Bin ich süchtig?... (Meine Geschichte)

Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Fragen und Antworten
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
rather_ripped
Anfänger


Anmeldungsdatum: 07.11.2010
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2010 20:04    Titel: Bin ich süchtig?... (Meine Geschichte) Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben!

Ich habe mich hier angemeldet, weil eine Freundin (studiert Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Sucht und will später Suchtberaterin werden) davon überzeugt ist, dass ich ein Drogenproblem habe. Und ein Alkoholproblem. Und wahrscheinlich noch einen ganzen Haufen weiterer Probleme.

Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass mein Vater Alkoholiker ist und auch schon einige andere Drogen durchprobiert hat. Zwischenzeitlich hat er sogar mit Marihuana gedealt... In meiner Familie (väterlicherseits) gibt es viele weitere Fälle von Suchtproblematiken und ich bin wahrscheinlich erblich etwas vorbelastet Confused

Aufgrund unserer familiären Situation habe ich mir früher immer geschworen selber niemals Alkohol zu trinken. Bis ich 16 war habe ich mich daran gehalten, dann ging alles ziemlich schnell. Auf einer Party hatte ich meine erste richtige Alkoholerfahrung, die direkt mit einem Filmriss endete. Von da an trank ich wann immer sich eine Gelegenheit bot und zwar von Anfang an exzessiv. Es musste jedesmal Wodka sein, ich aß den ganzen Tag fast nichts und warf mir Schmerztabletten ein, damit es "besser knallt".

Eine Zeit lang probierte ich es mit dem kiffen, doch diese Droge lag mir von Anfang an nicht. Ich fand kein Mittelmaß, entweder ich merkte nichts davon oder ich konnte mich nicht mehr bewegen und musste mich übergeben. Dazwischen gab es nichts. Also gab ich es ziemlich schnell wieder auf.

Mit 19 begannen die ersten Leute in meinem Freundeskreis Amphetamine zu nehmen. Ich war zuerst schockiert und versuchte die Leute davon abzubringen, doch nach einiger Zeit gewöhnte ich mich daran. Irgendwann fragte ich dann auf einer Party (schon ziemlich betrunken) ob ich nicht auch eine Nase haben könnte. Sie gaben sie mir.
Amphetamine wurden schnell zu meiner neuen Lieblingsdroge. Erst zog ich nur mal was von Freunden, doch sehr bald kaufte ich mir eigenes Zeug. Wir feierten nächtelang durch auf Alkohol und Speed, es schien eine ganz andere Qualität gewonnen zu haben.
Seit meiner ersten Nase bin ich so gut wie gar nicht mehr ohne Amphetamine feiern gegangen.

(Dreimal versuchte ich auch XTC, doch bei dem letzten Mal ging es mir so beschissen, dass ich mir schwor das Zeug nie wieder anzurühren. Bis heute habe ich mich daran gehalten.)

Einige Zeit später zog ich mit meinem Freund zusammen weg, in der neuen Stadt hatte ich keine Quelle und ging auch kaum feiern. Mein Konsum beschränkte sich auf Besuche in der Heimat.

Letzten Sommer musste ich aufgrund eines Nervenzusammenbruchs zurück nachhause ziehen und bekam ein Jahr lang Antidepressiva (am Anfang parallel dazu Benzos). Während der Antidepressivazeit traute ich mich weder an Alkohol noch an Amphetamine. Doch kaum hatte ich das Zeug abgesetzt ging es wieder los. Zuerst nur mit Alkohol. Meine Vorsätze waren gut. Doch ich bekam immer wieder von Freunden was angeboten und beim zweiten oder dritten Mal feiern sagte ich schließlich ja. Am nächsten Wochenende hatte ich schon wieder eigenes Zeug.

Die letzten Monate waren sehr heftig, ich konsumierte so viel wie nie zuvor. Nicht nur die Amphetamine an sich waren das Problem, sondern auch mein dadurch total veränderter Alkoholkonsum. Früher hatte ich mich vor der Party betrunken und mir auf der Party vielleicht noch ein, zwei Bier geholt - irgendwann war dann Ende, weil ich merkte, dass ich ansonsten nichts mehr vom Abend haben würde. Heute trinke ich ein Bier nach dem anderen und zwar in allerkürzester Zeit (das geht inzwischen runter wie Wasser) und nehme mir sogar noch eins mit für den Nachhauseweg. Durch das Speed kippe ich nicht um und muss mich auch nicht übergeben. Es schwächt die Wirkung des Alkohols stark ab, doch das Gift ist ja trotzdem im Körper.

Mein Körper protestierte; ich bekam eine Krankheit nach der nächsten. Zahllose Blasenentzündungen, grippale Infekte, Drehschwindel, eine Nierenbeckenentzündung, einen Innenohrschaden. Das machte und macht mir Angst - ich habe die Befürchtung, wenn ich so weiter mache bin ich bald tot.

Ich weiß aber, dass ich nicht aufhören kann nur mit gutem Willen. Ich weiß aus Erfahrung, dass ich das nicht schaffe. Ich muss meinen Freundeskreis hinter mir lassen fürchte ich...

Gestern Abend war ich auf einem Geburtstag. Es war eine nette kleine Runde, wir unterhielten uns und hatten viel Spaß. Leider hatte ich den Fehler gemacht und mich am Anfang des Abends für ein Bier entschieden. Ich hörte nicht mehr auf. Ein Bier folgte dem nächsten, irgendwann kamen Cocktails dazu. Ich habe - wie jedes Wochenende - auch von gestern wieder einen Filmriss. Und dabei wäre es gar nicht nötig gewesen - ich hätte genauso gut einfach nicht trinken können (in der Disco ist das schon etwas anderes). Heute morgen hatte ich einen üblen Kater - ich bin es nicht mehr gewohnt, zu trinken ohne zu ziehen.

Ich habe meinen Konsum nicht unter Kontrolle. Wenn ich mit meinen Freunden feiern gehe weiß ich, dass ich etwas ziehen werde. Und wenn ich mich für ein Bier entscheide, dann weiß ich dass ich am Ende wieder einen Filmriss haben werde. Dazwischen gibt es nichts - ich versuche es immer wieder, doch es gelingt mir nie.

Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass es in meinem Leben auf jeglichen Ebenen nur Extreme gibt - ich kann mich nicht mäßigen, egal um was es geht. Dann kann ich es nur ganz sein lassen.

Ich weiß gerade nicht mehr so richtig weiter. Wenn mein Körper nicht so streiken würde, würde ich womöglich einfach weiter machen wie bisher. Aber ich MUSS etwas ändern - und zwar jetzt.

Meine Freundin hat mir geraten mal in eine Beratungsstelle zu gehen. Aber ich käme mir irgendwie komisch vor, schließlich trinke oder ziehe ich ja nicht täglich. Ich bin körperlich nicht abhängig. Wenn ich nicht feiern gehe, dann muss ich auch nichts nehmen. Soweit habe ich das Ganze ja in der Hand - nur habe ich auch keine Lust mich nur noch Zuhause einzusperren.

Vielleicht liest das hier ja irgendwer, der oder dem es ähnlich geht. Ich würde mich freuen, wenn ihr mir eine Antwort da lassen würdet.

Bestimmt gibt es auch Menschen hier mit mehr Ahnung von der Materie - würdet ihr sagen, dass ich ein Suchtproblem habe?

Könnt ihr mir vielleicht einen Ratschlag geben, wie ich meinen Konsum besser unter Kontrolle kriegen kann?

Liebe Grüße

rather_ripped
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4060

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2010 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ripped,

klar hast Du ein Suchtproblem! Dir wird nichts anderes übrigbleiben, als genau jetzt einen Schlussstrich zu ziehen und nicht mehr zu trinken. Damit ist ein Abschnitt Deines Lebens beendet, so bitter das für Dich sein mag. Erfahrungsgemäß gibt es für Menschen Deines Kalibers keine Möglichkeit, ihren Konsum zu kontrollieren. Du schreibst ja selbst, dass es bei Dir nur Extreme gibt. Also ---> ab jetzt keinen Alkohol mehr! Bleibt nur zu hoffen, dass Du auch durchhältst. Die Idee mit der Suchtberatung ist vielleicht gar nicht schlecht und Deine Freundin wird Dich sicher unterstützen können. Vielleicht schreibt sie ja ihre Diplomarbeit über Dich! Laughing

Wie Du damit umgehen sollst, wenn andere Party machen und Du nichts trinken oder nehmen kannst, weiß ich auch nicht. Allerdings gehen die Jahre des Feierns vorüber - wenn Du mal 30 oder älter bist, sind auch für Deine jetzt noch saufenden Freunde andere Dinge wichtig.

Grüße!
Nach oben
Kati72
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 04.07.2010
Beiträge: 25

BeitragVerfasst am: 8. Nov 2010 13:40    Titel: Antworten mit Zitat

Du beantwortest deine Frage doch schon selber - du hast deinen Konsum nicht unter Kontrolle, das genau ist ja die Sucht!

Ich kenne das sehr gut, bei mir ist auch alles exzessiv, wenn ich es nicht ganz sein lasse.

Du solltest auf jeden Fall mal zu ner Drogenberatung gehen, schaden wird es dir auf keinen Fall und einen Versuch ist es doch alle Male wert.
Nach oben
no chance
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 10.09.2010
Beiträge: 77

BeitragVerfasst am: 8. Nov 2010 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo rather_ripped,

ich kann da veilchenfee nur rechtgeben. Du hast ein Suchtproblem. Bei mir war es auch so ähnlich wie bei dir, deswegen habe ich mich auch entschlossen dir zu antworten.

Schau mal, wenn du dir schon ernsthafte Sorgen machst und darüber nachdenkst ist das meinermeinung nach schon ein Anzeichen einer Suchtgefahr, um es mal so auszudrücken. Dass du das nicht täglich machst heisst aber nicht dass keine Sucht im Spiel ist, da du ja wenn du was nimmst "es dir bis zum Excess gibst". Dazu fällt mir ein Thema ein:
Ist ein Gelegenheitstrinker ein Alkoholiker?
Was ich damit sagen will ist, es gibt verschiedene Suchtformen.

Ich hab meine Drogenerfahrungen mit 18 begonnen. Das ging hin von körperlicher bis zur seelischen Abhängigkeit. Mit 26 bin ich auch aus meiner alten Stadt weggezogen und hab bis heute (bin 34) keine Drogen und kein Alkohol mehr angerührt. Dafür ist mir mein Leben zu schade geworden. Ich persönlich hatte den Ansporn dadurch, weil ich alles verloren hatte. Von Frau, Kind, Führerschein, Wohnung usw...

So willst du doch nicht enden, oder? Du bist im typischen Einstieg für eine "Suchtkarriere" aber ich sehe bei dir gute Chancen rauszukommen, wenn du den Willen hast.

P.S.: Wenn du dir bei einer Suchtberatungsstelle hilfe holst, brauchst du dich nicht schämen, ganz im Gegenteil. Sei stolz auf Dich dass du den ersten Schritt zum Neuanfang für ein besseres Leben gewagt hast.

Gruß
Nach oben
krebs88
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 13.08.2010
Beiträge: 356

BeitragVerfasst am: 8. Nov 2010 22:43    Titel: Antworten mit Zitat

hi no-chance
darf ich mal fragen wo du früher gelebt hast?
ich bin nämlich auch erst umgezogen...und muß mir seit dem anhören ich würde weglaufen vor meinen problemen...das sehe ich nicht so...da ich ja alles in angriff genommen habe und jetzt von hier aus alles kläre ... finde auch das ich in hessen nicht hätte bleiben können mit kind ...also hätte schon...aber wollte nicht...wolllte was neues,frisches...und dieses alte ausgelutschte "leben"hinter mit lassen...wo ich eh nur mit dem abschaum unterwegs war...ich wollte einfach vermeiden irgendwann diese leute zu treffen und in meinem alten umfeld verkehren...und ich denke nicht an zeug hab kein suchtdruck usw...mir tut der abstand gut...wie war das bei dir?.wieso bist du umgezogen?wegen material?oder wieso wenn ich fragen darf?bye
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Fragen und Antworten Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Seite 1 von 1
Gehe zu:  
Impressum & Rechtliches
ForenübersichtIndex   SucheSuche   FAQFAQ   LoginLogin