Ganz aufgehört?, ich kenne keinen.

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Manuel0008
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.09.2011
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2011 18:01    Titel: Ganz aufgehört?, ich kenne keinen. Antworten mit Zitat

Hallo,

es handelt sich hierbei um meinen ersten Beitrag in diesem Forum.
Ich schreibe diesen Beitrag weil ich heute darüber nachgedacht habe, welcher meiner Bekannten die je angefangen haben Drogen zu nehmen wirklich wieder damit aufgehört hat.

Es fällt mir keiner ein. Einige sind tot, andere nochimmer drauf.
Wer hat es von euch geschafft ein glückliches Leben aufzubauen?
Sowas wie: Studium erfolgreich abgeschlossen, Job gefunden, Frau geheiratet und Kinder in die Welt gesetzt denen es gut geht. Das ganze ohne regelmäßigen Konsum von Medikamenten oder sonstigen Rauschmitteln.
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2011 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

ICH habe ganz aufgehört! Nach 25 Jahren! Wobei ich nur einen Bruchteil dieser Zeit harte Drogen genommen habe. Während meiner aktiven Zeit habe ich zwei Berufsausbildungen abgeschlossen, mit meinem Partner bin ich nun über 10 Jahre zusammen. Fazit: Es ist möglich, auch wenn Du niemanden kennst, der das geschafft hat!
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Gonzo
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Beiträge: 119

BeitragVerfasst am: 27. Sep 2011 21:48    Titel: Antworten mit Zitat

Me2 Smile

Nach insgesamt 7 Jahren Drogenkonsum (verschiedenste Halluzinogene, Schlaftabletten und tägliches Kiffen), einer Psychose und einer generalisierten Angststörung, was heute alles hinter mir liegt, bin ich jetzt seit 1,5 Jahren clean, habe ab nächste Woche einen neuen job, mache grade meinen Realschulabschluss per Abendschule nach. Es gibt zwar noch einiges zu tun in meinem Leben aber ich bin auf einem richtigen Weg.

Nur weil du keinen kennst der das geschafft hat heist das lange nicht dass es unmöglich ist Wink
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roland1974
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 15.07.2011
Beiträge: 107

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 09:32    Titel: Antworten mit Zitat

Guten Morgen an alle !

DA muss ich mich auch zu Wort melden - wenn man schon gefragt wird Very Happy

Habe nach fast 20 Jahren aufgehört (H, Metha, Subutex, Benzos, Alk das ganze Programm)
Bei mir ists zwar erst ein halbes Jahr, aber irgendwann muss man ja anfangen.

Allen anderen die es grad versuchen und auch mir Very Happy viel Kraft
roland1974
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roland1974
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 15.07.2011
Beiträge: 107

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 09:38    Titel: Antworten mit Zitat

...hab noch was vergessen - ob daran vielleicht doch die Drogen dran Schuld sind Embarassed

- Habe nen Job
- bin seit Juni verheiratet Very Happy
- unser Sohn ist 4 Jahre alt Very Happy
- im April nächsten Jahres kommt unser zweites Baby zur Welt Very Happy
- in nem halben Jahr ziehen wir in unser neues Haus ein.
- hab nen Führerschein.

Ist doch was auf das man etwas stolz sein kann. Find ich zumindest.

Roland
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Sorgenkind
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 24.03.2011
Beiträge: 593

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 11:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen !

Erstmal...
Ja Roland , das ist etwas worauf du stolz sein kannst !

Ein halbes Jahr clean ist (für den Anfang) schon super ! Und wenn du jetzt genauso stolz nach vorne schaust, und würdigst was du bisher erreicht hast, dann schaffst du es auch weiterhin.

Veilchenfee ist das beste beispiel das es auch nach Jahrelangem Konsum möglich ist, den absprung zu schaffen.

Ich wünsche weiterhin alles gute ...

das Sorgenkind
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Stehaufmännchen
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 30.05.2011
Beiträge: 356

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

1975 im Alter von 12 Jahren mit Bier angefangen. Es folgten Kiff, später Pappen, mal Koka oder sonstwas, 1981 Umstieg auf Heroin.
4 Therapien, 1 nach einem Jahr abgebrochen, 1 2002 (Tauwetter) abgeschlossen.
Unzählige Entzüge, einige abgebrochen, die meisten durchgezogen.
Des öftern aus Deutschland abgehauen, leider zurückgekehrt.
2004 endgültig abgehauen mit ner Flasche Meta. Abgekickt. Seitdem clean. Ein Rückfall vor 3 Jahren bei einem kurzen Deutschlandbesuch.
Kenne in D auch niemand ders Geschaft hat. Die meisten meiner Kumpel sind tot.
Hier auf der Insel kenne ich 3 Ex Fixer. Einer lebt militant asketisch, einer trinkt ne Kiste Bier am Tag, eine Kifft und trinkt, aber wie ich denke nicht zu viel, und ich lebe (fast?) normal.
Ganz aufgehört? Ja.
Wirklich abgeschlossen? Ich weiß nicht.
Aber zu denen die es versuchen, es ist hart, ein Kampf, doch es lohnt sich. Cool
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Anja33
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 24.03.2011
Beiträge: 347

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 16:04    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kenne schon einige, die es geschafft haben. Nur verschwinden die dann meistens von der Bildfläche und man hört nichts mehr von ihnen. Das erweckt vielleicht den falschen Eindruck, dass man es nicht schaffen könne.
Außerdem ist das alles auch relativ. Die Zielsetzung muss ja nicht immer in totaler Abstinenz liegen.
Und, Stehaufmänni, korrigier mich bitte, wenn ich da was falsch verstanden hab, aber wenn du jeden Abend Bier trinkst, hast du nicht mit "allem" aufgehört. Nicht, dass ich das nicht in Ordnung finde, ich bin bestimmt kein Moralist, aber ich glaube, ihr definiert hier das Wörtchen "alles" einfach unterschiedlich.
@Veilchenfee: Ich muss doch mal sagen, dass ich es bemerkenswert finde, dass du wirklich mit allem ohne professionelle Hilfe aufgehört hast. So wie ich es verstanden hab, hast du bewusst auf dieses ganze staatliche Drogenhilfenetzwerk verzichtet und echte Eigenverantwortung an den Tag gelegt. Das ist das eigentlich bewundernswerte. Mich freuen solche Beispiele, die zeigen, dass es auch ohne Psychiatrieaufenthalt und institutionalisierte "psychosoziale" Betreuungsangebote funktionieren kann. Oder vielleicht auch gerade dann funktioniert, denn die, die ich kenne, die es geschafft haben, die haben es mit allem möglichen geschafft, inklusive Ortswechsel und ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt, aber keiner von denen hat es iwann nach der xten erfolglosen stationären oder ambulanten Therapie geschafft.
Ich selbst hab auch immer alleine entgiftet, ich war nie in einer Klinik oder Langzeitthera. Ich hab mit Alkohol, Speed und Koks aufgehört ohne irgendwelche professionelle Hilfe. Und das dauerhaft seit mehr als 10 Jahren. Nur von den Opis komm ich nicht los. Aber auch so hab ich schon mehr als viele andere substituierte Drogis.
Ich bin ja nie besonders stolz auf solche Dinge, aber da viele es zu sein scheinen, versuch´s ich jetzt halt auch mal. Wink

Greetz und
Alles wird gut

Anja
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Gonzo
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Beiträge: 119

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 16:38    Titel: Antworten mit Zitat

@Anja33

Die meisten Süchtigen die ich kennengelernt hab in den letzten jahren und immer noch süchtig sind, sind die die auch schon mehrere Entgiftungen und Therapien hinter sich haben und immer noch abhängig sind. Unter bestimmten Umständen ist das was die Drogenberatungen und Therapeuten einem versuchen weiszumachen nicht immer das richtige. Ich selbst hab den Absprung auch vollkommen allein geschaft, ohne Ärztliche Hilfe oder Therapien. Das einzige was man in so einer Therapie lernt ist eben das zu entwickeln was man Eigenverantwortung und Initiative nennt, und sehr viele die so eine Therapie mitmachen haben halt die Einstellung dass sie es NUR mit dieser Art der Hilfe schaffen können, was vollkommener Schwachsinn ist. Jeder muss seinen eigenen Weg finden mit der Sucht fertig zu werden. Die einen brauchen halt ne Therapie, andere wiederum lernen diese Eigenverantwortung besser wenn sie sie sich selbst beibringen, oder mit Hilfe von Verwandten und Freunden. Man muss seinen Verstand dafür einsetzen und Grenzen widerherstellen die bereits überschritten wurden. Das ist eine lange Entwicklung die man immer weiter antreiben muss, und genau da liegt das Problem mit den Therapien bzw denen die es mit Therapie trotzdem nicht schaffen. In der Therapie wird die Entwicklung begünstigt aber es liegt in der Verantwortung des Süchtigen diese Entwicklung weiterzuführen nach Therapieabschluss und nicht zu denken dass es damit getan sei. Das Problem ist nur dass einige nicht wissen wie sie das anstellen sollen oder ihnen trotz allem der Wille und/oder die Kraft fehlt allein weiterzumachen, daher kenn ich auch viele solche Menschen die 2 oder noch mehr Therapien gemacht haben und immer noch drauf sind. Ich selbst hab nie an Therapien geglaubt. Dort kann man nichts lernen was man nicht auch ohne Hilfe erlernen kann, wenn man nur wirklich und wahrhaftig WILL und seinen Verstand einsetzt. Ja ich bin verdammt stolz drauf dass ich Abhängigkeit, Psychose, Wahnvorstellungen und Angststörungen ganz ohne fremde Hilfe überwinden konnte. Das alles hat mich so stark werden lassen wie ich es noch niemals in meinem Leben gewesen bin. Was uns nicht umbringt macht uns nur stärker, oder nicht?! Jeder hier im Forum der es auch geschafft hat kann sehr stolz auf sich sein. Ich finds jedes mal bewundernswert wenn ich von jemandem lese der seinen eigenen Weg gegangen ist und es so geschafft hat, denn dazu braucht man ne Menge Mut. Smile

Gonzo
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Anja33
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 24.03.2011
Beiträge: 347

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 17:25    Titel: Antworten mit Zitat

@Gonzo:

Also, da kannste mal wirklich stolz sein.
Ich selbst glaube auch nicht an Therapien.
Meine Mutter ist nach 10 Jahren erfolgloser Therapie ihrer vermeintlichen Psychose erst gesund geworden, als sie alle Psychopharmaka in den Müll geschmissen und aus dem Psychiatriekonzept mit seinem nie enden wollenden Drehtüreffekt einfach ausgestiegen ist. Erst dann ist sie gesund geworden, währen alle anderen, die sie in ihrer Zeit als Psychiatriepatientin mit derselben oder ähnlicher Diagnose kennen gelernt hat, weiterhin krank geblieben sind und irgendwann zusätzlich noch hospitalisiert und dem letzten bisschen Eigenständigkeit beraubt. Heute sind die Zustände in den Psychiatrien besser, aber heilen können sie immer noch kaum jemanden.
Letzten Endes muss eben jeder seinen eigenen individuellen Weg gehen. Und diese Selbstständigkeit fehlt vielen Menschen, ob süchtig oder nicht.

Was jetzt das Stolzsein angeht:
Ich höre oft, ich könne stolz sein auf mich, allein schon wegen des fehlenden Beikonsums und weil ich nicht mehr kokse etc. und dafür keine Hilfe gebraucht hab. Aber ich bin es nicht, denn es war der richtige Moment dafür. Es ist mir leicht gefallen. Selbst der Koksentzug nach am Ende einem Jahr durchgängigen i.v. Konsum ist mir leicht gefallen.
Auf der anderen Seite hatte ich einen Freund, den ich vor allem wegen seiner Charakterstärke bewundert habe. Das Rückgrat, das er hatte, die Aufrichtigkeit, obwohl er ein hochgradig süchtiger Junkie war, hab ich immer bewundert.
Er hat es nie geschafft. Nicht mal, als er wusste, dass er seinen Arm verlieren wird. Und dann hat er ihn verloren und hat weiter geballert. Er konnte nicht aufhören, auch nicht, als er durch die diversen Entzündungen immer kränker wurde, als er nicht mehr gehen konnte, immer wieder zu Bluttransfusionen ins Krankenhaus musste, zwischendurch so schwach war, dass er im Bett lag und keine Tasse mehr heben konnte. Er hätte nur aufhören müssen zu ballern und sniefen oder Blech rauchen können. Aber nicht mal das war ihm möglich. Auch nicht, als er wusste, dass er bald noch sein Bein verlieren wird und der noch verbliebene Arm durch Vernarbungen fast unbrauchbar wurde.
Und dann ist er gestorben. An seiner grenzenlosen Sucht. Aber er war trotz allem ein großartiger Mensch. Er hat immer nur sich selbst geschadet. Für mich war er viele Jahre der beste Freund, den ich mir hätte wünschen können und ich vermisse ihn sehr.
Mir ist das alles erspart geblieben, weil ich rechtzeitig aufgehört hatte, als die Venen zu schlecht wurden. Oberflächlich betrachtet könnte ich jetzt stolz darauf sein. Bin ich aber nicht, denn ich bin einfach nur in anderen Schuhen gelaufen. Vielleicht haben meine besser gepasst als seine.
Ich finde es immer so einfach zu sagen, jemand ist clean, führt ein bürgerliches Leben, deshalb kann er stolz sein und im Umkehrschluss ist der, der es nicht schafft, der Loser. So einfach ist das aber nicht. Man muss immer ein bisschen näher hin sehen. Mancher, der es nicht schafft, clean zu werden, hat vielleicht mehr an sich gearbeitet als ein anderer, der als leuchtendes Vorbild gilt.
Ich will damit die Verdienste von niemandem schmälern. Mich stört nur immer, wenn Dinge als selbstverständlich gelten und nicht mehr hinterfragt werden.
Manche können oder wollen nicht oder noch nicht aufhören und das muss nicht unbedingt heißen, dass sie schwach sind oder weniger Willen haben als andere, deren vorbildliches Handeln sie vielleicht kaum Mühe gekostet hat.
Trotzdem finde ich, kannst du stolz auf dich sein, denn zwischen den Zeilen merkt man deutlich, dass du echt was geleistet hast.

Liebe Grüße
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Gonzo
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Beiträge: 119

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 20:45    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Also, da kannste mal wirklich stolz sein.
Ich selbst glaube auch nicht an Therapien.
Meine Mutter ist nach 10 Jahren erfolgloser Therapie ihrer vermeintlichen Psychose erst gesund geworden, als sie alle Psychopharmaka in den Müll geschmissen und aus dem Psychiatriekonzept mit seinem nie enden wollenden Drehtüreffekt einfach ausgestiegen ist. Erst dann ist sie gesund geworden, währen alle anderen, die sie in ihrer Zeit als Psychiatriepatientin mit derselben oder ähnlicher Diagnose kennen gelernt hat, weiterhin krank geblieben sind und irgendwann zusätzlich noch hospitalisiert und dem letzten bisschen Eigenständigkeit beraubt. Heute sind die Zustände in den Psychiatrien besser, aber heilen können sie immer noch kaum jemanden.
Letzten Endes muss eben jeder seinen eigenen individuellen Weg gehen. Und diese Selbstständigkeit fehlt vielen Menschen, ob süchtig oder nicht.


Genau da liegt ja das Problem mit seelischen Erkrankungen. Heilen können die Psychologen deswegen kaum jemanden weil nur der betroffene selbst der einzige ist der sich heilen kann. Es gibt einige wenige die mit Hilfe der Psychologen richtige Ursachenbekämpfung betreiben können weil sie instinktiv oder auch iintuitiv wissen dass nur sie selbst den Schlüssel zur Heilung in sich beherbergen. Dafür gibt es aber leider viel zu viele Menschen die die Einstellung vertreten ihr Schicksal in die Hände des Arztes legen zu müssen/wollen und vergessen dass sie eigenständig denkende Wesen sind/sein sollten. Ich will damit nicht sagen dass Psychologen zu nichts zu gebrauchen sind, aber man muss bereit sein immer und immer wieder die Worte und Entscheidungen des Psychologen zu hinterfragen und sie nicht einfach nur hinnehmen in der Hoffnung dass es was bringt, denn das bringt gar nichts. Ich selbst habe mich jahrelang mit Fachliteratur, Erfahrungsberichten von betroffenen, Meinungen der Ärzte (und ich habe viele Psychologen konsultiert) beschäftigt um zu verstehen wie die menschliche Psyche funktioniert. Letztendlich habe ich die verschiedenen seelischen Erkrankungen die ich hatte NUR mit meinem verstand besiegen können, und ich kann aus Erfahrung sagen dass man in erster Linie sehr viel mut braucht und viele Ängste überwinden muss um das Gleichgewicht der Seele wiederherzustellen.

Zitat:
Was jetzt das Stolzsein angeht:
Ich höre oft, ich könne stolz sein auf mich, allein schon wegen des fehlenden Beikonsums und weil ich nicht mehr kokse etc. und dafür keine Hilfe gebraucht hab. Aber ich bin es nicht, denn es war der richtige Moment dafür. Es ist mir leicht gefallen. Selbst der Koksentzug nach am Ende einem Jahr durchgängigen i.v. Konsum ist mir leicht gefallen.
Auf der anderen Seite hatte ich einen Freund, den ich vor allem wegen seiner Charakterstärke bewundert habe. Das Rückgrat, das er hatte, die Aufrichtigkeit, obwohl er ein hochgradig süchtiger Junkie war, hab ich immer bewundert.
Er hat es nie geschafft. Nicht mal, als er wusste, dass er seinen Arm verlieren wird. Und dann hat er ihn verloren und hat weiter geballert. Er konnte nicht aufhören, auch nicht, als er durch die diversen Entzündungen immer kränker wurde, als er nicht mehr gehen konnte, immer wieder zu Bluttransfusionen ins Krankenhaus musste, zwischendurch so schwach war, dass er im Bett lag und keine Tasse mehr heben konnte. Er hätte nur aufhören müssen zu ballern und sniefen oder Blech rauchen können. Aber nicht mal das war ihm möglich. Auch nicht, als er wusste, dass er bald noch sein Bein verlieren wird und der noch verbliebene Arm durch Vernarbungen fast unbrauchbar wurde.
Und dann ist er gestorben. An seiner grenzenlosen Sucht. Aber er war trotz allem ein großartiger Mensch. Er hat immer nur sich selbst geschadet. Für mich war er viele Jahre der beste Freund, den ich mir hätte wünschen können und ich vermisse ihn sehr.
Mir ist das alles erspart geblieben, weil ich rechtzeitig aufgehört hatte, als die Venen zu schlecht wurden. Oberflächlich betrachtet könnte ich jetzt stolz darauf sein. Bin ich aber nicht, denn ich bin einfach nur in anderen Schuhen gelaufen. Vielleicht haben meine besser gepasst als seine.
Ich finde es immer so einfach zu sagen, jemand ist clean, führt ein bürgerliches Leben, deshalb kann er stolz sein und im Umkehrschluss ist der, der es nicht schafft, der Loser. So einfach ist das aber nicht. Man muss immer ein bisschen näher hin sehen. Mancher, der es nicht schafft, clean zu werden, hat vielleicht mehr an sich gearbeitet als ein anderer, der als leuchtendes Vorbild gilt.
Ich will damit die Verdienste von niemandem schmälern. Mich stört nur immer, wenn Dinge als selbstverständlich gelten und nicht mehr hinterfragt werden.
Manche können oder wollen nicht oder noch nicht aufhören und das muss nicht unbedingt heißen, dass sie schwach sind oder weniger Willen haben als andere, deren vorbildliches Handeln sie vielleicht kaum Mühe gekostet hat.
Trotzdem finde ich, kannst du stolz auf dich sein, denn zwischen den Zeilen merkt man deutlich, dass du echt was geleistet hast.


Man merkt dass du wirklich sehr tolerant und Verständnissvoll bist an diesem text. Ich stimme dir auch vollstens zu. Für einige ist es einfach den Absprung zu schaffen ohne viel an sich arbeiten zu müssen, ohne je an sich selbst zweifeln zu müssen, ohne je richtig zu verzweifeln. Für andere wiederum ist es ein Kampf wie David gegen Goliath, und ich habe diese Metapher bewust gewählt. In dieser Metapher stellt David das Bewustsein dar und Goliath das Unterbewustsein. Dazu fällt mir eine passende buddhistische weisheit ein: "Ein Mann mag tausend mal tausend Männer in einer Schlacht besiegen, doch der größte Kämpfer ist wer sich selbst besiegt". Das hat nicht viel mit Kraft oder bewustem Willen zu tun. Es ist eben eine sehr schwer bis gar nicht erlernbare Kunst das Unterbewustsein dahingehend zu manipulieren dass es dem bewusten Willen folgt. Es hat auch rein gar nichts mit Intelligenz zu tun sondern viel mehr mit Weisheit und Erfahrung. Der Wille ist da nur zweitrangig.

Ich maße mir nicht an zu verstehen was in einem Heroinsüchtigen vorgeht da ich selbst nie von Drogen mit einem solchen Suchtpotential wie das des Heroins abhängig war, aber unterscheidet sich die Abhängigkeit von Heroin und die von eben weniger Suchtpotenten Stoffen nicht lediglich in der Intensität der Abhängigkeit und vielleicht auch der Angst vor dem Entzug, die bei jedem Menschen schwächer oder eben stärker ist?!

Ich verurteile niemanden der es nicht schafft seine Sucht zu überwinden denn ich hab selbst miterlebt wie stark sowas sein kann, und ich weis dass es noch sehr viel schlimmere Fälle als mich gibt, die es noch sehr viel schwerer haben als ich es hatte, und für mich war es ein jahrelanger Kampf bis ich endlich gesiegt habe. Da will ich gar nicht erst wissen wie es für jemanden sein muss der Heroinabhängig ist.

lg Gonzo
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 28. Sep 2011 22:16    Titel: Antworten mit Zitat

Anja schrieb:
Zitat:
@Veilchenfee: Ich muss doch mal sagen, dass ich es bemerkenswert finde, dass du wirklich mit allem ohne professionelle Hilfe aufgehört hast. So wie ich es verstanden hab, hast du bewusst auf dieses ganze staatliche Drogenhilfenetzwerk verzichtet und echte Eigenverantwortung an den Tag gelegt...

Ja, ich bin halt nicht der Typ, der sich an irgendeinen Schreibtisch setzt und die gegenübersitzende Tussi um Hilfe bittet, weil ich alleine nicht klarkomme. Das passt nicht zu meinem Selbstverständnis. Ich habe schon sehr gelitten, als ich mit dem Koksen i.v. aufgehört hatte. Aber eine Klinik hätte alles für mich noch schlimmer gemacht, ich habe nichtmal im Traum daran gedacht. Ich sehe das Ganze als Problem der Hirnchemie und es kann halt eine Ewigkeit dauern, bis das arme Hirn sich von den Drogen erholt hat. Irgendwann ist wieder alles gut, man muss nur Geduld haben und, wenn es nicht anders geht und zwischendurch alles zu schlimm wird, vielleicht mal ganz gezielt ein Tablettchen einwerfen. Aber halt nicht dauernd. Wink

Zitat:
Ich höre oft, ich könne stolz sein auf mich, allein schon wegen des fehlenden Beikonsums und weil ich nicht mehr kokse etc. und dafür keine Hilfe gebraucht hab. Aber ich bin es nicht, denn es war der richtige Moment dafür. Es ist mir leicht gefallen. Selbst der Koksentzug nach am Ende einem Jahr durchgängigen i.v. Konsum ist mir leicht gefallen...

Anja, das hast Du sehr schön formuliert, auch die Passage nach diesem Zitat. Es ist schon wahr und es ist tragisch, wie manche sich quälen und es dennoch niemals schaffen ...
Ich glaube, mir ging es ähnlich wie Dir. WENN ich mit einer Droge aufgehört habe, war der richtige Zeitpunkt gekommen und wenn man das so empfindet, ist man im Einklang mit sich und dann geht das auch ganz gut. Es war bei mir mit allem so: Ob Job, Beziehung, Hobby oder auch Drogen: Die Dinge passieren so, wie es sein soll. Arg kämpfen musste ich nie, ich bin halt im richtigen Moment vom Sofa aufgestanden und dann lief das alles.

Auch mit Gonzo stimme ich zu 100% überein, man kann sich letztendlich nur selbst heilen. Ob mit oder ohne Hilfe ...

Grüße an alle!
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CrazyMan
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Platin-User


Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2108

BeitragVerfasst am: 29. Sep 2011 10:14    Titel: Antworten mit Zitat

Bei mir war es eher umgekehrt. Ich war im Grunde auf dem besten Weg, habe eine Ausbildung, Arbeit, Kinder (bei Kindesmutter lebend), hin und wieder eine nette Beziehung. Und das machte ich mir kaputt und bin nur noch ein Schatten meines Selbst. Weil ich mit Mitte Dreißig auf die Idee kommen musste, "ein einziges Mal" H zu probieren. Wie das mit dem "einzigen Mal" ist, wissen wir ja alle. Vorher hatte ich nicht viel mit Drogen am Hut, und ich rauche noch nicht mal. Vor meinem 28'sten hatte ich noch nicht mal einen Joint geraucht, noch nie irgendetwas konsumiert, was als Droge bezeichnet wird. Ich möchte nicht aufgeben, wieder positive Lebensumstände zu erreichen, wieder eine stabile Persönlichkeit aufzubauen. Niemand sollte sich mit einer Abhängigkeit zufrieden geben, es sollte nie soweit kommen, dass man sich nicht mehr dagegen wehrt.

Es wird so sein, wie es "Anja33" beschrieb, weshalb der Eindruck entsteht, dass niemand der Abhängigkeit entkommt. Wer es geschafft hat, wird das selten allen ehemaligen Bekannten erzählen. Wer hat nicht den einen oder anderen Rückschlag erlebt. Wird man da nicht vorsichtig mit Behauptungen, vor allem wenn sie lauten "Ich habe es geschafft!". Wer dauerhaft von einer Droge weg möchte, sollte auch die damit zusammenhängenden Bekanntschaften und "Freunde" meiden und einen neuen Freundeskreis aufbauen. Das werden die meisten tun, die erfolgreich abstinent bleiben. Deshalb wohl erfährt selten jemand etwas über jene, die sich erfolgreich von einer Abhängigkeit befreit haben.
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 29. Sep 2011 17:51    Titel: Antworten mit Zitat

Aber gerade Du, Crazy, müsstest es als Späteinsteiger dann doch einfacher haben mit dem Aufhören als jemand, der schon mit 13 angefangen hat und sich an ein Leben ohne Drogen irgendwann kaum noch erinnern kann?! Klar, einfach ist relativ aber trotzdem ...
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CrazyMan
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2108

BeitragVerfasst am: 29. Sep 2011 19:29    Titel: Antworten mit Zitat

veilchenfee hat Folgendes geschrieben:
Aber gerade Du, Crazy, müsstest es als Späteinsteiger dann doch einfacher haben mit dem Aufhören als jemand, der schon mit 13 angefangen hat und sich an ein Leben ohne Drogen irgendwann kaum noch erinnern kann?! Klar, einfach ist relativ aber trotzdem ...

Auf jeden Fall habe ich definitiv nicht vor, auch noch das nächste Jahr mit diesem Zeug zu verbringen. Ich möchte meinen Körper wieder aufbauen, den ich vernachlässigt habe, und wieder zu meiner Selbst finden. Darüber hinaus ist es sinnvoller, das viele Geld zu sparen, anstatt es die Toilette runter zu spülen.

Einfacher? Das denke ich auch manchmal, nehme mir alles mögliche für den nächsten Tag vor, in einem Zustand, in dem ich mich ok fühle. Dann kriecht der Entzug über den nächsten Tag in die Glieder und bringt eine Überdosis Depressionen mit. Diesen Zustand möchte ich so schnell wie möglich neutralisieren, um zu funktionieren, um arbeiten zu können. Klar, warum nicht abdosieren?! Ich habe mich jetzt mit Suboxone eingedeckt, um demnächst einen neuen Versuch zu starten.

Es gehört hier zwar nicht hin: Ich meine, ich habe den Grund gefunden, warum ich mit Suboxone so große Probleme habe, warum es regelmäßig nach hinten losgeht. Es wird nicht alleine daran liegen, dass noch keine niedrige Tagesdosis H erreicht ist. Immerhin hatte ich mir letztens 16mg reingedonnert und wurde weiter entzügig. Überhaupt klappte es nur ein einziges Mal, und zwar mit nur 4mg Subutex, das kein Naloxon enthält. Sututex klaubt sich nur die Rezeptoren frei, die es selber besetzt, wenn auch mit etwa halber Wirkung. Subuxone folgt ebenfalls diesem Prinzip, dann kommt aber noch das Naloxon, das auch die übrigen Rezeptoren von Heroin freifegt. Zwar verhindert das Nalaxon den i.v. Konsum und das Schniefen, weil das Naloxon in Blut und Nasenschleimhaut schneller als Buprenorphin in Wirkung tritt. Andererseits, so meine wagemutige Hypothese, löst Suboxone einen stärkeren Entzug als Subutex aus, da der Effekt des Naloxons hinzukommt. Oder? Wer wagt es, mir zu widersprechen? Wink
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