zufriedene Nüchternheit-zufriedene Abstinenz

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Boracay
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 2. Jul 2012 22:02    Titel: zufriedene Nüchternheit-zufriedene Abstinenz Antworten mit Zitat

Hallo,
betrifft wohl alle, die clean sind...egal was für ein Kick war.
Da die Droge, in meinem Fall Alkohol, viel Raum in meinem Leben hatte und ich seit kurzem abstinent bin, stellt sich mir die Frage, ob ich durch Abstinenz auch Zufriedenheit erleben werde. Im Moment fühlt es sich eher schal an...so freud- und kicklos.
Wird mein Suchtgedächtnis auf Dauer zufriedene Nüchternheit verhindern?
Oder sagt Ihr Euch...das war eine Zeit, die nun vorbei ist und nun ist halt ne andere Zeit?
Gibt es evtl. einen psychologischen Taschenspielertrick? Ich bin zur Zeit in einer Selbsthilfegruppe...die konnten mir dort meine Frage nicht beantworten. Und auch im Netz finde ich dazu zu wenig.

Ich lebe die jetzige Zeit nach meinem Sinnspruch..."Auch das geht vorbei"
Aber schöner wärs, wenns anders würde

Beste Grüße
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mesut76
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 04.03.2012
Beiträge: 1238

BeitragVerfasst am: 2. Jul 2012 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Am Anfang muss du durchhalten und stark bleiben, lass dich von so höhen und tiefen nicht beinflussen, natürlich kann es sein, das du die nächsten Monate eher den Eindruck machst, als wärst du unglücklich und etwas stimmt nicht, (ich schreibe es "KANN" sein), aber lass dich von solchen Stimmungsschwankungen nicht von deiner Entscheidung abbringen, schließlich werden dich ein paar Wodka auf Dauer auch nicht glücklicher machen Smile

Ganz ehrlich bei mir war es in dem ersten halben Jahr so, das ich vielleicht einmal in der Woche, gelacht habe, ich meine so richtig schön ausm Herzen heraus. Und ca 8 Monate später hat sich das wieder normalisiert und ich würde sagen jetzt nach einem Jahr ist es ziemlich ausgeglichen.

Bei manchen gehts viel schneller, je nachdem wie schnell man sich davon so richtig verabschiedet hat und wirklich kein Bock mehr drauf hat.

Natürlich wird das wieder normal werden, der Mensch gewöhnt sich fast an alles und eigentlich wird alles viel schöner, wenn man klar in der Birne ist.

Du wirst für dich selber Dinge finden die dir gefallen und ich hoffe du entdeckst solche kleinigkeiten und genießt sie dann auch.
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 2. Jul 2012 22:29    Titel: Antworten mit Zitat

Ja siehste, mesut, heute bist DU derjenige, der anderen mit Rat zur Seite steht Cool Wink !
Zitat:
Oder sagt Ihr Euch...das war eine Zeit, die nun vorbei ist und nun ist halt ne andere Zeit?

Genau diesen Satz habe ich mir mehr als ein Mal gedacht. Mit dem Ende des Suchtmittelkonsums beginnt tatsächlich - mal wieder - ein "neues Leben" und das ist gut so. Der Mensch muss sich weiterentwickeln, Stillstand bringt´s auf Dauer nicht. Mir persönlich hat sehr geholfen, dass ich ein altes, lange brachliegendes Hobby wieder aufgenommen habe. Das Glücksgefühl, das ich daraus gewinne, hält teilweise mehrere Tage an. Natürlich ist nicht alles easy, aber das war es mit Drogen oder Alkohol ja auch nicht.

Ja, es fehlt irgendwie was. Aber das ist ja kein Wunder nach so vielen Jahren...
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bonsai
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 01.03.2012
Beiträge: 103

BeitragVerfasst am: 3. Jul 2012 15:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Boracy,
ich bin seit mehr als 3.5 Jahren abstinent und arbeite täglich an meiner Zufriedenheit, die kommt nicht von alleine. Aufhören zu trinken und warten das sich irgendwann und irgendwie etwas ändert, neeeee. Hast Du denn überhaupt eine Vorstellung wie die Zufriedenheit aussehen soll und wie füllst Du das Vakuum das durch die Abstinenz entstanden ist? Wenn sich alles schal-und freudlos anfühlt, hört sich das eher an als ob Du emotional noch nicht ganz abgeschlossen hast. Du solltest Dich aber auch nicht zu sehr unter Druck setzten, wenn Du erst seit kurzem abstinent bist. Das dauert schon ein paar "Tage". Das Suchtgedächtniss behindert die Zufriedenheit nur dann wenn Du zulässt das es Dich beherrscht. Die SHG alleine wird Dir da wahrscheinlich auch nicht helfen können? Was hast Du Dir als professionelle Unterstützung besorgt?

B.
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Antonymus
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 18.05.2012
Beiträge: 86

BeitragVerfasst am: 3. Jul 2012 16:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Boracay,

ich finde ganz toll, dass Du das hier ansprichst. Meine Vorkommentatoren haben Dir schon sehr gutes Feedback gegeben und ich möchte noch etwas nachschieben:

1. Die Sucht, gleich welche, ist ungefähr der Versuch einer Abkürzung zum Glück bzw. zur Zufriedenheit.

2. Stecken wir in der Sucht, merken wir, dass das Gegenteil von Glück bzw. Zufriedenheit eingetreten ist.

3. Nach dem Entzug sind wir wieder bei Punkt 1

4. Nun haben wir die Gelegenheit das Glück bzw. die Zufriedenheit für uns zu finden, denn Glück bzw. Zufriedenheit entsteht nicht von allein. Wir müssen etwas tun. Wir müssen das tun, WAS UNS GLÜCKLICH MACHT.

Glücksbringer:

-Geben, anstatt nehmen
-Soziales Netzwerk
-Familie
-intakte Beziehung
-Hobbies
-Sport
-Freude bei der Arbeit
-Anerkennung

Süchtige tendieren dazu, die ganze Liste oben zu missachten und wundern sich dann, dass kein Glück entstehen will?!

Wievielen Menschen hast Du in den vergangenen 24 Stunden:

-ein Lächeln geschenkt
-Danke gesagt
-etwas liebevolles GEDACHT

Wünsche Dir alles Liebe und Gute... das Leben ist kein Kampf
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Boracay
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.06.2012
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 3. Jul 2012 17:48    Titel: Antworten mit Zitat

Besten Dank für die zahlreichen Antworten.

Ich schrieb an anderer Stelle erklärend, dass meine Entscheidung, nicht mehr zu trinken, mit den psychischen Auswirkungen zu tun hatte (Depressionen, Gereiztheit, zurückgehende Gehirnleistung). Ich denke, ich leide zur Zeit unter diesen Auswirkungen.
Auch gaukelt mir mein Suchtgedächtnis noch vor, es wäre doch alles nicht so schlimm ...und die schönen Zeiten...und...und...und

Antonymos schrieb: Wir müssen das tun, was uns glücklich macht.
Das muß ich wieder lernen...viele der beschriebenen Dinge
-Soziales Netzwerk
-Familie
-intakte Beziehung
besitze ich, schätze diese zur Zeit aber nicht richtig.

Was die Hilfe angeht...ich hab 25 Therapiestunden von meiner KK genehmigt bekommen...die gehe ich demnächst an.

Ja...und dann hilft mir noch die Beschäftigung hier in diesem Forum...durch eigene und threads anderer finde ich mich wieder.

So versuche ich das Vakuum zu füllen...es ist bestimmt Gewöhnungssache nach nahezu 30 Jahren täglichen Konsums von Alkohol.
Vom Experiment zum Erfolg...ich muss mich irgendwie neu definieren...meinen Platz abseits der Sucht finden...ich bin zwar kein neuer, aber ein anderer Mensch.

Eure Beschreibungen machen mir Mut, auch wenn jeder eine kürzere oder längere Phase benötigt, zu merken, dass nix wirklich fehlt.
Ich kenne das vom Rauchstopp (seit einem Jahr)...heute fehlt mir das Rauchen überhaupt nicht mehr.
Ich hoffe, mir geht es eines Tages mit dem Alkohol auch so.

Beste Grüße
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newlife
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 30.11.2011
Beiträge: 1844

BeitragVerfasst am: 3. Jul 2012 18:35    Titel: Antworten mit Zitat

So mit den "Antworten aus dem Lehrbuch" bin ich nicht einverstanden. Du musst in dich selbst reinhören und schauen, was du nun für Erwartungen hast. Wenn du permanent nun gesagt bekommst, du musst jetzt trocken werden und irgendwann kommt auch die Zufriedenheit, dann ist das alles Quatsch mit Soße.
Willst du gerne trocken leben? Beantworte diese Frage ehrlich. Wenn ja, ist das schön und du bist ja dadurch auch bereits ein Stück zufrieden. Aber eben nur, wenn du das auch gerne so haben möchtest. Wenn du lieber trinken willst und aus anderen Gründen die Trockenheit vorziehst, wirst du nicht zufrieden werden. D.h. aber auch nicht, dass es dir dann ständig schlecht geht, du musst dann nur deine eigenen Erwartungen etwas runterschrauben.

Ich lebe trocken seit 2,5 Jahren. Ich weiß, dass es für mich richtig ist. Ich bin aber auch ehrlich und möchte dennoch manchmal gerne trinken. Ich mache es aber nicht und werde auch nicht der glückseligste Trockene. Vielleicht ändert sich aber meine Einstellung dazu auch mal und es passiert doch noch. Heute brauch dann halt mal ne andere Droge und dann ist aber auch mal wieder gut. Wichtig dabei ist in erster Linie, dass du mit dir selbst klar kommst.
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Antonymus
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 18.05.2012
Beiträge: 86

BeitragVerfasst am: 4. Jul 2012 09:41    Titel: Antworten mit Zitat

newlife hat Folgendes geschrieben:
So mit den "Antworten aus dem Lehrbuch" bin ich nicht einverstanden.


Ich habe meinen Kopf benutzt und keine Lehrbücher, falls das ein Wink an mich sein sollte.

Zitat:
Ich lebe trocken seit 2,5 Jahren. Ich weiß, dass es für mich richtig ist. Ich bin aber auch ehrlich und möchte dennoch manchmal gerne trinken.


Vielleicht würden ein paar Tipps aus Lehrbüchern helfen Smile

Liebe Grüße,
Wink
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newlife
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 30.11.2011
Beiträge: 1844

BeitragVerfasst am: 4. Jul 2012 11:53    Titel: Antworten mit Zitat

ne ne Antonymus. Sollte gar kein Wink an dich sein. Ich schreibe nur aus meiner Erfahrung und versuche mich selbst zu reflektieren und zu beobachten, wie ich mich zur Zeit so fühle.
Ich will lediglich ausdrücken, dass mit "Zwang" auf Dauer nichts funktioniert. Smile
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