Leben nach der Sucht - Bekomme es nicht gebacken :(

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semperfidelis
Anfänger


Anmeldungsdatum: 01.05.2013
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 00:36    Titel: Leben nach der Sucht - Bekomme es nicht gebacken :( Antworten mit Zitat

Kennt ihr das? Man hat die Sucht hinter sich gelassen und freut sich, dass jetzt endlich ein normales Leben weiter geht. Aber dann merkt man, dass man total aus der Gesellschaft draußen ist? Keine normalen Leute kennt... Wie findet man wieder einen Einstieg?

Meine Eltern waren Heroinabhängig vor meiner Geburt. Mein Vater 13 Jahre lang in der Szene und meine Mutter 4. Sie kamen in U-Haft und von dort als Bewährungsauflage in eine Therapie (Siebenzwerge in Konstanz) wo sie sich kennen lernten. Meine Mutter wurde dann schwanger mit mir und ich wuchs bei meinen Eltern auf (im nachhinein muss ich so hart es klingen mag sagen, dass ich nicht sicher bin ob die Ämter/Ärzte da die richtige Entscheidung getroffen haben).

Nach der Scheidung meiner Eltern zog ich mit meiner Mutter in eine andere Stadt. Dort ging dann alles total den Bach runter. Wir stellten fest, dass sie Hep C hatte und mein Vater auch. Die Kohle ging uns aus. Ich musste dann neben einem Vollzeit Jura Studium Vollzeit arbeiten. Beides wurde nichts und das Studium habe ich dann abgebrochen.

Dann habe ich 10 Jahre lang total isoliert gelebt. Ich war nur zu Hause am PC. Ich hab den ganzen Tag gezockt und gefressen und wurde fett. Ich machte einen Internet-Job mit dem ich gerade so auf Hartz IV Niveau kam. Und ich sprach mit keinem mehr. Ich habe z.B. 2003 genau 2 mal mein Haus verlassen und das um um ca. 1 Uhr Nachts zu McDonalds zu fahren. Ich war extrem süchtig nach Internet, Spielen und Essen und mein Leben drehte sich um nichts anderes.
Später hatte ich dann eine Freundin die aber ebenfalls einige extremen Suchtstörungen (und laut einigen Ärzten: Borderline) hatte.

Nun mit Anfang 30 habe ich mich entschieden alles zu ändern. Habe 40 kg abgenommen, wieder studieren angefangen. Meinen Lebenswandel geändert und Kontakte zu meinen Verwandten wieder aufgenommen.

Aber mein Problem ist, dadurch dass ich jetzt zu Hause arbeite und studiere habe ich fast zu keinem Menschen Kontakt. Meine Verwandten tun was sie können aber sie leben alle weiter weg und haben auch ihr eigenes Leben. Unter der Woche sehe ich keine Menschenseele und das macht mich total irre. Gleichzeitig kann ich aber beruflich auch nichts ändern da ich noch Verträge habe und das Fernstudium ist die einzige Möglichkeit neben dem Job einen Abschluß zu kriegen.

Aber das Problem ist, dass ich keine Kollegen oder Kommilitonen habe und auch fast keine Freunde.

Ich bin total draußen aus der Gesellschaft. Kennt ihr das Problem? Wie kommt man wieder rein?

Ich habe mich etwas mit Junkies (von der Straße) unterhalten und habe gemerkt, dass viele genau das gleiche Problem haben. Daher dachte ich mal ich frage ich mal so ob ihr dafür eine Lösung habt. Die Gespräche mit anderen Betroffenen taten sehr gut, da sie mich wirklich verstanden haben im Gegensatz zu normalen Leuten die einfach Ratschläge geben wie: Geh in einen Sportverein! Aber nicht verstehen wie das ist wenn man total draußen ist und total anders tickt als normale Leute.
Ich weiß nicht was ich machen soll. Ich kämpfe auch mit schweren Depressionen.

Ich tue mich auch sehr schwer im Umgang mit den Frauen. Enttäuschungen die ich so erlebe ziehen mich noch weiter runter.

Ich wäre auch an Kontakten mit Leuten interessiert denen es ähnlich geht.
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Caro78
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 29.05.2012
Beiträge: 834

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 09:47    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo semperfidelis,

dass du aus so einer Ausgangslage deinen Alltag umgeschwenkt hast in Richtung Normalität, dass ist schon ganz ganz weit und war bestimmt eine Heidenarbeit.

Das Problem welches du beschreibt kenne ich nicht persönlich aber ich kann mich reinfühlen.
Ich gebe als Tipp manchmal den Besuch einer Selbsthilfegruppe. Es gibt Selbsthilfegruppen bei Depressionen oder Sucht zum Beispiel Narcotics Anonymous.
Dort findest du Kontakt zu Menschen die die Situation kennen und verstehen.

Ein Haustier zB Hund verhilft auch zu Kontakt und leitet zu Spaziergängen an.

Ich finde du bist auf einem guten Weg!
mfg C
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mesut76
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 04.03.2012
Beiträge: 1238

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 10:09    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo

40 Kg abgenommen, wieder am studieren, Arbeit hast du auch. Das sind doch gute Vorraussetzungen, ich würde dir auch erstmal raten in eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen, wobei du jetzt nichts von einer Drogen oder Alkoholsucht geschrieben hast.

Gehts nur um Internet, Zocken und Essen bei dir oder hast du auch ein Alkohol / Drogenproblem ?

Weil so eine Selbsthilfegruppe wird in deiner Situation ganz hilfreich sein, da lernt man Leute mit gleichen Problemen kennen und kann sich austauschen. Man ist dann nicht mehr so auf sich allein gestellt und manche Gruppen unternehmen auch zusammen was usw...

Grüßchen
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mesut76
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 04.03.2012
Beiträge: 1238

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 10:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Semper

ich hab hier noch einen Link für dich, wo einige Freizeitmöglichkeiten aufgelistet sind und wo man dann auch wieder langsam aber sicher in die Gesellschaft reinkommt.

http://forum.suchtmittel.de/viewtopic.php?t=11243

da sind insgesamt 4 Listen

Grüßchen
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campmaster
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 22.07.2012
Beiträge: 623

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 14:07    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hab nach meiner Dorgenzeit die menschlichen Kontakte auch immer als anstrengend empfunden und hab die versucht zu vermeiden. Aber der Mensch braucht das sonst wird er depressiv, ich muss auch eigentlich jeden Tag vor die Tür sonst knick ich alle paar Tage komplett ein.
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semperfidelis
Anfänger


Anmeldungsdatum: 01.05.2013
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 21:17    Titel: Antworten mit Zitat

Ich hatte kein Problem mit Rauschmitteln. Nur meine Eltern die eben Heroin abhängig waren. Ich hatte eine sehr stark ausgeprägte Fress- und Mediensucht. Gleichzeitig habe ich mich aber auch isoliert, eben weil ich das Sozialverhalten meiner Eltern übernommen habe die durch ihre Sucht und allgemein schlechte Erfahrungen mit Menschen geprägt waren.

campmaster hat Folgendes geschrieben:
Ich hab nach meiner Dorgenzeit die menschlichen Kontakte auch immer als anstrengend empfunden und hab die versucht zu vermeiden. Aber der Mensch braucht das sonst wird er depressiv, ich muss auch eigentlich jeden Tag vor die Tür sonst knick ich alle paar Tage komplett ein.


Hast du eine Ahnung warum man das so anstrengend empfindet? Bei meinen Eltern war es bei beiden so. Vielleicht weil sie in ihrer Heroinzeit gewohnt waren stets das zu tun was sie wollen/keine Kompromisse zu machen und auch nicht auf irgendwelche Normen und Regeln zu achten. Ich hatte das Gefühl, dass meine Eltern beide mit Verhaltensregeln oder dieses "sich zivilisiert verhalten" große Schwierigkeiten hatten bzw. haben und daher irgendwie beide gerne allein sind. Vielleicht liegt es daran.

Mir geht es auch so irgendwo. Ich bin wenig Kompromissfähig und ich kann irgendwie keine Ettikette einhalten. Das finde ich wahnsinnig anstrengend.

Aber auf der anderen Seite habe ich auch eine bürgerliche Ader. Normale Leute sagen: "Mensch, du bist ja krass drauf" während die Aussteiger sagen: "Wow, du hast dein Leben aber im Griff". Ich passe zu beiden nicht richtig.
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veilchenfee
Foren-Guru
Foren-Guru


Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 1. Mai 2013 22:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hi,
wenn Du mehr und öfter unter Menschen gingest, würdest Du feststellen, dass Du kein Einzelfall bist. Es gibt nicht nur "schwarz" und "weiß", nicht nur die Bürgerlichen und die Aussteiger. Viele Leute quälen sich, ähnlich wie Du, entsprechen nicht der Norm, sind einsam, wollen bzw. können aber mit ihren Mitmenschen nichts anfangen. Mein Vater ist ein solcher Mensch. Nun ist er 70 Jahre alt und hat vor einiger Zeit immerhin eine Art Freundin gefunden, mit der er sich regelmäßig trifft. Sein einziger echter, langjähriger Freund geht ihm auf den Keks und sonst hat er nur assige Kneipenbekanntschaften, mit denen er im Grunde nichts am Hut hat. Wenn er lange genug daheim vor dem Fernseher saß, hält er es nicht mehr aus und geht raus, aber mit den Leuten draußen kann er auch nix anfangen. Es ist ein Drama.

Vorschläge wie "Sportverein" etc. weist er weit von sich. Er verachtet Leute in seinem Alter, die so leben, wie man halt mit 70 so lebt ... leider weiß ich keine Lösung für das Problem...
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campmaster
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 22.07.2012
Beiträge: 623

BeitragVerfasst am: 2. Mai 2013 12:47    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin wohl durch meine Drogenzeit ein wenig unsicher was Freundschaften und menschliche Kontakte betrifft und hab auch noch schlechte Erfahrungen gemacht.
z.B. hat mir im total bekifften Zustand mal ein Kokser die Nase gebrochen oder meine Kifferfreunde haben sich ein halbes Jahr lang nicht bei mir oder gar nicht mehr gemeldet... mir fallen da noch mehr Geschichten ein...

Hab mich aber trotzdem bei den Süchtigen immer irgendwie zugehörig gefühlt und war deswegen auch lange ganz alleine.

Zum Glück hat sich da jetzt was getan und vielleicht kommt mein Leben wieder ein wenig in Ordnung, bin clean und man muss den inneren Schweinehund auch selbst überwinden und auf andere cleane Leute zugehen.
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eylül
Anfänger


Anmeldungsdatum: 02.05.2013
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 2. Mai 2013 17:56    Titel: mesut76 Antworten mit Zitat

Mesut76

DICH MÖCHTE ICH GERNE PRIVAT IRGENDWIE ANSCHREIBEN.
Ich hab mich hier heute neu angemeldet kenn mich auch hier nicht aus..

Bitte melde dich einfach hier irgendwie oder privat kp.

Ich werde warten .

DANKE
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semperfidelis
Anfänger


Anmeldungsdatum: 01.05.2013
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 2. Mai 2013 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

campmaster hat Folgendes geschrieben:
z.B. hat mir im total bekifften Zustand mal ein Kokser die Nase gebrochen oder meine Kifferfreunde haben sich ein halbes Jahr lang nicht bei mir oder gar nicht mehr gemeldet... mir fallen da noch mehr Geschichten ein...


Meine Mutter hat mal mit einem anderen Junkie ihr letztes Heroin geteilt der daraufhin versucht hat sie zu erwürgen um alles zu kriegen. Die Polizei brauchte 45 Minuten bis sie da waren. Dafür haben einige Afroamerikanische Freunde meiner Mutter den Typen irgendwann später krankenhausreif geprügelt.

Eine Freundin meiner Mutter wurde von ihrem Freund umgebracht.

Und das hat sie in 4 Jahren erlebt. Da will ich garnicht wissen was mein Vater in 13 Jahren Heroinsucht erlebt hat, der aber über die Zeit nicht mehr redet.

Und ich als Kind habe das ganze Misstrauen und den ganzen Zweifel den sie haben voll verinnerlicht. Und das schlimmste ist, dass einfach keiner mich versteht, weil keiner weiß wie es ist, wenn man so aufgewachsen ist.
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loretta
Silber-User
Silber-User


Anmeldungsdatum: 01.02.2010
Beiträge: 177

BeitragVerfasst am: 2. Mai 2013 21:38    Titel: Antworten mit Zitat

HALLO,
es gibt auch selbsthilfegruppen in denen sich kinder von drogenabhängigen eltern treffen,vielleicht ist das was für dich,erkundige dich mal.
loretta
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