Wer kennt sich aus?

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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 9. Sep 2011 21:25    Titel: Wer kennt sich aus? Antworten mit Zitat

Hallo erstmal!

Ich schleich schon seit einiger Zeit in diesem Forum herum und hab vor kurzem in einem Thread gepostet.. naja, jetzt hat ich selbst mal ´ne Frage

Kurz zu mir: fast vierzig, 2 Kiddies und voll im Berufleben stehend. Mache seit ca. sechs Jahren, mit freiwilligen Unterbrechungen, eine Therapie wegen schwerster Kindheitstraumata(Assi-Eltern, Vernachlässigung, Heime, Pflegeeltern, Missbrauch usw) also die ganze Palette.
Bis ich 18 Jahr hab ich nie geraucht, getrunken oder sonstige Drogen genommen. Als ich dann auszog in die große Stadt, habe ich natürlich alles nachgeholt und ausser H wohl auch alles mal ausprobiert. Hängen beblieben bin ich beim Kiffen, nunmehr seit fast 20 Jahren, allerdings auch mit mehrjährigen Unterbrechungen (mein Ex-Mann mochte das nicht)
Seit meiner Scheidung vor ca. 7 Jahren und neuen kiffenden Freund, hab ich fast täglich gebongt.
Manchmal auch Pausen von Tagen oder Wochen eingelegt, wenn mir das kiffen wieder zu blöde wurde.

Vor vier Wochen hab ich dann mal wieder mit dem Kiffen aufgehört, von heut auf morgen.
Meinem Freund hab ich gebeten alles mitzunehmen(war eh seins) und beschränke mich im Moment auf kiffen bei ihm. Dadurch, dass wir uns nicht oft sehen, höchstens 1-2mal die Woche.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass ich das Kiffen sehr gerne hab. Man ist in Watte gepackt, man fühlt sich nicht einsam und ich werde kaum agressiv, weil ich ein eher impulsiver Mensch bin.

Körperlich hatte ich noch nie Entzugspobleme aber sicherlich habe ich eine starke psychische Abhängigkeit entwickelt.
Seit ich nicht mehr kiffe, nehme ich alle möglichen Pillen.
Zop, Tranxilium, Lormetazepam, Tramal, Musaril, Lyrica, was mein Täschchen so hergibt, hab da leider (oder zum Glück) auch leichten Zugang zu.
Ich nehm nie die gleiche Pille länger als drei Tage hintereinander, manchmal misch ich aber auch z.B. Tramal mit Zop um wieder ein bischen breit zu werden und die innere Leere zu füllen.

Nun meine Frage an euch: Ab wann meint ihr kommt die körperliche Abhängigkeit bei Pillen, auch wenn ich das Medi alle paar Tage wechsele?

Und überhaupt: Anregungen? Kritik? Alternativen? Bin dankbar für jeden Tip

Ps. Aber komm mir bitte nicht mit Sport... ich hasse Sport

Lieben Dank
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 9. Sep 2011 23:16    Titel: Antworten mit Zitat

Ach Gottchen, das mit den Pillen kannst Du ne ganze Weile machen, ohne körperlich abhängig zu werden. Ich weiß, wovon ich spreche. Voraussetzung ist halt, dass Du immer nur relativ wenig nimmst und öfter mal wechselst, aber das machst Du ja.

Aber mal ehrlich: Lass lieber die ganzen Pillen weg und fang wieder an zu kiffen. Ist doch immer noch die harmlosere Übung, findest Du nicht auch?

Grüße!
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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 9. Sep 2011 23:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Veilchenfee

was ist für dich `ne ganze Weile? Wochen? Monate?

Und klar, Hasch halte ich für die geilste Droger der Welt!

Bei mir sprechen da eher praktische Gründe dagegen. Ich bin schon starker Nikotinraucher, seit ich nicht mehr kiffe, hat sich der Konsum verdoppelt..

Mein Vater ist vor einem Jahr an COPD gestorben, meine Schwester hat eine beginnende und ich bin sicherlich auch familiär prädestiniert dafür. Der Gedanke noch zehn Jahre zu kiffen und dann an der Sauerstoffflasche zu hängen, finde ich grauenvoll.

Und außerdem habe ich einen absolut masslosen Umgang damit. Als meine Freund sein Zeug bei mir deponiert hat, habe ich ihm bis zu 2g am Tag weggebongt, das kann ich auch einfach nicht bezahlen , soviel Geld hab ich nicht und die Pillen gibt´s umsonst..
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 00:01    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich habe über einige Jahre hinweg Tramal, Codein und Benzos genommen, allerdings in geringen Mengen und nicht täglich. Ich hatte keinen körperlichen Entzug und konnte relativ problemlos aufhören. Verallgemeinern möchte ich meine Erfahrung allerdings nicht, da ich in dieser Hinsicht anscheinend eine Ausnahme bin.

Oh, das mit der COPD ist sehr übel, mit dieser familiären Vorgeschichte solltest Du allerdings wirklich nicht rauchen. Erst heute habe ich einen entsprechenden Artikel bei SPIEGEL online gelesen:

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,785390,00.html

Tu Dir einen Gefallen und nimm all diese Medikamente nicht täglich. Mach Pausen. Wenn Du 3-4 Mal/Woche was in geringer Dosierung nimmst, müsste das auf Dauer funktionieren, ohne dass Du in größere Schwierigkeiten gerätst.
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JuleXXX
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 29.05.2011
Beiträge: 525

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 00:23    Titel: Antworten mit Zitat

Kann verstehen, dass du jetzt Angst hast weiter zu kiffen, wegen der COPD deiner Schwester und die deines Vaters. ABER: Diese Lungenkrankheit deines Papas kommt doch net vom kiffen, oder? Shocked
Er hat bestimmt geraucht, aber doch eher nur normle Zigaretten, oder?

Deshalb verstehe ich irgendwie nicht, dass du das jetzt als grund anführst, warum du mit der Kifferei aufgehört hst, aber vllt. hbe ich das auch falsch verstanden.

Hmmm naja, ich denke mir nur , da es sozusagen als erwiesen gilt, dass COPD von Nikotinkonsum (passiv sowie aktiv) kommt (u.a.) wäre die logischste Konsequenz für dich doch, dass du neben dem Kiffen auch mit dem normalen rauchen aufhörst, oder nicht? Vorallem wenn mn sooooviel raucht wie du! Confused

Hmmm, ich rate dir dringend ab, diese Spielerei/Experimentiererei mit Tabletten weiter zu betreiben, sag mal nimmst du die alle aufeinmal/durcheinander, oder nur ab und an mal die, dann ne Woche später mal die... Wie muss ich mir das vorstellen? Wie oft? Wieviele?
Das ist wichtig, um deine Frage beantworten zu können.

Naja, normalerweise (also in der regel) ist es so, dass du körperlich abhängig wirst wenn du Benzos 4 Wochen am Stück nimmst, dabei ist es egal, welches Benzodiazepin es ist. Aber: Jeder Körper reagiert anders, manche werden schon von 2 Wochen körperlich abhängig, manche erst nach 6...
Bei Zopiclon, also einem benzodizepinähnlichen Wirkstoff ist es genau so.
Lyrica macht zwar "offiziell" körperlich nicht abhängig, Konsumenten sprachen aber trotzdem von schweren Entzugssyndromen/Absetzerscheinungen...
Dieses Tranxi-Dingsda und das Musaril kenn ich nicht -Sorry-
Tja und Tramal ist ja ein Opioid, ein künstlich hergestelltes Opiat (Opiate sind bspw. Heroin, aber das weisst du bestimmt): Davon solltest du erst recht die Finger lassen, wnn das abhängig mcht hmmmm schwer zu sagen, ich würde schätzen nach ca. 3 Wochen (bei täglichem oder fast täglichem Konsum)

Also, lass es lieber sein, du wirst auf die F***** fallen, wenn du so weitermachst, und dann wird es nicht nur so sein, dass du dich etwas unwohl fühlst, wenn du nichts hast, dann geht`s dir richtig beschissen, und das willst du doch nicht oder?

Nimmst du das denn, um deine Ängste, die aufgrund deiner Kindheit entstanden sind, zu verdrängen, oder was ist der Grund? (Musst du natürlich nicht beantworten, wenn dir das zu persönlich ist)

Alles Gute Jule
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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 01:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Jule,

ich seh das Ganze viel komplexer, aber eins nach dem anderen.

Natürlich hat mein Vater geraucht, aber die letzten 20 Jahre seines Lebens nicht mehr. Soviel ich weiß hat er auch in jungen Jahren im Bergbau und im Straßenbau gearbeitet.
wenn ich bong rauche, inhalier ich natürlich viel tiefer. Man sagt ja auch, das ein Kopf den selben Effekt hat, wie 3-5 Zigaretten rauchen. Und ich merke diese Veränderung natürlich auch ganz subjektiv. Kiffe ich, rauche ich viel weniger Zigaretten und huste mir morgens die Lunge aus dem Leib.
Momentan rauche ich doppelt oder dreifach so viel wie sonst und huste mir nicht die Lunge aus den Leib. Ich glaube, ich vertrag das Bongrauchen einfach nicht besonders gut.
Allein das sollte schon ein Grund sein aufzuhören..

Und nun zu den Pillen.
am frühen Abend eine Lormetazepam unter die Zunge, Stunde später 100mg Tramal zerkaut, wieder ´ne Stunde später Lyrica 75mg genommen und noch ne Stunde später 1Schnapsglas Absinth(stand seit Monaten in meinem Kühli, trinke wenn ich kiffe kaum Alkohol)
Jetzt beim 2.schnäpschen Absinth angelangt und fühle mich völlig aufgepuscht, an schlaf noch lange nicht zu denken.

Zu meiner familiären Vergangenheit.
Ängste habe ich nicht, außer Panikattaken, wenn ich Autobahn fahren muss, aber da hilft Baldrian wunderbar.
Aber ich leide aufgrund der Vernachlässigung meiner Assi-Eltern, der unfreundlichen Behandlung in verschiedenen Kinderheimen und wegen meines pädophilen Pflegevaters unter einer großen, inneren Einsamkeit, weil ich niemanden mehr vertrauen kann.
Diese Einsamkeit ist mein zentrale Lebensthema, sagt jedenfalls meine Therapeutin.
Und wie oben schon gesagt, ich stehe stabil im Leben, habe gute Freunde, Kinder, einen Freund, arbeite in einem sozialen Beruf und gebe und gebe und gebe...gerne , nur leider gibt mir niemand etwas, was meine Einsamkeit lindert.
Kiffen war daher bisher das Mittel der Wahl. Rauchen und die Welt ist in Ordnung. Da spür ich keine Einsamkeit, sondern nur Stärke und glück..
Manchmal denke ich, ich muss mich entscheiden zwischen einem Leben mit Hasch, dann geht es mir gut und ich fühl die innere Leere nicht oder den harten Weg mit depressiven Episoden, viel Selbstdiziplin(sieht man ja, hab ich im Moment nicht) und mein eigenes Leid lernen auszuhalten(was momentan auch für mich `ne Nummer zu groß ist)
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golden-tulip
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 14:02    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schwester S,

Zitat:
Aber ich leide aufgrund der Vernachlässigung meiner Assi-Eltern, der unfreundlichen Behandlung in verschiedenen Kinderheimen und wegen meines pädophilen Pflegevaters unter einer großen, inneren Einsamkeit, weil ich niemanden mehr vertrauen kann.
Diese Einsamkeit ist mein zentrale Lebensthema, sagt jedenfalls meine Therapeutin.


Wecher Art ist die Therapie? Wie äußert sich das Einsamkeitsempfinden bei dir? Stimmst du ihr überhaupt zu, dass das dein zentrales Lebensthema ist? Du hörst dich nicht so an, als ob du niemandem mehr vertraust. Kommst du an die Gefühle denn noch ran?
Ich bin auch Opfer von emotionalem Missbrauch, kann jedoch durchaus Menschen vertrauen.
Klingt, Tabletten und Shit sind eigentlich ok, wenn da die körperliche Abhängigkeit nicht wäre. Das Tabletten-Hopping so als Versuch, alles doch irgendwie unter Kontrolle zu halten.

Wäre es denkbar für dich, die traumatischen Elemente von der Sucht zu trennen? Nur in Gedanken, faktisch treten sie ja gemeinsam in Kraft.
Welche Heilungsmöglichkeiten schweben dir selbst vor?

Liebe Grüße Conny
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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 19:54    Titel: Antworten mit Zitat

HI Conny,

Ja, die innere Einsamkeit oder besser gesagt die emotionale Einsamkeit ist schon mein zentrales Lebensleid, mein Handicap sozusagen. Da stimme ich meiner Therapeutin voll zu.
Die Therapie dauert auch deshalb schon so lange, weil ich mich emotional nur sehr schwer und langsam öffnen kann. Es hat Monate und viele Sitzungen gedauert, bis ich überhaupt kleine Teile meines Inneren nach aussen (verbal) bringen konnte. Hier im Forum ist es für mich natürlich wesentlich einfacher, weil wir anonym sind.

Wir machen eine reine Gesprächstherapie. Wir haben verschiedene Verfahren zur Traumabewältigung ausprobiert, aber das ging mir alles zu nah, wir mussten abbrechen, weil mich das bis an den Rand der Suizidalität gebracht hat.

Natürlich vertraue ich z.B. meinen Freunden, aber nur bis zu einem gewissen Grad. An mein Innerstes kommen die nicht ran, auch nicht mein Freund, obwohl ich dem noch am meisten vertraue, aber auch das hat Jahre gedauert.

Als ich klein war, habe ich immer alles mit mir allein ausmachen müssen. Meine Eltern waren ständig besoffen und wenn ich mich mal verletzt hatte (z.B. hatte ich mal eine große Kopfplatzwunde mit sechs Jahren) hat sie das nicht interessiert. Sie haben das noch nicht einmal mitgekriegt. Ich hab mir ein altes Handtuch auf den Kopf gedrückt, mich ins Bett gelegt und nie einen Arzt gesehen. Hat sie noch nicht einmal interessiert, woher das ganze Blut kam.
Meine Pflegeeltern haben sich äusserlich gut um mich gekümmert. Nur war meine Pflegemutter nicht so der emotionale Typ und liebevoll in den Arm genommen wurde ich nicht.
Tja, mein Pflegevater hat natürlich meine Zuwendung gesucht, aber immer sexuell. Von dem hab ich mich sehr schnell ferngehalten.

Sehr viel Halt hat mir damals der Glaube an Gott gegeben. Meine Pflegeeltern waren Mitglieder einer sehr konserativen, christlichen Freikirche und als Kind und Jugendliche habe ich da auch begeistert mitgemacht.

Ich ahne schon, als nächstes kommt wahrscheinlich der Tip, es doch wieder mit Kirche und Glaube zu versuchen, aber da werd ich mal etwas zitieren, was ich neulich grad in einem Kommentar eines anderen in einem anderen Forum gelesen haben:
"Mir geht eine Geschichte von Adrian Plass nicht aus dem Kopf, wo er beschreibt, wie sein Freund, ein Alkoholiker, mit seiner kleinen Gemeinde zusammen Abendmahl feiert. Und als er das Brot in den Wein tunkt und isst, nimmt er das, was ihn kaputt macht und seine Erlösung zu sich. Jesusleute können dir bestimmt echt helfen, aber eben auch immer wieder dieses Trauma auslösen."
Mein Pflegevater war ein gläubiger, christlicher Mensch auch ganz groß und wichtig im Kirchenvorstand und zuhause so ein Arschloch!

Es gibt sicherlich viele, die Suchen nach der Drogenkarriere
Halt in Spiritualität , ich hab diese verlogene Scheisse erlebt und lieber Halt in Drogen gesucht.
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golden-tulip
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schwester S.,
Zitat:

Ich ahne schon, als nächstes kommt wahrscheinlich der Tip, es doch wieder mit Kirche und Glaube zu versuchen,


nene wie kommst du denn darauf, lies mal Tilman Moser, Gottesvergiftung. Meine Zweifel an den AA kommen nicht zuletzt durch deren quasi-religiösen bisweilen sektenartigen Charakter.

Dies nur vorab. Ich schreib nach dem Abendessen noch weiter.
LG Conny
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golden-tulip
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

zu

Zitat:
Wir haben verschiedene Verfahren zur Traumabewältigung ausprobiert, aber das ging mir alles zu nah, wir mussten abbrechen, weil mich das bis an den Rand der Suizidalität gebracht hat.


gestern abend hab ich eine Sendung gesehen, in der Traumapatienten ihre Geschichte aufgeschrieben haben, danach wurden sie unter angstlösende Medikamenten gesetzt und haben 5 Wochen lang (1x die Woche) diese Geschichte laut vorgelesen.
Zweck war, sich die neuro-plastischen Fähigkeiten des Gehirns zur Neustrukturierung zu Nutze zu machen. Die Erinnerungs-Areale wurden so von den Angst-Arealen abgekoppelt.
Laut eigener Aussage und PTBS-Skala soll das funktioniert haben. Das Erleben wurde zur zwar schlimmen Erinnerung, aber es war Schluss mit Flash-Backs usw.

Mir erscheint das plausibler als "da muss man durch" und am Ende noch womöglich dem Peiniger verzeihen... Das muss man nicht, wenn man nicht will.
Nur zur Info, falls du das als Methode nicht kennst.
Allein ist das wohl nicht ausreichend, um wieder heil und gesund zu werden, aber was du mit dem Rand von Suizidalität beschreibst, könnte man dadurch ggf. auflösen.

LG Conny
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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 21:03    Titel: Antworten mit Zitat

Weißt du noch,wie die Sendung hieß und auf welchem Sender?

Man hat verschiedene Traumaverfahren entwickelt um gerade PTBS-Patienten schnell helfen zu können. Halte ich auch für eine gute Sache, gerade wenn es sich um relativ kurzfristige Traumatisierungen handelt wie z.B. einmalige Vergewaltigung, schwere Unfälle usw.
Ich bin quasi die ersten 18 Jahre meines Lebens dauertraumatisiert worden ohne jegliche psychologische Hilfe, da greifen solchen "Schnellverfahren" einfach nicht.

Aber natürlich habe ich in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht.
Im Erleben eines Traumas dissoziert man ja, d.h. man spaltet die Gefühle von den Bildern ab, um das Trauma überhaupt überleben zu können, sonst wird man ganz verrückt..

In der Therapie und gerade in der Traumatherapie bringt man die Bilder und Gefühle wieder zusammen, erlebt es nocheinmal und kann sich dann davon distanzieren.
Das gelingt mir schon ganz gut und vielleicht kommt daher auch der Wunsch mit der "Krücke" Drogen langsam mal schluss zu machen.

Doch je mehr ich mich damit beschäftige und seit zwei Tagen in diesem Thread schreibe, was mich zugegebener Weise sehr berührt und mich nervös macht.. bin ich vielleicht doch noch nicht so weit bzw. bereit dazu
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golden-tulip
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

ich such raus, wie die Sendung hieß.
Mein Problem ist auch, dass ich keine Einmal-Heavy-Traumatisierung hab, sondern emotionalen Missbrauch über Jahre. Man kann nicht auf ein Schlüsselereignis zugehen und sich davon lösen.
Was du mit der Kopfwunde erzählt hast - mein Vater hat nicht mal bemerkt, als ich mein Abi bestanden hab. Schön, Kind, das freut mich...
Ich hab ein Buch gelesen "Sucht-Trauma-Bindung", da wurde mir erstmals klar, wie eins ins andere greift im Kopf, neurophysiologisch.
Ich hab das mit der Dissoziierung hinter mir, bin eigentlich nicht mehr aktuell mit pbts zugange, aber ich bin nicht mehr dieselbe, wie die die das Trauma erlebt hat. Eine neue Persönlichkeit ist über die alte gewachsen. Das muss ja nicht schlimm sein, aber meine "Dreijährige" fordert vehement Gehör. Gut integriert, aber ein "alter" zickt rum, flapsig gesprochen.
Als ich so Tests im Internet gemacht hab bin ich auch glatt durchgefallen, 14,7 %.
Ich weiß immer, welche Sachen ich am Vorabend angezogen hab.
Mir fehlt aber ein wesentlicher Teil meiner Identität - und daher kommt dann auch das "Hole in Soul", was mit Einsamkeit nur unzureichend beschrieben ist.
Es fehlt ja nichts von außen, sondern von innen. Da könne 1000 liebe Menschen um einen sein.
Und dem Umfeld ist schwer begreiflich zu machen, dass ein heulendes kleines Kind vor ihnen sitzt, dass nix will außer dass Mama aufs Knie pustet - wie auch.
Ich hab der Lütten versprochen rauszufinden, wie ich ihr helfen kann, und das löse ich ein.
Tut mir grade sehr gut, dass du das ungefähr mit nachvollziehen kannst.
Jetzt fühl ich mich nicht so einsam und allein.

LG Conny
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Schwester S.
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.08.2011
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: 10. Sep 2011 23:50    Titel: Antworten mit Zitat

Und dem Umfeld ist schwer begreiflich zu machen, dass ein heulendes kleines Kind vor ihnen sitzt, dass nix will außer dass Mama aufs Knie pustet - wie auch (sorry, ich hab das mit den extrahieren von Zitaten noch nicht raus )


Genauso ist es doch! Wenn man Glück hat und von seinen Eltern nicht das Assi-Gen, sondern genügend Resilienz entwickelt hat, kann man schon viel erreichen.

Nach aussen hin wirke ich sehr selbstbewußt und stabil. Nur engste Freunde kennen Details aus meinem Leben und Kollegen gegenüber erwähnte ich mal, dass ich eine schlechte Kindheit hatte und habs dabei belassen.
Die "Erwachsene" kommt ganz gut zurecht , aber das misshandelte innere "Kind" bleibt wohl ein Leben lang. Ich kann dieses innere Kind (oder mein Innerstes, vielleicht ist das ja damit gemeint) nur im geschützten Raum bei meiner Therapeutin manchmal rauslassen. Bei Alkohol, wenn ich allein bin, gelingt mir das auch, tut mir aber nicht gut, weil dann keiner da ist, der mich mit Verständnis tröstet. Ich kann zwar dem Alkohol zusprechen aber leider spricht die Flasche nicht mit Wink

Freu mich übrigens auch , dass ich mal mit jemanden so offen sprechen/schreiben kann!

Hab übrigens das Buch gegoogelt. In einer Resenzion stand, es ist kein Patientenbuch.
Würdest du es trotzdem für einen Laien++ empfehlen? Ist ja nicht ganz billig..

Und welchen Test hast du im Internet gemacht?

liebe grüße
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golden-tulip
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2011 00:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
da hast du mich ja mal erwischt, das Wort Resilenz hab ich noch nie gehört.
Zitieren kannst du indem du den Text markierst, über copy and paste einfügst und dann auf "quote" klickst.
Wenn die Trauma-Sache dein Lebensthema ist, kann ich das Buch empfehlen. Ist halt nichts für Leute, die mal btw. was mitnehmen wollen. Zuviel Latein, zuviel Biologie und Psychologie und Tiefgang allgemein. Ich les es aus und schenke es dir. dauert ca 3 Wochen.

Zitat:
Die "Erwachsene" kommt ganz gut zurecht , aber das misshandelte innere "Kind" bleibt wohl ein Leben lang. Ich kann dieses innere Kind (oder mein Innerstes, vielleicht ist das ja damit gemeint) nur im geschützten Raum bei meiner Therapeutin manchmal rauslassen.


Da muss man raus. Immerhin ist dieses innere Kind erkannt und benannt. Viel bessere Ausgangsposition als vorher..
Ich merke, dass sich Anspannung löst, allein dass ich das nicht verdränge.

Als ich aufgehört hab zu Trinken ist der Himmel über mir zusammengekracht.
Niemand konnte mehr meine Wahrnehmung teilen. Sie kannten und konnten es nicht. Für mich war wie Schuppen von den Augen fallen und Freund, Freunde, Familie standen ratlos davor, hilfsbereit und unnütz.
Das ist eine wichtige Lektion: Diesen Weg geht man allein.
Schwer, darüber reden.
Ob Alkohol, Opiate, Heroin oder sonst was
Zitat:
Ab wann meint ihr kommt die körperliche Abhängigkeit bei Pillen, auch wenn ich das Medi alle paar Tage wechsele?


Das ist wichtig, aber nachrangig,

Sein Lebensthema anzugehen, braucht Mut und Optimismus,
ich lass mich micht mehr irre machen von meiner Feiglingshaftigkeit,

LG Conny
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golden-tulip
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 07.07.2011
Beiträge: 138

BeitragVerfasst am: 11. Sep 2011 09:06    Titel: Antworten mit Zitat

die Sendung war Freitag 09.09. auf Arte 21:45
Die Dokumentation entstand in der Folge zu "Neustart im Kopf - Wie sich unser Gehirn selbst repariert", eine Dokumentation über das gleichnamige Buch des kanadischen Psychiaters Norman Doidge. Darin geht es um die Fähigkeit des menschlichen Gehirns, sich nach physischen Schäden strukturell und funktional umzuorganisieren.
Die Fortsetzung betrachtet die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Gehirns bei psychischen Beeinträchtigungen wie Zwangsstörungen und posttraumatischen Stresssymptomen.

LG Conny
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