Tillidin- und Tramalentzug: Der Drache

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Raver
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Anmeldungsdatum: 25.02.2012
Beiträge: 640

BeitragVerfasst am: 28. Apr 2012 02:25    Titel: Tillidin- und Tramalentzug: Der Drache Antworten mit Zitat

Das hab ich vor vielen Jahren mal geschrieben, nachdem ich damals von ca. 100-max.150 Tropfen Tramal, nach ca. 1,5 Jahren täglicher Einnahme, kalt entzogen habe. Phasenweise bin ich ein, zwei Wochen zwischendurch auf Tilidin umgestiegen um mich wieder auf 60 Tropfen Tramal mit vollem Wirkstoffspektrum runterdosieren konnte...sehe mittlerweile ein paar Dinge anders, aber lasse es jetzt mal so unverfälscht stehen:

"Das typische Junkydilemma: Zu müde um wach zu sein, zu wach um schlafen zu können." So wird es in Trainspotting beschrieben.
Wenn man sich eine ganze Weile härteren Drogen, insbesondere des analgetischen Typs, wie Heroin, Morphium, Opium, Tramal, Valeron etc. hingibt bleibt eine Dosissteigerung nicht aus. Jeder Tag bringt neue Überraschungen und wirft grundlegende Fragen auf:"Scheisse, reicht das für heute?" oder "Komm ich damit morgen raus?". Dann hat man mal wieder für Vorrat gesorgt, da könnte man ja mal`n bissi mehr nehmen, soll ja auch knallen im Kopf...und schon gehts einem am nächstem Tag noch beschissener, wenn man aufwacht.

Aus der anfänglich kleinen Dosis zum Entspannen entsteht die Notwendigkeit des Morgenkonsums um überhaupt den Tag beginnen zu können. Je weiter man das Spiel (mit-)spielt, je weiter entfernt man sich von sich selbst. Wenn der Gedankenfluss es noch zulässt, erkennt man, dass es mal wieder an der Zeit ist...

Ich weiss nicht warum man es "Affe" oder "Turky" nennt, denn es ist wie ein Drache, ein Dämon der sich in der Nierengegend einnistet und langsam reift und wächst, bis seine Zeit gekommen ist. Und wenn es soweit ist, kommt er gewaltig und mit aller Kraft.

Nicht nur, dass der morgendliche Muntermacher nicht mehr da ist, man völlig in den Seilen hängt und nicht hoch kommt, man kann den Dämon entsteigen spüren. Er reist ein Loch in den Rücken und krallt sich mit jeder Stunde, mit jeder Minute fester in die Wirbelsäule und steigt weiter empor, saugt an allen Muskeln, zieht an den Knochen: Der Schmerz beginnt.

Mit jeder Minute, mit jedem Zentimeter den der Drache weiter hoch klettert, steigern sich die Qualen. Die ersten Zimperlein, die man mit dem Gefühl einer starken Erkältung beschreiben kann, die Kopf- und Gliederschmerzen, steigern sich in Knochenschmerzen, Kopfdröhnen, Unruhe...Panik! In kraftlosen Bemühungen wälzt man sich im Bett hin und her in der Hoffnung, dass es doch bald besser werden müsste, aber das ist ein Trugschluss. Hat man je auch die stärksten Schmerzen erdulden müssen, so kommt man an das Gefühl des emporsteigenden Drachens nicht heran, nicht mal annähernd.

Der Drache wächst mit den Gefühlen, er zehrt von den Schmerzen, vom Leiden, er wächst ins Unermessliche, ins Unbeschreibliche. Sein Gewicht drückt einen nieder, sein Saugen an Knochen und Muskeln wird immer stärker, bis kaum noch eine koordinierte Bewegung möglich ist. Schweissausbrüche, Krämpfe, Schüttelfrost...und dazu saugt er die Gedanken und das Gemüt restlos aus, bis man nur noch eine leere, sich auf dem Boden krümmende Hülle ist, tiefste Depression, kaum noch zu einem Gedanken befähigt. Man hat nur noch ein Ziel:"Ich will hier raus.": Entweder durch Tod, durch den Rückfall oder das Erleiden. Und ist er Drache oben angekommen, beisst er einem den Kopf ab und spuckt ihn achtlos gegen die Wand. Aber damit ist es nicht vorbei, die unerträglichen Schmerzen und Qualen steigern sich weiter, man fällt tiefer und tiefer bis man am Boden zerschellt. Dann erst kehrt langsam Ruhe ein, nach endlosen Stunden kann man endlich dämmer, dann ein paar Minuten schlafen, eine Stunde schlafen, eine Nacht schlafen...
Die 3-5 Tage kommen einem vor wie Monate, Jahre, endlos...aber sie gehn vorbei. Die endlos wirkenden Qualen gehn vorrüber...

Das ohne Hilfe zu schaffen ist die Hölle. Allein da durch...ich hasse es. Keine Schulter zum Anlehnen, niemand der einen in den Arm nimmt, kein Schutz...
Aber wenn der Selbsthass diesen Hass wieder übersteigt...

"Ich nutze Drogen" hat mal ein damalig guter Freund zu mir gesagt. "Das passiert mir nicht, ich habe alles unter Kontrolle." Habe ihn neulich in Kassel am Bahnhof sitzen sehen, keine Zähne, abgemagert, die Arme zerstochen. Erkannt hat er mich nicht mehr, wusste auch mit meinem Namen und Spitznamen nichts mehr anzufangen. Ein, höchstens zwei Jahre noch, und er hats geschafft. Wieder ein stiller Ort, den man in Gedenken an ein neues Opfer besuchen kann. Punky ist jetzt 36...
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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 28. Apr 2012 17:44    Titel: Antworten mit Zitat

Schön geschrieben, Raver! Und Respekt, dass Du das damals alleine durchgezogen hast. Ich bin auch kein Typ, der wegen allem heulend zur nächst höheren Instanz rennt. Cool
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Raver
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Anmeldungsdatum: 25.02.2012
Beiträge: 640

BeitragVerfasst am: 3. Mai 2012 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Danke Veilchenfee, ist schon eine ganze Weile her, dass ich das geschrieben habe, war kurz nachdem meine Verlobung geplatzt ist, als das mit der Tillidin-Tramal-Phase angefangen hatte. Fing -wie meistens- ganz langsam an, ein paar Tropfen morgens...später auch mittags...dann waren es irgendwann 100-150 über den Tag verteilt, auch abends, weil ich manchmal vor Schmerzen nicht mehr laufen konnte. Ist -vergleichsweise- nicht viel, was ich genommen habe, aber es ging über gut 1,5 oder 2 Jahre. War`ne sch*** Zeit, damals. Und deshalb rede ich oft davon, dass die Droge einen "in den Klauen haben" in Bezug auf Opioidsucht.
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Der Eine087
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Anmeldungsdatum: 23.02.2012
Beiträge: 281

BeitragVerfasst am: 7. Mai 2012 08:31    Titel: tilidin Antworten mit Zitat

@ raver

stimmt das,das tramal genauso stark ist als tilidin?
nur das tramal mehr schlaffördernd ist?

habe gelesen das tili schon stärker ist aber wie geagt tramal zum abend sehr schlaffördernd ist kp...

klärt mich mal bitte auf Wink
danke!

Greetz Der Eine
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Anja33
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Anmeldungsdatum: 24.03.2011
Beiträge: 347

BeitragVerfasst am: 7. Mai 2012 16:28    Titel: Antworten mit Zitat

Also Respekt, Raver, den Turkey hast du gut beschrieben. Ist nicht immer so schlimm, (vor allem hätte ich das ausgerechnet Tillidin nicht zugetraut), aber wenn er einen mal richtig in den Klauen hat...wie du das beschreibst, so kenn ich das auch. Man vergisst oder verdrängt das ja alles iwann wieder, aber du hast mich wieder dran erinnert...

@veilchenfee: Mir wäre auch lieber, wenn Leute, die ungewöhnliche Wege gehen und z.B. mit Drogen experimentieren, dann nicht gleich wegen jedem Mist nach dem Staat schreien. Auf mich wirkt das ähnlich befremdend, wie schnorrende Punks in der Innenstadt zu sehen. Vielleicht verstehst du ja, was ich meine. Aber was heißt hier befremdend, I hate it!
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Raver
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 25.02.2012
Beiträge: 640

BeitragVerfasst am: 8. Mai 2012 06:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hab damals viel geschrieben, und diesen Text aus der Situation heraus...ist einer der wenigen Texte die ich hin und wieder mal rauskrame.

Tramal und Tillidin sind von der analgetischen Wirkung ungefähr gleich. Und wenn ich verschiedene Tramal- und Tillidin-Berichte von anderen vergleiche, auch in der Anwendung als Rauschmittel.

Aber die Wirkung von Tante Tilli und Onkel Trami sind schon unterschiedlich: Beide typisch opioid, also das Opiumsmoke typische "in Watte gepackt sein", in niedrigen Dosen anregend, in hohen Dosen zum Sekundenschlaf ("wegknicken") führend, und diese erbärmliche Juckerei...trotzdem hat Tramal -meiner Erfahrung nach- eher einen benebelnden und "happy machenden" Effekt, wobei Tillidin eher klärend, aggressiv (also dieses ego-aggressiv wie beim Koksen) wirkt -wobei ich jetzt Tillidin in keinster Weise mit Koke vergleichen will, der Vergleich wäre absurd.

Ich hab mich immer versucht wieder selbst aus dem "Sumpf" zu ziehen...aber bin später an einen Punkt gekommen (allerdings nicht mit Drogen) wo ich feststellen musste, dass es "Sümpfe" gibt, aus denen man alleine so nicht mehr raus kommt...
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Der Eine087
Silber-User
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Anmeldungsdatum: 23.02.2012
Beiträge: 281

BeitragVerfasst am: 8. Mai 2012 14:02    Titel: tilidin Antworten mit Zitat

ja tramal kenne ich nicht und ich habe mir jetzt mal ne 50ml flasche tili verschreiben lassen aber kein täglicher gebrauch Wink
nur so für ab und an mal für nen rausch^^

wollte ratiopharm eigntl vermeiden aber hab es jetzt einfach von ratio Plus bekommen...müsste eigntl mit 50ml lange auskommen da ich es ja nicht jeden tag nehme...aber sind die 50mg tropfen also müssten 40 tropfen ja 100mg umgerechnet sein so steht es i-wie auch auf der packungsbeilage...

ist es bei tropfen egal ob man ne std vorher gegessen hat? bei tabs lasse ich immer viel luft zwischen damit die wirkung auch so kommt wie es sein sollte^^

ne aber jeden tag nehme ich es ja nicht...will ja nicht benzo und tiliabhängig sein
Shocked

mal schauen wielange es bei mir hält wenn ich es net jeden tag nehme...

Greetz Der Eine
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Tammio
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Anmeldungsdatum: 03.05.2012
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 19. Mai 2012 00:51    Titel: Tramal Antworten mit Zitat

Ich nehme 'Traqmal jetzt gute 4 Jahre lang. Ich zähl aber nicht die Tropfen, sondern Hübe. Ein Hub sind 8 Tropfen. Ich nehme am Tag ca drei mal 40 Hübe. Das macht so 1500 mg pro Tag. Ich will das gar nicht mehr ausrechnen. Mein Arzt rechnet es mir ab und an vor. Aber da er es mir ja privat verschreibt, juckt es keinen. Ich bemühe mich, mit 100 ml (große Flasche, N3) eine Woche lang auszukommen
Vor zwei Jahren machte ich einen kalten Entzug. Erstens bin ich keine 20 mehr und außerdem bin ich politox. Hab schon Entgiftungen und Pola hinter mir und ich kenn den "Affen" nur zu gut. Ich schaffte es mal gerade vier Monate. Jetzt hab ich vor, vielleicht wieder kalt zu entziehen. Ich hab schon Angst davor, weil wirklich jede Zelle meines Körpers vollgepumpt mit Tramal ist. Ob man wohl dabei sterben kann? Oh mein Gott, hab ich Angst... Shocked
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Tammio
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 03.05.2012
Beiträge: 24

BeitragVerfasst am: 19. Mai 2012 01:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann nur sagen, lasst es. Das ist anfangs so, nur manchmal, am Wochenende, für einen Rausch. Genauso schlittert man hinein - eigentlich ist man da schon in der Abhängigkeit. Du und dein Körper werden es nie mehr vergessen. Das Zeug ist so hinterhältig - man ist ja schon süchtig, wenn man es meinetwegen "NUR" einmal im Monat nimmt. Du wirst immer drandenken müssen, die Tage zählen, sich freuen, aber es wird Tage dauern, bis du dich davon erholt hast, bis du nicht mehr IMMER drandenken mußt. Aber da freut man sich schon wieder aufs nächste Mal - viell. ein paar Tage früher, viell. etwas mehr, vielleicht zur Belohnung für irgendwas. Man findet tausend Gründe. Das ist Sucht.
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Infinity18
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 09.12.2008
Beiträge: 45

BeitragVerfasst am: 30. Mai 2012 19:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hab Tramadolhydrochlorid schon vor Morphium und Heroin konsumiert, damals aber um mich zu berauschen, jetzt gegen die restlichen Entzugsymptome.

Finde aber Codidol besser - hat ne längere Halbwertszeit und zwei einahmen am Tag reichen.

In Deutschland bekommt man Codidol nur mit suchtmittelrezept, stimmt das?
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mg62
Anfänger


Anmeldungsdatum: 29.12.2012
Beiträge: 17

BeitragVerfasst am: 30. Dez 2012 00:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Raver, ein ganz toller Beitrag von Dir ! Und wie zutreffend. Bei mir kam der Drache eben um 20.30 nach 45 Std. kaltem Entzug. Habe soeben ein heißes Bad genommen,und fast alles weg im Nieren- und Rückenbereich.Wie lange es anhält weiß ich natürlich nicht.Aber dann eben vllt. noch ein Bad. Ein Tipp für alle Betroffenen: Ein heißes Bad entspannt die Muskeln und was weiß ich noch alles. Gleich sind es 48 Std. bei mir ohne einen Tropfen Trama. Ich halte bislang gut dagegen ! Viel Kraft und Mut an alle Betroffenen. Traut es Euch zu auszusteigen. Es geht wirklich,und ich habe über 13 Jahre tgl. hoch konsumiert ! Gruß Schmerzpatient Güni
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