Mein Verlobter ist heroinabhängig

Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Heroin
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
TheGoodGirl
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.09.2011
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 07:28    Titel: Mein Verlobter ist heroinabhängig Antworten mit Zitat

Liebes Forum,

ich brauche Rat und einfach ein bisschen Beistand und ermutigende Worte (ich hoffe jemand findet ermutigende Worte) und habe mich deswegen entschieden mich an ein Forum zu wenden. Das ist anonym und die Leute wissen wovon sie reden. Da ich momentan in Amerika bin und hier keine Möglichkeit habe zu Selbsthilfegruppen zu gehen (keine health insurance) dachte ich das hier wäre die ideale Plattform.

Zur Geschichte (sie ist etwas lang, aber ich hoffe es finden sich trotzdem Leute, die sie lesen):
Im Oktober 2010 lernte ich ihn kennen. Es war an der Uni, er war ein Austauschstudent von der UCLA und war für ein Semester in Berlin. Es war Liebe auf den ersten Blick, er kam am ersten Abend mit zu mir und ging für zwei Wochen nicht - nach zwei Wochen entschieden wir uns seine Sachen zu holen, so dass er richtig bei mir einzog. In diesen zwei Wochen "gestand" er auch, dass er heroinabhängig war, bevor er nach Deutschland kam, sagte aber auch, dass er clean sei. Und das war er, die ganze Zeit. Er flog Mitte März 2011 zurück nach Kalifornien - wir entschieden uns zusammen zu bleiben und er machte mir sogar einen Antrag. Ich sagte ja, ich war so glücklich. Ich buchte einen Flug für meine Semesterferien. 90 Tage Kalifornien. Der Plan war es in diesen 90 Tagen standesamtlich zu heiraten, ich würde dann zurück fliegen und er käme nach. Ein gemeinsames Leben in Deutschland, unser Traum. Er war so viel glücklicher in Deutschland, er hörte nicht auf das zu sagen - und als ich Mitte Juli 2011 nach vier Monaten ohne ihn in L.A. landete erfuhr ich auch warum. Ich landete am 20. Juli und am 21. Juli fand ich raus, dass er wieder Drogen nahm. Er war so anders, ein ganz anderer Mensch und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich dieses Extrem dazu brachte seine SMS zu lesen. Er schien sehr auf sein Handy fixiert und er hielt es immer so, dass ich auf gar keinen Fall das Display sehen konnte. Verschickte sicher 50 SMS an dem Tag. Außerdem verschwand er für 1,5 Stunden, angeblich um ein Aufladegerät zurück zu geben. Das Verrückte dabei war: Er stellte mich seiner Mutter vor und nach 5 Minuten die wir gemeinsam frühstückten verschwand er für besagte 1,5 Stunden. Das erschien mir alles komisch. Wie gesagt, ich las seine SMS und lernte so, dass er pain killers gekauft und geraucht hatte. Ich war am Boden zerstört, weckte ihn auf und konfrontierte ihn damit. Es war natürlich auch wegen der Drogen, aber hauptsächlich, weil er mich belogen hatte. Er sagte er habe Mist gebaut und jedes Mal Drogen genommen, wenn er bei seinen Eltern in San Francisco war. In L.A., wo wir beide wohnen würden, nehme er aber keine. Er habe da keine Connections. Er sagte mir, dass er nun das ganze Wochenende weiter machen müsse, weil seine Eltern sonst sehen würden, dass er krank wird und demzufolge von Drogen runterkommt. Er meinte sie würden ihn zur Rehab zwingen und er könnte nicht nach Deutschland kommen. Ich war so unwissend. Ich sagte okay, ich kaufte sogar zwei Pillen für ihn. Ich dachte in L.A. wäre es ja vorbei. Wochen vergingen und ich war so nervös. Ich war mir so sicher, dass etwas nicht stimmte. Er war komisch, manchmal himmelhoch jauchzend, manchmal zu Tode betrübt, es gab keinen Zwischenzustand, er schlief ständig und bei allem ein, er verschwand oft, verbrachte nicht selten eine oder zwei Stunden auf dem Klo. Er meinte das wäre in Amerika immer so, weil er so viel Stress habe. In Deutschland wäre er anders gewesen, weil er da so viel glücklicher und stressfreier leben konnte. Ich glaubte ihm nicht, aber ich wusste nicht was ich sonst tun konnte. Ich las seine SMS. Seine E-Mails. Ich fand nichts. Aber er wurde immer merkwürdiger, brach immer öfter einen Streit vom Zaun.

Dann, eines Tages, sagte er er müsste eben etwas aus dem Auto holen. Sein Gesicht war so komisch. Er lächelte - aber er lächelte nicht. Ich ging auf den Balkon, ich weiß nicht warum, und sah ihm von oben zu - wie er einen Streifen Alufolie aus dem Auto holte. Mein Herz raste. Er hatte mich belogen. Wie lange? Wie oft? Wer war dieser Mensch? Dieser ehrliche, herzensgute, liebevolle Mann der um meine Hand angehalten hatte: Wo war der? Er kam zurück in die Wohnung und ich erwartete ihn in der Tür. Ich sagte: "Ich möchte in deine Hosentasche gucken." Er hatte einmal erwähnt, dass ich das tun sollte wenn ich wollte. Ich fand mich also im Recht. Doch er starrte mich an, drehte um und rannte weg. Ich rannte hinterher. Ich hatte es gesehen! Ich war mir so sicher. Er saß im Auto und wollte wegfahren, ich sprang auf den Beifahrersitz und konfrontierte ihn, sagte er hätte mir die Anweisung gegeben seine Taschen zu checken und nun sollte das nicht okay sein? Er meinte ich würde ihm nicht vertrauen, niemand würde das. Ich sagte nur: "Ich hab' dich gesehen." Dann fing er an zu weinen, sagte er sei nicht gut genug für mich, ich solle mir jemanden suchen der nicht lügt, der stärker ist, der für mich da ist. Wir weinten lange. Ich nahm ihm das Heroin ab. Diesmal war es Heroin, keine Schmerztabletten. Heroin für 400 Dollar. Er sagte: "Du kannst es nicht vernichten, wir müssen es verkaufen, es ist zu viel Geld." Ich versteckte es im Schlafzimmer. Nur wenige Stunden später ging es los: "Gib' mir nur ein bisschen. Nur so viel, dass ich lernen kann. Ich muss lernen für die Uni, sonst kann ich nicht nach Deutschland." Aha, nun droht er mir also. Das war absoluter Quatsch, er lernte nie für die Uni, warum heute? "Wenn du es mir nicht gibst muss ich es suchen. Ich will das nicht tun, aber du zwingst mich dazu." Und er tat es. Fing an zu suchen. Ich begann zu weinen und ging zu unserem Nachbarn. Sie waren früher gemeinsam abhängig, er war clean. Ich dachte er könnte helfen. Und tatsächlich, er kam und sagte meinem Verlobten, dass er aufhören muss. Und er hörte auf. Unser Nachbar verkaufte das Heroin. Ganze 10 Tage withdrawl lagen vor uns. Und mir dämmerte, dass man um so lange davon runterzukommen vorher ziemlich lange geraucht haben muss. Im Auto hatte er gestanden, das er vorher einmal geslippt sei. Mir wurde klar, dass er gelogen hatte. Ich rastete aus, ich wurde körperlich, er dann auch. Wir hatten einen gräßlichen Streit, er würgte mich, ich riss ihm büschelweise Haare aus. Er machte mit mir Schluss, begann sich selbst zu verletzen, ich rief die Polizei, er fuhr weg, die Polizei kam nie. Ich verbrachte die Nacht wach auf dem Sofa, er humpelte irgendwann in die Wohnung, vom Balkon aus, er musste hochgeklettert sein und sich dabei verletzt haben Am Morgen schrieb ich seinem Vater bei Skype. Ich war verzweifelt. Ich erzählte ihm von unserem Streit, dass er die Verlobung aufgelöst hatte und mindestens 2 Mal Drogen genommen hatte seit ich da war. Sein Vater setzte mich sofort in einen Flieger nach San Francisco. Mein Verlobter schrieb mir fiese Nachrichten auf Facebook und löschte mich. Doch er kam zu seinen Eltern nach Hause, er gestand, dass er die ganze Zeit Heroin genommen hatte. Seit dem Tag, an dem er zurück gekommen war. Er weigerte sich weiterhin mit mir zu sprechen. Er meinte ich habe ihn betrogen und sein Vertrauen missbraucht. Am Tag darauf sprach er mit mir. Wir weinten beide. Lagen uns in den Armen. Sagten uns wir lieben uns. Dann sagten wir gar nichts mehr, für 24 Stunden. Dann fuhren wir zurück nach L.A. - im Auto hielt ich es nicht mehr aus, ich brachte es zur Sprache. Und wir redeten. 6 Stunden. Er verstand endlich, dass es zwar schlimm für mich war, dass er Drogen nahm, dass es aber noch viel schlimmer war, dass er log. Dass ich das Gefühl hatte paranoid zu sein, vollkommen emotional instabil, am Rande zum Wahnsinn. Das brach ihm das Herz. Wir hatten seitdem zwei Auseinandersetzungen, weil es ihm schwer fiel vollkommen ehrlich zu sein. Doch nun ist er es. Er erzählt mir alles. Er erzählt mir wann er kauf und wie viel. Er kauf ungefähr alle drei Tage für 50, manchmal für 100 Dollar. Er raucht vor meinen Augen. Er weiß, dass ich es hasse. Er hasst es auch. Er hasst es abhängig zu sein, jede Sekunde davon. Manchmal weint er deswegen plötzlich. Er sagt es reißt ihn auseinander. Er will es nicht tun, aber wenn er es nicht tut wird er krank und das will er auch nicht. Es ist ein Dämon in seinem Kopf. Er will zurück nach Deutschland, wo er clean leben kann. Wo er keine Reize hat. Wo nichts ihn daran erinnert. Wo er andere Wege gefunden hat Stress zu verarbeiten. Wo er es nicht tun MUSS.

Wir werden am 6.10. im Beverly Hills Courthouse heiraten.
Er hat zwei Jobs, er hat sein Leben im Griff, wir haben eine Wohnung und Geld für Essen und um auszugehen. Wir sind glücklich und verliebt. Wäre da nicht das Heroin. Letzte Woche ist er endlich zu einem Psychologen gegangen und hat sich weiterleiten lassen - zu Meetings für Heroinabhänhige. In denen sie lernen warum sie es tun und wie sie es lassen können. So ähnlich wie NA, aber über seine Krankenkasse. Morgen ist der erste Termin. Wir gehen gemeinsam. Er zeigt sehr viel Stärke, er hat die Termine gemacht und er will hingehen. Auch in Deutschland. Er WILL aufhören. Er raucht sehr viel weniger als vorher. Ein Gramm reicht 3-6 Tage. Er spricht über seine Gefühle, seine Erfahrungen, seine Freunde die es auch tun. Er spricht über alles mit mir. Über die Zukunft und wie er es schaffen will aufzuhören. Über unsere gemeinsame drogenfreie Zukunft in Deutschland. Trotzdem reißt es mich jedes Mal in Stücke wenn er raucht. Es tut jedes Mal weh, jeden Tag. Er ist der wundervollste Mensch, den ich jemals getroffen habe und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er aufhören kann, dass wir gemeinsam glücklich sein können. Er hat früher viele Drogen ausprobiert, aber seit ich hier bin hat er nichts anderes genommen. Er hat nur selten Gras geraucht (was für einen Studenten in L.A. an ein Wunder grenzt - jedes Mal wenn er einen Joint ablehnt fragen ihn seine Freunde ob er krank ist, ob ich ihm verboten habe zu rauchen, was mit ihm los ist), jetzt raucht er gar nicht mehr. Ich habe eine eine Droge pro Tag Regel aufgestellt, damit Gras eine Belohnung ist. Er hält sich daran. Er ist der beste Mensch auf diesem Planeten, er hat ein Herz aus Gold. Bring mir einfach so Blumen, ruft mich von der Arbeit an, sagt "Ich liebe dich" und legt auf. Ich war noch nie so glücklich. Ich muss glauben, dass er gesund wird.

... Wird er gesund?
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 11:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo GoodGirl,

ich halte es für einen dramatischen Fehler, diesen Mann zu heiraten. Ihr kennt Euch nach knapp einem Jahr noch gar nicht! Glaubst Du wirklich, nachdem die Beziehung so begonnen hat, dass er ein passender Ehemann für Dich sein wird? Er hat Dich im Streit gewürgt! Gründe interessieren mich in so einem Fall überhaupt nicht, so etwas hat nicht zu passieren, niemals.

Ich glaube, Du bist noch so in Deinem verliebten Romantik-Film drin, dass Du gar nicht weißt, was Du da tust. Ich würde auf jeden Fall noch mindestens ein Jahr warten und schauen, wie er sich entwickelt. Heroin ist so mächtig - ich fürchte, Du unterschätzt das gewaltig!

Heirate ihn von mir aus dann, wenn er sein Studium abgeschlossen und mindestens zwei Jahre clean und zuverlässig in seinem Beruf gearbeitet hat.
Nach oben
carlosS
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 12.09.2011
Beiträge: 142

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 11:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Du gutes Mädchen! Wink

Ich sehe es ähnlich, aber das willst Du sicher nicht hören. Jemand, der über diese Schwelle geht, ist nicht in der Lage, eine Beziehung zu führen. Egal ob süchtig,besoffen oder geisteskranh.

Als Rat möchte ich Dir sagen, dass Du Dich von seiner Sucht und seinen Drogen abgrenzen musst, sonst bist Du schon bald seine Co-Abhängige, die alles tut, um ihren Mann "zu schützen" und zu helfen, das Problem vor den Anderen zu vertuschen. So ist es nicht gut, dass er vor Dir konsumiert,- könnte es sein, dass er Dich neugierig machen will?

Gruß Wink
Nach oben
Breath Easy
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 23.08.2011
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 12:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
auch ich sehe es so wie die zwei anderen. Du schreibst das er Dich schon soweit hat das Du paranoide Zustände hattest, der kann Dich echt soweit bringen das du beim psychiater landest.
Also mir wäre das zu havy
Nach oben
carlosS
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 12.09.2011
Beiträge: 142

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 12:48    Titel: Antworten mit Zitat

Oder dass Du auch süchtig wirst, auch wenn Du Dir das zu dieser Zeit nicht vorstellen kannst.

Bis bald...

Füllstoff:
Oder dass Du auch süchtig wirst, auch wenn Du Dir das zu dieser Zeit nicht vorstellen kannst.

Bis bald...
Nach oben
TheGoodGirl
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.09.2011
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 18:22    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank für eure Antworten und vielen Dank für eure Besorgnis. Das bedeutet mir wirklich was.

Ich möchte euch verständlich machen, dass ich die Entscheidung diesen Mann zu heiraten nicht über's Knie gebrochen habe - auch wenn es für Außenstehende natürlich so aussieht! Wir haben sehr lange und viel drüber gesprochen, seit ich "Ja" gesagt habe. Auch meine Mutter und ich und seine Eltern und ich haben lange, intensive und offene Gespräche geführt. Es herrscht Konsens, dass wir uns lieben und zusammen sein wollen und zusammen gehören wie der berühmte Topf und sein Deckel.
Und es herrscht ebenso Konsens, dass er an seinem Problem arbeiten muss, konstant und intensiv. Wir machen uns nichts vor, wir wissen, dass es nicht einfach wird. Insbesondere nachdem wir diese gräßliche Zeit durchgemacht haben. Eine wirklich wirklich dunkle Zeit in der ich sehr viel verletzt wurde. Er wird sich das nie verzeihen, das ist mir bewusst. Aber er gibt alle Kraft die er hat um die Wunden der Vergangenheit (welche er mir ja auch zugefügt hat) zu heilen. Er ist sich seines Fehlers schmerzlich bewusst.
Unsere Beziehung wird gerade auf die Probe gestellt und das im Extrem. Wir haben gelernt über alles in Ruhe und sachlich zu sprechen, ich habe gelernt meinen Ekel und meine Angst zu katalysieren und so auszudrücken, dass er damit umgehen kann und er hat gelernt keine Geheimnisse zu haben und mich nicht hinters Licht zu führen. Er hat auch gelernt, dass er professionelle Hilfe braucht und er hat gelernt sie anzunehmen. Er hat gelernt ehrlich zu seinen Eltern zu sein und er hat (mindestens intellektuell) gelernt wie seine Prioritäten sein sollten. Da wir heiraten wird er eine Weile krank sein müssen. Er kann nicht die Eheringe und das Heroin bezahlen. Er selbst was es, der das sagte. Dass er sich jener Verantwortung bewusst ist und sie gern ausführt.

Ich verstehe all eure Bedenken und ich bin dankbar, dass ihr sie aussprecht.

Zu dem Part, dass ich abhängig werden könnte: Ich trinke nicht, ich rauche nicht, ich nehme keinerlei Drogen. Der einzige Stoff, den ich meinem Körper zufüge, ist Koffein - ein bis zwei Tassen Kaffee pro Woche. Ich habe so eine riesen Angst von etwas abhängig zu werden (schon immer gehabt), dass es mir absolut unmöglich ist etwas zu probieren. Mein Vater war alkoholabhängig und ich war co-abhängig. Das war sehr früh eine Lehre. Und es hat mich erkennen lassen, dass ich co-abhängig war. Auch mit meinem Verlobten. Definitiv.
Er hat deswegen nicht nur für sich Meetings recherchiert, auch für mich hat er welche gefunden. Meetings in denen Co-Abhängige, Gefährdete oder Ehemalige sich austauschen.
Letzte Nacht weckte er mich um 3 Uhr nachts. Er hatte einen Albtraum. Er träumte, dass ich es hinter seinem Rücken auch tat und dass ich injizierte und starb. Er weinte lange, hielt mich und sagte ich müsse ihm schwören das niemals, niemals zu tun.

Ich weiß, dass Heroin ihn zu einem anderen Menschen macht. Dass er als Abhängiger bereit ist zu lügen um zu bekommen was er will/braucht.
Ich weiß auch, dass er kein Junkie mehr sein will. Dass er alles tut um rauszukommen. Und ich möchte bei ihm bleiben, solange ich ihn kämpfen sehe. Wenn er aufgibt, wenn er mich wieder dermaßen belügt, wenn er nicht mehr aufhören will - dann bin ich weg. Sofort. Aber er hat diese Chance verdient, weil er sie sich erarbeitet hat.
Er hat sein Studium beendet und Anfang nächsten Jahres will er zurück nach Deutschland kommen, arbeiten, sparen, ein Leben aufbauen, gemeinsam. Er hilft mir so wie ich ihm helfe (ich wurde neben all dem vor nicht allzu langer Zeit mit Asperger diagnostiziert), wir stützen uns gegenseitig. Wir wissen, dass ich ihm nicht helfen kann clean zu werden. Er muss das selbst wollen und schaffen. Aber ich werde ihn moralisch unterstützen, solange er weiterhin auf dem richtigen Weg ist, genau wie seine Familie es tut.

Ich denke ihr habt Recht, er sollte nicht mehr vor mir konsumieren. Er sollte in ein Nebenzimmer gehen. Unsere Wohnung ist nicht sehr groß, er kann nicht weiter weg als das. Ich sollte es nicht tolerieren, dass er vor mir konsumiert. Nicht, dass er es besonders genießt. Er sitzt dann auf dem Boden, mit Febreze, raucht und sprüht danach jedes Mal, weil er weiß, dass ich den Geruch hasse. Er kann mir dabei auch nichts ins Gesicht sehen. Manchmal weint er wenn er raucht. Es zerreißt mir schier das Herz.
Ich werde ihn bitten nur noch in einem anderen Raum zu rauchen, wenn er es denn tun muss.
Ich habe ihm bereits klar gemacht, dass ich nie nie nie wieder dabei sein werden, wenn er kauft. Das ist einfach zu viel. Das ist nicht gut. Und kontraproduktiv, weil es zustimmend wirkt, auf eine Art.

Wir haben heute ein Meeting, ich bin sehr gespannt was auf uns zukommt. Das erste Meeting als Paar.
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 20:59    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Er wird sich das nie verzeihen, das ist mir bewusst.

Und genau diese Tatsache kann zu immer neuer Gewalt führen. Ich kenne mich nicht allzu gut mit der Diagnose Asperger aus, jedoch: Könnte es sein, dass Du ein sehr verstandesorientierter Mensch bist? Deine Beiträge lassen das vermuten. Beim Drogenabhängigen spielen aber viele irrationale Gefühle eine Rolle. Es kann also leicht geschehen, dass Dein Verlobter zwar vom Verstand her alles richtig machen möchte, seine Gefühle aber stärker sind und all die guten Absichten nicht realisiert werden können.

Zitat:
ich habe gelernt meinen Ekel und meine Angst zu katalysieren und so auszudrücken, dass er damit umgehen kann


Überlge doch mal: Ekel und Angst! Das sind wirklich keine guten Voraussetzungen für eine Ehe! Auch wenn Du diese Gefühle überwinden kannst - Du solltest diese Gefühle nie gehabt haben! Eine Ehe ist ein Bund fürs Leben, da haben Ekel und Angst nichts verloren. Schon gar nicht zu Beginn der Beziehung.

Zitat:
Wenn er aufgibt, wenn er mich wieder dermaßen belügt, wenn er nicht mehr aufhören will - dann bin ich weg. Sofort.

Eben das sollte keine Option sein, wenn man die Institution Ehe ernst nimmt.
Nach oben
TheGoodGirl
Anfänger


Anmeldungsdatum: 21.09.2011
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 21:31    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine Antwort - ich weiß das wirklich sehr zu schätzen, auch wenn es vielleicht nicht so wirkt, weil ich dir so viel widerspreche. Der Austausch bedeutet mir trotzdem viel.

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:

Beim Drogenabhängigen spielen aber viele irrationale Gefühle eine Rolle. Es kann also leicht geschehen, dass Dein Verlobter zwar vom Verstand her alles richtig machen möchte, seine Gefühle aber stärker sind und all die guten Absichten nicht realisiert werden können.


Er ist, wenn er clean ist, ein sehr logischer Mensch. Wir geraten eins ums andere Mal aneinander, wenn manchmal er, manchmal ich zu logisch und rational denkt. Manchmal ist es so, als hätte wir beide AS.
Du hast aber Recht, er versteht alles, manchmal (immer seltener) gehen aber die Pferde mit ihm durch. Früher konnte das Stunden andauern, heute sind es Minuten oder Sekunden. Und ich meine hier keine Handgreiflichkeiten (das kam nur dieses eine mal vor und ich weiß, dass es dafür weder für sein noch für mein Handeln eine Entschuldigung gibt) sondern Wortgefechte. Wir können beide sehr leidenschaftlich oder eben sehr rational streiten und irgendwie teilen wir uns die Rollen meistens auf. Wink

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:

Überlge doch mal: Ekel und Angst! Das sind wirklich keine guten Voraussetzungen für eine Ehe! Auch wenn Du diese Gefühle überwinden kannst - Du solltest diese Gefühle nie gehabt haben! Eine Ehe ist ein Bund fürs Leben, da haben Ekel und Angst nichts verloren. Schon gar nicht zu Beginn der Beziehung.


Ich empfinde diese Gefühle nicht für ihn, sondern gegenüber der Droge. Ich habe keine Angst vor ihm und ich ekle mich auch nicht vor ihm (um Gottes Willen!). Aber natürlich habe ich Angst, dass er rückfällig wird. Und das Rauchen an sich, der Geruch, davor ekle ich mich. Das verbinde ich aber nicht mit ihm als Person. Smile

Zitat:
Wenn er aufgibt, wenn er mich wieder dermaßen belügt, wenn er nicht mehr aufhören will - dann bin ich weg. Sofort.

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:

Eben das sollte keine Option sein, wenn man die Institution Ehe ernst nimmt.


Ich denke schon, dass jeder, der eine Beziehung, auch wenn es eine Ehe ist, eingeht Grenzen hat. Wer eine Ehe eingeht und denkt "Egal was jemals kommen mag, ich werde mich von diesem Menschen niemals trennen", der gibt einen wichtigen Teil auf.
Und meine Grenze ist da, wo er nicht versucht aufzuhören und es nicht zu tun. Er weiß das und ich habe oft gehört, dass es wichtig ist Grenzen aufzuzeigen. Für andere Menschen ohne sein Problem gibt es sicherlich andere Grenzen, No-Go's, die zu einer Scheidung führen. Natürlich gehe ich davon aus, dass wir für immer zusammen bleiben, aber ich werde nicht um jeden Preis bei ihm bleiben - keine Frau sollte um jeden Preis bei einem Mann bleiben - und umgekehrt. Das ist ungesund, denn das ist Abhängigkeit.
Nach oben
Support81
Anfänger


Anmeldungsdatum: 20.09.2011
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 21:55    Titel: Antworten mit Zitat

Hiho Good Girl,
ich bin zwar nicht auf Age, habe aber einige Freunde oder sagen wir eher Bekannte die es halt leider auch sind, es verhält sich bei allen Süchtigen so, egal von was sie abhängig sind, ich bin Alkoholiker, aber wie gesagt es ist egal von was man drauf ist, alle lügen das sich die Balken biegen, ich nehme mich da nicht aus, Sucht ist immer ein Albtraum...

Ich als Alkoholiker kenne Verstecke in der Wohnung da kommt ein normalsterblicher niemals drauf Smile)
will damit nicht sagen das dein Freund dich nicht liebt, ganz im gegenteil, aber er muss echt gas geben und es wirklich wollen, sonst gibt es keine Chance für euch...

Liebste Grüße Thorsten
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 22:20    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
aber ich werde nicht um jeden Preis bei ihm bleiben - keine Frau sollte um jeden Preis bei einem Mann bleiben - und umgekehrt. Das ist ungesund, denn das ist Abhängigkeit.

Da gebe ich Dir vollkommen recht! Wohl dem, der diese Konsequenz dann auch aufbringen kann!

Widerspruch stört mich übrigens überhaupt nicht, die Diskussion dient ja (hoffentlich) der Gewinnung von Erkenntnissen. Was mir noch eingefallen ist: Solange er unter dem Einfluss der Droge steht, fällt es ihm natürlich leicht, rational zu argumentieren. Interessant wird es dann, wenn er mal wirklich auf "Null" ist und das über einige Tage und Wochen. Das widerspricht dieser Deiner Aussage:
Zitat:
Er ist, wenn er clean ist, ein sehr logischer Mensch.

Meist ist es doch aber umgekehrt, oder irre ich mich? Heroin macht "kalt" und hält die Gefühle unter der Oberfläche. Clean bedeutet bei Deinem Freund im Moment ja noch "entzügig", oder täuscht mich meine Erinnerung? Ich glaube Du schriebst, dass er nach wie vor H konsumiert.

Wie auch immer - mittlerweile, nachdem ich mehr von Dir lesen konnte, habe ich ein etwas besseres Gefühl, was Eure Zukunft anbelangt!
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 22:30    Titel: Antworten mit Zitat

Was aber auch passieren könnte: Stell Dir vor, er versucht, vom Heroin loszukommen. Er bemüht sich, geht zu Therapeuten, in Selbsthilfegruppen ... aber er SCHAFFT es einfach nicht! Die Jahre vergehen, er arbeitet, ihr bekommt Kinder ... und er versucht es immer wieder ... zwanzig Jahre lang ... und SCHAFFT es einfach nicht. Was dann?
Nach oben
Sturmwind123
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 03.09.2011
Beiträge: 46

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 22:39    Titel: Antworten mit Zitat

Sei gegrüßt Good Girl,

Ich habe mir gerade eben deinen Text aufmerksam durchgelesen und muss sagen,das sind schon harte Stücke was er sich da geleistet hat.Er ist glaub ich ganz tief im Inneren ein ganz liebevoller,aufmerksamer Mensch.
Wenn er kein Gift hat kann er diese liebevolle Art nur ganz schwer zeigen,hat aber dafür ein reines Gewissen Dir gegenüber.
Nimmt er das Gift zeigt er die Liebevoligkeit,hat aber ein sau schnlechtes Gewissen dabei.
Die Gefühle fahren Achterbahn weil es nicht mit und auch nicht ohne geht.

Ich will damit sagen,das wie er es macht,immer falsch ist.Denkt er zumindest und so spielt es sich auch in seinem Kopf ab.

Könnt Ihr euch nicht auf einen Kompromiss einigen?Zum Beispiel das er ins Programm geht,das wäre dann für beide Seiten viel einfacher,vorausgesetzt du kannst dich damit auseinandersetzen und er will ins Programm gehen.

Oder die ganz harte Tour,das er nochmal eine Entgiftung macht,seinem Körper und natürlich dir zu Liebe.
Schlagen und Wutausbrüche gehen mal gar nicht,das kann ich absolut nachvollziehen und da verstehe ich dich voll und ganz.

Ihr müsst auf jeden Fall einen Kompromiss finden,mit dem Ihr beide zurecht kommt,das eure Liebe noch eine Chance hat.Weil dir liegt sehr viel daran,sonst hättest ja hier nicht geschrieben.Ihr müsst den geraden Weg gehen und er muss die Dinge beim Namen nennen,was er denn nun möchte.
Den geraden Weg,die gerade Linie für eine erfüllte Zukunft.

Zum Thema Heiarten rate ich dir ab,da müssen sich die Bögen erst mal glätten und der richtige Weg muss eingeschlagen werden.

Was denkst du über so einen Kompromiss?
Würdest du damit klar kommen,wenn er ins Programm geht?

Gruß Tom,lass mal hören von dir
Nach oben
Support81
Anfänger


Anmeldungsdatum: 20.09.2011
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 22:43    Titel: Antworten mit Zitat

@veilchen...

es wird immer Menschen geben die es schaffen, genauso auch diese die an der Droge krepieren, dachte du willst helfen und nicht runterziehen;-(

nicht böse gemeint, ich hoffe du verstehst?

lg Thorsten
Nach oben
veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 22:46    Titel: Antworten mit Zitat

@ support:
Jaja, schon klar, will bestimmt niemanden runterziehen, es war nur ein Gedankenspiel! Was wäre wenn ... und das Thema Substitution habe ich ganz bewusst ausgeklammert, da das erklärte Ziel ja ist, dass der Mann CLEAN wird!
Grüße,
veilchen
Nach oben
Support81
Anfänger


Anmeldungsdatum: 20.09.2011
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 21. Sep 2011 23:00    Titel: Antworten mit Zitat

@veilchen

hab verstanden *g* war auch nicht böse gemeint, du hast meinen willkommens thread auch supi beantwortet, achso was ich noch sagen wollte, 81 ist nicht mein Geburtsjahr, bin 1965 zur Welt gekommen...

Veilchen, gib doch einfach mal bei Google Support81 ein, bin trotzallem ein guter *fg*

gruß Thorsten
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Dieses Thema ist gesperrt, du kannst keine Beiträge editieren oder beantworten.    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Heroin Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Gehe zu Seite 1, 2, 3, 4  Weiter
Seite 1 von 4
Gehe zu:  
Impressum & Rechtliches
ForenübersichtIndex   SucheSuche   FAQFAQ   LoginLogin