Deutsce Hauptstelle für Suchtfragen

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dakini
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 2954

BeitragVerfasst am: 23. Aug 2020 12:37    Titel: Deutsce Hauptstelle für Suchtfragen Antworten mit Zitat

dhs.de/fileadmin/user_upload/pdf/Broschueren/Suchtmed_Reihe_-_Alkohol_1.pdf

Hier findet sich auf Seite 35 eine Beschreibung, warum auch Methadonsubstituierte verstärtk zu Alkohol greifen, der Spiegel steigt an.

Es gab hier Fragen, Unklarheiten dazu.

Im Weiteren werden auch psychosoziale Faktoren diskutiert. Manche Bereiche - wie dieser, sind durchaus auf Opiatabhängigkeit umzulegen. Auch AD(H)S als Folge mangelnder Bindung, etc, wird dargelegt.

Manch Betroffener überlegt sich, nach Stillstand akuter Sucht, im Suchttherapeutischen Bereich zu arbeiten, das Erwerben des Hintergrundwissens - das wird hier sehr deutlich, ist nicht damit getan, sich mit einem Etikett, wie etwa "psychologische Begleitung" zu versehen. Auch Leute, die in Suchtbereichen arbeiten, wie Gruppenarbeit bspweise, sollten dieses "Grundwissen" erwerben, dachte ich. Dann wären nämlich auch Diskussionen, mit Ärzten wie Praxx, wie auch hier teils nachlesbar, hinfällig.

Ich hätte mich früher einlesen sollen, aber es interessierte mich ja nicht (Suchtbereich nicht mein Thema) - nun wurde jedoch klar, dass ich manches glaubte, was mir erzählt wurde - dem jedoch entgegen Inhalte dieser Broschüre stehen. Ich sagte zu manch anderen, sie mögen sich einlesen in manche Komorbidität, um besser zu verstehen. Nun sah ich, nachdem ich vieles las, dass ich selbst, dies vernachlässigte.

Auf zahlreichen Seiten, die ich nicht alle speicherte, wurde bspweise das kontrollierte Trinken bevorzugt, zudem Möglichkeiten der Begleitung, wie von Praxx wiederholt beschrieben wurden.

Ich suchte nach langfristigen Folgeschäden, die sich durch veränderte Rezeptoren, Atropie von Nervenzellen, in demenzielles, Impulsstörungen, usw ausdrücken können. (Aber wie bei anderem auch, stiegt man tiefer ein in Fachinhalte, ist das ein umfangreiches Unterfangen ...)

Auch die immer wieder diskutierte Frage, wie viel Sucht mit der Familiären Situation zu tun hat, wird aufgegriffen.

Die Seiten der PDF enthalten gute und gesicherte Infos zur Abhängigkeit. Wink
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dakini
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 07.04.2015
Beiträge: 2954

BeitragVerfasst am: 23. Aug 2020 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

PS:
Zusammenfassend kann man sagen, dass alle konkreten Folgeerscheinungen, welche sich langfristig (auch nach langjähriger Abstinenz) zeigen, wie etwa rezidivierende Depressionen, kognitive Einschränkungen etc., stets multifaktoriell bedingt sind und sich damit nicht allein durch die toxische Wirkung auf Zellen erklären lassen (müssen), sondern immer auch mit Umweltbedingungen, wie dem sozialen / familiären Umfeld, der genetischen Ausstattung, physischen / psychischen Traumata zusammenhängen.

Opiatabhängigkeit und Alkoholabusus lässt sich hauptsächlich über die Toxizität des Zellgiftes differenzieren. Die in früherer Zeit noch eklatanten sozialen Auswirkungen von Heroinsucht sind heute (vor Allem durch die Substitutionsprgramme) entsprechend "getarnt" im Hinblick auf gesellschaftliche Einbindung / Entkriminalisierung.

Grundsätzlich gehen Sucht und psychische / psychiatrische Erkrankungen sehr oft Hand in Hand, deren Entstehung in der Regel in der (früh-) kindlichen bzw. Adoleszenzentwicklung begründet liegt.
Man muss jedoch zwischen Persönlichkeits- und (angeborenen) Stoffwechselstörungen unterscheiden (wobei sich in diesem Bereich Vieles überschneidet).

Das bedeutet letztendlich, dass Sucht keine isolierte Erkrankung darstellt, die durch Abstinenz allein "geheilt" werden könnte - was den großen Nutzen therapeutischer Interventionen unterstreicht.
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Praxx
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 25.07.2014
Beiträge: 3113

BeitragVerfasst am: 30. Aug 2020 22:50    Titel: Antworten mit Zitat

"Sucht" bzw "Substanzgebrauchsstörung" kommt als alleinige Erkrankung so gut wie gar nicht vor.
Ich vertrete die Hypothese, dass Suchterkrankungen IMMER aus zwei unabhängigen Störungen besteht:
Die "Preaddiction-Morbidity" muss vorhanden sein, damit ein Substanzkonsum überhaupt als positives Erlebnis empfunden wird, also Erleichterung verschafft, dafür sorgt, dass ich irgendwelche Lebenssituationen besser bewältigen oder ertragen kann.
Dazu kommt dann die substanzbedingte, erworbene Hirnerkrankung namens "Sucht" - ein erworbenes Missverhältnis der Rezeptoraktivität im Gehirn. Sobald "G-Protein-gekoppelte" Rezeptoren beteiligt sind , kommt es zu Toleranzentwicklung. Da G-Protein-gekoppelte Rezeptoren bei chronischer Überstimulation degenerieren (dauerhaft funktionsunfähig werden), entsteht immer wieder Craving zur Herstellung des Rezeptorgleichgewichts, auch Jahre nach dem letzten Konsum.
"Doppeldiagnosen" sind im Suchtbereich quasi normal. Der Screeningtest auf ADHS ist bei 40-60% der Patienten in Suchtkliniken positiv, komplexe Traumafolgestörungen vom depressiv-suchtkompensatorischen Typ, Borderline-Störungen, schizoide und passiv-aggressive Persönlichkeitsstörungen sind häufig.
"Doppeldiagnosen" können stets nur gemeinsam behandelt werden - weder Sucht noch weitere Diagnose können alleine erfolgreich therapiert werden.

LG

Praxx
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Quasimodus
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Anmeldungsdatum: 04.02.2015
Beiträge: 1607

BeitragVerfasst am: 13. Sep 2020 23:23    Titel: Antworten mit Zitat

Ja das stimmt , DD`s sind eigentlich bei uns Suchtis Standard.
Da ist immer noch was , welches nebenbei läuft und sehr stark mit süchtigem Verhalten, Lieblingsdroge, polytox in Zusammenhang steht.
Deswegen tun die Substipraxen ja auch gerne Seroquel,also Neuroleptika bzw AD`s Doxepin, Mirtazepin raus, teilweise wie Smarties, wobei Nutzen und Schaden selten intensiv und individuell untersucht wird.
Erstmal nehmen und bei 200mg Seroquel biste gut bedient, wobei der Nutzen von dem Zeug mMn einzig und allein zum ruhigstellen verteilt wird.
Schlaf mal mit Seroquel und lass es dann mal weg, nach meinetwegen Konsum täglich von 1 Jahr.
Du liegst die ganze Nacht wach und bekommst kein Auge zu.
Schäfchen zählen bis 73455.
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Marle
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1938

BeitragVerfasst am: 14. Sep 2020 13:13    Titel: Antworten mit Zitat

Quasimodus hat Folgendes geschrieben:
Ja das stimmt , DD`s sind eigentlich bei uns Suchtis Standard.

Ich kann das nicht mehr hören.
Doppeldiagnosen sind bei Nicht-Süchtigen mindestens genauso häufig, und proportional noch viel, viel häufiger vorhanden, wie bei Süchtigen. Glücklicherweise gibt es nämlich viel mehr Nicht-Süchtige, als Süchtige.

Nur macht man bei den Nicht-Süchtigen keinen so Aufriss.

Das ganze Geschwätz darüber dient nur dazu, Gründe vorzuschieben, weil die "ach so armen Süchtigen" nicht mit dem konsumieren aufhören können.
Komisch nur: Viele haben es erfolgreich geschafft, und machen keinen solchen Wind über ihre sonstige Wehwehchen. Wink
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Mohandes59
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Anmeldungsdatum: 05.12.2014
Beiträge: 1846

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2020 15:45    Titel: Antworten mit Zitat

Wäre ja schon mal ein Anfang, die Welt nicht in Süchtige und nicht-Süchtige einzuteilen. Die Welt ist nicht schwarz-weiß und jeder Ansatz ein kompliziertes Problem durch monokausale Demkweise zu lösen zum Scheitern verurteilt!

Bestimmt geraten Süchtige durch ihre Lebensweise zwangsweise eher 'in den Fokus' eines Arztes der dann schnell eine Doppeldiagnose findet. Nach ICD-10xxx findet sich immer eine Schublade.

Dazu kommt die Bequemlichkeit vieler Ärzte: eine einmal gestellte Diagnose wird von weiteren Ärzten kaum in Frage gestellt und so zieht sich die ursprüngliche Diagnose dann von Arzt zu Arzt ...

Ähnliches findet sich ja auch bei Medikamenten. Ich bekam einmal, als ich beim Opiat-Entzug Herzrasen hatte, einen Betablocker verschrieben. Den brauche ich eigentlich nicht (und nehme ihn auch nicht), aber er taucht bei meinem Hausarzt im Medikamentenplan immer wieder auf.

Grüße in die Runde, Mohandes
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Mohandes59
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Anmeldungsdatum: 05.12.2014
Beiträge: 1846

BeitragVerfasst am: 15. Sep 2020 15:54    Titel: Antworten mit Zitat

Quasimodus hat Folgendes geschrieben:
... die Substipraxen ja auch gerne Seroquel,also Neuroleptika bzw AD`s Doxepin, Mirtazepin raus, teilweise wie Smarties, wobei Nutzen und Schaden selten intensiv und individuell untersucht wird.

Das stimmt, Neuroleptika und AD's sind bei Ärzten sehr beliebt.

Ich vertrage beide nicht, ich habe bestimmt 10-15 verschiedenen durch und keines hat mir gut getan.

Deswegen verweigere ich Neuroleptika und AD's konsequent (ich würde ich im absoluten Notfall darüber nachdenken) und habe gelernt mit meinen (zeitweise unangenehmen) Schlafstörungen zu leben. Ebenso mit leichten bis mittleren depressiven Verstimmungen - das Leben ist nicht immer nur Sonnenschein.

DIE happy-pill, wenn es sie geben würde ...
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Marle
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1938

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2020 09:55    Titel: Antworten mit Zitat

Wie ver(w)irrt manche Süchtige sind …
Da heben sie heraus, dass sie, als Drogisten, mit den Alkis in den Therapien nix anfangen können, weil Drogensucht doch nochmal ein ganz anderes Kaliber wäre, wie das banale Saufen.
Und kommt einer (nicht süchtig), der „mitreden“ will, dann heißt es: Du hast doch gar keine Ahnung, was Sucht ist. Geh erst mal in meinen (Sucht-) Schuhen, dann kannst Du mitreden.
Um dann die ganz große Philosophie auszupacken, und gleich „die ganze“ Welt aufzufordern, ja nicht zwischen Suchtkranken und Menschen, die (gottseidank) diese Krankheit nicht erworben haben, zu unterscheiden. Laughing

Für was unterscheidet man denn überhaupt zwischen (sucht) krank und gesund/nicht krank?
Weg damit, braucht man nicht mehr. Menschen ohne Suchtveranlagung haben keine Probleme mit Suchtstoffen, aber das bringen wir ihnen schon noch bei im Zuge der Gleichschaltung und Assimilierung. Wink

Was für ein bullshit ist das denn? „Die Welt ist nicht schwarz-weiß und jeder Ansatz ein kompliziertes Problem durch monokausale Demkweise zu lösen zum Scheitern verurteilt!“
Im selben Thread wird die Komorbidität hervorgehoben, und dass sie doch so ganz besonders „die armen Süchtigen“ betrifft.
So schreibt Praxx richtigerweise:
„Die "Preaddiction-Morbidity" muss vorhanden sein, damit ein Substanzkonsum überhaupt als positives Erlebnis empfunden wird, also Erleichterung verschafft, dafür sorgt, dass ich irgendwelche Lebenssituationen besser bewältigen oder ertragen kann.“
Grundlagenprinzip. Nicht immer und bei allem anwendbar, aber bei Sucht zu 99% aller Fälle.

Halt – wir wollen ja in Zukunft nicht mehr unterscheiden …Laughing
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Mohandes59
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 05.12.2014
Beiträge: 1846

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2020 13:30    Titel: Antworten mit Zitat

Marle hat Folgendes geschrieben:
Um dann die ganz große Philosophie auszupacken, und gleich „die ganze“ Welt aufzufordern, ja nicht zwischen Suchtkranken und Menschen, die (gottseidank) diese Krankheit nicht erworben haben, zu unterscheiden.

Ach Marle, mal wieder typisch! Anderen Worte im Mund zu verdrehen - wer hat denn von 'der ganzen Welt' gesprochen? Hast Du doch eigentlich nicht nötig?

Aus "DIE WELT nicht in Süchtige und nicht-Süchtige einzuteilen" wird "DIE GANZE WELT AUFZUFORDERN ...".

Große Philosophie oder Plattitüde? Aber um mich mal selber zu zitieren:

Die Welt ist nicht schwarz-weiß und jeder Ansatz ein kompliziertes Problem durch monokausale Denkweise zu lösen zum Scheitern verurteilt!

Ja, ist so! Die komplexen Dinge anzugehen nach dem Motto 'aus a) folgt b) und dies hat c) zur Folge' funktioniert nicht! Die Welt ist eben nicht ein- (oder drei- bzw vier-) dimensional. Und wenn man diesem Gedanken folgt, dann kann tatsächlich aus einer vermeintlichen Plattitüde echte Philosophie werden.

In der Mathematik gibt es n Dimensionen, also unendlich viele. Das können wir uns mit unserem beschränkten Horizont natürlich nicht vorstellen, aber berechnen läßt sich das. Wenn man die Dimensionen auf geistige Ebene transferiert, dann läßt sich das denken und verstehen.. Alles hängt mit allem zusammen, wußte schon mein Lieblingsphilosoph Sokrates (der übrigens zu den Sophistikern, den Sprachverdrehern seiner Zeit eine klare Meinung hatte Wink).
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Marle
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 1938

BeitragVerfasst am: 16. Sep 2020 15:05    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Die komplexen Dinge anzugehen nach dem Motto 'aus a) folgt b) und dies hat c) zur Folge' funktioniert nicht!

Bei Dir funktioniert das - immer.

Wenn was verdreht ist, dann bei Dir im Kopf.

Aber ist ja Dein Kopf Laughing
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