Mein erster LSD-Trip oder: Wie man es...

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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
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BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 12:35    Titel: Mein erster LSD-Trip oder: Wie man es... Antworten mit Zitat

... auf gar keinen Fall machen sollte!

Das Ding spielt am 31.10.1984, ich besuche aus Langeweile die Volkshochschule, um den FOS-Abschluss nachzuholen...


Durch ein Pärchen, das sich ebenfalls in unserem FOS-Kurs befindet und von dem wir regelmäßig Dope (Hasch) kaufen, bin ich auf eine neue Droge aufmerksam (gemacht) geworden, von deren Existenz ich zwar wusste, die ich aber noch nie ausprobiert habe. Und Manni hat sie für mich besorgt und heute, am 31. Oktober, zur Schule mitgebracht. Es handelt sich um einen LSD-Trip. Nach Schulschluss fahren Manni, seine Freundin, Tina und ich mit dem Bus nach Wedau und gehen zu Tina ins Zimmer.

Da der größte Teil der Clique illegalen Drogen ohnehin skeptisch, wenn nicht ablehnend gegenübersteht, muss hiervon niemand etwas mitbekommen. Zuerst rauchen wir ein paar Bongs (mit Wasser gefülltes Rauchgerät für Hasch), ich nippe zusätzlich an meinem Whisky. Dann wickelt Manni die - in Alufolie verpackten - Trips aus. Es sind “braune Mikros”, winzige braune Kügelchen, nur wenig größer als ein Körnchen eines Mohnbrötchens. Die Kügelchen enthalten die Säure namens Lysergsäurediäthylamid.

Tina nimmt keinen Trip, weil ihr das zu gefährlich erscheint. Ich nehme mein Kügelchen in den Mund und drücke es mit der Zunge - wie von Manni empfohlen - gegen den Gaumen und reibe es daran. Ich schmecke ein leichtes Eisen-Aroma und spüle das Ding mit einem Schluck Jack Daniels ´runter. Manni und seine Freundin raten mir eindringlich davon ab, zu dieser Fete zu gehen. Man befinde sich auf einem vollkommen anderen Level als die alkoholisierten Party-Gäste und könne mit denen nichts mehr anfangen, sagen sie. Ich solle mit ihnen - Manni und seine Freundin haben auch einen Trip geschluckt - in den Wald kommen. Das sei wirklich besser für mich.

Okay, dieses LSD wird gewiss etwas stärker als Dope sein, aber das, was die Beiden mir da erzählen, erscheint mir gnadenlos übertrieben. Schließlich preist jeder Dealer seine Ware so gut wie möglich an. Nach zehn Minuten verlassen wir Tinas Wohnung, Manni und seine Freundin verabschieden sich in den dunklen Wald an der Sechs-Seen-Platte, Tina und ich gehen runter zur Fete. Ich merke noch gar nichts, befürchte schon, zwanzig Mark für ein Placebo ausgegeben zu haben. Die Fete ist bereits in vollem Gange, doch Mac und ich stehen noch auf dem Hof, quatschen etwas.

Zwanzig Minuten sind vergangen, aber nichts tut sich. Der Bong und der Whisky zeigen Wirkung, es wird eine ganz normale Party werden - auch gut. Es beginnt leicht zu regnen, und Mac meint, dass ein Schirm jetzt ganz angebracht sei. Eine ebenso belanglose wie auch überflüssige Bemerkung, wie ich finde. Schließlich kann man ja in den Keller gehen. Und trotzdem hallen diese Worte seltsam in meinem Kopf nach. So seltsam, dass ich zu lachen anfange. Ein Schirm wäre jetzt ganz gut - ha, welch ein Wahnsinn! Mac lacht auch - eher wohl solidarisch - und merkt an, dass ich ja ziemlich gutes Dope geraucht haben müsse, um so zu lachen.

Ich spüre, dass es nicht an dem Bong liegen kann, vermag es Mac allerdings nicht mehr zu sagen, weil ich viel zu sehr mit dem Lachen beschäftigt bin. Ich lache immer stärker, lache Tränen und kann meinen Atem kaum noch regulieren oder dem Lachen anpassen. Das Lachen dringt aus jeder Pore meiner Haut, ich lache mit jeder Faser meines Körpers, alles in und an mir lacht - ICH BIN DAS LACHEN! Mit den Fäusten trommle ich gegen die Hauswand, kann es nicht mehr aushalten. Ich versuche daran zu denken, an was ich denken könnte, denn irgendwie denke ich nicht mehr.

Das Lachen lässt nach. Plötzlich springt das Haus - ein zweistöckiger Altbau mit Satteldach - zurück. Richtig von mir weg springt es, steht jetzt fünf Meter weiter hinten. Ich begreife es nicht! Das Haus ist jetzt von unzähligen Adern durchzogen, durch die in fluoreszierenden Rot- und Blautönen das Blut fließt. Und es atmet, die Wand hebt und senkt sich. Das ist gar kein Haus, sondern ein steinernes Monster, das bedrohlich auf mich lauert. Faszinierend und erschreckend zugleich. Hin und wieder verlässt jemand den Party-Keller, wahrscheinlich um pinkeln zu gehen oder was weiß ich...

Manch einer quatscht mich an, aber ich sage nichts, weil ich nicht weiß, ob ich noch sprechen kann. Die Gesichter der Gäste sind total verzerrt und wirken sterbend. Irgendwie schaffe ich es, zu dem wenige Meter neben mir liegenden Kellergang zu kommen. Ich will nur noch weg hier und gehe durch die Tür, aus der ich vor Stunden (? - ich habe kein Zeitgefühl mehr) zur Fete gegangen bin. Ich will zur Treppe und dann ´raus auf die Straße. Der Kellergang ist sehr schmal, vielleicht 80cm, und mit ca. 1,85m auch nicht sehr hoch. Die Wände und die Decke sind grob verputzt und weiß gestrichen. Normalerweise. Jede Delle, jede Unebenheit, jedes noch so kleine Löchlein auf/in diesen Flächen stellt jetzt ein Auge dar.

Alle Nebengänge, Zwischenräume, die Wände des Treppenaufganges, einfach alles ist übersät mit Augen in allen möglichen Größen. Und diese Augen werden von allen erdenklichen Farben - und auch von welchen, die es eigentlich gar nicht gibt - durchflossen. Ich bin von einem Augen-Gewitter, einem Augen-Inferno umgeben, und alle Augen wollen etwas von mir, doch ich weiß nicht, was. Ich muss schnell ´raus hier, will endlich zur rettenden Treppe. Aber was ist das?! Ein Spinnennetz versperrt mir den Weg. Das Netz füllt den kompletten Querschnitt des Ganges aus. Das Spektrum der Dicke der recht wenigen einzelnen Fäden erstreckt sich von hauchdünn über haardünn und fingerdick bis hin zu armdick.

Und jeder Faden oder Strang wird wieder von überirdischen, ständig wechselnden Farben durchströmt. Ich greife ins Netz und will es zerreißen, beiße ´rein, aber es ist zu stark. Da gebe ich auf und beschließe, wieder auf den Hof zu gehen. Nur funktioniert das nicht, weil mir jetzt ein zweites Netz den Weg versperrt. Ich bin in diesem Gang gefangen. Meine Augen kann ich nicht schließen, weil es ganz einfach nicht geht. Ich fange an zu heulen, oder besser: Ich vermute, dass ich heule, denn ich spüre keine Tränen. Und bin mir sowieso nicht mehr über die genaue Definition meiner Empfindungen im Klaren.

Ich weiß auch nicht mehr, wer ich überhaupt bin - habe meinen Namen vergessen! Ich versuche krampfhaft, mich daran zu erinnern, einen Bezug zu meiner Person herzustellen, doch es misslingt. Im sterbend-trüben Schein der mickrigen 25W-Kellerbeleuchtung - die komischerweise noch halbwegs normal wirkt - sehe ich jemanden die Treppe herunterkommen. Das schneeweiße Gesicht ist von züngelnden Flammen eingerahmt. Ein kleiner Funke von Wirklichkeit huscht durch meinen Kopf, ich erkenne ein Mädel, bei dem es sich möglicherweise um Patty handeln könnte (denn sie hat rote Haare). “Hey, was machst du denn hier?”, höre ich ihre Stimme sagen. Ich frage - in einer Stimmlage, die mir absolut fremd ist -, ob sie Patty sei.

Und sie antwortet:”Ja, natürlich bin ich die Patty!” - Ich freue mich unheimlich darüber, sie erkannt zu haben und sage ihr das auch. Mit meiner seltsam vernebelten Stimme, die ungefähr so klingt, als wolle ich laut flüstern, versuche ich, ihr zu erklären, dass ich hier gefangen sei, doch Patty hält das wohl für einen Scherz. Sie verlässt den Keller und geht zur Fete. Ich bin wieder allein - mit all den Augen und den beiden Spinnennetzen. Nach unendlich langer Zeit taucht Tina im Gang auf - die ja als Einzige weiß, was ungefähr mit mir los ist -, nimmt mich an der Hand und führt mich hinaus in den Hof. Ich gehe in das Gängschen, das vis-a-vis der Kellertür beginnt und nach vielleicht 30 Metern auf das Haupt-Gängschen trifft, das alle Gärten hinter den Häusern miteinander verbindet.

Dieses Gängschen ist ca. einen Meter breit und zu beiden Seiten von etwa zwei Meter hohen Hecken gesäumt. Die Hecken schießen nach oben, sind viel höher als das Haus. Ich bin in einem Dschungel. Bernie kommt mit seiner verzerrten Fratze des Weges und geht pinkeln. “Das ist der Never-get-back-Trip, da kommst du niemals von zurück!”, sage ich zu ihm. Immer noch laut flüsternd und diesmal auch mit einer für mich untypischen Konstellation der Wörter innerhalb des Satzes. Bernie kann damit natürlich überhaupt nichts anfangen und geht wieder in den Keller. Eigentlich will ich das Gängschen weitergehen, um dann über das Hauptgängschen zur Straße zu gelangen, doch ich blicke in eine undurchdringliche Schwärze - traue mich nicht. So gehe ich wieder zurück auf den Hof.

Ulfs Yamaha - die relativ normal aussieht - steht dort. Ich will mich draufsetzen, doch sie springt weg von mir. Ich stehe zwischen der Kellertür (zum Gang mit den Augen) und dem Gängschen, sehe hinauf zum Himmel und blicke in ein Feuerwerk, wie ich es noch nie gesehen habe. Als Steini, ein weiterer Partygast, zum Pinkeln geht, frage ich ihn, ob wir Silvester haben. “Was ist ´n mit dir los?”, fragt er lachend und setzt seinen Weg fort. Mein Blick fällt auf den Boden, der nun jedoch so aussieht, wie man sich vielleicht die Satelliten-Aufnahme eines tropischen Regenwaldes vorstellen könnte. Nur eben viel, viel farbenprächtiger und strahlender.

Urplötzlich wird dieser Regenwald kleiner, und ich schieße in die Höhe, befinde mich auf einem sehr spitzwinkligen Kegelstumpf. Dessen obere Fläche ist so klein, dass sie gerade einmal meinen Füßen Platz bietet. Ich bin jetzt ungefähr in der Höhe des Hausdaches, aber wenn ich nach unten sehe, erscheint es mir viel höher. Nur ein winziger Schritt zur Seite, und ich stürze unweigerlich ab. Hinab in den hunderte Meter tiefer liegenden schillernden Regenwald. Ich beobachte die Leute, die dann und wann den Party-Keller verlassen, von hoch oben. Zum Glück dauert es nicht sehr lange, bis ich wieder unten bin (obwohl ich natürlich nicht weiß, wie lange ich wirklich oben gewesen bin).Alles um mich herum sieht wieder halbwegs normal aus, nur strahlt es mich immer noch unnatürlich an.

Ich nutze die Gelegenheit dazu, endlich mal zur eigentlichen Party in den Keller zu gehen. Doch gerade drin, geht es wieder mit unverminderter Wucht weiter. Alle Leute sind Skelette, nur mit etwas dünner, fahler Haut bespannte Ex-Menschen, ohne Muskeln, ohne Fettgewebe. Doch mit Haaren, Kleidung und Augen, die tief in ihren Höhlen sitzen. Es läuft Michael Jacksons “Thriller”, der Sound kriecht in fetten, wahnsinnigen Farbschwaden aus den Boxen und kommt zu mir. Ich greife nach der Musik und nehme sie in beide Hände, bin fassungslos, dass ich den Song sehen und fühlen kann. Mein Blick fällt wieder auf die Gäste, die mittlerweile zu schimmeln begonnen haben. Sie haben überall große weiße Flecken, Einigen hängt die Gesichtshaut nur noch in Fetzen herab.

Ich ermahne jeden, dass dies der Angriff aus dem Universum sei, wir werden alle untergehen! Die müssen doch mitkriegen, was hier abgeht - ja, sehen die denn nicht, wie sie verschimmeln?! Aber sie lachen nur. Immer noch läuft “Thriller”, der Song scheint nie aufzuhören. Der ganze Raum versinkt förmlich in den fetten Farben der Musik. Irgendwer gibt mir eine Flasche Cola, ich verlasse den Keller wieder und setze mich draußen auf eine kleine Mauer.

Meine Rest-Logik sagt mir, dass es besser sei, Alkohol zu vermeiden. Ich befürchte, dass die Wirkung des Trips dann noch heftiger werden könnte. Endlich schaffe ich es, mir eine Zigarette zu drehen. Nicht, dass ich Schmacht hätte, aber allein die Tatsache, dass ich eine Zigarette drehen kann, bringt mich der Realität einen großen Schritt näher. Die Flamme des Feuerzeuges sieht auch recht normal aus, doch die Glut der Zigarette hat schon wieder was Seltsames an sich. Sie sieht zwar aus wie Glut, wirkt auf mich jedoch eher wie ein kleiner Klumpen glühenden Stahles; ich fühle, wie eine enorme Hitze auf meine Hand abstrahlt.

Der Rauch eines jeden Zuges fühlt sich an, als habe er die Konsistenz von Zuckerwatte, die sich - in der Luftröhre angekommen - wieder in annähernd normalen Rauch verwandelt. In sehr dicken Rauch, den ich wie ein Staubsauger einsauge. Die Finger, die die Zigarette halten, sind seltsam knochig, so, als wäre ich stark abgemagert. Die Hauswand wabert nur noch leicht, und auch die Adern sind nicht mehr so ausgeprägt wie am Anfang. Ich gehe wieder zurück in den Keller, kurze Zeit später ist der Wahnsinn zurückgekehrt. In meiner Verzweiflung versuche ich den Leuten zu erklären, was in mir vorgeht, aber niemand versteht mich. Vielleicht sage ich aber auch etwas ganz Anderes als das, was ich selber höre.

Jemand schiebt Veronique zu mir, ich soll mit ihr tanzen! Ja, glauben die denn, ich habe Liebeskummer?! Verhält sich so jemand, der Liebeskummer hat?! Und jetzt soll ich tanzen?! Ich weiß nicht, wo oben und unten ist - und soll jetzt tanzen…?! Da stehe ich nun mit Veronique, blicke in ein Gesicht, das für mich wie eine bunte Landkarte mit zwei bunten Riesenaugen aussieht. Wir drehen uns in einem Meer von Farben, Michael Jacksons Thriller und verschimmelnden Skeletten und schießen in die Höhe. Um nicht abzustürzen, klammere ich mich an Veronique fest, denn die Fläche des Kegelstumpfes, den ich gar nicht erkennen kann, ist für zwei Personen eigentlich viel zu klein. Volker und Piero reden auf mich ein, wieder erzähle ich vom “Never-get-back-Trip”. Die Beiden nehmen mich in ihre Mitte und führen mich zur Straße.

Der Weg durch den Kellergang wird zwar nicht mehr durch Spinnennetze versperrt, und auch die Augen sind verschwunden, aber es erscheint jetzt alles wahnsinnig kompliziert. Ich fühle mich wie in einem Labyrinth, wie bei einer Flucht aus der Grabkammer einer Pyramide. Die Decke senkt sich herab, ich kapiere die Funktion der Treppe nicht mehr. Irgendwann sind wir auf der Straße, steigen in Pieros Kadett. Als er den Motor startet, klingt es, als befänden sich hundert brüllende Löwen unter der Haube. Aber mir ist das mittlerweile egal. Ich beginne mich mit dem Irrsinn zu arrangieren, weil ich nicht mehr davon ausgehe, daraus zurückzukehren.

Im Dirschauer Weg angekommen, realisiere ich, dass man mich nach Hause bringen will. Bloß das nicht! Meine Elten riefen sofort den Arzt, und auf Krankenhaus-Horror habe ich überhaupt keinen Bock. Bestimmt wiese man mich in die geschlossene Psychiatrie ein, pumpte mich mit Psychopharmaka voll. Keine harmlose bunte Fete, sondern Anstalt! Ich beknie die Beiden, mich wieder mit zurückzunehmen. Was sie zum Glück auch tun. Als ich vor Ulfs Haus aus dem Auto steige und zum Hauseingang gehen will, trete ich auf der Stelle. Das heißt, ich gehe und gehe, bewege ich mich aber keinen Millimeter vorwärts. Mit Volker und Piero funktioniert es dann aber doch.

Der Weg die Treppe hinunter und durch den Keller ist zwar immer noch kompliziert, wirkt jetzt aber nur noch wie eine mittelschwere Prüfung, die man ohne größere Probleme bestehen kann. Im Party-Keller selbst ist es erstaunlich leer geworden, lediglich ein paar Skelette stehen und sitzen noch an der Theke. Sie interessieren mich aber nicht mehr, ich nehme sie nur noch als gegeben hin. Lothar hat seine akustische Gitarre von oben geholt, beginnt darauf zu spielen. Als er die Saiten anschlägt, fliegen diese weit auseinander und werden von grellen roten und blauen Farben durchflossen. Ich wende meinen Blick ab, trinke einen Schluck Cola - und höre, wie die Flüssigkeit hinabfließt.

Ich sehe an meinem Rumpf herab und sehe die Cola fließen, ich röntge mich, kann aber keine inneren Organe erkennen. Vielmehr sehe ich durch mich hindurch, kann von vorne den hinteren Teil der Sitzfläche des Barhockers, auf dem ich sitze, sehen. Ich lege Daumen und Zeigefinger an meine Wangen, doch in der Mitte meiner Mundhöhle treffen die Knochen der Fingerspitzen aufeinander, greife mir an den Schwanz, fühle jedoch nur Knochen. Jetzt bin auch ich ein Skelett. Mir reicht ´s. Ich nehme ein Weinglas vom Tresen und zerschlage es. Wenn ich mein Fleisch nicht mehr fühle, kann ich mir auch die Adern aufschlitzen. Ulli reißt mir den abgebrochenen Stiel des Glases aus der Hand. Wir gehen nach draußen.

Es ist bereits fast hell. Langsam kristallisiert sich die Umgebung aus der Morgendämmerung heraus.Abgesehen von einem leichten Blau- oder Rotschimmer sieht alles wieder recht normal aus. Für meine Verhältnisse fast schon “unnormal normal”. Ulli fragt mich, ob mir denn nicht kalt sei. Immerhin schreiben wir den ersten November, man kann den Atem sehen, es müssten so 4 bis 5°C sein. Ich trage nur ein T-Shirt, friere aber kein bisschen. Die Sonne kriecht hinter den Häusern der Wolfskuhl (Parallelstraße der Rüsternstraße) hervor. Es sieht wundervoll aus. Alles sieht wunderschön aus: die Sonne, der blaue Himmel, der grüne Rasen, die Hecken, die Wäscheleinen. Wieder und wieder betrachte ich die Umgebung, immer darauf gefasst, von einer unpassenden Farbe, einer explodierenden Sonne oder was weiß ich überrascht zu werden. Doch nichts dergleichen geschieht.

Alle Farben scheinen zwar noch einen Tick zu kräftig zu sein, doch die Dimensionen der Dinge, die Bewegungen der Äste im Wind, die Geräusche dazu - das alles passt wieder zueinander. Vor allen Dingen höre ich Geräusche - und sehe sie nicht auch noch. Nach über zehn Stunden bin ich wieder Herr meiner Sinne. Und überglücklich. Aber auch sehr erschöpft. Ich kann mich nicht entsinnen, rein körperlich jemals so “kaputt” gewesen zu sein. Ich fühle mich, als wäre ich die vergangene Nacht nur gerannt und gerannt und gerannt. Ich habe Hunger. Wir gehen in den Saalbau, wo ich mir ein Schnitzel mit Pommes bestelle. Danach wage ich ein Bier, aber alles bleibt normal. Dann kann ein zweites auch nicht schaden. Immerhin habe ich die eigentliche Fete ja verpasst. Und die muss ich jetzt wenigstens ein bisschen nachholen...

Gruß, Mr. Niceguy
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 15:44    Titel: Antworten mit Zitat

Wow das klingt ja extrem krank. Hab mir auch mal überlegt dass zu probieren, aber wenn du dich fast aufgeschlitzt hast hab ich da doch bammel vor...
War das letztes Jahr oder hast du einfach Oktober mit November verwechselt?
Hast du es in der Zeit noch mal genommen oder würdest du es noch mal nehmen?

Gruss
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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
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BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 17:29    Titel: Re: Mein erster LSD-Trip oder: Wie man es... Antworten mit Zitat

damaLSDicht hat Folgendes geschrieben:
... auf gar keinen Fall machen sollte!

Das Ding spielt am 31.10.1984...


@ Bummer: Siehe Zitat. Is´ schon ein paar Jährchen her Wink . Und wenn man sich nicht so dämlich wie ich anstellt und einfach so ´n Teil schmeißt, ohne sich überhaupt nur ansatzweise darüber klar zu sein, was man da eigentlich einwirft, passiert so was normalerweise auch nicht.

Außerdem handelte es sich um einen 250er, wie ich später erfahren habe, für Anfänger also etwas hoch dosiert.

Gruß, Mr. Niceguy
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 17:37    Titel: Antworten mit Zitat

oh hab ich erst jetzt gesehen^^ Sry.
Naja es klingt schon echt übel... sehr übel...
Einfach zu übel. Fandest du es eher unangenehm so wies klingt oder?

Naja danke für den Bericht Wink
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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 17:53    Titel: Antworten mit Zitat

Bummer hat Folgendes geschrieben:
Fandest du es eher unangenehm so wies klingt oder?


Ich sag´s mal so: Es war natürlich faszinierend, nur wenn sich einem völlig überraschend aus heiterem Himmel eine Geisterbahn öffnet und man so dermaßen aus der Realität gerissen wird, man nicht mal mehr weiß, wer man oder ob man ist und man nichts dagegen tun kann, ist das logischerweise nicht gerade angenehm.

Ich habe danach weitere Trips geschmissen, doch die waren erstens niedriger dosiert, und zweitens war immer mindestens einer dabei, der auch drauf gewesen ist. Und dann war es auch in höchstem Maße lustig. Irgendwelche spirituellen Ansprüche habe ich nie gehabt, ich wollte immer nur Spaß haben...

Gruß, Mr. Niceguy
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 18:08    Titel: Antworten mit Zitat

ok cool.
Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen wie sich vor seinen augen ein haus bewegen kann, oder Menschen wie Skelette aussehen. Das Zeug muss ja unglaublich reinhauen dass man so eine optik bekommt. Unvorstellbar als unerfahrener...
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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 18:40    Titel: Antworten mit Zitat

Soweit ich informiert bin - und ich bin nicht gut informiert -, wird da in der Birne einiges fehlgeschaltet, ein biochemisches Chaos angerichtet. Der Typ, der mir das Teil verkaufte, hat mich ja darauf hingewiesen, nur klang mir das alles zu fantastisch - ich hab´ den für ´nen Schwätzer gehalten...

Gruß, Mr. NG
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

Sag mal gehst du langsam auf die 50 zu? Mitte 40? Dann ersetze ich meinen Slang besser durch eine kultiviertere Ausdrucksweise.
Es ist für mich einfach so unverständlich wie ein Stoff mit 250 Mikrogramm so etwas machen kann. Man sieht sich bewegende Häuser und Skelette. Ich könnte mir so etwas ja bei geschlossenen Augen vorstellen, aber dass sich die Umgebung massgeblich und auf so unvorstellbare Weise verändert kann ich mir im Kopf nicht vorstellen.
Falls der Link nicht gelöscht wird schau dir bitte einmal dieses Video an und sag mir für wie realistisch du das gezeigte einschätzt.

Würde mir beim Vorstellen extrem helfen. Besten Dank

Mfg
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 18:51    Titel: Antworten mit Zitat

http://www.youtube.com/watch?v=X0gyqsPdWFE&feature=related

Dacht ich post ihn extra aber jetzt darf ich noch die 140 Zeichen füllen. So gut is.
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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

Bummer hat Folgendes geschrieben:

1. Sag mal gehst du langsam auf die 50 zu? Mitte 40? Dann ersetze ich meinen Slang besser durch eine kultiviertere Ausdrucksweise.

2. Falls der Link nicht gelöscht wird schau dir bitte einmal dieses Video an und sag mir für wie realistisch du das gezeigte einschätzt.


zu 1.) Ich bin 47, aber Du kannst ganz normal weiter schreiben Laughing . Ich erfülle weder optisch noch von meiner Lebenseinstellung die Erwartungen, die Otto Normalbürger an einen Mann meines Alters stellt. Bin so der Typ Altrocker/-Hippie und sehe jünger aus (ich ging auch mit 18 für 13 durch), was viele dazu veranlasst, mit mir wie mit ´nem Jugendlichen zu reden Rolling Eyes .

zu 2.) Der Link versucht es einigermaßen gut darzustellen. Man kann so was in der Art erleben, nur gibt der Link natürlich bei WEITEM nicht das wieder, was alles möglich ist. Denn prinzipiell ist eben ALLES möglich. Alles, was Deiner Phantasie entspringt oder was man normalerweise nur träumt, kann ins Bewusstsein geholt werden.

Da werden "Türen" im Unterbewusstsein geöffnet, hinter denen sich Dinge verbergen, die in der Welt, wie wir sie kennen, nun mal keinen Platz haben. Und man würde schließlich auch durchdrehen, wenn all das, was an Wissen, Erinnerungen, Gefühlen, Geschmäckern, Bildern usw. im Hirn gespeichert ist, ständig präsent wäre oder willkürlich auftauchte.

Gruß, MNG
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Gonzo
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Anmeldungsdatum: 15.11.2007
Beiträge: 119

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 21:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo erstmal.

Wenn ich auch was dazu sagen dürfte...

@Bummer

Das was das Video zeigt sind nur die otischen Halluzinationen die möglich sind, und das ist bei weitem, wie der erfahrene kollege schon sagte, nur die Spitze des Eisbergs. Worauf es ankommt sind nicht die Sinne sondern das Gefühl das man bei einem psychedelischen Trip hat. Es ist oft so dass man das Gefühl hat zu fliegen obwohl man mit beiden beinen auf dem boden steht. Oft verliert man völlig den Bezug zur Realität und zu seinem eigenen ICH.

Krank finde ich diesen bericht allerdings nicht wirklich. Ich habe selbst schon so ziemlich jede Halluzinogene Droge die ich kenne ausprobiert. Von THC bis hin zu Scopolamin (Engelstrompete), was noch um ein vielfaches stärker ist als jede Dosierung von LSD, und damaLSDicht hat schon recht. Es kommt auf die innere Einstellung an. Wer Halluzinogene konsumiert wird unweigerlich mit sich selbst und seinem Unterbewustsein konfrontiert. Ich selbst hab solche Dinge allerdings viel mehr aus spirituellen Gründen konsumiert um mich selbst zu finden und um mein Bewustsein auf eine Weise zu erweitern wie es auf natürlichem Wege Jahrzehnte dauern würde.

Ich kann nur sagen, wenn es nur die Halluzinationen wären bei so einem Trip könnte man damit noch locker klarkommen, aber das womit nicht jeder klarkommt sind eben nicht die Hallus sondern das Gefühl der Zeitlosigkeit, der ICH-Auflösung. Das Gefühl dass alles was man erlebt tausend mal wiederhallt wei ein Echo, und natürlich das Gefühl das entsteht wenn man die Realität nicht mehr wahrnehmen kann. Aber man kann lernen damit umzugehen. Ja man kann all diese Gefühle und auch Halluzinationen durchschauen wenn man nur erfahren genug ist. Ich will nicht behaupten dass man die volle Kontrolle behalten kann, aber man kann mit genug Erfahrung die Richtung angeben in welche sich das entwickeln soll. Ich habe schon erlebt dass ich mir einen Ort oder irgendeine Situation nur vorstellen musste und schon war ich dort. klar, in Gedanken, aber die Gedanken wurden Realität.

Wenn man gefestigt genug ist und so einen Trip auch richtig genießen kann ganz ohne irgendwelche Ängste oder Sorgen und wenn man es schafft dabei sein Bewustsein zu erweitern dann ist man danach auch nicht geschlaucht. Im Gegenteil. Ich hatte solche Trips schon oft dass ich mich danach wie ein neugeborener Mensch gefühlt habe. Ich hatte neue Energie für mein Leben tanken können und viel neues über mich selbst gelernt. Das ist meiner Erfahrung nach aber nur möglich wenn man auch mit sich selbst im reinen ist. Wenn man nicht versucht zu verdrängen was man während des Trips erlebt und was man bis dahin auch erlebt hat. Das kleinste ungleichgewicht der Seele kann einem zum Verhängnis werden auf einem psychedelischen Trip. Es ist als ob man eine Reise in sein Unterbewustsein machen würde und dieses plötzlich ins Bewustsein ausgeschüttet wird.

Ich hoffe das klang alles nicht all zu klugscheißerisch, aber das sind eben meine persönlichen Erfahrungen mit solchen Drogen und das was damaLSDicht da erlebt hat war bei weitem noch nicht das heftigste was ich schon erlebt habe. Wenn ich das allerdings hier aufschreiben müsste dann würde der Text genauso lang werden wie der Bericht hier und heute hab ich leider keine Zeit mehr dafür. Vielleicht morgen^^.

@damaLSDicht

Ich finds ehrlich gesagt wirklich sehr mutig dass du nach so einem Trip trotzdem noch mehr davon konsumiert hast. Diesen wahren Mumm hat nicht jeder, und gerade du weist bestimmt wieso ich hier von wahrem Mumm rede. Das dürfte jeder wissen der sowas schon erlebt hat^^.

lg Gonzo
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veilchenfee
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 21:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hey damaLSDicht,

Dein Bericht ist sehr schön und plastisch. Hast Du dir das damals aufgeschrieben? Scheint mir fast so, denn nach all den Jahren dürften die Details ja nicht mehr so im Gedächtnis verankert sein. Wenn doch --> Respekt. Ich hätte das nicht so schreiben können bzw. es wäre mir zu anstrengend gewesen.

So ein Bericht hat uns hier echt gefehlt, denn es sind hier viele unterwegs, die keine Vorstellung davon haben, was sie erwartet, wenn sie einfach mal so LSD probieren. Wobei ein ganzer Mikro natürlich schon eine andere Qualität hat als wenn man sich eine Pappe teilt.

Grüße!
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Bummer
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Anmeldungsdatum: 20.08.2009
Beiträge: 129

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 21:53    Titel: Antworten mit Zitat

Glückwunsch zur Jugendlichkeit.

Auch von meiner Seite aus noch mal Danke für den Bericht. Super geschrieben super veranschaulicht. Nur angst hab ich vor dem Zeug trotzdem.
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veilchenfee
Foren-Guru
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Anmeldungsdatum: 18.12.2009
Beiträge: 4066

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 22:00    Titel: Antworten mit Zitat

Dann nimm es nicht, Bummer, wenn Du Angst hast! Diese Droge raubt Dir jede Kontrolle und das für viele Stunden. Das muss man nicht unbedingt und um jeden Preis erlebt haben!
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damaLSDicht
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Anmeldungsdatum: 17.10.2011
Beiträge: 27

BeitragVerfasst am: 18. Okt 2011 22:02    Titel: Antworten mit Zitat

@ Gonzo:

Du hast den Kern der Sache weitaus besser als ich getroffen. Klar, ich habe mich nicht damit befasst und hatte auch völlig andere Beweggründe, denn ich wollte in all den Jahren meines Konsums turnen, turnen und nochmals turnen. Und ob meine nächsten Trips was mit Mumm zu tun hatten, möchte ich vor diesem Hintergrund mal bezweifeln.

Ich verließ mich einfach auf die Aussagen der jeweiligen Dealer, dachte mir einfach, dass die mich schon nicht mit 250ern in den Orbit schießen würden, um dann einen Kunden zu verlieren und möglicherweise Stress mit den Bullen zu bekommen. Die folgenden Trips waren dann auch allemale schwächer, die ich vorsichtshalber auch noch geteilt habe.

@ veilchenfee: Solch eine Reise bleibt natürlich schon im Gedächtnis haften, nur hätte ich die Details nach all den Jahren schon rein chronologisch nicht mehr in die Reihe bekommen. Nein, ich führe seit 1980 Tagebücher, anhand derer ich ein Buch geschrieben habe. Dieser Erlebnisbericht ist also ein Textauszug aus diesem Buch.

Gruß, MNG
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