Baclofen gegen Alkoholismus

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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 26. Apr 2017 23:44    Titel: Antworten mit Zitat

Das GABA-erge System ist etwas komplexer. Einfach Gamma-amino-Buttersäure Einnehmen bringt da jedenfalls nichts... die wird von der reichlich vorhandenen Monoaminoxidase schneller zerlegt als sie reinkommt.
Wie der Einsatz von Benzos, Natrium-Oxybat (=GHB) und anderen GABA-A-Agonisten beim Alkoholentzug zeigt, wirken die schon toll - erzeugen aber selbst "Toleranz".
Baclofen ist dagegen ein selektiver GABA-B-Agonist OHNE Effekt am GABA-A-Rezeptor, der selbst keine Toleranz erzeugen kann.
Phenybut dagegen wirkt an beiden GABA-Rezeptoren und erzeugt dadurch Toleranz.

LG

Praxx
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gast1225
Bronze-User
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Anmeldungsdatum: 23.05.2015
Beiträge: 72

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2017 19:59    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt ja auch Personen die Baclofen aufgrund, wegen andere psychische Erkrankungen oder zu starker Neigung von Nebenwirkungen nicht vertragen. Gibt es auch andere Mittel die genauso wie Baclofen wirken mit weniger Nebenwirkungen und Gleichgültigkeit anderer psychische Erkrankungen sowie keine Toleranz und Abhängikkeitspotenzial?

Und die Fälle wo Baclofen nix gebracht hat (nehmen wir mal ADHS und die oben beschriebene Problematik raus), liegt es an die Motivierung der Patienten oder scheinen bei der ALK Sucht auch andere Rezeptoren beeinträchtigt zu sein, wo selbst GABA b gegen die Sucht nicht mehr ankommt.



Lg

gast
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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2017 22:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gast,
in Schweden wird mit einer neuen Substanz experimentiert, die Einzelheiten müsste ich nachlesen. Könnte aber deutlich nebenwirkungsträchtger als Baclofen sein.
Nicht vergessen: Baclofen beseitigt nur den neurophysiologischen Anteil der Sucht, nicht aber den psychischen Antrieb dazu.
Bei der Firma Indivior wird mit einer Baclofen-Variante geforscht, die eine flacheres Wirkprofil haben und die Blut-Hirn-Schranke besser durchdringen soll (R-Baclofen-Placarbil)
Ansonsten bliebe noch die Behandlung mit Natriumoxybat (=GHB), aber das Präparat "Alcover" ist in Deutschland nicht verfügbar.
Campral kannst du vergessen, das ist nahezu völlig unwirksam - die ganzen Opioidantagonisten (Naltrexon, Nalmefene) haben nur geringe Effekte.

LG

Praxx
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Marle
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1212

BeitragVerfasst am: 13. Mai 2017 01:17    Titel: Antworten mit Zitat

youtube com/watch?v=vkaoOHdotZk
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olafbensen
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Anmeldungsdatum: 14.06.2016
Beiträge: 189

BeitragVerfasst am: 13. Mai 2017 01:42    Titel: Antworten mit Zitat

Alkoholismus ist ne schlimme Sache, lieber ne Limo trinken, als ne Limo fahren unter all. ne ehrlich ist so!
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Marle
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1212

BeitragVerfasst am: 13. Mai 2017 02:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Alkoholismus ist ne schlimme Sache, lieber ne Limo trinken, als ne Limo fahren unter all. ne ehrlich ist so!


Hallo Olafbensen,
ich verstehe den Zusammenhang nicht.
Wieso sollte jemand keine "Limousine" fahren könnten, wenn er keinen Alkohol trinkt?

Und ja, Alkoholismus ist eine schlimme Krankheit. Aber kein Grund zum Aufzugeben!
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Praxx
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 13. Mai 2017 12:12    Titel: Antworten mit Zitat

Halo Marle,

bei Olaf brauchst du nichts zu verstehen, der versteht sich auch selber nicht... wäre ein Kandidat für die nicht vorhandene "ignore"-Funktion...

LG

Praxx
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schrottnik
Anfänger


Anmeldungsdatum: 26.09.2015
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 20. Mai 2017 21:33    Titel: Antworten mit Zitat

Heute abend um 22.40h auf Arte:

"Alkoholsucht: Wundermittel Baclofen?

Baclofen ist ein Medikament aus der Gruppe der Muskelrelaxantien. Könnte es auch ein Allheilmittel gegen Alkoholismus sein? Die neue Therapie ist in der Medizinwelt heftig umstritten. Noch ist sie zur Behandlung von Alkoholkranken nicht zugelassen. Ein Jahr lang hat ein Kamerateam drei von insgesamt 320 Patienten und ihre Ärzte während der ersten großen klinischen Studie begleitet."


Dürfte wohl danach wie üblich noch 7 Tage in der Mediathek verfügbar sein...
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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 20. Mai 2017 23:36    Titel: Antworten mit Zitat

Der Film ist schon alt - die ersten Ergebnisse der BACLOVILLE-Studie liegen seit September 2016 (ESBRA/ISBRA-Kongress, Berlin) vor: Zielerreichungsqote 56% - klingt wenig, allerdings sind 30% der Teilnehmer aus der Studie ausgeschieden - zum Teil abgebrochen, zum größeren Teil "aus der Studie herausgeschrieben" z.B. wegen verpasster Termine oder Verstößen gegen das Protkoll. Von den 70% in der Studie verbliebenen Patienten haben 56% nach 12 Monaten erfolgreich abgeschlossen. Die PP-Analyse (per protocol) ergibt also 56 von 70 = 80%! In meiner Praxis liegt die Erfolgsquote bei ca. 70%
Die Ergebnisse der anderen deutschen ÄrztInnen, die ich kenne, liegen ebenfalls in diesem Bereich (Dr Schnell, Regensburg, Dr Weigel, Gießen), große französische Fachgesellschaften Erfolgsquoten von 78-85% angeben (zB Olivier Ameisen Association, ca 5000 Patienten 2011-2016).
Wer französisch kann, ist bei Baclofen eindeutig im Vorteil - Publikationen von Jaury, Beaurepaire, Granger uvm erreichen deutsche Ärzte nicht...
Die französische Arzneimittelbehörde hat die vorläufige Zulassung ("RTU") erneut verlängert, in Indien gibt die nationale Behandlungsleitlinie für Alkoholiker mit Leberschäden Baclofen als Mittel der ersten Wahl vor. Schon 2009 hat Dr Suvendhu Mishra in einer nicht verblindeten randomisierten Studie die Überlegenheit von Baclofen gegenüber Acamprosat (Campral) nachgewiesen... hat in Deutschland niemand interessiert...

LG

Praxx
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Schlaumeier
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 05.06.2015
Beiträge: 1567

BeitragVerfasst am: 6. Aug 2017 08:48    Titel: Antworten mit Zitat

Baclofen aktuell

Alkohol hat mich mein Leben lang begleitet. Politox war ich "nur" 2 Jahrzehnte. Was am Ende uebrig blieb, jedenfalls bis jetzt, war / ist "Restalkohol". Spiegelkonsum ohne Kontrollverlust, aber (mich) nervend und taeglich. Also hab ich vor ein paar Tagen nochmal mit Baclofen angefangen. Tagesdosis 25 mg. Ich habe aus zwei vormaligen Versuchen gelernt, das erst ein Spiegel aufgebaut werden muss und ich mich ueberdosiert habe. Es ging mal wieder nicht schnell genug, Junkies kennen das. Wink
Also diesmal bei 25 geblieben und abgewartet. Ich muss gestehen, ein Zaubermittel. Nicht vergleichbar z.B. mit Naloxon, dass man bei H einsetzt. Das half bei mir null bis wenig gegen craving. Anders mit Baclofen. Erst weniger Konsum, dann mit ein wenig Wille nix, heute gings wie von allein. Keinen Bock, kein Beduerfnis zu trinken, obwohl ich Wein im Haus habe.
Einziges Manko, mir gehen die Pillen aus und Baclofen ist hier weitgehend unbekannt. Muss in die grosse Stadt (Tagesausflug) um neues zu besorgen und es gibt nur 10 mg. Ausserden sind sie teuer, aber "wat mut, dat mut".
Also halte ich fest, ich bin erst seit ein paar Tagen in "meinem Programm" und wuerde gerne wissen wie lange man so ne Therapie idR. durchzieht? Wie siehts mit der Dosierung aus, geht man irgendwann runter? Ich frage weil ich dann (bei 20 o. 25mg) doppelt soviele Pillen kaufen muesste.

Nebenwirkung: Ich trinke Unmengen an Fluessigkeit, dazu gestern 2 l Milch als Genuss(Bier)ersatz und esse, nee, fresse als gaebs morgen nix mehr.

THX
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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 6. Aug 2017 11:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Schlaumi,

guckst du hier: alkohol und baclofen forum de slash download slash file dot php?id=1238&mode=view

Falls du dafür Mitglied im Forum werden musst - kein Problem! Wirst nicht zugespammt und musst dich nirgends erklären

Alle 5 Tage + 10mg, nach Erreichen der "indifference" ("Threshold-Effekt") kann die Dosis reduziert werden ...

Dosieranweisungen etc gibt es in den Foren, kannst du auch bei mir anfordern unter baclofen dot oberhausen at g mail dot com

LG

Praxx
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gast1225
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Anmeldungsdatum: 23.05.2015
Beiträge: 72

BeitragVerfasst am: 6. Aug 2017 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Sind schon Fälle bekannt, dass Baclofen deshalb bei einigen Personen wirkungslos ist, weil noch andere Neurotransmitter wie Dopamin, Serotonin usw. (lassen wir mal die GABA Neurotransmitter raus) durch den starken Alkoholmissbrauch beschädigt bzw. beeinträchtigt sind.

Lässt es sich auch deshalb erklären warum bei einigen Personen das Baclofen nicht wirkt? Denn was ich nur mitbekommen habe ist, dass bei vielen Personen eine Dosis jenseits 300 bzw. 600mg Marke notwendig ist, um die Blut Hirnschranke zu durchbrechen. Aber ist es realistisch wenn z.B Dopamin, Serotonin usw. stark beeinträchtigt sind, dass ein GABA b Nachschub durch Baclofen egal in welchen Mengen, dann wirkungslos ist und das Craving dann erhalten bleibt?

Gruß

gast
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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3048

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 01:15    Titel: Antworten mit Zitat

Baclofen durchdringt die Blut-Hirn-Schranke nur schwer und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Ähnlich wie Loperamid wird Baclofen durch das Transportprotein "pGP" wieder aus dem Gehirn hinausbefördert, ein "genetischer Polymorphismus" sorgt dafür, dass das in unterschiedlichem Ausmaß passiert.

Mit geeigneten Medikmenten lässt sich pGP blockieren und die Baclofenwirkung verbessern - BITTE KEINE SELBSTVERSUCHE MIT PGB-BLOCKERN! LEBENSGEFAHR!

"Sucht" besteht aus zwei Krankheiten: Einmal den psychischen Auslösern, also der "preaddiction-morbidity", und einer "erworbenen Hirnerkrankung" durch das gestörte Rezeptorgleichgewicht des Gehirns. Baclofen wirkt nur gegen den "organischen Anteil" der Sucht - mit einer Ausnahme:
Baclofen ist zusätzlich ein sehr potentes Anxiolyticum, so dass Alkoholiker mit einer zugrunde liegenden Angststörung ganz besonders profitieren.
Ein Veränderungswunsch und eine Bereitschaft zur Mitarbeit ist für den Behandlungserfolg schon notwendig - nur im Tierversuch genügt die alleinige Baclofengabe, um die "Selbstadministration" von Drogen völlig zu supprimieren.

LG

Praxx
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rock
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 16.03.2015
Beiträge: 2481

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 08:39    Titel: Antworten mit Zitat

Zu Baclofen kann ich nichts sagen, zu Alkohol nur bedingt - ich habe mit 16 aufgehört zu trinken, trinke seither höchstens zwei Biere im Jahr - aber alles Gute kann ich Dir wünschen, Schlaumeier, und das tu' ich auch.
Zeig's Dir, zeig's uns, zeig's der Welt, daß Du nicht der willenlose B'suff bist, für den Dich so Mancher vielleicht mehr oder minder im Stillen hält !
Möge die Übung gelingen Wink Alles Gute !
Cheers
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gast1225
Bronze-User
Bronze-User


Anmeldungsdatum: 23.05.2015
Beiträge: 72

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2017 10:17    Titel: Antworten mit Zitat

rock hat Folgendes geschrieben:
Zu Baclofen kann ich nichts sagen, zu Alkohol nur bedingt - ich habe mit 16 aufgehört zu trinken, trinke seither höchstens zwei Biere im Jahr - aber alles Gute kann ich Dir wünschen, Schlaumeier, und das tu' ich auch.
Zeig's Dir, zeig's uns, zeig's der Welt, daß Du nicht der willenlose B'suff bist, für den Dich so Mancher vielleicht mehr oder minder im Stillen hält !
Möge die Übung gelingen Wink Alles Gute !
Cheers



Hi,

gratuliere dir zu den super Erfolg, dass du im Jahr höchstens bei nur zwei Biere bist, achso ich würde es nicht nur der Welt, sondern auch den gesamten Universum beweisen das auch du nicht der B suff bist. Ja ich weiß wenn mal selber Probleme dann muss man malt die Sau bei anderen rauslassen. Wink
Wünsche dir auch alles alles Gute

Gruß
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