Mein Bericht über das Aufhören

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Chesterderkleine
Anfänger


Anmeldungsdatum: 18.10.2011
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 23:04    Titel: Mein Bericht über das Aufhören Antworten mit Zitat

Ich bin mittlerweile fast 30 und kiffe nun seid ca. 10 Jahren. Sicher...gab es schon mehrfach Situationen die einen eigentlich zum Aufhören hätten bewegen müssen... Warum ich es nie geschafft habe kann ich heute schon gar nicht mehr sagen. Vielleicht war es zu einfach an das Zeug ranzukommen, jugendliche naivität oder auch einfach nur Gruppenzwang. Ich kann es nicht sagen... Warum ich nun meine Geschichte hier im Forum niederschreibe, weiss ich eigentlich auch nicht genau. Aber was ich weiss, dass ich es irgendwem oder irgendwas erzählen muss. Ich hatte erst an ein Tagebuch gedacht, hatte aber zu große Angst, dass es wer findet. An einen Psychiater wenden will ich mich noch nicht. Ich glaube, dass ich es ohne schaffe. Ich werde stattdessen einfach täglich diesen Forumsthread weiterschreiben und hoffen, eine gewisse Resonanz zu bekommen, die einen vielleicht den Rücken stärkt. Wie auch immer... So fing es gestern an:

Ich habe mir wie fast immer am Wochenende was zu ziehen besorgt. Eine fast schon übliche Wochenendprozedur. Was zu rauchen brauche ich nicht holen, dass habe ich eigentlich immer da. Fahre dafür nur alle zwei Wochen los. Treffe mich dann mit meinem Kumpel und ab gehts. Weggehen oder Wegfahren machen wir schon lange nicht mehr. Hat auch keiner richtig bock drauf. Wir chillen eigentlich nur noch und labern uns eine Kante ans Bein, während wir uns Bier, Kiffe und Jay reinkloppen.
Dazu muss ich sagen, dass ich beruflich einen verantwortungsvollen Job habe und auch sozial auch voll intergriert bin. Was mich wirklich fordert... Mit den Jahren und dem älter werden ging es bei mir los, dass ich aufeinmal Ängste bekam. Anfangs weniger... Mit der Zeit immer doller und häufiger. Ängste über die Zukunft, über meine Familie, mich selber, meine Arbeit... Vielleicht sind es Depressionen. Im Moment komme ich noch damit klar. Aber dass es schlimmer wird, hat bei mir Alarm geschlagen. Ich möchte jetzt ganz bestimmt nicht auf den "Burnout-Zug" aus den aktuellen Medien aufspringen. Aber diese Gefühle werden mich über kurz oder lang kaputt machen. Das weiss ich. Daraufhin habe ich mir am Sonntag meinen "Rest" reingehauen. Sowas mit ne Abschiedzeremonie. Gestern war ich den ersten Tag clean... Es war hart und ich hab etliche Male das Handy in der Hand gehabt und wollte was klarmachen. Ich hab es immer wieder weggelegt. Die anschließende Nacht war der Horror. Glaube ich habe keine Minute geschlafen. Zum Glück habe ich Gleitzeit und konnte relativ früh nach Hause. Nun galt es die Müdigkeit bis zum Abend zu bringen. Jetzt sitze ich hier und schreibe diesen Text nieder. Ich werde diesen Text versuchen täglich über meine Gefühle, Gedanken und Ängste aktuell zu halten und hoffe hier nicht auf irgendwelche Spassvögel zu treffen. Das dass was ich bis jetzt geschrieben habe nicht viel ist, weiss ich selber, aber ich werde weitere Erfahrungen posten. Ich versuche jetzt also erstmal zur Ruhe zu kommen und ein bisschen zu schlafen. Bis morgen.
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 23:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Chester,

ich beglückwünsche Dich zu Deinem Entschluss! Vieles ist eine Sache der Gewohnheit, glaub mir. Das Ritual des Kiffens hat sich halt über die Jahre eingebrannt und war fest in Deinen Tagesablauf integriert. Es ist völlig klar, dass Dir jetzt was fehlt.

Ich habe die ersten Tage mit einem Feierabendbierchen überbrückt und nach ca. einer Woche hatte ich den "Entzug" (der keiner ist) überstanden. Auch ich konnte in den ersten paar Nächten schlecht schlafen, aber das hat sich rasch normalisiert. Ich weiß gar nicht mehr genau, wann ich aufgehört habe, es müssten jetzt so etwa vier Monate sein.

Heute vermisse ich nichts mehr und ich habe über 20 Jahre gekifft. Auch bei mir waren es Ängste und sogar Panikattacken, die mich zum Aufhören motiviert haben.

Grüße!
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damaLSDicht
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 17.10.2011
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 19. Okt 2011 14:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

auch von mir einen Glückwunsch! Ich hab´ am 08.01.09 mit dem Kiffen aufgehört, allerdings in einer Entgiftungsstation, weil ich derbe Kreislaufprobleme gehabt habe. Nach insgesamt 28 Jahren Kiffen denke ich auch heute noch ab und zu daran, wie schön es doch wäre, wenigstens manchmal was zu rauchen. Doch inzwischen sehe ich die Abstinenz als so was wie ´nen Wettbewerb oder den Aufbau einer Dominostein-Reihe: Stoße ich nur ein Steinchen um, war die ganze Arbeit für die Katz...

Gruß, Mr. Niceguy
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frau holle
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 24.09.2010
Beiträge: 1723

BeitragVerfasst am: 19. Okt 2011 14:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo chester,
auch ich lese immer wieder gerne von leuten, die im begriff sind ihre laster für immer loszuwerden.
Ich selber bezeichne mich auch als clean, was ich aber gar nicht bin.
Ich nehme weiterhin pola, weil ich dieses für mich und meiner sicherheit brauche, um nicht mehr in die gefahr zu laufen, wieder heroin zu nehmen.
Auch das kiffen gehört zu meinen tgl. ritualen.
Jetzt war gerade mal seit langer, langer zeit, dass ich für ganze 3 tage nicht zu kiffen hatte.
Zuerst dachte ich mir das ich in panik ausbrechen werde, aber dann sagte ich einfach zu mir: entweder das stresst dich jetzt die ganze zeit
oder aber du nimmst es als - ist doch nur für ein paar tage - hin. Letzteres machte ich und bemerkte, dass es für mich nicht schlimm war, diese zeit nichts zum kiffen zu haben.
Aber trotzdem fing ich gleich, ohne zu überlegen, nach der ebbe wieder an und leider warte ich immer noch auf den tag, wo es endlich bei mir auch mal klick macht
und ich wirklich etwas für ein "cleanes Leben" tun werde.
Dir wünsche ich alles glück, dass du brauchst.
LG
Frau Holle
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Chesterderkleine
Anfänger


Anmeldungsdatum: 18.10.2011
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 20. Okt 2011 00:08    Titel: Antworten mit Zitat

Heute ging es zum ersten mal wirklich besser. Ich habe durchgehalten. Ich habe mir auch mal die anderen Threads hier in dem Forum durchgelesen und erfahren müssen mit was für Nichtigkeiten ich mich belaste. Im Vergleich zu manchen anderen Schicksalen geht es mir vergleichsweise wirklich gut, sodass es mir unangenehm ist überhaupt zu schreiben. Ich wünsche denjenigen alles Gute. Nach den 3 Tagen fühle ich mich aktiver, agiler und entspannter. Hinsichtlich der Ängste hat sich nichts verändert. Am schlimmsten ist das ins Bett gehen und die Zeit vorm einschlafen. Es fängt dann schlagartig an. Teilweise mit Herzrasen, sodass ich schonmal dache, dass ich nen "Klabaster" kriege und gleich abschmier... Ich bin dann wieder aufgestanden und in der Wohnung hin und her gelaufen. War sogar am überlegen ins Krankenhaus zu fahren. Da kommt dann eins zum anderen; erst nur die vorher beschriebenen Ängste und dann kommt noch Panik bis Todesangst hinzu. Habe mir selber eingeredet, dass ich mir das nur im Kopf einbilde und es wurde nach gut 30 mins auch wieder besser. Ich werde das weiter durchziehen und diese Zustände beobachten. Aber ich glaube schon, dass ich professionelle Hilfe in Anspruch nehmen sollte. Ich habe mich nie so genau mit den Folgen vom Dauerkonsum beschäftigt... Ist das die sogenannten Psychose? Sind das Depressionen? Gehen die von alleine wieder weg, wenn ich weiterhin clean bleibe? Vielleicht könnt ihr mir mal einen Tip geben...
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 20. Okt 2011 17:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Chester,

meiner Erfahrung nach gehen die Panikattacken von alleine wieder weg. Irgendwann wird es dem Körper nämlich zu blöd, sich immer wieder wegen "nichts" hochzufahren. Allerdings kann das dauern, in meinem Fall über drei Jahre. Ich weiß, dass es anstrengend ist, immer wieder diese Angst auszuhalten, aber Du hast ja gemerkt: Nach einer halben Stunde wird es besser. Ob professionelle Hilfe was nützen würde? Ich war ein paar Mal bei einem Psychologen, hatte aber nicht den Eindruck, dass es mir was bringt. Also bin ich nicht mehr hingegangen.

Medikamente würde ich mir nur im allergrößten Notfall verschreiben lassen, also am besten gar nicht. Schneller als Du gucken kannst hast Du eine neue Sucht an der Backe und das kann es ja auch nicht sein. Und bis die Tablette wirkt, ist die Attacke normalerweise auch schon wieder rum. Dafür wirkt die Pille dann mehrere Stunden, wenn Du sie gar nicht mehr brauchst.

Bleib stark, steh das durch! Grüße!
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Chesterderkleine
Anfänger


Anmeldungsdatum: 18.10.2011
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 23. Okt 2011 01:57    Titel: Antworten mit Zitat

So...nun ist fast eine Woche vergangen und ich bin nicht rückfällig geworden. Hinsichtlich der Panik alles unverändert. Ich frage mich allerdings wie lange das ganze noch im Blut/Urin/Schweiß nachweisbar ist?! Es geht mir jetzt nicht darum den THC Wert im Blut sondern um die Abbauprodukte (THC-COOH) und der Eignung zum Führen eines Fahrzeugs. Ich fasse, dass was ich weiß und mich frage einfach mal zusammen:

- Wenn ich mit dem Auto von der Polizei angehalten werde, wird nach einer Woche Abstinenz das Ergebnis des Drogenschnelltests positiv sein? Die Dinger sind nicht sonderlich Zuverlässig, also stellt sich auch die Frage, wie bei einer Falschpositivdiagnose und der damit verbunden Blutuntersuchung die Ergebnisse ausfallen.

Die Kernfrage die ich mir stelle ist: Wann darf ich mich ohne Bedenken wieder ins Auto setzen? Ich habe schonmal meinen Führerschein, mit 1 Jahr Abstinenznachweis, abgegeben und wieder bekommen und möchte deshalb kein Risiko eingehen.

Ansonsten geht es mir wirklich gut. Ich hab viel energie, dass ich mir Beschäftigung suchen muss. Die Bude ist blitz-blank und ich mache mir Gedanken, was ich als nächstes machen kann. Sowas hatte ich früher nicht. Ich war antriebslos und träge.
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