Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen |
Autor |
Nachricht |
SAUBERMANN Platin-User

Anmeldungsdatum: 27.03.2012 Beiträge: 1356
|
Verfasst am: 17. Aug 2013 22:22 Titel: |
|
|
@benoyoun:
im nachhinein ist es immer ein leichtes, erklärungen zu finden...
"ICH BIN CLEAN, WEIL ICH EINEN STARKEN WILLEN HABE."
"ICH HAB DURCH DEN HARTEN ENTZUG GEMERKT, WIE DOOF DROGEN SIND."
usw...
wenn das alles so easy wäre, wie du es hier darstellst, dann gäbe es keine süchtigen mehr...
ich sehe es so:
JEDER mensch hat bis zu einem gewissen grad GRUNDSÄTZLICH eine mitverantwortung für sein handeln. aber ich bin auch der überzeugung, dass wir menschen ebenso ein stück weit determiniert sind oder -um es nochmal anders anzugehen: wir menschen sind nicht immer herr unseres handelns... und das gilt NICHT nur für süchtige.
du brauchst dich nur mal mit dingen wie verkaufspsychologie usw. zu befassen und du wirst schnell merken, wie anfällig wir menschen sind für dinge, die sich unserer bewussten wahrnehmung entziehen...
ebenfalls sehr menschlich ist der selbstbetrug. das finde ich nicht gerade schön, aber es gehört zum menschen dazu, sich gewisse dinge in gedanken "schönzusaufen"... ich kenne zb. fette menschen, die sich sagen: "MEINE WADEN SIND SEHR GUT TRAINIERT UND FEST"... oder: "WENN ICH WOLLTE, KÖNNTE ICH DAS PHYSIKSTUDIUM SCHAFFEN. ICH WILL ABER NICHT..."
usw... neulich war ich mitm bekannten in der city.. er hat seit jahren keine vernünftige frau mehr klargemacht und ist nur am kiffen.. aber in der stadt gafft er jedes 15jährige mädel in hotpants an und sagt danach zu mir: "HAST DU S GESEHN? DIE HAT MICH GRAD VOLL BLICKGEFICKT!" (und das meint er leider wirklich ernst, obwohl das mädchen ihn nur angewidert angeschaut hat).
und zum thema "JEDER IST VOR DROGEN GEWARNT WORDEN!", kann ich nur folgendes sagen: J E I N !
warum "jein"?
nun, einerseits ja, weil es zur drogenpolitik gehört, alle illegalen suchtmittel zu verteufeln.
andererseits nein, weil es kaum vernünftige, sachgerechte aufklärung gibt.
ich zb. habe immer nur gelernt, dass zb. "HEROIN SOFORT SÜCHTIG" mache usw... oder dass man "VON LSD HALLUZINATIONEN HAT UND AUS DEM FENSTER SPRINGT" usw... alles dinge, die nicht der realität entsprechen. man hat uns angst vor drogen gemacht. ich habe auch erst relativ spät angefangen, drogen zu nehmen.
meine freunde fingen an, mit drogen zu experimentieren. und meine damalige freundin hatte eh schon sehr große erfahrung mit koks, lsd, thx, pilzen usw... ich war dagegen immer derjenige, der nichtmal geraucht hat.
als ich dann merkte, dass meine freunde zwar drogen nehmen konnten, aber keinesfalls sofort süchtig wurden oder gar verelendet sind, wurde auch ich neugierig. und so begann ich, zu experimentieren... ich nahm zb. mal heroin auf nase und war total geflasht vom gefühl.. aber ich war halt nicht sofort süchtig. was passierte also in meinem denkprozess? ich merkte, dass die sog. "drogenaufklärung" sehr viele lügen verbreitet hat.
nun ist es so, dass opiate beim thema sucht eine sonderrolle einnehmen, denn der absprung davon ist offenbar deutlich schwerer und langwieriger, als der entzug von den meisten anderen substanzen.
insofern sollte sich auch zb. ein kiffer, der clean ist, niemals anmaßen, über opiatsüchtige zu urteilen.
nicht nur der körperliche entzug ist so schwer, sondern der gesamte entwöhnungsprozess von opiaten ist um ein vielfaches schwieriger als von fast allen anderen substanzen. vergleichbar wären einzig noch benzodiazepine. ich würde auch kokain nicht auf die gleiche stufe stellen.
opiate integriert der süchtige so fest in seinen alltag und in sein gesamtes leben, dass man sehr, sehr viel kraft braucht, um diese muster zu durchbrechen.
und es gibt noch einen ganz entscheidenden faktor in der beurteilung von süchtigen menschen: MAN KANN NIEMALS "KONSUMENT A" UND "KONSUMENT B" VERGLEICHEN. man kann nicht sagen: "ICH BIN VON SCHORE WEGGEKOMMEN UND ALLE ANDEREN DIE DAS NICHT SCHAFFEN, SIND WILLENSSCHWACH."
wir wissen gar nicht, welches schicksal jemand anderes erleiden mußte.
ich mache es so:
aufgrund der o.g. faktoren erspare ich es mir, menschen zu verurteilen, WEIL sie drogen nehmen. wenn jemand aus einem alkoholiker-elternhaus kommt, immer geschlagen wurde, keine schul-/ausbildung etc. hat und seit 25 jahren drauf ist, dann ist das so und niemand, der sowas nicht selbst erlebt hat, kann beurteilen, wie man dann drauf ist.
was ich jedoch sehr wohl erwarte: für mich hat -wie erwähnt- JEDER MENSCH ein stück weit eigenverantwortung. und ich verurteile leute dann zb. dafür, dass sie sich zb. auf der szene scheiße benehmen, laut sind, rumpöbeln usw...
und man MUSS sich auch kein methadon fixen oder n knaller in die leiste setzen usw... DAS LIEGT IN DER EIGENVERANTWORTUNG EINES JEDEN.
so sehe ich das zumindest ungefähr. eine saubere abhandlung würde hier den rahmen sprengen...
und noch etwas:
wenn man jung ist und seinen ersten oder zweiten entzug geschafft hat, nachdem man 4-5 jahre hardcore gekifft hat und danach evtl. ein paar dinge geschafft hat, die man vorher nicht gepackt hat (zb. ein höherer schulabschluß, ausbildung, sport, beruf oä.), dann glaubt man oft, man könne ALLES SCHAFFEN... aber hier muß man aufpassen, weil hier ein böser fallstrick warten kann.. denn im leben gibt es keine garantie, dass es ewig so gut weitergeht...
und dann kann es gut sein, dass die drogen wieder anklopfen, man einen rückfall baut und am ende tiefer in der scheiße steckt als jemals zuvor... |
|
Nach oben |
|
 |
BlancheNeige Gold-User


Anmeldungsdatum: 22.10.2011 Beiträge: 694
|
Verfasst am: 18. Aug 2013 08:19 Titel: |
|
|
Entspann dich, Saubermann. So, wie ich es verstanden habe, hat Beny. mit Partydrogen aufgehört. Dieses ist ohne jahrelangen Kampf machbar. Das kann man auch von heute auf morgen bewerkstelligen.
Ich denke nicht, dass das mit deiner Methadonabhängigkeit vergleichbar ist.
Deshalb würde ich das Willenstärke-Gefasel auch nicht so bierernst nehmen.
Lass ihm den Erfolg.
Gruß
Nora |
|
Nach oben |
|
 |
Lugosi Gold-User

Anmeldungsdatum: 06.05.2013 Beiträge: 739
|
Verfasst am: 18. Aug 2013 13:14 Titel: |
|
|
hallo Nora,
so ähnlich dachte ich es mir auch bei Beny, ich habe zwar
nur sehr wenig erfahrung mit den partydrogen, aber das
ein riesiger unterschied besteht zwischen meiner opiatsucht
und eben den partydrogen ist mir dennoch bewusst.
ich möchte jetzt auch nicht bestreiten, das es für einen
partygänger, zumindest psychisch schwer sein kann von seinen
pillchen und pülverchen wegzukommen und dennoch empfinde
ich es als einen schlag ins gesicht für jeden morphinisten die
jeweiligen drogen zu vergleichen.
was beny da teilweise vom stapel gelassen hat ist schon dreist
und überheblich, vor allem für die opiatsüchtigen, die sich ernst-
haft mit ihrer sucht auseinandersetzen und ständig mit sich ringen
wieder einen ml oder ein paar mg runtergehen und leiden.
es mag ja sein das Beny manchen partygängern sogar eine hilfe
sein kann, aber bitte nicht bei opiatabhängigen.
ich würde es mir auch nie anmaßen einem alkoholsüchtigen tipps
für seinen entzug zu geben, denn auch da bin ich glücklicher-
weise von einer sucht verschont geblieben.
um es auf den punkt zu bringen:
'schuster bleib bei deinen leisten!' |
|
Nach oben |
|
 |
|
|