Baclofen gegen Alkoholismus

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gast1225
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 23.05.2015
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 17:08    Titel: Baclofen gegen Alkoholismus Antworten mit Zitat

Hi,

es geht nähmlich um einen sehr guten Verwanten von mir, er ist schwerer Alkoholiker und hat schon unzählige Langzeittherapien und Entgiftungen hinter sich, alles umsonst. Er meinte zur seiner Familie und zu mir, dass er den Suchtdruck nach einiger Zeit nicht mehr aushält, deswegen wird er immer wieder rückfällig und das mit sehr starken Alkoholvergiftungen bis zur Intensivstation.

Wir haben ja in den Medien dass so genannte Baclofen gefunden, dass solle ja den Craving ( suchtdruck) immer weiter abschwächen, wo auch sehr viele positive Berichte zu lesen waren. Denn ich und der Verwandte sehen es als letzte Chance. Denn bei den Ärzten wo er in Behandlung war hieß es mit den starken Suchtdruck leben oder sich todsaufen.


Deswegen habe ich eine sehr wichtige Frage, welche Ärzte ( egal ob Facharzt oder Allgemeinmediziner) bieten für Alkoholkranke in Kölner Raum die Baclofentherapie an? Wie hätte mein Verwandter die Möglichkeit ins Baclofenprogramm reinzukommen und dass im Köln / Bonner Raum.

Mit freundlichen Grüßen


zg
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surreal
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 05.06.2015
Beiträge: 2134

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 17:26    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt ein Forum speziell zum Thema "Baclofen und Alkohol", dort solltest du eher Hilfe bekommen. Wenn ich mich recht erinnere, gibt es dort sogar eine Liste mit Ärzten, die Baclofen zu diesem Zweck verkaufen.
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Obelix
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 18.06.2011
Beiträge: 770

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 18:39    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe mittlerweile die Erfahrung gemacht, dass es nicht zwingend einen speziellen Arzt bedarf, um das Medikament zu erhalten.
Ich habe meinem Hausarzt davon erzählt, er hat sich kurz darüber bei der Charite informiert und hat es mir verschrieben.
Auch in der Tagesklinik damals, habe ich das Medikament auf meinen ausdrücklichen Wunsch erhalten, auch nachdem sich der Arzt ersteinmal schlau machen musste.
Da kann ich mich nebenbei bei Praxx bedanken, denn ohne ihn wüsste ich wahrscheinlich bis heute nichts über Baclofen.

Aber: Nur weil man Baclofen nimmt, heisst es nicht automatisch, dass man aufhört zu trinken. Den Willen nicht mehr zu trinken zu wollen, muss auf jeden Fall vorhanden sein, sonst trinkt er lediglich "nur" weniger.

Soll auch Fälle geben, bei denen es überhaupt nicht wirkt.
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surreal
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 05.06.2015
Beiträge: 2134

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 18:45    Titel: Antworten mit Zitat

Obelix hat Folgendes geschrieben:
sonst trinkt er lediglich "nur" weniger.


Das wäre ja auch schon mal was. Sollte es jemand schaffen, mit Baclofen seinen Alkkonsum auf ein unbedenkliches Maß herunterzufahren, wäre das m.E. genauso gut wie die Abstinenz. Und wenn er es nur auf ein mehr oder weniger gesundes Maß schaffen würde, wäre es auf jeden Fall eine Verbesserung.
Allerdings weiß ich jetzt nicht, wie problematisch es wäre, zum Baclofen noch zu trinken.
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Obelix
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 18.06.2011
Beiträge: 770

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

surreal hat Folgendes geschrieben:
Obelix hat Folgendes geschrieben:
sonst trinkt er lediglich "nur" weniger.


Das wäre ja auch schon mal was. Sollte es jemand schaffen, mit Baclofen seinen Alkkonsum auf ein unbedenkliches Maß herunterzufahren, wäre das m.E. genauso gut wie die Abstinenz. Und wenn er es nur auf ein mehr oder weniger gesundes Maß schaffen würde, wäre es auf jeden Fall eine Verbesserung.
Allerdings weiß ich jetzt nicht, wie problematisch es wäre, zum Baclofen noch zu trinken.


Mit Baclofen zu trinken ist kein Problem. Meine Menge ist zwar weniger geworden, aber es steigert sich auch wieder langsam. Eine "gesunde" Menge nenn ich das nicht, was ich mit Baclofen trinke. Bin mittlerweile bei 175mg.

Zu Anfangs hat es mir auch geholfen, aber es gehört doch noch etwas mehr dazu, anstatt sich "nur" mit Baclofen zu substituieren.
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Praxx
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 2756

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 20:49    Titel: Antworten mit Zitat

In Frankreich ist Baclofen ganz offiziell sowohl zur Trinkmengenreduktion als auch zur Abstinenzerhaltung zugelassen.
"Abstinenz ist nicht das Ziel, sondern ein mögliches Ergebns einer Baclofenbehandlung" (Prof. de Beaurepaire)
Etwa 30% der "Beginner" brechen ihre Baclofenbehandlung aus unterschiedlichen Gründen ab, vom Rest erreichen und halten ca 80% ihr Behandlungsziel mindestens 12 Monate lang.
Das gilt zumindest bei Anwendung des französischen Behandlungsleitfadens, den Ärzte und ihre Patienten dort gemeinsam erarbeitet haben ("Guide de la Prescription de la Baclofene").
Dabei wird die notwendige Baclofendosis über mehrer Wochen langsam "titriert", um Abbrüche wegen Nebenwirkungen zu vermeiden und ausreichend hohe Dosierungen zu erreichen.

Die "Alpadir"-Studie zB ergab miserable Resultate von Baclofen, mit einer Abbruchquote von 40% - dort wurden viel zu rasch zunächst hohe Dosen aufgebaut und dann aber nicht weit genug gesteigert, während die "Bacloville"-Studie sich am Leitfaden orientierte und das o.g. Ergebnis erbrachte.

@Obelix: Wenn deine Trinkmenge wieder steigt, solltest du überlegen, ob "weitertrinken" für dich wirklich eine geeignete Option ist. 175mg BAC lassen noch viel Luft nach oben, aus der Bacloville-Studie mussten etliche Patienten ausgeschlossen werden, weil sie mehr als die vom Studiendesign vorgesehene Höchstdosis von 300mg benötigten. In Frankreich wurden und werden auch Dosierungen von 400mg und mehr über längere Zeiträume verordnet!

@Gast1225: Köln/Bonn ist Baclofen-Diaspora. Ich habe einige Patienten, die aus der Gegend 1x/Monat nach Oberhausen kommen!

Infos gibt es unter baclofen (punkt) oberhausen (at) g m a i l (punkt) com
Sorry wegen der Schreibweise, aber das Forum lässt keine Mailadressen zu!

LG

Praxx
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gast1225
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 23.05.2015
Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 21:14    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe ja öfters gehört, dass nach sehr langen exesiven und regelmäßiges trinken das Gehirnstoffwechsel im Stammhirn bzw. Belohnungszentrum sich umprogrammiert und nach Alkohol schreit, deswegen auch der Suchtdruck und Entzugserscheinungen bei weglassen des Alkes. DH man ist Alkoholkrank.

Und ist es möglich mit Hilfe einer Baclofenbehandlung denn kaputten Hirnstoffwechsel wieder so herzurichten wie vor der Suchterkrankung?

Natürlich finde ich auch eine Psychotherapie für sehr wichtig, weil man hat ja nicht ohne Grund eine Sucht eingeleitet.


Gruß

gast
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Marle
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 676

BeitragVerfasst am: 7. Nov 2016 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gast,

ich kenne einige Schwerstalkoholiker, die dank Baclofen u. a. zu einem durchaus qualitativ guten Leben gefunden haben.

Nicht, dass es ein Allheilmittel wäre, aber wer von sich aus seinen Konsum in jedem Fall reduzieren möchte und insbesonders wegen "Saufdruck", also dieser fast unerklärbaren Gier nach Alkohol einfach trinken muss, für den ist das ein guter, gehbarer Weg.
So kenne ich einen Alkoholiker, der zuvor täglich min. 20 Flaschen Bier plus nebenbei diverse Schnäpse getrunken hat. Seit nunmehr gut vier Jahren trinkt er, mit wenigen Ausnahmen, nur noch max. 3 - 4 Bier am Tag, die meiste Zeit sogar nur noch 2.
Ich kenne es aber in erfolgreichen Fällen so, dass alle von einem erfahrenen Suchtarzt begleitet wurden.

Eine Suchttherapie im klassischen Sinn macht bei Schwerstalkoholiker m. E. oft wenig Sinn. Das ist, ebenso wie der Weg über Baclofen, eine Möglichkeit für Trinker, die von sich aus wirklich Wege aus der Sucht finden möchten.

Das was Dir Praxx geschrieben hat, hat schon Hand und Fuss!

LG
Marle
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Dark Shadow
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Anmeldungsdatum: 11.05.2016
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 8. Nov 2016 11:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schwöre was das Angeht auf Gabapentin, es darf AFAIK (wg. Off-Label-Use) - nur in Ausnahmefällen - zwei Wochen auf Kassenrezept verschrieben werden, dannach muß es dann Privat bezahlt werden.

http://deutsch.medscape.com/artikel/4901798

Bei mir ist dieser Effekt eher eine "Nebenwirkung", aber egal...
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Obelix
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 18.06.2011
Beiträge: 770

BeitragVerfasst am: 8. Nov 2016 14:14    Titel: Antworten mit Zitat

Praxx hat Folgendes geschrieben:
@Obelix: Wenn deine Trinkmenge wieder steigt, solltest du überlegen, ob "weitertrinken" für dich wirklich eine geeignete Option ist. 175mg BAC lassen noch viel Luft nach oben, aus der Bacloville-Studie mussten etliche Patienten ausgeschlossen werden, weil sie mehr als die vom Studiendesign vorgesehene Höchstdosis von 300mg benötigten. In Frankreich wurden und werden auch Dosierungen von 400mg und mehr über längere Zeiträume verordnet!

Praxx


Praxx, ich werde die Dosis auch erhöhen bzw ich bin schon dabei. Komisch ist, dass ich die ersten Wochen mit 60-70 mg auskam - und NIX getrunken habe, dumm war nur, dass ich wieder anfing zu trinken. 3 Bier und ich war "platt" - so, weil mir dieses "platt" sein aber nicht genug war, mein Hirn nach "Reizschutz" geschrien hat, fing es an, dass ich mich mit anderen Substanzen "geschützt" habe, und ich kurz davor bin poltox zu werden, wenn ich es nicht schon geworden bin. Für mich ist Baclofen zur Zeit lediglich ein Mittel zur Schadensbegrenzung geworden.
Nach meiner anstehenden Entwöhnung werde ich es aber wieder nehmen.
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Tharmas
Anfänger


Anmeldungsdatum: 23.11.2016
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 23. Nov 2016 00:13    Titel: Antworten mit Zitat

Tut mir leid das ich gleich so reinplatze, ABER welcher ARZT verschreibt "Baclofen" als Alkoholsuchtmittelbehandlung?

Baclofen ist als Medikament dafür in Deutschland nicht zugelassen.

Seit September 2014 ist Nalmefen in Deutschland zugelassen. Es wirkt ähnlich wie Baclofen, jedoch an anderen Rezeptoren. Nalmefen ist zugelassen für Patienten, die keine Entzugserscheinungen haben und ihre Trinkmenge reduzieren möchten.

Allen anderen ist zu raten, wirklich in die Klinik zu gehen.

Sorry, aber hallo erstmal.

Confused
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DieDächsin
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 21.03.2016
Beiträge: 333

BeitragVerfasst am: 23. Nov 2016 00:29    Titel: Antworten mit Zitat

hey tharmas.
ärzte können Medikamente als "off-label-use" verschreiben, das heißt bei anderer Indikation. liegt meines Wissens im ermessen des Arztes.
Habe lange in Apotheken gearbeitet und kannte einige Patienten die baclofen bei alkoholabhängigkeit bekommen haben.
lg L.
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Tharmas
Anfänger


Anmeldungsdatum: 23.11.2016
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 23. Nov 2016 01:03    Titel: Antworten mit Zitat

DieDächsin hat Folgendes geschrieben:
hey tharmas.
ärzte können Medikamente als "off-label-use" verschreiben, das heißt bei anderer Indikation. liegt meines Wissens im ermessen des Arztes.
Habe lange in Apotheken gearbeitet und kannte einige Patienten die baclofen bei alkoholabhängigkeit bekommen haben.
lg L.


Wird dann nur intressant, wenn man eine REHA beantragt wegen Alkoholentwöhnung und die RV dann sagt "Ihre Multipler Sklerose, bzw. Spasmen" sind wichtiger. Wink
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Praxx
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 2756

BeitragVerfasst am: 23. Nov 2016 02:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tharmas
dann stellen wir doch mal richtig:

1. Nalmefen hat mit Baclofen nur die letzten 3 Buchstaben gemeinsam. Nalmefen (Selincro) ist ein "Opioidrezeptorantagonist" wie zB auch Naltrexon (Adepend). Es reduziert nicht das Trinkverlangen, sondern unterdrückt den "Belohnungseffekt" des Trinkens - das macht dann keinen Spass mehr und soll dadurch weniger werden. Selincro wirkt nur gering und nur zusammen mit einer psycho-sozialen Behandlung

2. Baclofen ist ein selektiver Agonist am GABA-B-Rezeptor. Es ersetzt die indirekte Alkoholwirkung am GABA-A-Rezeptor, so dass das Gehirn nicht "bemerkt", dass Alkohol fehlt. Aus Tierversuchen ist seit langem bekannt, dass Baclofen die "Selbstadministration" nahezu aller Drogen beim künstlich abhängig gemachten Versuchstier vollständig unterdrücken kann. Es gibt ein Video von Prof. Ann-Rose Childress, das den Effekt bei einem Kokainsüchtigen eindrucksvoll zeigt. Google mal "baclofen dramatically reduces cocaine craving"

Außer mir gibt es in Deutschland einige Hundert weitere Ärzte, die seit vielen Jahren erfolgreich mit Baclofen behandeln. Kein Vergleich mit Frankreich, wo über 10.000 Ärzte bisher mindestens 150.000 Patienten behandelt haben

Baclofen wird ja nicht nur "off-label" sondern auch in höheren als offiziell zugelassenen Dosierungen eingesetzt. Das erfordert Sachkenntnis und einiges an Mut - scheint bei vielen Ärzten zu fehlen, die sonst mit off-label nicht so zimperlich sind. Viele Medikamente werden für andere Zwecke verordnet, als der Zulassung entspricht - darunter fast alles, was für Kinder verschrieben wird.

Die offizielle deutsche Suchtmedizin betrachtet Baclofen als eine Art unerlaubtes Doping, hier gilt: "eine Abstinenz, die nicht täglich erkämpft und erlitten wird, ist wertlos" - wer das nicht hinkriegt, darf in der Gosse verrecken...

Die Kassen übernehmen die Kosten dafür nicht, obwohl eine Baclofentherapie im Durchschnitt nur ca 1.20-1.50 € pro Tag kostet und die Erfolgsquote bei ca 65% liegt

Also, informiere dich erstmal, bevor du hier dummes Zeug postest

LG

Praxx
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DieDächsin
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 21.03.2016
Beiträge: 333

BeitragVerfasst am: 23. Nov 2016 10:57    Titel: Antworten mit Zitat

hey tharmas.
Ich check jetzt nicht wie du plötzlich von baclofen auf Reha kommst, aber ok.
Und wenn du ms hast, ist doch "praktisch" (nicht falsch verstehen, bin selbst betroffen)
lass dir doch baclofen gegen die Spastik verschreiben, evtl kriegst du ja den Nebeneffekt für die alkoholentwöhnung mit. Also mein Neurologe ist da sehr kulant.
hab ne Freundin die bekam elontril gegen ihre fatigue. In den USA ist das zur rauchentwöhnung zugelassen. Seit dem raucht sie nicht mehr, so als positiver Nebeneffekt.
lg L.
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