Angst vor dem guten weg

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Flatsuzi
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.10.2010
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 27. Okt 2010 01:16    Titel: Angst vor dem guten weg Antworten mit Zitat

Hey,
ich bin jetzt 29, habe seit der pubertät alle probleme versucht mit braunem (+alc+benzos) zu lösen. naja, mehr zu verdrängen. ich habe echt wenig auf die reihe gekriegt und so viel weggeschmissen. ich habe bis jetzt nur entzogen, damit es danach wieder knallt. und jetzt der wink des schicksals. ich habe jemanden kennengelernt, bin jetzt in einer glücklichen beziehung. ich möchte wieder perspektive haben. ich möchte mich ändern! ich möchte den scheiß hinter mir lassen! meine freundin ist erst 20, war logischerweise nicht so kraß drauf wie ich. sie hat es mit subotex geschafft, ist jetzt 6 monate runter. ich will es auch schaffen, aber wie? kommt subotex für mich in frage? ich will keine metha-leiche werden und am ende doch was vorm gesundheitsamt kaufen, wenns mal mies läuft und bei subo kann man wohl das wochenende überbrücken? ich habe keine ahnung, wie das alles überhaupt ablaufen kann und soll. ich weiß nur, dass ich es jetzt endlich schaffen will, und das für immer! ich habe einfach nur angst vor dem was kommt, weil ich halt null plan habe, was mich erwarten könnte. mein doc meint, subo wäre schwierig, aber was soll "schwierig" heißen? wenn mir da irgendjemand helfen könnte, wäre ich mega dankbar!

liebe grüße Flatsuzi
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CrazyMan
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2105

BeitragVerfasst am: 28. Okt 2010 12:42    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann nur vermuten, was dein Arzt mit "schwierig" meint. Wohlmöglich, dass ein Patient für Subotex bestimmte Voraussetzungen mitbringen muss, was seine Persönlichkeit betrifft. Der Patient muss sehr gefestigt sein, die Aussichten auf Erfolg weit höher liegen als der Durchschnitt.

Ansonsten könntest du erst mit Methadon/Polamidon beweisen, dass es funktioniert und einen späteren Umstieg vereinbaren, wenn alles nach Plan läuft. Aber auch mit Methadon ist es möglich, sich über einen längeren Zeitraum abzudosieren. Viele brauchen es aber, fortwährend, also lebenslang ein Ersatzmittel zu erhalten.

Wenn du deine Probleme bisher immer mit Drogen gelöst hast, sind das keine guten Voraussetzungen der Persönlichkeit für Subotex, so zumindest meine Vermutung. Aber wie gesagt, du kannst es auch mit anderen Ersatzmitteln schaffen. Wichtig halte ich bei dir eine Psychotherapie, die dir neue Lösungsmöglichkeiten offenbart. Ansonsten wirst du immer wieder in das alte Muster zurückfallen, egal was für ein Ersatzmittel du erhälst. Auch die Euphorie der Liebe wird nicht fortwährend anhalten und dir diesen Antrieb, von der Droge wegzukommen, aufrecht erhalten. Du musst schon jetzt an Zeiten denken, in denen es dir wieder schlechter gehen wird. Was, wenn die Liebe zerbricht? Was wird wohl das Erste sein, was du tun wirst? Es ist immer gut, auch andere Lösungsmöglichkeiten parat zu haben. Etwa ins Fitnesscenter gehen und sich den Balast vom Leibe abarbeiten. Die Droge ist immer das Leichteste, aber auch das Trügerischste, denn dein Leben zieht an dir vorbei, während dir Heroin vorgaukelt, alles sei bestens. Dabei ist überhaupt nichts bestens. Man geht mit einer gleichgültigen Mimik (noch nichtmal mit einem Lächeln) unter.

Zumindest hast du jetzt Ansporn, etwas zu tun. Dieses Forum ist zwar ein Schritt, doch dieser Schritt bedarf nicht viel Energie. Du musst zu einem Arzt gehen, der Substitutionen durchführt (Google, Stadtname + "Arzt" + "Substitution"), davor wirst du zur Drogenberatung laufen müssen, da der Arzt diesen nach meiner Meinung völlig unsinnigen Schein der Drogenberatung benötigt (der bescheinigt, dass du dort gewesen bist und dir das Gerede angehört hast, deren verwertbaren Inhalt du ggf. schon kanntest). Die bei der Drogenberatung angestellten Personen müssen sich ja ihrer monatlichen Kohle sicher sein. Da reicht nicht die Kette Arzt-Krankenkasse, nein, Drogenberatung-Arzt-Krankenkasse muss die Kette lauten.

Jetzt habe ich keine Zeit mehr...
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CrazyMan
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2105

BeitragVerfasst am: 28. Okt 2010 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

CrazyMan hat Folgendes geschrieben:

Subotex


SubOtex? ...richtig lautet es SubUtex - was für ein StupidMan dieser CrazyMan Wink

Ich werde es 100 Mal an die Tafel schreiben... Subutex, Subutex, Subutex, Subutex, ...
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Flatsuzi
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.10.2010
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 31. Okt 2010 21:22    Titel: Antworten mit Zitat

vielen dank für deine ausführliche antwort, crazyman!
jetzt habe ich einige infos, die mir mein toller doc nicht geben konnte! ich muss dir recht geben, liebe hält meist nicht ewig, aber für mich ist es ein anstoß, sie hat den stein ins rollen gebracht und ich will nun mein leben leben, drogenfrei! ich will sauber werden in erster linie für mich, denn erst dann wenn ich mich lieben lerne, kann ich ihr meine liebe vollständig schenken! außerdem habe ich gestern erfahren, dass ich vater werde! und das ist noch ein riesengrund mehr! ich will ein anderer mensch werden, koste es was es wolle! ich gehe gleich dienstag zur drogenberatung und dann weiter! aber ganz ehrlich: eine große angst ist geblieben. die entgiftung! meine letzte ist 7 jahre her außer zwischenzeitlich mal eins zwei tage affig sein. ich weiß nicht, wie mein körper reagiert und ob es heute in der klinik noch genauso abläuft wie damals? kann mir vielleicht jemand sagen, ob das auch ambulant geht? denn es würde mir viel leichter fallen, wenn ich sozusagen "mein ziel vor augen" habe. und: wie lange dauert es in etwa bis man in die substitution kommt? auch wenn subutex wohl nicht das richtige ist. metha oder so, alles egal. hauptsache sauber werden! mein doc hatte auch davon gesprochen, dass ich wohl ohne dauerhafte substi es nicht schaffen würde, aber ich möchte dieses lange kapitel meines lebens irgendwann endgültig abschließen! ich möchte wieder arbeiten, meine familie ernähren und bis auf die abszessnarben und einigen kratzern auf der seele nicht mehr an den alten erinnern. sorry, wenn ich hier so wahnsinnig lange texte schreibe, aber irgendwie müssen diese ganzen gefühle raus, die wörter von der seele geschrieben werden. ich möchte dieses forum nutzen, vorbilder zu finden, vielleicht selbst zu helfen und mit menschen zu kommunizieren, die mich verstehen und mir nicht im nächsten moment das scheiß gift andrehen wollen! echt cool, dass es das hier gibt!
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CrazyMan
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2105

BeitragVerfasst am: 31. Okt 2010 22:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ui, ui! Das geht ja alles sehr schnell bei euch! Als drogenfreier Vater wirst du dem Kind auf jeden Fall mehr bieten können. Was ich schon erlebt habe - dass die Droge immer wichtiger ist als das Kind. Die Leute kaufen sich lieber Heroin als dass das Kind ein ordentliches Geburtstagsgeschenk bekommt. Das ist aber ein anderes Thema.

Klar geht es auch ambulant. Wie lange dir Wartezeiten hier sind, kann ich dir nicht sagen. Stationär wirst du jeden(!) Tag anrufen müssen, das 3 bis 4 Wochen, um Motivation zu zeigen. Jeden Tag, den du nicht anrufst, wirst du dadurch zu spüren bekommen, dass du in der Liste nach unten gestuft wirst und eben noch etwas länger warten musst. Stationär ist teilweise hart, vor allem auf einer geschlossenen Station. Man hängt die meiste Zeit nur herum, weiss nichts mit sich anzufangen, kann sich lediglich mit psychisch sehr kranken Menschen unterhalten, die sehr auf sich selbst bezogen sind, von ihren Hirngesprinnsten erzählen. Ist man nicht verrückt, kann man es darin werden. Aber sicher nicht innerhalb von 2 Wochen, die für den Entzug benötigt werden. Ich hoffe, du hast die Selbstdisziplin, es ambulant durchzuziehen. Nicht dass du trotzdem dir noch etwas für "oben drauf" besorgst und schließlich mehrfach abhängig bist.

Es gibt nicht viele, aber es gibt sie, diejenigen, die es vollständig geschafft haben. Ein prominentes Beispiel ist ein Redakteur von Spiegel, dessen Buch ich übrigens empfehlen kann: http://www.amazon.de/Lass-mich-die-Nacht-%C3%BCberleben/dp/3442153336

Du wirst dir Ersatz suchen müssen, die Sucht verlagern, das Gefühl, "es" zu brauchen auf etwas anders lenken. Machst du Sport? Wenn nicht, ab ins Fitness-Center! Bist du berufstätig, gehst du dich jeden Abend auspowern. Deine Freundin wird dir deine gute Figur zusätzlich danken. Und dein Körper freut sich. Bist du nicht berufstätig, gehst du eben morgens oder nachmittags hin, oder vielleicht zweifach am Tag. Erst Kraftaufbau, später Kondition oder irgendein Kurs. Oder gehe in einen interessanten Verein. Die Volkshochschule bietet ebenfalls viele tolle Kurse an. Wie wäre es mit einer neuen Fremdsprache? Beschäftige dich! Um so weniger hast du Zeit, an das Dreckszeug zu denken oder gar es zu konsumieren. Unternehme viel mit deiner Freundin. Und wenn du ein Problem hast, erzähle es deinem Psychotherapeuten. Lass dir eine Überweisung zum Psychiater/Neurologen geben. Ok, kein Therapeut oder kaum einer wird dich aufnehmen, wenn du noch abhängig bist. Für den Fall aber, wenn du es aber geschafft hast, kannst du dich bereits jetzt in eine Warteliste aufnehmen lassen. Denn auch die Wartelisten beim Psychotherapeuten sind lang. Der Therapeut wird dir helfen, andere Wege zu finden als die Droge, wenn du Probleme hast. Und schämen musst du dich dafür nicht. Nein, heute ist man eher Außenseiten, wenn man keinen Seelenklempner hat. Überlegen muss du dir auch, wie du damit vor deiner Freundin umgehst.
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