werden. Mir wurde von vielen Bekannten gesagt, das ich soetwas machen soll, weil ich ein Beispiel für suchterkrankte Leute sein kann. Was mich zum Nachdenken gebracht hat ist, das ich mich erst gestern im Forum angemeldet habe und auf dich gestossen bin. da du ja so ziemlich genau das selbe schreibst was meine Bekannten auch vorschlagen.

Ich glaub ich werde jetzt mit meinem Arbeitskollegen telefonieren... Wünsch mir Glück Smile

P.S.: Danke
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2010 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

mir liefen glatt tausend gänse über den Rücken grad hihi

ja mach das mal und das Forum war auch ein guter erster schritt, hier gibts auch tausend fragen zu beantworten.
Es gibt soviele Möglichkeiten sich nützlich zu machen und alles im Leben hat einen Sinn.
Und ich glaube nicht an zufälle Cool
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 25. Sep 2010 01:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hi trini,

habs endlich geschafft. Zu meinem Job arbeite ich als Streetworker und Suchtberater. Das sind seeeeehhhhr lange Tage. Aber die sich, meiner Meinung nach lohnen.

Helfen kann man niemandem, wie ich gemerkt hab. Helfen kann sich nur der, der es will.

Liebe Grüße Trini
Nach oben
Sienna
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 31.08.2009
Beiträge: 1986

BeitragVerfasst am: 25. Sep 2010 14:42    Titel: Antworten mit Zitat

no chance hat Folgendes geschrieben:

habs endlich geschafft. Zu meinem Job arbeite ich als Streetworker und Suchtberater. Das sind seeeeehhhhr lange Tage. Aber die sich, meiner Meinung nach lohnen.


Hallo no chance,
freut mich für dich, dass du es geschafft hast!
Aber glaubst du, ein Job wie deiner (Suchtberater), bei dem du jeden Tag mit Drogen und Sucht konfrontiert wirst, ist in deinem Fall das richtige? Das kann schnell mal nach hinten losgehen und ein großer Trigger sein.
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2010 04:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sienna,

mit deinem Beitrag hast du völlig recht. Die Angst hatte ich auch, aber mittlerweile sehe ich das es mich eher stärkt, als wieder zurückzufallen. Weil das was man in diesem Job sieht, denkt man sich (ich zumindest) nie wieder in diesen Kreislauf zu fallen.

Danke für deine Meinung! Sehr interessant, da ich anfangs auch so dachte.

Gruss
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2010 15:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hi No Chance

Was Sienna schrieb ging mir die letzten Tage auch durch den Kopf.
Wenn du Streetworker anstrebst bist du mitten im geschehen.
Is das nich doch ein wenig zu hoch angesetzt für den Anfang?

Welche Unterstützungen und Hilfen stehen dir denn zur Verfügung wenn es dir mal nicht besonders gut geht?
Wenn du gerade etwas auf der Strasse erlebt hast was dich sehr runterzieht?
der du mitansiehst wie sich jemand nen schuß setzt oder spritze noch im arm?

Es ist soviel Leid mit dieser Thematik verbunden was man erstmal wegstecken muß wenn man Hautnah dabei ist.
Ohnmacht nichts ausrichten zu können.

Ich meine ich hab gut reden. ich sehe das elend ja nicht.
Aber irgendwie mache ich mir so meine gedanken
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2010 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Trini,

lieb von dir dass du dich um mich kümmerst.
Jedoch muss ich eines sagen und zwar mich kann nichts wieder in dien alte Situation bringen. (Allgemein Drogen) Wenn ich meine Kids auf der Strasse sehe, ist das für mich als ob ich mein Leben nochmal erlebe.

Was ich eigentlich sagen will ist, dass ich die Leute verstehe und ihnen versuche mein Leben zu schildern. Manche schauen sehr interresiert und suchen meine Unterstützung, aber leider sehr viele auch nicht. Was soll man, Deinermeinung nach machen?

Ich probiere psychologische Eigenschaften, die jedoch von 10 zu 1nem wahrgenommen weden.

Ach ja, noch etwas:
mich belastet s nicht mit Suchtabhängigen zusammen zu sein. Ganz im Gegenteil.

Die Gefahr dass ich Rückfällig werde, ist meiner Meinung nach sehr gering, weil ich das alles was meine Leute sagen, ich nicht mehr erleben wil.

Machs gut TRINI und bitte schreib mal wieder... Smile
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2010 20:55    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe sienna,
erstmals hallo!
Wie du schon geschrieben hast ist es bei mir sehr oft nach hinten losgegangen.

Jedoch hab ich es geschafft (natürlich nicht alleine) aber ich bin sehr froh und freue mich als Streetworker zu arbeiten.

Ich verstehe meine Mitmenschen mit solchen Problemen mehr als sonstjemand.

Und mein Ziel ist es ihnn zu helfen!

Ciao und liebe Grüsse
Nach oben
Trini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 17.06.2009
Beiträge: 1140

BeitragVerfasst am: 15. Nov 2010 23:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hi No chance, wie geht es dir mittlerweile damit auf der Strasse zu helfen?
Hab öfter mal daran denken müssen wie es dir nun auf der anderen seite geht.
Geht es dir gut dabei?
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Erfahrungsberichte Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2
Gehe zu:  
Impressum & Rechtliches
ForenübersichtIndex   SucheSuche   FAQFAQ   LoginLogin