nach Entgiftung schon fast wieder drauf. Frage des Willens?!

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Liisbeth
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 18.08.2011
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 15:10    Titel: nach Entgiftung schon fast wieder drauf. Frage des Willens?! Antworten mit Zitat

Hallo Ihr,

wie mancher vielleicht mitgelesen hab, habe ich dieses Jahr schon einiges an Entzügen durchgemacht (H, zweimal Metha). Mein letztes Metha hatte ich am 20.11. genommen, danach noch einmal (einen Tag) am 28. Dann nichts mehr. Körperlich und seelisch gehts mir zwar inzwischen besser- aber noch lange nicht gut. Gerade halt der Hirnf...k macht mir zu schaffen.

Im Dezember dann ambulante Therapie angefangen, bisher nur den einen Termin gehabt, aber hörte sich echt gut an, die Frau. Aber zweimal vor diesem Termin, und einmal danach, hab ich mir jeweils 50 Tavor 1mg organisiert, und innerhalb von wenigen Tagen weggemacht- Filmrisse inklusive (war nicht mehr so lustig, Freunde haben mir erzählt, dass ich sie angerufen hatte- und ich wusste gar nix mehr davon, zb).

Nach den Tavor gings mir dann seelisch immer wieder schlechter als vorher. Trotzdem kein Lerneffekt.

Und jetzt kam Weihnachten jemand auf die -sicherlich unglaublich respektlose und vermessene- Idee, mir 1G Cocktail zu schenken. Und ich habs genommen, wo´s mir doch schon vor der Nase lag buchstäblich. Warn nette Weihnachtstage- aber auch dann wieder: seelisches Tief.
Dabei dann natürlich die Idee, Silvester nochmal richtig Abschied zu feiern von den Drogen. Man muss ja schliesslich gut drauf sein an Silvester, hat der kleine (bzw große) Teufel in meinem Kopf gesagt. Sodass ich mir 2G Braunes und 1G Weißes „bestellt“ habe, will wieder Cocktail draus machen. Aus organisatorischen Gründen ist es jetzt so, dass ich das Zeug nachher schon bekomme. Und es vom 28. Bis zum 31. Hier unangetastet liegen zu lassen wird…..schwer. Realistisch gesehen denke ich nicht, dass es klappt. Wird wohl so ausgehen, dass ich bis Silvester schon wieder nichts mehr habe. Und dann wieder vor dem Problem stehe, gut drauf sein zu wollen…..die neverending story halt.
Ich frage mich nun aber langsam wirklich, wie stark eigentlich mein Wille ist, aufzuhören. Stark genug, die Entzüge durchzuhalten, war er. Aber das wars dann auch schon. Klar war zb die Situation mit dem „Weihnachtsgeschenk“ echt doof- aber ein Alki kann auch nicht den Supermarkt dafür verantwortlich machen, wenn er immer wieder rückfällig wird.

Wie ist das bei Euch mit dem Willen? Wie schafft ihr es, stark zu bleiben, in so Situationen? Oder, wenn schon ein Rückfall passiert ist- wie stoppt ihr ihn? Wollt ihr wirklich so sehr aufhören, dass ihr Angst bekommt, rückfällig zu werden, und dann um Hilfe sucht? Oder WOLLT ihr an manchen Tagen einfach wieder was nehmen, und wollt gar nicht davon abgehalten werden?

Das mit dem Willen und der Sucht wird ja sehr kontrovers diskutiert. Die gängige Meinung ist, das mit dem eigenen, starken Willen alles steht und fällt. Im Gegensatz dazu habe ich letztens aber ein interessantes Zitat von jemand selbst Süchtigem gelesen, weiß leider aber nicht mehr, war in einem Buch. „Ich kam nicht aus dem Schlamassel raus. Manchmal WOLLTE ich es auch gar nicht. Natürlich haben die Leute recht, die sagen: `ohne den eigenen Willen kommt man nicht von den Drogen los´. Aber das ist ja gerade das teuflische an der Sucht: der eigene Wille ist gebrochen“.

Ich finde, das hat auch viel Wahres. Und die Wahrheit, soferns eine gibt, liegt sicher wie immer dazwischen. Trotzdem möchte ich das gerne mal zur Diskussion stellen.

LG Lisbeth
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JuleXXX
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Anmeldungsdatum: 29.05.2011
Beiträge: 525

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 16:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Lisbeth

tut mir echt leid, dass du wieder rückfällig geworden bist.
Hmm, weisst du, das hört sich jetzt vielleicht für manchen (nichtsüchtigen Menschen) blöd an, aber
"Rückfälle bei Suchtkranken sind normalste der Welt"
Das bedeutet im Umkehrschluss jedoch nicht, dass man sich darüber keine Sorgen machen sollte, denn wenn du aufhörst, dir darüber Sorgen zu machen, hast du den Kampf eh schon verloren!

Du solltest dich jetzt nicht fertig machen deswegen, aber aus deinen Fehlern lernen (es zumindestens aufrichtig, mit ganzem Herzblut versuchen).
Mach dir eine Liste, eine Pro- und Contraliste über die Sucht.
Du wirst sehen, bei dem Pro stehen vielleicht 1,2 Sachen, die Contraliste wird endlos nlang sein. Mach noch ein paar Fotos, von eitrigen Abzessen, geschwollenen Händen, blauen Flecken... die du dir durch deine erneute Cocktailballerei zugezogen hast.
Und jedes Mal, wenn du wieder Schmacht nach nem Cocktail hast, lies dir das bitte ne halbe Stunde lang durch (und nicht sinnlos, sondern verinnerlichere das, verinnerliche alles, was du dir kaputt gemacht hast, durch deine Drogensucht) und schau dir ne Viertel Stunde oder so die Fotos an, ruf ne Freundin (ne cleane, am besten ne ehemalige Süchtige,die das auch nachempfinden kann) an, rede mit ihr. Und erst wenn du all das gemacht hast, dann erst greif zum Hörer und ruf deinen Dealer an!

Versuch`s mal, du hast ja nichts zu verlieren Wink
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Und jetzt kam Weihnachten jemand auf die -sicherlich unglaublich respektlose und vermessene- Idee, mir 1G Cocktail zu schenken. Und ich habs genommen, wo´s mir doch schon vor der Nase lag buchstäblich.


Ja nun, ich habe damals allen meinen "Freunden", die irgendwie mit Pulver zu tun hatten gesagt, dass ich ihnen hiermit untersage, mir etwas anzubieten oder zu verkaufen. Wenn etwas auf den Tisch kommt, sollen sie mir das vorher sagen, dann werde ich mich verabschieden und nach Hause fahren. Sehr bald habe ich den Kontakt zu diesen Leuten dann aufgegeben, denn ich musste ja jederzeit damit rechnen, dass was "auf den Tisch" kommt und ich mich schnell verabschieden muss und das war mir einfach zu blöde.

Daher kann ich Dir nur raten, einen großen Bogen um Leute zu machen, die Dir was anbieten, schenken oder verkaufen könnten. Der Verlust hält sich echt in Grenzen. Nach kurzer Zeit schon waren mir die Leute fremd geworden, ich hatte nichts mehr mit ihnen gemeinsam.
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Obelix
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 18.06.2011
Beiträge: 784

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 20:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Liisbeth,

ich habe mal kurz für dich einen Thread von Frau Holle rausgesucht, welcher heisst.
"So habe ich meinen Suchtdruck bekämpft"
Lies ihn dir mal in Ruhe durch.

Ich bin auch fast der Meinung das ein Rückfall dazugehört. Man solle mich jetzt bitte nicht für den Satz anprangern, Aber nur so kann man sich mit dem Schuldgefühl, dem Ekel usw selbst auseinandersezten, damit man wirklich weiss was man an dem "sauberen Leben" hat.
Man vergleicht ja im direkten Bezug. Einige Zeit clean und plötzlich wieder druff.
Dumm ne?!
Irgendwie dümmer wie jeden Tag auf Sendung, da man eh schon "taub" ist.

Es wird immer der Moment kommen, wo das Suchtgedächtniss aufploppt und Dir in einnem Moment 1000 Gründe aufzählt warum es denn "jetzt" besser ist wieder zu ballern.
Tja, da muss man durch und stark bleiben. Sich ablenken,
wie JuleXXX schön beschrieb sich die contras bewusst durch den kopf gehen lassen, sich nicht gehen zulassen, sondern wieder Mensch sein... Es gibt tausen Gründe zu ballern, aber auch 1000 um es nicht zu tun.

Zitat:
ohne den eigenen Willen kommt man nicht von den Drogen los´. Aber das ist ja gerade das teuflische an der Sucht: der eigene Wille ist gebrochen“.

das mag sein, aber, du hast immer noch den Willen aufgebracht eine Therapie gemacht zu haben, hier deine Situation zu schildern.
Und selbst gebrochenes wächst wieder zusammen... Wink
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Obelix
Gold-User
Gold-User


Anmeldungsdatum: 18.06.2011
Beiträge: 784

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 20:07    Titel: Antworten mit Zitat

sorry,, ich muss dies etwas korrigieren.
Zitat:
Und selbst gebrochenes wächst wieder zusammen

oder es wächst etwas neues aus dem Bruch heran...so...





[vervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigungvervollständigung]
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CrazyMan
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 15.01.2010
Beiträge: 2108

BeitragVerfasst am: 28. Dez 2011 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Na du,

die ganze Theorie kennst du doch schon. Was würde es also nutzen, dir hier nochmals alles aufzuzählen, was gut ist, was schlecht ist, und so fort. Deshalb fange ich gar nicht erst (wieder) an, dir zu raten, irgendwelche Formen von Selbstreflektion zu betreiben. Ich meine aber, du bist schon wieder drauf, also nicht nur fast.

Wenn alle Eigenversuche nichts genutzt haben, kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man sich selbst gegenüber zugeben sollte, dass man es alleine nicht schafft, dass man schlicht und einfach (nochmals) Hilfe benötigt. Es nutzt nichts, es immer und immer wieder zu versuchen, es alleine zu packen, des Stolzes wegen, um sich selbst zu beweisen, innerlich stärker als andere zu sein. Und während dieser ganzen Herumprobiererei verläuft die Zeit rasend.

Es ist nicht vergleichbar mit dem Abgewöhnen von Zigarettenqualmen. Es ist nicht alleine nur Gewöhnung an bestimmte Handlungen, es ist eine heftige psychische Abhängigkeit kombiniert mit einer körperlichen Abhängigkeit. Was beide im Entzug verursachen, wissen hier im Forum die meisten.

Warum also nicht nochmals in eine Klink? Solltest du berufstätig sein, jetzt kommen neue, ausreichende Urlaubstage, um mal zwischendruch 2 Wochen weg zu sein. Oder eine Woche krank, eine andere Urlaub. Wie auch immer. Anschließend fängt man wieder bei fast 0 an. Das Schlimmste, schwere Depressionen und der körperliche Entzug sollten bis dahin im Griff bzw. vorüber sein. Man kann sich ganz auf das frische Selbst konzentrieren, kann sich auch nicht mehr mit angeblichem Entzug ausreden, weshalb man nochmals los müsse. Diese Ausgangssituation ist weitaus besser, als wenn man noch mitten dring hängt.

Und du hängst leider wieder mitten drin, oder? Und mit jedem Mal mehr, wird das Loskommen schwerer. Hast du nicht längst wieder Entzugserscheinungen haben? Bist du erst so weit, das weißt du selbst, wird es nicht mehr so leicht sein, deinen Plan nach Silvester durchzuziehen. Aufgrund des Entzuges wirst du nochmals konsumieren, und nochmals, dabei nicht wirklich runterdosieren, kurz, es wird nicht funktionieren. Meinst du, es wird dieses Mal anders? Solltest du nicht berufstätig sein, hast du sogar alle Zeit für eine weitere Therapie. An deiner Stelle würde ich diese Möglichkeit unbedingt nutzen.
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Liisbeth
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 18.08.2011
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 29. Dez 2011 22:33    Titel: Antworten mit Zitat

Erstmal vielen lieben Dank Euch allen für Eure Meinungen und Antworten!

Jule, Deine Idee finde ich gut, habe ich so noch nie gemacht, obwohl ich diese Listen aus der Therapie kenne. also klar weiß man die negativen Konsequenzen der Sucht, aber sie schwarz auf weiß zu sehen (und am besten noch mit den entsprechenden Farbfotos Wink ), ist sicher nochmal was anderes. Und auf jeden Fall einen Versuch wert! Macht Mut, was Du schreibst!

Und Veilchenfee, das ist wohl, zumindest auch in meinem Fall, eine längst überfällige Entscheidung- das Distanzieren von meinen Leuten, die auch noch denken, sie meinen es gut, wenn sie mir was ausgeben. Bis auf eine Person, wo mir das Distanzieren momentan nicht möglich ist, weil wichtigster Mensch in meinem derzeitigen Leben! Wobei gerade mit dieser Person meine Rückfälligkeit auch oft steht und fällt. Aber das Thema gehört hier nicht unbedingt her. Von den anderen Leuten kann ich mir vorstellen, dass es so ist, wie Du schreibst. Habe so einen Bruch schon vor vielen Jahren mal mit meinem damaligen "Freundes"kreis (eher Drogenkreis) gemacht. Und muss ehrlich sagen, dass ich niemanden davon wirklich vermisst hab, auch wenn das böse klingt.


Obelix danke auch Dir fürs Mut machen, hat gut getan, der fehlt irgendwie gerade Smile und den thread werde ich mir auf jeden Fall durchlesen. Und hoffen, dass aus meinem gebrochenen Selbst tatsächlich nochmal was einigermaßen sinnvolles herauswächst oder heranwächst Smile

Und hi, Crazyman. Ob ich wirklich schon wieder richtig drauf bin, weiß ich tatsächlich gerade nicht. Klar, wahrhaben will man das sowieso nie. Doch zur Zeit wüsste ich nicht, wie es in Sachen H für mich weitergehen könnte. Meine sonst benutzten Hintertürchen gehen langsam alle zu.

Fakt ist, ich muss ab ca Mitte Januar wieder Drogenscreenings abgeben, um meinen Therapieplatz zu behalten- was mir sehr wichtig ist. Dann ist es finanziell gerade schwieriger als sonst, und die Preise hier zur Zeit sehr hoch. Fakt ist, mein Cocktail ist morgen früh aufgebraucht. Und ich habe noch keinen Nachschub organisiert (was ich vor Silvester tatsächlich organisieren müsste, und nicht mal eben holen kann). Stattdessen Glühwein und Sekt für den Jahreswechsel gekauft. Dann will mein Dealer jetzt selbst nix mehr machen, weil MPU ansteht, und ich kaufe nicht „irgendwo“.
Ich weiß, das sind alles irgendwie eher organisatorische Gründe, zu verzichten- aber mich selbst oder meinen Körper nicht wichtig zu nehmen, gehört zu meinem Krankheitsbild (Borderline) Razz Spaß beiseite. Ich habe einen Beruf, ja. Und ein Privatleben, was ich nicht mal eben so für ein paar Wochen verlassen kann, erst recht nicht kurzfristig. Kein vorgeschobener Grund, ist tatsächlich so. Und ich habe auch tatsächlich keine Idee, wie das funktionieren könnte, sollte ich auch aus anderen Gründen mal plötzlcih ins Krankenhaus müssen. Einer von vielen verdrängten Gedanken. Und wer kann besser verdrängen, als Heroin…..Mein Plan ist, es zunächst mit der ambulanten Therapie zu versuchen, die ja ab nächste Woche anläuft. Sollte das nicht hinhauen oder ausreichen, könnte ich mir für die Sommermonate einen Therapieplatz organisieren, da bin ich noch am ehesten entbehrlich.
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Rina
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 02.01.2012
Beiträge: 71

BeitragVerfasst am: 2. Jan 2012 17:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Liisbeth,
was Du so schreibst kommt mir doch sehr bekannt vor... Ich versuche mich von dem dauernden hin und her nicht runterziehen zu lassen, zumindest nicht auf Dauer. Rückfälle gehören leider dazu und ich seit ich meine eigene Erwartungshaltung etwas runtergeschraubt habe (nach dem Rückfall fängt man halt einfach wieder von vorne an) läuft es erstaunlicherweise auch besser.
Klar, gerade wenn man im Privat- und Berufsleben funktionieren muss, setzt einen das zusätzlich sehr unter Druck, obwohl mich die Angst das alles zu verlieren auch schon oft wieder motiviert hat es weiter zu versuchen.
Ich lasse mich nach mehreren cleanen Jahren und einem recht heftigen Rückfall, der mich fast den Job gekostet hätte mit 1mg Suboxone substituieren, habe aber auch das Glück, dass sich das mit meinem Job vereinbaren läßt. Klar, es ist frustrierend wieder an dem selben Punkt wie vor Jahren zu sein, aber die Aufgeben ist ja auch keine Option.
Wenn sich bei mir mal wieder der Gedanke an einen Heroin Rückfall festsetzt helfen mir auch keine Pro und Kontra Listen, klar, vom Verstand her weiß man das ja alles, aber Logik funktioniert in dem Moment einfach nicht, mir fallen dann auch die sinnlosesten Argumente für den Konsum ein, von "einmal schadet nicht" bis "es sei mir doch gegönnt, dass es mir mal ein paar Stunden echt gut geht" kann ich mir da jeden Mist einreden. Es ist halt, als ob jemand da einen Schalter umgelegt hätte, an anderen Tagen kann ich auch Einladungen gut ablehnen. Schwierig finde ich das Tief, in das man meist am Tag nach dem Konsum rutscht, aber da hilft mir das Wissen, dass dieser depressive Zustand nur Vorübergehend ist.
Vielleicht hilft es Dir ja auch, wenn Du Dir immer wieder vor Augen führst, was Du alles aufs Spiel setzt und vor allem, sieh dich nicht als Versager, oder Schwächling, nur weil Du rückfällig wurdest, das gehört zum clean werden einfach dazu.
Das hört sich jetzt vielleicht etwas klischeemäßig an, aber mir hat es sehr geholfen ein Hobby zu finden, in dem ich echt aufgehe und mit dem ich mich von meinen ganzen Problemen ablenken kann.
Allerdings muss ich gestehen, dass ich nach über einem halben Jahr ohne Beikonsum genau wie Du in die Sylvester-Belohnungsfalle gegangen bin.
Veilchenfee kann ich nicht ganz zustimmen, klar, es kann helfen der Szene aus dem Weg zu gehen, aber auf Dauer muss man damit klarkommen und nein sagen können. Ich habe auch eine sehr gute Freundin, die ich nie aufgeben würde, nur weil sie auch drauf ist, umgekehrt fände ich das auch sehr traurig, denn auch wenn es selten ist, auch unter Junkies können gute Freundschaften existieren.
Ich drück Dir fest die Daumen, dass Du die Kurve wieder kriegst, und wenn nicht jetzt sofort, dann auf ein neues!
Lg
Rina
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 2. Jan 2012 17:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Veilchenfee kann ich nicht ganz zustimmen, klar, es kann helfen der Szene aus dem Weg zu gehen, aber auf Dauer muss man damit klarkommen und nein sagen können.

Absolut! Bis man aber soweit ist, nein sagen zu können, sollte man der Szene aus dem weg gehen, um sich nicht zu gefährden. Doch auch später, wenn man dann stärker ist, bleibt ein blödes Gefühl, wenn "alle" konsumieren, womöglich noch in Deiner Gegenwart, und Du heldenhaft und stark bist und die Einladung ablehnst. Man gehört halt einfach nicht mehr dazu und noch heute hätte ich absolut keinen Bock drauf, dabeizusitzen wenn andere Drogen nehmen oder unter Drogen stehen. Entweder ich mache mit oder ich halte mich fern.

So ist das bei mir.
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Rina
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Anmeldungsdatum: 02.01.2012
Beiträge: 71

BeitragVerfasst am: 2. Jan 2012 17:47    Titel: Antworten mit Zitat

@ Veilchenfee:
Dann hatte ich das wohl falsch verstanden... Klar, die Szene als Hauptkontakt ist nicht hilfreich, ich wollte nur sagen, dass man nicht zwingend jeden guten Kontakt zu anderen Abhängigen abbrechen muss. Freunde sollten auch kein Problem damit haben Rücksicht zu nehmen.
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frau holle
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Anmeldungsdatum: 24.09.2010
Beiträge: 1723

BeitragVerfasst am: 2. Jan 2012 19:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Lisbeth,
das sehe ich auch ganz genauso, solange man nicht wirklich "NEIN" zur droge sagen kann, solange muss man, allem was damit zu tun hat, so gut wie möglich, aus dem weg gehen.
Ich habe mich auch lange vor der realität versteckt. Dachte mir nein, du kannst da nicht hingehen, nein, du kannst das nicht machen usw. usw.
Jetzt, heute, gehe ich wenn ich lust habe, bewußt auf die scene, denn ich mag die leute und die haben mich auch von anfang an (nachdem ich es ihnen gesagt habe), mich nicht wegen drogen angesprochen, ob ich auch will oder so.
So dass mir das auch vielleicht leichter viel.
Ganz clean bin ich heute noch nicht. Fühl mich aber so.
Bin im pola programm, kiffe regelmäßig, aber habe absolut keinen bock mehr auf harte drogen. Ist so.
Und genau heute, konnte ich nur mit dem kopf schütteln, als ich heute die drogenleichen auf der scene gesehen haben, denn es war ja silvester und da brauchst man ja das dreifache wie sonst. Man feiert halt.
Aber als ich dann ein mädel gesehen habe, total vermummt, ein christelopfer, hat halt wieder sachen an ihrem gesicht und am körper gesehen, die halt gar nicht da waren. Schrecklicher anblick.
Da kann man(frau) sich doch dann auch dreifach überlegen, ob man überhaupt das alles nochmal mitmachen möchte, oder?
Aber jedem das seine.
Dir wünsch ich viel glück!
LG
Frau Holle
PS. Auch heute habe ich keinen bock auf drogen. Vielleicht morgen!
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Yolande
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Platin-User


Anmeldungsdatum: 01.06.2011
Beiträge: 1438

BeitragVerfasst am: 2. Jan 2012 21:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Liesbeth,

traurig zu lesen, dass du davon nicht loskommst, obwohl du so gut zu verstehen scheinst, was die Drogen und die Sucht mit dir machen. Ja, Jule hat Recht, nichtsüchtige Menschen können dem Satz mit den Rückfällen wenig abgewinnen, aber sie scheinen tatsächlich dazu zu gehören. Ich persönlich, auch wenn ich keine Erfahrungen mit harten Drogen habe, würde durchaus sagen, dass es eine Frage des Willens ist. Weißt du, ich habe jahrelang versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, habe reduziert, hab mal einen Tag nicht geraucht und dann doch wieder der Lust nachgegeben. Sicher ist das nicht mit der Art Drogen zu vergleichen, die du nimmst, aber mit Sucht hat es ja auch zu tun. Ich wollte damals schon damit aufhören oder vielmehr wünschte ich mir, es zu wollen, aber so ein wirklicher Wille, hinter dem ganz viel Kraft steckt, war es wahrscheinlich nicht. Erst vor 2 Monaten ist es mir gelungen...da habe ich mal nicht bewusst die letzte Zigarette geraucht, von der ich mich wehmütig verabschiedet wie eh und je, wenn ich es versuchte oder mit fest vornahm. Ich habe während dem ich rauchte ohne vorher ans Aufhören zu denken, gedacht, dass man das eigentlich nicht machen muss und ich das auch gar nicht brauche, wohlgemerkt nach 20 Jahren. Ich drückte die Zigarette aus und habe seither nicht mehr geraucht. Die Schachtel ist noch da und ich habe oft große Lust, aber bislang war der Wille stärker. Was ich damit sagen will, ist das ich glaube, dass du dich selbst quälst, wenn du immer wieder so halbherzige Versuche startest. Du fühlst doch immer wieder schwach und als jemand der versagt, wenn du es dann doch nicht schaffst und dass du es nicht schaffst, würde ich damit begründen, dass du einfach noch nicht soweit bist.
Wenn deine Zeit zum Aufhören gekommen ist, wirst du es spüren und die Kraft und den Willen haben, wirklich damit abzuschließen. Momentan scheint es dir aber noch etwas zu geben, was dir anderes nicht bieten kann. Leider! Ich wünsche dir sehr, dass du den Absprung schaffst...Veilchenfee, Stehaufmännchen und auch Frau Holle sind da gute Vorbilder.
LG
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Liisbeth
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Anmeldungsdatum: 18.08.2011
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 3. Jan 2012 08:50    Titel: Antworten mit Zitat

Eure Antworten haben mir gerade teils echt tränen in die Augen getrieben. Ich werde später noch auf alles entgehen, ihr schreibt so lieb und viel, das mag ich nicht in Numerus einem Satz kommentieren (schreib über mein Handy im Büro), bin zuhause gerade nicht so viel online
/hugs
Liz
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Liisbeth
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Anmeldungsdatum: 18.08.2011
Beiträge: 37

BeitragVerfasst am: 3. Jan 2012 08:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ps sie waren nicht negativ gemeint, die tränen. Mich überwältigt nur zu sehen, wie viele Leute, teils mit ganz ähnlichen Geschichten, teils ganz anderen, hier so viel schreiben- ich merke es gerade: mein borderline-gedanke, dass ich das doch gar nicht wert bin, meldet,sich.
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Yolande
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Anmeldungsdatum: 01.06.2011
Beiträge: 1438

BeitragVerfasst am: 3. Jan 2012 10:52    Titel: Antworten mit Zitat

So ein Blödsinn, warum solltest du denn nicht so viel wert sein? Weißt du, auch wenn du niemandem etwas wert sein solltest, dann ist das kein Grund traurig zu sein, solange du dir selbst etwas wert ist, denn einzigst darauf kommt es an. Es ist schön, Freunde und Familie an seiner Seite zu wissen, aber man muss bzw. sollte jederzeit damit rechnen, es auch allein zu schaffen und aus dem Grund ist es wichtig, sich selbst aufrichtig zu lieben, sich selbst das allermeiste wert zu sein und dafür zu sorgen, dass es dir selbst gut geht. Das ist schwer, aber möglich.

LG
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