Freund ist tot.

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Taweba
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.10.2013
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 09:51    Titel: Freund ist tot. Antworten mit Zitat

Ich habe mich letzten Sonntag Abend hier angemeldet um mich mit anderen Angehörigen auszutauschen und mir hier und da Rat zu holen.
Während ich das gemacht habe, war mein Freund schon tot, ich wußte es nur noch nicht. Ich erzähle die ganze Geschichte, versuche mich aber so kurz wie möglich zu halten.

Im Mai habe ich ihn kennengelernt, er sagte mir von Anfang an das er über 20 Jahre Abhängig sei(Heroin, Koks und Tabletten), war aber seit zwei Jahren clean, bzw. im Methadonprogramm. Er war arbeitslos und hat im ganzen Leben durch die Drogen auch nie wirklich lange irgendwo gearbeitet. Da wir eine Fernbeziehung führten und es beide nicht lange aushielten kam schnell das Thema zusammenziehen auf. Ich hatte zwar Arbeit und viele Freunde in meiner Heimat, er hatte aber einen Vater der gesundheitlich sehr angeschlagen is und ein Haus um das sich gekümmert werden muss. Also zog ich Anfang August zu ihm.
Wir verstanden uns auch wirklich super, obwohl ich befürchtet hatte das wir uns die erste Zeit wohl ziemlich fetzen werden. Beide Arbeitslos, den ganzen Tag Langeweile und kaum Geld. Ich hatte ja ne Dreimonatssperre vom Arbeitsamt da ich selbst gekündigt hatte. Aber wie gesagt es lief sehr harmonisch und wir waren trotz allem glücklich. Vor drei Wochen hatte ich dann endlich das Glück einen Job zu finden und alles schien endlich perfekt zu werden. Heute vor zwei Wochen hatten wir den letzten schönen Tag unsrer Beziehung. Wir lagen den ganzen Tag kuschelnd im Bett und planten unsre Hochzeit. Montags war auch noch alles ok, er war nur etwas schlecht gelaunt weil er nachts schlecht geschlafen hatte( mittlerweile weiß ich, dass es andere Gründe hatte), ich bin um 15 Uhr zur Arbeit gefahren, er schrieb mir zwischendurch noch das er mich vermisst und liebt und als ich nachts nach Hause kam, war er total zu. Ich bin dann ins Bett weil ich keine Nerven zum diskutieren hatte, am nächsten Tag musste ich um halb zehn schon arbeiten, da schlief er noch als ich losfuhr und abends konnte ich dann endlich mit ihm reden. Nu ja es kam das übliche, nix genommen, nur gekifft blablabla, irgendwann gab er das mit den Tabletten dann zu.
Er hat sich dann die nächsten Tage stundenlang nur bei seinen Drogenkumpels rumgetrieben, es wurde immer schlimmer, weil er kaum noch ansprechbar war, ständig eingeschlafen is usw.. ihr kennt das ja.
Sonntags morgens hielt ich es dann nicht mehr aus und bin nach oben in die Wohnung meiner Kinder gezogen und hab ihm gesagt, dass ich warte bis er wieder klar ist und wir dann gucken wie das weiter geht.
Mittags war er kurz mit seinem Vater weg und ich hab die Wohnung durchsucht und Tabletten gefunden, die hab ich dann ins Klo geworfen, seinen Rollerschlüssel und den Garagentoröffner eingesteckt und bin wieder rauf in die Wohnung.
Als er dann nach Hause kam muss er irgendwo den Ersatzschlüssel gefunden haben, sein Vater hat ihm seinen Garagenöffner gegeben und er is weggefahren. Stundenlang hab ich gewartet, immer wieder aus dem Fenster geguckt und auf das Geräusch seinen Rollers gewartet. Aber die einzigen die kamen, waren Abends zwei Polizisten um mir zu sagen das er einen tödlichen Unfall hatte. Auf einer kerzengeraden, sehr breiten Strasse ist er in ein entgegenkommendes Auto gefahren.
Der Verlust tut unbeschreiblich weh, aber die quälenden Fragen lassen mich auch nicht zur Ruhe kommen. Ist er auf dem Roller eingeschlafen, wars vielleicht sogar Absicht, wäre er nicht weggefahren wenn ich die Tabletten nicht entsorgt hätte und warum wurde er überhaupt wieder Rückfällig gerade als wir so wahnsinnig glücklich waren. Fragen auf die ich nie eine Antwort bekommen werde, ich weiß auch, dass es eigentlich nichts ändert wenn ich es weiß und das ich lernen muss es einfach zu akzeptieren. Aber das is nicht so einfach. Zumal die letzten Worte zwischen uns nicht wirklich freundlich waren und wir uns mehr oder weniger im Streit getrennt haben.

So jetzt isses doch länger geworden, aber ich hoffe dennoch das es der ein oder andere liest .

Gruß Tanja
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kaesekruste
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 07.09.2009
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 11:39    Titel: Antworten mit Zitat

erstmal mein beileid !
sicherlich bist nicht nur du, sondern auch sein vater völlig fertig.
ich habe gerade selbst einen verlust hinter mir und man wird so schnell mit irgendwelchen sachen konfrontiert. also bestattungsunternehmen, trauerfeier, erbe ausschlagen / annehmem...
usw...
ok, man hat etwas zeit, aber meiner meinung nach viel zu wenig. bei mir sind es jetzt 5 wochen. werde morgen das erbe ausschlagen, aber bin noch lange nicht bereit dafür.

vor allem darfst du dir keine schuld dafür geben. so wie du dich anhörst, bist du eine sehr "vernüftige" frau, die keinerlei drogen.-suchtprobleme hat.

du kannst einen suchtkranken nicht großartig helfen. also tabletten wegschmeissen oder sowas ist quatsch. früher als kind habe ich den alkohol meiner mutter weggegossen. genau so ein blödsinn...

warum/weshalb er sich nach 2 jahren cleanzeit wieder entschlossen hat rückfällig zu werden, wird dir niemand sagen können.
das weiß nur er allein.

aber es braucht für einen drogenabhängigen auch nicht immer einen grund rückfällig zu werden. es ist, als wenn dir jemand einen schalter im gehirn umdreht und man läuft automatisch los. in die szene oder sonstwas.

du selbst darfst dir jetzt keinerlei fragen oder gar vorwürfe machen. je nachdem, wie du drauf bist, aber ich kann dir raten hilfe zu holen.

bei mir sind schon so viele menschen gestorben. aber erst jetzt nach dem tot meiner mutter, habe ich mir das erste mal hilfe geholt.
bei mir waren es gespräche im örtlichen hospitz. ob es großartig geholfen hat, kann ich dir jetzt noch nicht sagen, aber es ist schön mit außenstehenden menschen zu reden.

deine situation kenne ich ja nicht. ziehst du jetzt wieder weg ? neue stadt, obwohl du eine arbeitsstelle gefunden hast? ich weiß ja nicht, was du beruflich machst.
aber jetzt wohnst du da mit seinem kranken und nun auch trauerernden vater in einem großen haus ? verstehst du dich gut mit ihm? weiß er wie krank sein sohn war ?

du merkst schon, fragen über fragen.

ich wünsche dir alles alles gute. auch wenn es sich jetzt blöd anhört, aber irgendwann verschwinden die bösen geister wieder.

ist jetzt eine grausame zeit wo du durchmusst...

schreibe hier einfach, was dir auf der seele liegt. auch wenn du nicht immer schnell eine antwort bekommst, so kannst du doch davon ausgehen, dass du in diesem forum wirklich gute und qualifizierte antworten bekommst..

so, zum letzten male...


alles alles gute !
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Taweba
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.10.2013
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 12:14    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die lieben Worte!
Seinem Vater gehts ganz mies, ich glaube es gibt nix schlimmeres als sein Kind zu überleben. Unser Verhältnis zueinander ist nun ja, ich nenne es mal freundlich, aber distanziert. Er sagt auch immer noch sie zu mir, bezieht mich jetzt jedoch in alles ein, ich durfte auch die Blumen und die Lieder für die Trauerfeier aussuchen.
Ich bin ja nur wegen seinem Vater hierher gezogen und da lasse ich ihn jetzt nicht allein. Das bin ich meinem Freund auch schuldig und es is das letzte, was ich noch für ihn tun kann. Obwohl ich einerseits viel lieber wieder zurück in die Nähe meiner Freunde gehen würde, aber momentan kann ich den Gedanken widerrum nicht ertragen, fernab der schönen Erinnerungen und unserer Lieblingsplätze zu sein.

Ja sein Vater wußte es, er wußte auch das er den Rückfall hatte, hat ihm ja noch Geld gegeben und ihn mittags zu seinem Substitutionsarzt gefahren, weil er sein ganze Wochenration Methadon schon aufgebraucht hatte.
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kaesekruste
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 07.09.2009
Beiträge: 89

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 12:36    Titel: Antworten mit Zitat

ich entschuldige mich schon mal für die kurze antwort, aber ich habe es leider gerade etwas eilig.

ich will dir nur sagen, aus deinem post geht für mich hervor, dass du ein ganz toller mensch bist. jedenfalls einen guten charakter hast, soweit ich das von hier überhaupt beurteilen zu können.

aber das der papa dich noch siezt ?!
naja, ältere menschen sind manchmal so. aber ihr wohnt doch sogar zusammen in dem gleichen haus, oder ?

wenn der vater ihn sogar noch geld gegeben hat zeigt ja, dass er über alles bescheid weiß.
würde mich gerne länger, bzw. richtig mit dir unterhalten.

aber finde ich absolut klasse, dass du jetzt dort bleibst um ihn zu pflegen...

lg
kaesekruste
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Taweba
Anfänger


Anmeldungsdatum: 27.10.2013
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Joar, ich denke sein Vater hat einfach resigniert, nach mehr als 20 Jahren wohl auch verständlich. Ich fürchte nur, er macht sich jetzt große Vorwürfe, weil er ihn hat fahren lassen obwohl er wußte,wie zu er ist.
Er redet sich auch selber ein, dass er gar nix genommen hätte, weil der Staatsanwalt den Leichnam gleich am nächsten Tag freigegeben hat glaubt er, sie hätten nix gefunden. Ich lasse ihn in dem glauben, das macht es ihm sicher leichter das ganze einigermaßen zu verkraften. Wobei er wohl momentan seine letzten Kräfte mobilisiert und ich glaube, wenn die Beerdigung der ganze Papierkram mal hinter ihm liegen, wird er zerbrechen. Er hat den Tod seiner Frau noch nicht überwunden, obwohl der schon 6 Jahre zurück liegt aber das hier gibt ihm sicherlich den Rest. Zumal er schon 76 und wie gesagt, gesundheitlich ziemlich angeschlagen, ist.

Und wir können uns ja demnächst mal länger unterhalten, bin ja oft genug online Wink
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Lillian
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 22.05.2013
Beiträge: 3818

BeitragVerfasst am: 3. Nov 2013 14:43    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Tanja,

mein herzliches Beileid.Das ist mehr als furchtbar, was Du gerade durchmachst.7

Ich denke, Du solltest Dir keine Vorwürfe machen. Du hast ja sogar den Garagentoröffner versteckt, damit er nicht wieder los fährt.

Auch wenn das nur belanglose Worte sind, die ich Dir cshreiben kann, muss ich sagen" Huta ab" für das, was Du wfür ihn getan hast.

Seine Heimat zu verlassen ist nicht so einfach. Habe das auch hinter mir. Doch lertzendlich war das eine der besten Entschlüße meines Lebens.

Ich wünsche Dir für die nächste Zeit ganz, ganz viel Kraft.

Alles liebe wünscht Dir Lillian
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