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Marle
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 2643

BeitragVerfasst am: 7. Mai 2021 14:24    Titel: Antworten mit Zitat

Marle hat Folgendes geschrieben:

Schutzmechanismen - außerhalb - Alkoholismus?

(Ich ahne zwar, was Du damit meinst, aber ganz sicher bin ich mir nicht.)

Grüßle
Marle

Sorry! Soll natürlich SUCHT-Mechanismen heißen!
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Nooria 24
Gold-User
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Anmeldungsdatum: 12.03.2016
Beiträge: 673

BeitragVerfasst am: 7. Mai 2021 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Hat die Auto-Karotte mal wieder zugeschlagen? Laughing

Vielleicht betreffen meine Fragen auch den Alkoholismus - und nur ich hatte sie mir nicht gestellt. . . Rolling Eyes

Weißt Du zufällig, ob und in welchem Zeitraum sich die Gehirnchemie (Rezeptoren) nach jahrzehntelangem Konsum regeneriert und wie man sich sinnvollerweise in der Zeit vor einem Rückfall schützt bzw. wie sehr die Psyche leidet?

Es hieß immer und heißt es wohl auch oft noch: Komplette Abstinenz ist erforderlich, bevor man mit einer Psychotherapie beginnen kann - und damit meine ich nicht nur illegale sondern auch legale Substanzen wie beispielsweise Benzos. Nun habe ich gehört, dass nur noch die Bescheinigung des Substi-Arztes vorliegen muss, dass man beikonsumfrei ist. Stimmt das und findet sich das in irgendeiner Verordnung oder einem Gesetz?

Nooria
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Marle
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 06.10.2016
Beiträge: 2643

BeitragVerfasst am: 7. Mai 2021 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

Nooria 24 hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht betreffen meine Fragen auch den Alkoholismus - und nur ich hatte sie mir nicht gestellt. . . Rolling Eyes

Ich glaube, es war Quasi vor Kurzem, der geschrieben hat, dass seiner Wahrnehmung nach inzwischen in den KHs und Suchtstationen nicht mehr sehr viel Unterschied zwischen den Süchten gemacht wird.
Was zum Teil sicher stimmt.
Zumindest von der Verhaltensstörung, die durch die Sucht ausgelöst wird, gibt es m. E. nicht wirklich gravierende Unterschiede.
Und auch, was die "Gehirnchemie" anbetrifft, ähneln sich die Vorgänge doch sehr stark.
Zitat:
Weißt Du zufällig, ob und in welchem Zeitraum sich die Gehirnchemie (Rezeptoren) nach jahrzehntelangem Konsum regeneriert

Also unsere Körper sind schon Wunderwerke. Manchmal unglaublich, bei welchen Schädigungen sie sich "regenerieren", oder zumindest weitgehendst wieder normalisieren können.
Auf Deine konkrete Frage nach dem Zeitraum, wird Dir aber m. E. niemand eine Antwort geben können, weil das doch sehr individuell verschieden ist.

Bei Alkohol gab es mal eine Untersuchung, die zeigte, dass sich die Schädigung an der "weisen Gehirnsubstanz" (zuständig für Gedächtnisbildung und Lernen) noch über 6 Wochen nach Beginn der Abstinenz fortbildet.

Da häufig Komorbiditäten bei Sucht allgemein, angesprochen hier speziell Alkoholismus und/oder Benzodiazepine Sucht, u.a. Depression, Psychosen, Angst und Panikstörungen, extreme Leistungs- und Stimmungsschwankungen sind, die allesamt durch die diversen Prozesse (Glückshormone) ausgelöst werden, dauert der Weg zurück in eine normale, körpereigen in Gang gehaltene Balance sehr lange.
Oft werden deswegen entsprechende "Hilfsmedikamente", vorzugsweise Antidepressiva verordnet.

Wobei ich es (bzgl. o.g. Störungen und Krankheiten) nicht selten so miterlebt habe, dass es weniger vom Zeitraum der betriebenen aktiven Sucht, als viel mehr von dem Punkt abhängig war, wann Betroffene sehr aktiv von innen heraus einfach nicht mehr zurück in die Sucht wollten.
Wird also, m. E., sehr stark "auch" von der subjektiven Wahrnehmung abhängig sein.
Zitat:
und wie man sich sinnvollerweise in der Zeit vor einem Rückfall schützt bzw. wie sehr die Psyche leidet?

Ich glaube, sorry für den flapsigen Ausdruck, "Edel-Junkies" und "Edel-Alkis", die bereits diverse Therapien und Einrichtungen durchlaufen haben, und die mehr oder weniger therapie- und beratungsresistent sind, wird es nicht gefallen, wenn ich jetzt schreibe:
Die Möglichkeiten, wie man "sinnvollerweise die Zeit bis zu einer einigermaßen sicheren Stabilität", und damit zu einem "Sicherheitsnetz" gegen Rückfälle finden kann, kennt eigentlich jeder.
Niedrigschwelligst - das Forum hier. Dann die bekannten Selbsthilfegruppen. Professionell die Suchtberatungen (ambulant), und/oder therapeutisch geführte Therapiegruppen. Außerdem LZT.
Suchtberatung und LZT sind (relativ) kurzzeitige Hilfsmaßnahmen.
SHG und Austausch mit anderen, in ihrer Abstinenz erfahrene Betroffene, sind m. E. langfristig ausgelegt.
So eine Sucht, die ausnahmslos in jeden noch so kleinen Winkel eines Körpers, der Psyche, ins soziale und berufliche Leben eingreift, und das i.d.R. über viele Jahre, kann man nicht so einfach mit ein bisschen Entgiftung und "gutem Willen" wieder wegbekommen. Ist meine persönliche Meinung und Eigenerfahrung!
Bei Alkoholismus - aber nicht nur - gibt es inzwischen ganz gute Anti-Craving-Medikamente.
Zitat:
Es hieß immer und heißt es wohl auch oft noch: Komplette Abstinenz ist erforderlich, bevor man mit einer Psychotherapie beginnen kann - und damit meine ich nicht nur illegale sondern auch legale Substanzen wie beispielsweise Benzos. Nun habe ich gehört, dass nur noch die Bescheinigung des Substi-Arztes vorliegen muss, dass man beikonsumfrei ist. Stimmt das und findet sich das in irgendeiner Verordnung oder einem Gesetz?

Meines Wissens gibt es therapeutische Richtlinien und Vorgaben, ab wann mit einer Therapie begonnen werden kann.
Bei Alkohol ist das tatsächlich die absolute Nüchternheit. (Macht wenig Sinn jemand zu therapieren, der mit Promille gegenübersitzt.)
Allerdings gibt es inzwischen ja auch die sogenannten "KT-Gruppen". So viel ich weiß - aber bitte nicht verbindlich! - werden auch solche Patienten, die KT betreiben können, heutzutage z. B. bei der Caritas ambulant therapiert. In stationären Einrichtungen garantiert nicht.
In den Suchtkliniken, die ich kenne, bei Alkohol die Null-Promilleregel.
(ggf. werden bis zu zwei Vorfälle nach entsprechender Intervention sogar noch toleriert)
Drogisten von illegalen Drogen (Heroin) bekamen ihr Methadon während der Therapie. BK war ein absolutes Ausschlusskriterium. (Ob das heute noch so ist, weiß ich nicht (sicher).
Medikamentensüchtige wurden regelmäßig kontrolliert. Patienten, bei denen ein entsprechender Spiegel auftrat, mussten i.d.R. gehen.

Allerdings: Bei meinem Benzo-Entzug wurde nach 3 Wochen Entzug bereits niedrigschwellig mit einer Therapie begonnen. (Ich war da schon ziemlich herunterdosiert, litt aber immer noch stark an den Entzugssymptomen.)

Da meine ärztlich verordneten Schmerzmittel von vorneherein mit angegeben waren, durfte ich sie in Selbstverwaltung weiter nehmen. Gelegentlich wurde aber kontrolliert.

Grüßle
Marle
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joe
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Anmeldungsdatum: 28.12.2007
Beiträge: 1061

BeitragVerfasst am: 10. Mai 2021 07:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hey Quasi, alle anderen,
ich war das ja nicht, mit den 22 cleanjahren. meine spirituelle haltung dazu ist dankbarkeit. ich bin dankbar für die menschen, die auf meetings gehen und sie ermöglichen. diese energie hält mich clean und ermöglicht mir einen anderen lebensweg.
das verlangen drogen zu nehmen wurde von mir genommen. tatsächlich weiss ich nicht so wirklich warum, oder wie das passiert ist.
ich konnte aufhören, weil ich um hilfe gebeten habe.
drogen sind nicht die lösung, sondern mein problem. die lösung ist das, was mir geschenkt wurde. ein einfaches spirituelles programm für komplizierte leute. auch bekannt als die 12 schritte von NA.
Nur für heute bewege ich meinen arsch aufs meeting, rufe jemanden an, teile meinen kram und die lösung.
(dank Corona muss ich gar nicht sosehr meinen arsch bewegen, ich kann einfach online oder per telefon aufs meeting)

nur mut, du weisst ja eh bescheid was du machen kannst.
es gibt keinen knüppel der dich hindert.
das ist echt wichtig... GIBTS NICHT.
alles einbildung.

bis denne.
Joe, nur für heute clean
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Haschgetüm
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2455

BeitragVerfasst am: 13. Mai 2021 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Joe.

Bist du eigentlich Sponsor? oder hast du selbst einen Sponsor?

Du bist ja nun schon sehr lange bei den NA und meines Wissens nach gehört es mit dazu anderen zu helfen.
Wie waren deine Erfahrungen damit?

Ich hätte gerne wieder eine Gruppe. Vllt. schau ich mal in einem Onlinemeeting vorbei. Kostet ja nichts.

VG ,

Haschi
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joe
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Anmeldungsdatum: 28.12.2007
Beiträge: 1061

BeitragVerfasst am: 16. Mai 2021 09:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Haschi,
im 12. schritt geht es darum, das weiterzugeben, was ich bekommen habe. dazu gehört das prinzip sponsorschaft in beide richtungen.
die intensität dieser beziehung ist bei den menschen allerdings unterschiedlich. glücklicherweise gibt es auch dazu keine vorschriften. ich nehme das was ich brauche, den rest lass ich liegen. der spruch passt dazu auch ganz gut.
die erfahrungen mit sponsorschaft sind also auch da recht individuell.
es gibt ein ganzes buch über sponsorschaft.
das fürs erste.
viel kraft, alles liebe beim einfach mal machen
Joe, nur für heute clean
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Haschgetüm
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2455

BeitragVerfasst am: 16. Mai 2021 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Joe,

hm. Mich hätten deine persönlichen Erfahrungen interessiert.
Aber trotzdem danke Wink

VG,

Haschi
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joe
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 28.12.2007
Beiträge: 1061

BeitragVerfasst am: 16. Mai 2021 20:27    Titel: Antworten mit Zitat

hallo Haschi,
tja, meine persönlichen erfahrungen.
ich habe jetzt meinen 3. sponsor in 22 jahren. er ist ein wenig älter, etwas länger clean. was ich ausserdem schätze sind seine erfahrungen mit gewaltfreier kommunikation.
ich finde es gut einen mann so zu vertrauen, das ich ihm alles erzählen kann, auch angelegenheiten, die ich mit meiner frau nicht so ohne weiteres bereden kann.
wir telefonieren etwa einmal die woche miteinander, fragen kurz ab wies uns so geht, checken den stand meiner schrittearbeit. (aktuell mal wieder 6.schritt)
wenns brennt kann ich diesen menschen immer anrufen.
ich schätze seine weisheit und das er mich auf dinge hinweist, auf die ich selber nicht komme.
für mich ist es ein interessanter lernprozess, von einem anderen menschen etwas anzunehmen, oder auch um hilfe zu bitten.

ich hoffe, das hilft dir weiter.
liebe gruesse
joe clean 24h
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Haschgetüm
Platin-User
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Anmeldungsdatum: 26.03.2015
Beiträge: 2455

BeitragVerfasst am: 19. Mai 2021 20:51    Titel: Antworten mit Zitat

Hi Joe. Danke dir. Finde ich toll so jemanden zu haben.
Über meine Sucht kann ich nur mit meiner Therapeutin sprechen, aber da werde ich wohl nicht ewig hingehen.
Versuche aktuell meine Scheu zu überwinden ein Meeting zu besuchen. Keine Ahnung was mich eigentlich abhält.
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