gibt es noch hoffnung

Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3 ... 56, 57, 58
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Alkohol
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
ast
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 14.03.2012
Beiträge: 2023

BeitragVerfasst am: 5. Dez 2018 17:27    Titel: Antworten mit Zitat

schattengewächs hat Folgendes geschrieben:

In den Wiederholungs-schleifen von Zwangsgedanken festgezurrt zu sein, stelle ich mir schlimm vor. Ich kenne es nicht, - deshalb fehlt mir wohl die Empathie an dieser Stelle. Sehr wohl aber kenne ich Zwangs-handlungen, wie 40 maliges Händewaschen am Tag (wg. Angst vor Keimen und Bakterien) und zu bestimmten Uhrzeiten immer dasselbe tun zu müssen, feste Rituale, eben.

hmm, ich wage es zu bezweifeln, ob man strikt zwischen Zwangsgedanken und -handlungen differenzieren kann.
zumeist gehen Zwangshandlungen Zwangsgedanken voraus, wobei die Zwangshandlungen dann oftmals der 'Neutralisierung' der Gedanken dienen...

Marie111 hat Folgendes geschrieben:

Als wären Gedanken Tiere, die sich einen Trampelpfad durch einen Dschungel meines Gehirns anlegen.

echt, eine Hammer- Metapher, sehr anschaulich.
whatever it takes, da hilft es wohl nur, ab und zu mal die eingetretenen Pfade zu verlassen und sich ins unbekannte Dickicht zu wagen Arrow
Nach oben
Yez
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 20.04.2016
Beiträge: 2393

BeitragVerfasst am: 5. Dez 2018 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Mohanndes,

ich persönlich kann bösen Menschen nicht verzeihen,
aber trotzdem konnte ich das erlebte so verarbeiten ,
dass es keine große Macht mehr , über mein handeln (Leben) hat .

Ein Therapeut meinte damals zu mir ,
nicht alles muss bis aufs kleinste verarbeitet werden ,
manche Dinge dürfen in die Schublade, gut verschlossen natürlich.

Mir persönlich hat es sehr geholfen, meine ganzen Gefühle und Gedanken aufzuschreiben.
War ein Brief über schätzungsweise 15 D4 Seiten
Adressiert an die „böse“ Person .

Liebe Grüße

Yez
Nach oben
Dr.Mabuse
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 19.02.2015
Beiträge: 2738

BeitragVerfasst am: 5. Dez 2018 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

Zwangshandlungen kenn ich auch...z.b 3 Mal Kontrollieren ob die Herdplatte auch aus ist...

Allerdings ist es bei mir nie schlimmer geworden...momentan seit langem ganz weg...

Problem bei sowas,je länger man wartet desto schlimmer wird's ..

Das ist was Marie gemeint hat,Tiere und Trampelpfad...im Gehirn

Die ganze Zwangsscheisse brennt sich in dein Gehirn,und irgendwann kommste ohne fremde Hilfe gar nicht mehr raus...

Vielleicht kennt jemand Hanka Rackwitz...von mieten,kaufen,wohnen...

Die ist bald 30 Jahre mit der Erkrankung durchs Leben gegangen,und hatte zum Schluss bald 1 1/2 Stunden nur an Zwangshandlungen um überhaupt die Wohnung verlassen zu können...

Sie ist dann in Therapie,aber ich hab die Sache nicht weiterverfolgt wies ihr heute geht ..
Nach oben
dakini
Platin-User
Platin-User


Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 2556

BeitragVerfasst am: 9. Dez 2018 19:53    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Marie,

ich freue mich aufrichtig darüber, dass Du zunächst über eine neue Medikation zu mehr Stabilisation gelangen kannst. Dass solche Medikamente natürlich erst mal entscheidend eingreifen - DAFÜR sind sie da!

Denkspiralen graben sich ein und ja, man kann es mit einer Autobahn vergleichen, die keine Abzweigungen mehr bereit hält - man denkt immer wieder das Gleiche. (auch weniger pathologisch sind sie sehr quälend, hab ich auch schon hinter mir - damals dachte ich, ich werde verrückt)

Menschen verarbeiten Traumata sehr individuell. Nicht umsonst gibt es zig Studien, über die Erfassung darüber, warum es bei dem einen zu einem gesunden Lebensweg kommt, bei anderen in Sucht, sonstigen Pathologien mündet. Ich habe selbst feststellen können: wenn im Lebensverlauf noch einiges hinzu kommt, das zusätzlich dafür sorgt, dass Altes hoch fährt, verbinden sich die Emotionen zu einem grauen Salat, der mehr und mehr zu einem aussichtlos empfunden Weg führt, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Es wird zu einer eigenen/neuen Pathologie, die altes und neues verbindet. Das Gehirn streikt regelrecht. (was zuviel ist, ist zuviel)

So lange wir leben, haben wir die Möglichkeit, zu gesunden - oder zumindest zu mehr Lebensqualität zu kommen. Mir ist bewusst, dass Du weit mehr zu tragen hast, als der Mensch schultern kann.

Es lief aber auch wirklich schlecht für Dich, trotzdem hast Dú studiert, gearbeitet - und im Alter von 40 ging es dann einfach nicht mehr, so dass Du die Rente beantragen musstest. Was hast Du alles noch auf den Weg gebracht! Das spricht für eine große Kraft, ganz besonders unter diesen Umständen.

Du hast in Deinem ersten Poste Deine Problematik gut geschildert. Inzwischen hatte ich mich etwas eingelesen.

Verdrängung wird benannt, aber man weiß offenbar noch zu wenig, trotz PET, fMRT - dort konnte belegt werden, dass die Amygdala offenbar schwächer auf Reize reagiert bei Depersonalisation/Derealisation, was zu abgeschwächten Gefühlen führt - im weiteren Verlauf kann man sich vorstellen, was noch übrig bleiben mag - totale Entfremdung der Außenwelt gegenüber, aber auch sich selbst. Über den Präfrontalen Kortex werden Reize anders aufgenommen, das autonome Nervensystem ist mit betroffen. Man kann sich nun besser vorstellen, wie es zu den Symptomen kommt, die Dich so belasten. Aber alles hatte ja mal einen Anfang...

Zwang ist nicht selten eine Folge von Traumata, generalisierte Angststörungen ebenfalls -> doch die Depersonalisation?

Man fand keine Anhaltspunkte, (nach meinem Stand, der nicht viel besagt, weil ich nur wenig Literatur fand bislang) dass bspweise sex Missbrauch - anders, als schwere dissoziative Störungen zu diesem Leiden führen. Häufiger wurde berichtet, dass Betroffene schon in der Kindheit/Jugend nachdenklicher & introvierter waren. Vielen fehlte ein echter emotionaler Kontakt zu den Eltern aber. (Sorgen, emotionales -> konnte nicht besprochen werden -> die Kinder wurden "abgeblockt")

Kulturelles scheint hingegen Einfluss zu haben. Die Störung tritt in induvidualistischen Gesellschaften häufiger auf, als in kollektivistischen. Ich denke da auch gerade an Deine katholische Erziehung!

Auch Flucht "vor dem vollen Erleben der Wirklichkeit" - als Schutz vor Unerträglichem, besonders Belastendem, wird geschrieben. Aufrechterhalten durch eine zwanghafte Selbstbeoabchtung, auch Kathastrophierung - so entsteht ein Teufelskreis.

Meintest Du diesen vllt auch?

Medikamentös ist man da recht hilflos. Eingesetzt wurde bislang ein AD & Lamotrigin (Antiepileptikum), was einigen Patienten half. Lamotrigin gegen affektive Störungen in dem Fall.

Allerdings kommt hinzu, dass sich Neuroleptika wohl eher neg auswirken. (Johannnes-Gutenberg Uni Mainz/Poliklinik für Psychosomatische Medizin) Man verordnet wohl häufig aus Unwissenheit solche Medis. Die Störung ist recht unbekannt im Klinik-und Praxis Alltag.

Tatsächlich aber scheinen eine Verbesserung der Gefühls - und Körperwahrnehmung genau hilfreich zu sein, wie es in der Klinik angegangen wird (Ergo, Tanzen..). So Stand der Dinge. Ich selbst, dachte da zuerst nur intuitiv dran und las nun lange im Nachinein, dass eben da auch Erfolge liegen für die Betroffenen.

Das bewusste Erleben des Augenblickes ist ja fast schon ein Ausdruck aus der spirituellen Ecke, oder aus der Psychologie - dabei ist es das natürlichste auf der Welt. Doch wir verlernen es zunehmend.

Die Verarbeitung emotionaler Informationen, sind es neg Gedanken und vllt noch Selbstvorwürfe (aber auch Vorwürfe gegen andere) in obsessiver Gedankenform schwächen uns enorm.

Man hat heraus gefunden, dass zuweilen eine leichte Stimulation (tDCS = transkranielle Gleichstromstimulation) des entsprechenden Hirnareals zu einer Verbesserung führen kann, indem die erhöhte Aufmerksamkeit für neg beseitigt werden kann. -> neg Denkspiralen

Immerhin weiß man, dass eine Verringerung der Aktivität im Stirnhirn auch bei Gesunden zu einer sonst nicht vorhandenen Ablenkbarkeit durch neg Informationen führt - andersrum betrachtet.

Symptome konnten auch bei der Depersonalissation mit Hilfe der transkraniellen Magnetstimulation gemindert werden. Ein Hirnareal (Übergang von Temporal - zum Parieltallappen) wird gereizt, das an der Selbstwahrnehmung beteiligt ist. Nach & Wo ging die Symptomstärke offenbar um 2/3 zurück. (kl Studie)

Oftmals wird das Krankheitsbild nicht richtig diagnostiziert - fälschlich als Schizophrenie eingeordnet.

Hier nur ein Brainstorming aus dem Gelesenen:

- Tagebucht führen, Verhaltensweisen erkennen, die Symptome aufrecht erhalten (Voraussetzung ist eine umfassende Aufklärung durch den Behandler)

- über das Tagebuch wird auch transparenter, was hilfreich ist

-Achtsamkeitsübungen, Atmen -> Körper konzentriert
also Emotionas-und Körperwahrnehmung fördern

-Eine Therapie, in der man lernt, sich manchem bewusst zu werden:
Gefühle wurden unterdrückt
Konflikte vermieden
so eigene Bedürfnisse übersehen
diese erkennen lernen

Ängste hemmen. Im Zuge der Auseindersetzung ist es möglich, sich selbst wieder als real wahr zu nehmen

-> BEWÄLTIGUNGSTRAINING

Wie Du schreibst: die Therapeutin, nebst Kollegen (Ergo etc) können Dich sehr unterstützen und wenn Du noch skills/Techniken in die Hand bekommst, nachdem sich das Gehirn beruhigt hat, dank der Medikamente zunächst (solches ist unumgänglich und vernünftig eingesetzt eine große Hilfe - ich hoffe, es passt diesmal!), ist der Weg in die Klinik doch so positiv - bis hier hin schon!, dass ich mich einfach für Dich freue.

Ich weiß: es sind erst mal kleinste Erfolge, die erste Erleichterung...und doch kannst Du bestimmt aufatmen, nach der langen Zeit zuhause, die so viel Leid begleitete?

Wohnst Du denn alleine? Hast Du denn Freunde, die noch da sind? Einen Partner, der Dich versteht? Ich las, dass arbeiten nicht mehr möglich ist und wie lange Dein Leidensweg schon besteht: seit 98. Das sind 20 Jahre!

Ich habe mich noch lange nicht so eingelesen, wie ich mir das wünschen würde. Aber zumindest verstehe ich Dich nun weit besser, werfe nichts in einen Topf, wo es nicht hin gehört...was für mich persönlich wichtig ist.

Danke, dass Du uns Teil haben lässt. Nicht, dass wir keine Probleme heftigerer Natur hätten. Mein Gehirn ist auch nicht, was es mal war...es hat mir aber immer geholfen, Bescheid zu wissen.

Du magst zusätzlich eine seltene Störung haben, zu den Auswüchsen eines Traumas, aber es ist keineswegs aussichtslos! Es gibt mehr, als Hoffnung, es gibt Hilfe!

Alles Liebe und alles erdenklich Gute!
Nach oben
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Drogen-Forum Foren-Übersicht -> Alkohol Alle Zeiten sind GMT + 2 Stunden
Gehe zu Seite Zurück  1, 2, 3 ... 56, 57, 58
Seite 58 von 58
Gehe zu:  
Impressum & Rechtliches
ForenübersichtIndex   SucheSuche   FAQFAQ   LoginLogin