Langzeitsubstitution

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dakini
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 3193

BeitragVerfasst am: 6. Aug 2021 12:58    Titel: Langzeitsubstitution Antworten mit Zitat

oegabs.at/userfiles/files/syllabus_files/syllabus_19_2016.pdf

Hier mal ein Auszug, der mir ins Auge fiel:

"Suppression des Testosteron-Plasmaspiegels
Opioide (exogen und endogen) haben endokrinologische Effekte, die sie unter anderem über die Beeinflussung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden Achse ausüben. Opioide reduzieren die Freisetzung von Gonadotropin-Releasing Hormon (GnRH) im Hypothalamus und damit die Freisetzung von Follikel Stimulierendem Hormon (FSH) aus dem Hypophysen-Vorderlappen. Darüber hinaus unterdrücken Opioide die Produktion von Testosteron und Östrogen im Hoden und in den Eierstöcken (Katz 2005).

Untersuchungen über die Auswirkung von OST auf den Plasma Testosteronspiegel kommen zu dem Ergebnis, dass der Testosteron-Plasmaspiegel bei Männern unter Opioid-Therapie signifikant reduziert ist und dass dieser Effekt bei allen Typen von Opioiden auftritt. Widersprüchliche Ergebnisse gibt es in Bezug auf die Korrelation zwischen der Höhe der Opioid-Dosis und des Testosteron-Plasmaspiegels. Während einige Untersuchungen eine reziproke Korrelation zwischen Plasma-Testosteron und Opioid-Dosis fanden (Bawor et al. 2015; Bawor et al. 2014) konnten andere Studien keinen Zusammenhang zwischen Plasma-Testosteron und individueller Opioid-Dosis herstellen (Gerra et al. 2016).

Typische klinische Erscheinungen von Testosteronmangel sind etwa Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust, sexuelle Dysfunktion (insbesondere erektile Dysfunktion) und Hypogonadismus.

Aufgrund der Studienlage empfiehlt es sich bei Männern in OST den Testosteronspiegel vor Beginn und während der Opioid-Therapie zu kontrollieren.

...Interessanterweise existieren zu dieser Thematik fast ausschließlich Studien mit männlichen Probanden.

Tendenziell ist die Prävalenz der sexuellen Dysfunktion bei Männern in OST unter Methadon (Razemat) höher als unter Buprenorphin. Beim Auftreten von SD unter Methadon stellt die Umstellung auf Buprenorphin eine therapeutische Option dar. Allerdings ist die Datenlage inkohärent und von nicht ausreichender Validität um beim Auftreten von Symptomen einer sexuellen Dysfunktion eine generelle Empfehlung zur Umstellung von Methadon auf Buprenorphin auszusprechen (Yee 2014).

Weitere Faktoren, die neben einem reduzierten Testostern-Plasmaspiegel mit dem Auftreten von SD korrelieren, sind frühe stressvermittelnde Lebensumstände, wie eine traumatische vernachlässigte
Kindheit und das Vorkommen psychiatrischer Begleiterkrankungen (Gerra et al. 2016). Die begleitende Therapie mit Psychopharmaka, Antihypertensiva sowie ein bestehender Nikotinabusus sind ebenso zu nennen. "

Ich sprach dies mehrfach an, da sich zeigt, dass Frauen wie Männer, nach einer Zeit der Substi mit mal bspweise ADs benötigen, vom steigenden Alk Konsum ganz zu schweigen."Stimmungsschwankungen" können durchaus ein Symptom fallender Spiegel sein, wie Kraftlosigkeit,...

Fallende Spiegel der Sexualhormone, sind derart nicht natürlich und nicht wenigen, wäre evtl. geholfen, würde substituiert, was fehlt, anstelle dessen man etwa Antidepressiva gibt, die ihrerseits wiederum die Lipido beeinflussen - und somit die gesamte Hormonlage.

Der Abfall von DHEA (Nebennieren-Hormon) bspweise, die Andropause, geht mit einem relativen Hyperkortizismus (Abgrenzung zur Insuffizienz) einher in Blutspiegeln, was einen ungünstigen Effekt auf Knochen- und Immunsystem haben kann, auch Stressreaktion, Stimmung, Kognition, Gedächtnis, v.a. Affekte werden moduliert.(stimuliert Serotoninneuronen) Einfluss auf Blutgerinnung/Thromboseschutz, Blutzuckerspiegel. (Plasminogen-Activator-Inhibitor-1)

Durchaus helfen ADs zuweilen, wie Caro schrieb. Es kann sich jedoch aus so anfühlen, wie Kamikaze beschrieb. Nämlich dass sie einem den letzten Antrieb nehmen durch ihren neg Einfluss auf Sexualhormone. Immerhin wird diskutiert, etwa den Testosteron Spiegel zu messen, das ist ja schon mal was!

Man könnte auch zur Diskussion stellen, dass so mancher Betroffene nicht mehr raus kommt, wenn ab Mitte 40 die Hormone absinken und damit die Kraft schwindet, jegliche Motivation usw. - na klar, gibt es einen Zusammenhang, würde ich meinen.

Es wurde nicht nur Gegenstand meiner Überlegungen, weil ich selbst betroffen bin nach med Behandlung. Sondern weil ich wahr nehme, über was die Menschen "mit mal klagen". Auch im Umfeld, bei Leuten, die länger clean sind, wird es schwerer im Zeitverlauf - es ist nicht das Alter an sich, sondern was damit einher geht. Es gibt immerhin 70 jährige, die top fit sind. Ich denke, da sind die Spiegel wunderbar Smile

Müdigkeit und Leistungsknick werden als unvermeitbare Altersfolgen oft eingestuft - dabei sind es fallende Androgenspiegel nicht selten. Mein Anliegen leitet sich daraus ab, dass man sich das bei Sucht eigentlich nicht leisten kann - es kann Grund sein, a) krank zu werden und b) nicht mehr aussteigen zu können.

Das ist ein Thema, das mit allerlei behaftet ist. Scham bspweise. Medienberichte. Unwissenheit. Übertriebener Einsatz andererseits. Inkl Jugendwahn. - vs sinnvoller Einsatz.

Immer noch viele Menschen möchten sich nicht äußern - man spürt, wie unangenehm ihnen das Thema ist. Warum eigentlich? Hier wurde ja einiges geschrieben, was auf Ungleichgewichte hindeuten kann - Probleme, wie Fettleber, Gelenkschmerzen, Arthrose, Diabetes, ...Osteoporose, bis verminderte Stressbelastbarkeit. - sozialer Rückzug. Es darf einem doch auffallen, dass vieles davon, zuweilen mit dem entsprechenden Alter korreliert, wo die Möglichkeit, dass die Ursache ein Hormonungleichgewicht, - abfall ist, in Betracht gezogen werden darf.

Mir fiel persönlich auf, dass vor allem Blutgerinnung, Immunsystem (derzeit wahrlich ein Thema) betroffen sind von fallenden Spiegeln, neben der Stimmung: Östrogen, Progesteron,...modulieren Synthese, Freisetzung, Rezeptorbindung,..von Neurotransmittern.

Wenn nun tatsächlich die Spiegel gemessen würden, man sehen würde, dass sie angehoben werden dürften - was dann? Die Therapie stellt eine große Herausforderung dar, weil wenig so wirkt, wie "gewünscht" auf Anhieb. Und ohne eine umfassende Untersuchung, sähe ich bereits neue Probleme auftauchen. Eine einseitige Substi, wäre fatal...Männer würden mit Testosteron (Pflaster, Cremes, Spritzen..) versorgt, ohne auf andere Parameter zu achten, wie Progesteron, Östrogen - man könnte u.a. die Prostata gefährden, usw Shocked Und was ist mit den Frauen? Die kommenn mal wieder zu kurz, weil Männer die Studien machten? (war tatsächlich ein Grund andersorts/vor kurzem gelesen..) Rolling Eyes Wink
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Praxx
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3157

BeitragVerfasst am: 7. Aug 2021 03:31    Titel: Antworten mit Zitat

Es gibt dazu eine schon länger bekannte Untersuchung zur Testosteron-Suppression bei Substituierten. Damals wurde allerdings festgestellt, dass diese Opioidnebenwirkung bei Buprenorphin (Subutex) NICHT feststellbar ist.
Guckst du hier:
https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/3747/1381.pdf?sequence=1&isAllowed=y
Allerdings unterliegt der Testosteronspiegel bei Männern sehr starken Schwankungen, die Konzentration kann bei sexueller Stimulation um 100% ansteigen.
Frauen scheinen nicht betroffen zu sein - da ist bekannt, dass nach dem Beginn einer Methadonsubstitution Zyklusstörungen verschwinden und di Schwangerschaftsrate ansteigt.
Männer dagegen entwickeln unter hochdoiertem Methadon/Levomethadon einen sekundären Hypogonadismus mit Atrophie der Hoden, Erektionsstörungen, Libidioverlust und Antriebsschwäche.
Wie gesagt: Unter Buprenorphin bleibt der Testosteronspiegel norml!

LG

Praxx
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dakini
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 3193

BeitragVerfasst am: 10. Aug 2021 14:23    Titel: Antworten mit Zitat

Huhu Praxx,

das allerletzte, was ich dazu treffen würde, sind allgemeingültige Aussagen - die so definitiv nicht zutreffen. Studien sind gerade bei Frauen sehr vernachlässigt worden, heißt jedoch nicht, dass es nix zu untersuchen gäbe. Ich sichtete so viel dazu, hörte nicht wenige sagen, "die Tage blieben aus", oder "bei Umstellung kamen Hitzwallungen, meine Substitutiosärztin regte an, die Hormne zu bestimmen", usw, dass es dazu wohl kaum anzumerken gibt, was ich gerade las. Rolling Eyes Zudem gibt es durchaus auch andere Medikamente, Bsp. Statine, die im Zeitverlauf sämtliche Sexualhormone purzeln lassen können, so dass auch jene (nach VD) zugeführt werden durften nach Überprüfung - > nicht nur Testo außerhalb Referenz, auch Östrogen und das beim Mann.

P.S Schwankende Spiegel sind meist anzutreffen. Das ist aber kein Grund, Untersuchungen auszusparen. Wohl jedoch der "offizielle". Wenn ich das schon höre! - nimm´s mir nicht übel, aber da sehen Ergebnisse anders aus, als die meisten das gerne hätten offensichtlich. - Probier es doch aus, am besten bei Langzeitkonsumenten Very Happy Das kann man wahrlich einfach überprüfen - den sex Index nicht vergessen...Wink
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dakini
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 3193

BeitragVerfasst am: 10. Aug 2021 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

rosenfluh.ch/media/arsmedici/2019/10/Langzeit-Opioidagonisten-Therapie-was-gilt-es-zu-beachten.pdf

"Bis jetzt existiert keine einheitliche Leitlinie für die Diagnose
und das Management eines opioidinduzierten Hypogonadis-
mus. Symptome eines Hypogonadismus sollten Teil der
Anamnese und der klinischen Untersuchung vor und während
der Opioidtherapie sein."

Es gibt zig solcher Artikel...

Natürlich steht außer Frage, dass nach langem Konsum auch anderes der Grund sein kann für "Unwohlsein". (ich nenne es mal so).
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