Dauerhaft das Gefühl, unter Drogeneinfluss zu stehen

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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 18:24    Titel: Dauerhaft das Gefühl, unter Drogeneinfluss zu stehen Antworten mit Zitat

Liebe Community,

Dies wird ein etwas längerer Bericht und ich danke jedem, der sich die Zeit nimmt, sich damit zu beschäftigen.

Ich bin fast 20 Jahre alt und habe eigentlich nie etwas vom Kiffen gehalten. Im Gegenteil. Ich war immer ein Gegner und habe mich auf Partys und so weiter immer zurückgehalten und "lieber" zum Alkohol gegriffen. Irgendwann kam dann aber der Punkt, an dem ich es dann einfach mal ausprobieren wollte. Ich hatte gerade mein Abi bestanden und war mit ein paar Freunden im Kurzurlaub. Meine Freunde hatten schon etwas Erfahrung und ich klinkte mich kurzerhand mit ein. Es war total entspannt und wir haben einige nette Abende verbracht - alles gut soweit. Nun hat mir die ganze Sache wohl leider etwas zu viel Spaß gemacht, denn ich wollte es bei der einen Erfahrung nicht belassen und machte weiter. Nicht sehr häufig, aber doch ab und zu.
Das ganze ging etwa zwei Monate so, bis ich schließlich mit einem guten Kumpel anscheinend eine Überdosis nahm (haben eine Minibong benutzt und jeder direkt nacheinander drei Köpfe noch dazu zweier unterschiedlicher Sorten geraucht) und einen fürchterlichen Horrortrip erlitt. Ich muss dazu sagen, dass ich zu der Zeit sehr gestresst gewesen bin und besonders an dem Tag eigentlich völlig kaputt war, was die Sache wahrscheinlich nur begünstigt hat.

Jedenfalls dauerte es bestimmt zwei Stunden, bis die Angst allmählich zurückging und ich irgendwann abends dann auch endlich schlafen gehen konnte. Am nächsten Morgen wachte ich auf und merkte plötzlich beim Frühstücken, dass irgendetwas nicht stimmte. Ich hatte plötzlich wieder etwas Angst und fühlte mich auch allgemein noch gar nicht wieder richtig nüchtern. Das hat mich total wuschig gemacht, bin nur noch auf und ab gelaufen, habe einen Kumpel angerufen und war mit den Nerven am Ende, weil ich Angst hatte, mein normales Leben verspielt zu haben. Also kam mein Kumpel, nahm mich mit und wir fuhren den Tag ein bisschen rum. Er beruhigte mich und ich erholte mich allmählich wieder. Irgendwann abends war es dann schon deutlich besser und nach ein bis zwei Tagen war alles soweit wieder in Ordnung - vorerst.
Einige Tage später war ich auf einer Party eingeladen, auf der ich eigentlich nicht trinken wollte, weil ich den Plan hatte, meinen Körper mal wieder ein wenig zu entgiften. Dann erreichte mich jedoch mitten in der Nacht eine Nachricht, die mich extrem glücklich machte und ich beschloss, mit meinem besten Freund darauf zu trinken. Gesagt getan. Das komische war, dass ich mich nicht betrunken, sondern eher so fühlte, als wäre ich high. Ein sehr merkwürdiges Gefühl, bei dem ich mir zunächst nichts weiter gedacht hatte. Das böse Erwachen folgte am nächsten Morgen:
Ich wachte auf und zunächst war alles so wie immer. Als ich dann aber beim Frühstück saß, ging mir plötzlich ein Schock durch den ganzen Körper. Ich hatte auf einmal wieder massive Angst und war zurück auf dem Trip von vor einer Woche. Wird wohl ein Flashback gewesen sein, denke ich.
Ich rief also wieder meinen Kumpel an, der mich dieses Mal ins Krankenhaus brachte. Dort wurde ich weitergeleitet. Man sagte mir, ich solle mich mal psychiatrisch untersuchen lassen und so liess ich mich eine Woche später vorsichtshalber in eine Klinik einweisen. Die ganze Zeit über seit dem Flashback fühlte ich mich wie benebelt und auch die Ängste waren immer mal wieder stärker oder auch schwächer da. Irgendwann in der Klinik erholte ich mich dann einigermaßen. Man diagnostizierte mir einen psychovegetativen Erschöpfungszustand, der durch den Horrortrip sozusagen zum Überkochen gebracht wurde. Nach drei Wochen verliess ich die Klinik und meldete mich für die weitere Behandlung in einer Tagesklinik an.
Das komische und für mich unheimliche war, dass ich mich nach wie vor etwas benebelt fühlte und mein Leben seit dem Flashback in einer Art dunklen Schleife festhing. Die Ärzte sagten aber, das gehe mit der Zeit weg und ich solle mir ohnehin nicht so viele Sorgen machen, da ich nicht psychotisch sei.

Nun gut, mit der Zeit vielen mir immer mehr Probleme auf. Ich hatte zum Beispiel Schwierigkeiten, schnellen Bewegungen z.B. auf dem Fernseher zu folgen (ebenso mit vorbeifahrenden Autos, schnellen Handbewegungen, kullernden Bällen) und auch allgemein war irgendetwas mit meiner visuellen Wahrnehmung nicht ganz in Ordnung. Ebenso war ich sehr empfindlich gegenüber lauten oder sehr hohen Geräuschen (das Klirren von Tassen etwa, obwohl mir dieses Problem im normalen Alltag gar nicht mehr so sonderlich auffällt).
Das Schlimmste aber war das Gefühl vom Kopf her. Mein Kopf kam mir so leer vor. Wo ansonsten Gedanken umherschossen, herrschte mitunter eine Art dunkle Leere. Außerdem kam ich mir wie vom normalen Leben isoliert vor. Wenn ich beispielsweise mit meinen Eltern auf dem Weihnachtsmarkt war und die anderen Menschen beobachtete, fühlte ich mich, als sähe ich das alles bloß als stiller Beobachter. Ich fühlte mich überhaupt nicht wie ein Teil des Geschehens. Außerdem ist mein Zeitgefühl anscheinend völlig abhanden gekommen. Und Dinge, die ich den Tag über gemacht habe, vergesse ich zum Teil sehr leicht, oder aber sie kommen mir vor, als lägen sie schon eine viel längere Zeit zurück. Hinzu kommt, dass ich emotional so abgeschlagen bin. Dinge, die ich sehe und erlebe, berühren mich zum Teil gar nicht mehr. Das einzige, was ich richtig fühlen kann, sind Trauer und Enttäuschung darüber, wie es gekommen ist.
Kurz gesagt.. ich fühle mich, als stünde ich noch immer unter dem Einfluss von Drogen, obwohl die Wirkung schon längst hätte abgeklungen sein müssen- logisch.

Die Ärzte in der Tagesklinik interpretierten die Symptome als eine Art Vorstadium von Shizophrenie oder ganz einfach ausgedrückt als "Denk- und Wahrnehmungsstörungen". Ich bekam also Neuroleptika, was die Sache eindämmen sollte. Ich selber war von dieser Diagnose jedoch von Anfang an nicht überzeugt, da ich weder halluzinierte, noch irgendwelche Stimmen hörte, noch Wahnvorstellungen oder dergleichen hatte. Außerdem war ich mir sehr wohl darüber bewusst, dass etwas ganz und gar nicht stimmte, wobei die Krankheitseinsicht bei einer Psychose wie Shizophrenie ja oft fehlen soll.

Nun ist die nächste Woche meine letzte Woche in der Tagesklinik und mir geht es noch immer nicht besser. Habe mich lediglich etwas besser mit der Situation abgefunden, rechne aber ehrlich gesagt kaum noch mit einer Heilung, zumindest nicht vorerst. Trotzdem macht es mich umso verrückter, dass ich anscheinend nicht mal die richtige Diagnose für meinen Zustand bekomme, sodass ich nicht mal die Chance hätte, mir noch einmal professionellere Hilfe zu suchen - denn Hängengeblieben ist kein psychiatrisches Krankheitsbild, sondern bloß eine Umschreibung, die gerne von uns Jugendlichen verwendet wird. Ich hätte aber gerne einfach eine ärztliche Diagnose, die mehr Sinn auf mich macht, als eine prodromalphase von Shizophrenie.
Mir ist natürlich klar, dass ihr alle vermutlich keine Ärzte seid und auch schlecht Ferndiagnosen stellen könnt. Trotzdem wäre ich dankbar für alle Versuche, mein Problem vielleicht irgendwo einzuordnen, sei es aus eigenen Erfahrungen oder allgemeinem Wissen heraus.

Vielen Dank Smile

P.S. Ich habe über Depersonalisation nachgedacht (aufgrund der "gedanklichen" Symptome), aber dazu passen meiner Meinung nach - wenn man Wikipedia etc. trauen darf - die visuellen Probleme nicht so wirklich. (Die Schwierigkeiten beim Verfolgen schneller Bewegungen z.B.)
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Celestion
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 11.03.2015
Beiträge: 54

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

Also ich bin definitiv kein Experte aber einige Teile von deinen Schilderungen passen schon sehr zur
Derealisation / Depersonalisation
Hast du mal einen Artzt / Psychiater darauf angesprochen?
Dieses “Krankheitsbild“ hört man in letzter zeit sehr oft, auch in diesem forum , vorallen von der jüngeren gruppe
( < 25) und in Zusammenhang mit Psychoaktiven Substanzen.
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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 20:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm danke auf jedenfall schonmal für deine Antwort. Ich habe vor, das Thema nächste Woche mal anzusprechen, da das ja anscheinend sowieso eine Sache ist, die selten diagnostiziert wird.
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Haschgetüm
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 22:15    Titel: Antworten mit Zitat

Die Diagnose ist dir jetzt wichtig, wird dich aber letztlich nicht weiter bringen.
Den Auslöser kennst du.
Die Behandlung bekommst du schon.
Mehr kann die Medizin nicht machen.
Ich würde mir nen guten Psychiater suchen , aber mehr als mit Pillen experimentieren kann der auch nicht.
Wie lange bestehen die Probleme?
Sowas kann einige Monate andauern.
Oder auch bleiben.
Muss man abwarten.
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Haschgetüm
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 22:20    Titel: Antworten mit Zitat

Achso und die Diagnose lautet beim ersten Schub:
Drogeninduzierte Psychose.
Erst im weiteren Krankheitsverlauf kann man rausfinden, ob es sich um Schizophrenie handeln könnte. Da sich diese sehr unterschiedlich zeigt kann man das wohl nicht ganz ausschließen, klingt aber für mich erst mal nicht so, sondern einfach nach ner Psychose.
Aber wie gesagt ist eher zweitrangig, denn in allen Fällen ist Abstinenz die einzige Medizin die da hilft.
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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 22:40    Titel: Antworten mit Zitat

Danke auch für deine Antwort!
Die Probleme bestehen jetzt seit fast 16 Wochen, sprich 4 Monaten.
Das heißt, so eine drogeninduzierte Psychose muss nicht immer Shizophrenie sein?
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Haschgetüm
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 22:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ganz genau. Von einer Schizophrenie kann man erst sprechen, wenn trotz Abstinenz weitere Schübe auftreten.
Mach dich mal nicht bekloppt.
Noch besteht die Chance, dass sich das wieder gibt.
Ist es denn besser geworden oder unverändert?
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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 23:05    Titel: Antworten mit Zitat

Hmm nein, ist leider gleich geblieben. Die einzige Veränderung ist höchstens meine Einstellung zu dem ganzen. Habe mich wohl ein Stück weit damit abgefunden. Trotzdem... so ein Funken Hoffnung bleibt natürlich immer.
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Haschgetüm
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2394

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 23:07    Titel: Antworten mit Zitat

Dann bleibt nur hoffen.
Ich wünsch dir das es noch mal besser wird.
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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 22. Dez 2016 23:19    Titel: Antworten mit Zitat

Danke dir!
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perl
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 10.07.2016
Beiträge: 1100

BeitragVerfasst am: 23. Dez 2016 08:17    Titel: Antworten mit Zitat

Morgen!
Steigere Dich bitte nicht rein.
Lebe Deinen Alltag und lenk Dich ab, so gut es geht.
Und rede Dir nichts ein und lass Dir nichts einreden.

Du hast ja oben auch schon geschrieben, dass das Zusammensein mit Deinem Kumpel förderlich war.

Bist Du erstmal in der Psycho - Schiene, erfüllen sich plötzlich Dinge, mit denen man vorher nicht gerechnet hat.
Spreche da aus Erfahrung.

Gruß perl
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oneday
Anfänger


Anmeldungsdatum: 22.12.2016
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 23. Dez 2016 15:26    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für deine Antwort.
Ich versuche auf jedenfall, das meiste so gut es geht zu
ignorieren..
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